loading
  • 2. Preis

    © KSP Jürgen Engel Architekten

    Architekten
    KSP Jürgen Engel Architekten, Frankfurt am Main (DE), München (DE), Berlin (DE), Braunschweig (DE), Beijing (CN) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: nsp christoph schonhoff landschaftsarchitekten stadtplaner, Hannover (DE)

    Preisgeld
    30.000 EUR

    Erläuterungstext
    ERLÄUTERUNGSTEXT SPORTHALLEN
    SPORTHALLEN
    Die neuen Sporthallen bilden zum einen den Abschluss des Schulgeländes und zum anderen den Höhepunkt der Sportachse. Sie sind von beiden Seiten optimal angebunden.
    Der Sockelbereich der Sporthallen bettet sich behutsam in das Gelände ein und bildet mit den Hallenfeldern und Außenplätzen eine terrassierte Sportlandschaft. Neben den Sportbereichen beinhaltet er natürlich alle Umkleide- und Nebenraumbereiche. Die oberen beiden Hallenkörper und das Foyerdach sind zu einer Form zusammengefasst. Ähnlich einer Karosserie scheinen sie aus einem Stück geschnitten zu sein. Diese Form lässt sich sowohl als zwei Baukörper mit einem Durchgang als auch als großes Ganzes lesen. Durch eine Glasfuge getrennt, scheint sie über der Sockellandschaft zu schweben.

    KONSTRUKTION
    Der Sockelbereich ist als Stahlbetonkonstruktion ausgebildet. Punktfundamente mit Köcherausbildung zur Aufnahme der Stahlbetonstützen, dazwischen Streifenfundamente (Frostschürze) als Randausbildung der Bodenplatte der Hallen. Die Hallenkonstruktion besteht aus Holzfachwerkbindern, die mit den Außenwänden eine Rahmenkonstruktion bilden.

    MATERIAL
    Die beiden Themen Sockel und Hülle werden auch durch die Materialwahl unterstützt.
    Im Sockelbereich werden die Oberflächen in Sichtbetonqualität erstellt. Nur im Bereich der Prallwände im Hallenbereich werden gelochte Multiplexplatten mit Schallschutzqualität vorgeblendet.
    Die Hülle ist als Holzkonstruktion mit einer Vorhangfassade aus Lamellenstruktur geplant. Beide Themen werden durch eine umlaufende Glasfuge getrennt.

    BARRIEREFREIHEIT
    Die beiden Sporthallen sind sehr übersichtlich auf zwei Ebenen organisiert. Die Haupteingangsebene ist vom Vorplatz eben und vom Schulhof über das seicht ansteigende Gelände leicht zu erreichen. Zusätzlich gibt es auf Schulhofniveau Ein- und Ausgänge, die auch zum Erreichen der Außensportflächen dienen. Selbstverständlich sind beide Ebenen durch einen Aufzug verbunden. Alle geforderten Anforderungen werden optimal erfüllt.

    ENERGIEEFFIZIENZ UND NACHHALTIGKEIT
    Die Grundlage des energetischen Konzepts bildet die Minimierung des Heizwärmebedarfs des Sportzentrums durch eine energetisch hochwertige Gebäudehülle mit hohem Dämmstandard, wärmebrückenoptimierten Bauteilanschlüssen und hoher Luftdichtheit mit geplanter Dichtheitsprüfung. Mit Dämmstärken von 18 cm bzw. 26 cm im Fassadenaufbau (Sockelbereich bzw. Holzrahmenwände), 24 cm im Dachaufbau und 12 cm für erdberührende Bauteile sowie durch den Einsatz von 3-fach Verglasungen werden die Bauteilanforderungen der künftigen EnEV 2013 deutlich unterschritten. Über die nach Norden orientierten Sheds in der Dachkonstruktion werden die beiden Sporthallen mit Tageslicht versorgt. Der diffuse Tageslichteintrag gewährleistet eine gleichmäßige und blendfreie Belichtung der Hallen. Ergänzt wird das Belichtungskonzept durch eine tageslichtabhängig gesteuerte künstliche Belichtung der Hallen sowie eine präsenzabhängig gesteuerte künstliche Belichtung der Nebenflächen. Ein weiteres Energieeinsparpotenzial bietet der Einsatz energiesparender LEDs als Leuchtmittel. Neben dem Vorteil einer gleichmäßigen und blendfreien Belichtung der Hallen trägt die Tageslichtversorgung der Hallen über nordorientierte Sheds zu einer Minimierung der sommerlichen Wärmeeinträge und damit zum sommerlichen Wärmeschutz bei. An vertikalen nach Süden orientierten transparenten Fassadenflächen werden sommerliche Wärmeeinträge durch den Einsatz von Sonnenschutzverglasungen in Verbindung mit baulichen Überständen wirksam reduziert. Zur Sicherstellung der raumlufthygienischen Qualität sieht das Konzept eine mechanische Belüftung mit hocheffizienter Wärmerückgewinnung vor. Um den Energiebedarf der Belüftung zu begrenzen, erfolgt die Belüftung im Sommer vorrangig durch natürliche Fensterlüftung, ggf. unterstützt durch die mechanische Lüftungsanlage (Alternativbetrieb). Die Wärmeversorgung des Sportzentrums erfolgt unter Nutzung vorhandener Ressourcen über Fernwärme. Diese wird im Versorgungsgebiet der Stadtwerke Wolfsburg in den Heizkraftwerken der VW Kraftwerk GmbH nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) primärenergetisch günstig erzeugt. Als Übergabesystem der Heizwärme ist eine Sportbodenheizung vorgesehen, die einen hohen thermischen Komfort gewährleistet. Einen wesentlichen Schwerpunkt des Versorgungskonzepts bildet jedoch die Nutzung erneuerbarer Energien. Günstige Voraussetzung hierfür bietet die in der Wettbewerbsauslobung genannte Möglichkeit, das angrenzende Freibad als Energieabnehmer in das Versorgungskonzept zu integrieren. Dies erlaubt den effizienten Einsatz einer thermischen Solaranlage mit einer Dimensionierung, die ausreicht, neben der Trinkwarmwassererwärmung auch signifikant zur Deckung des Heizwärmebedarfs beizutragen. Die mit einer solchen Dimensionierung üblicherweise einhergehenden kritischen sommerlichen Überschüsse können in die Wärmeversorgung des Freibades eingespeist werden. Unter Nutzung des baulichen Synergieeffektes erfolgt die Montage der thermischen Sonnenkollektoren vorteilhaft auf den südorientierten, optimal geneigten
    Rückseiten der Sheds. Diese bieten zudem ausreichend Platz, um zusätzlich eine Photovoltaikanlage zur Teildeckung des elektrischen Energiebedarfs des Sportzentrums zu installieren. Alternativ ist auch der Einsatz der recht neuen und innovativen Technologie kombinierter photovoltaisch-thermischer Sonnenkollektoren, die
    gleichzeitig Wärme und Strom erzeugen, denkbar. Neben der hohen Energieeffizienz und der resultierenden Begrenzung der Betriebskosten des Sportzentrums erfüllt der Wettbewerbsentwurf darüber hinaus höchste Anforderungen an eine nachhaltige Bauweise. Für das Dachtragwerk ist eine Holzkonstruktion vorgesehen. Die primäre Fassadenkonstruktion wird als Vorhangfassade ebenfalls in Holzrahmenbauweise ausgeführt. Dies gewährleistet am Ende der Lebensdauer eine vollständige Trennbarkeit der Konstruktion und die Rückführung der Komponenten in die jeweiligen
    Wertstoffkreisläufe. Schließlich vermeidet die Anbindung des Sportzentrums an das bestehende Fernwärmenetz die herstellungsbedingten Umweltwirkungen und Investitionskosten sowie Folgekosten, die durch alternative, neu zu errichtende Energieerzeugungssysteme entstehen.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Arbeit zeichnet sich dadurch aus, dass sie mit landschaftsplanerischen Mitteln einen definierten großen Rahmen aufspannt, in dem vielfältige Lernorte von der Schule selbst gestaltet werden können.

    Der Eingangsbereich ist großzügig und einladend, zugleich bietet er unterschiedliche Begegnungsmöglichkeiten durch kleine Inseln mit Sitzkreisen und Baumgruppen. Das unmittelbare Umfeld der bestehenden Gebäude ist mit Wegen und Plätzen als kontinuierliche Fläche intensiv gestaltet, im Detail allerdings nicht immer plausibel. Im Zentrum bildet sich eine große Begegnungsfläche, die für alle drei Schulformen gleichermaßen erreichbar ist.

    Je weiter man sich von den Gebäuden entfernt, desto größer werden die gestalterischen Freiräume für die Nutzer. Alle erforderlichen programmatisch fixierten Einzelnutzungen sind gut in die Anlage integriert.
    Die Anlage entwickelt sich wie selbstverständlich dem natürlichen Gelände folgend und endet inszeniert ansteigend in dem zentralen Übergang der Turnhallen, der einen weiteren attraktiven Eingang für das Gesamtgelände bietet. Von der Straße am Schwimmbad aus sitzt der Übergangsraum präzise am Ende einer kleinen Platzfläche, die sehr schön und einladend vom öffentlichen Raum in das Schulgelände überleitet.

    Die Sporthallengebäude sind klar und übersichtlich gegliedert in eine obere Zugangsebene für die externen Zugänge zu den Tribünen und einer unteren Ebene für die Umkleiden und die Zugänge zu den Hallen. Auf der oberen Ebene fehlen Nebenräume für z.B. Toiletten, ohne die
    eine externe Nutzung nur eingeschränkt funktioniert. Die äußere Gestaltung der Baukörper ist angemessen, selbstverständlich und harmoniert mit dem Landschaftsentwurf.

    Der geforderte Mindestenergiestandard wird erreicht; es wird der Niedrigstenergiestandard angestrebt. Der vorgeschlagene Einsatz von regenerativen Energien ist umfänglich. Das Konzept ist energetisch und technisch stimmig; ein wirtschaftlicher Betrieb des Gebäudes ist zu erwarten.