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  • 2. Rundgang

    Halleneingang, © raumwerk

    Architekten
    raumwerk Gesellschaft für Architektur und Stadtplanung mbH, Frankfurt am Main (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Thorsten Wagner , Jon Prengel , Sonja Moers

    Mitarbeit
    Susann Flade, Mirjam Buchwalsky, Sebastian Moos

    In Zusammenarbeit mit:
    Tragwerksplaner: imagine structure GmbH, Frankfurt am Main (DE), Köln (DE)
    Energieplaner: ee concept gmbh, Darmstadt (DE)
    Landschaftsarchitekten: realgrün Landschaftsarchitekten, München (DE)

    Erläuterungstext
    Städtebauliches Konzept

    Der Neubau der beiden Dreifachsporthallen für Fallersleben wird als klarer und eigenständiger Baukörper südlich der bestehenden Schulgebäude parallel zur Erschließungsachse des „Sportzentrums am Windmühlenberg“ positioniert. Mit der leichten Verdrehung zum Raster der Schulgebäude behalten die neuen Turnhallen ihre Eigenständigkeit gegenüber der Schulstruktur, positionieren sich zur Grünachse des „Sportbandes“ und erzeugen mit ihrem Gebäudevolumen die erforderlichen Raumkanten, um die städtebauliche Situation an diesem Ort neu zu definieren. Die unterschiedlichen Nutzungen des „Sportbandes“ werden durch das neue Sportgebäude sinnvoll ergänzt und erhalten ihren baulichen Schwerpunk und damit eine klare Orientierung im umgebenden Freiraum.

    Erschließung

    Das Gebäude nutzt die vorhandene Topographie des Geländes: das Erdgeschoss ist im Osten in den Hang gebettet, so dass der Zugang für die Gäste barrierefrei erfolgen kann. Ebenso sind die sich gegenüberliegenden Eingänge für die Sportler im Süden und für Schüler im Norden in das umgebende Wegenetz eingebunden und schaffen die niveaugleiche Verknüpfung zu den bestehenden Nutzungen des Areals.
    Im Innern ergibt sich eine Erschließungsachse in Nord-Südrichtung, an der alle Zugänge der beiden Dreifachsporthallten erreicht werden. Dieser Hauptweg ist an beiden Enden und in der Mitte durch einen großzügigen Luftraum von oben belichtet, der die einfache Orientierung für Schüler und Sportler sowie kurze Wege in dem kompakten Baukörper ermöglicht.

    Nutzung, Flexibilisierungskonzept

    Im Erdgeschoss des neun Gebäudes sind alle für die Sportler erforderlichen Nutzungen untergebracht: Umkleiden, Duschen, Sanitärräume und die ergänzenden Nutzungen für Lehrer und Hallenwart. Fast alle Bereiche sind natürlich belichtet und belüftet und folgen einem einfachen Ordnungsprinzip.
    Im Obergeschoss befindet sich der repräsentative Zugang für die Gäste mit dem Foyer- und Eingangsbereich. Die großzügig verglasten Ostfassade, das Foyer und die zentrale Erschließung zwischen den beiden Hallenteilen bieten interessante Ein- und Durchblicke für die Zuschauer und ermöglichen auch hier eine einfache Orientierung der Gäste im gesamten Gebäude.

    Baukonstruktion, Material

    Der kompakte zweigeschossige Baukörper für die beiden Sporthallen ist aus Stahlbeton und Stahlbetonfertigteilen (Sheddach) konstruiert. Die umschließenden Wände im Norden, Süden und Westen haben eine vorgehängte hinterlüftete Fassade aus großformatigen farbigen Blechpaneelen. Die nachhaltigen Baustoffe (Beton, Mineralwolle, Metallblech) bieten ein ausgewogenes Verhältnis von Wärmeschutz- und Speichereigenschaften und gewährleisten durch den natürlichen Austausch der Luftfeuchtigkeit ein angenehmes Raumklima.
    Das äußere Erscheinungsbild ist geprägt von der Körperhaftigkeit der Fassade. Der graue Sichtbeton der umfassenden Rahmenkonstruktion steht mit seiner Rauigkeit in Kontrast zu den Glasflächen im Osten und den glatten, matt glänzenden Metallpaneelfüllungen, die um ca. 40cm von der Vorderkante der Fassade zurückgesetzt ist. Je nach Lichteinfall und Standpunkt des Betrachters verdichtet sich die Metallstruktur und erzeugt ein wechselvolles Spiel auf der Fassade.
    _Tragwerk: Die shed-artig gegliederten Dachflächen der beiden Sporthallen werden oberhalb der mittigen Erschließung in zwei Felder getrennt und sind feldweise mit Stahlbeton-Fertigteilen überspannt. Jedes Shed besteht aus einem Stahlbetonfertigteilträger, der am Auflager in die Stahlbetonaußenwände und in Gebäudemitte in Stahlbeton-Unterzüge eingebunden ist, die ihrerseits durch ein Stützraster getragen werden. Den Abtriebskräften der abgewinkelt geformten Dachträger neigen sich schlanke Stahlstreben entgegen, die diese Kräfte koppeln und Lichtbänder für den Halleninnenraum ausbilden. Sie bestehen aus Vollstahlprofilen, die durch Einbauteile mit den Fertigteilträgern verbunden sind. Die schlaff bewehrten und leicht überhöhten Träger leisten den vollen Lastabtrag, so dass kein Fachwerk im Lichtband angeordnet werden muss und auf Diagonalen verzichtet werden kann.
    Die Flachdecken der Nebennutzungen sind in Ortbetonbauweise und überwiegend Mauerwerkswänden vorgesehen. Die horizontale Aussteifung erfolgt über das räumliche Zusammenwirken von tragenden Wänden und der Scheibenwirkung der Geschoss- und Dachdecken. Als Gründung wird je nach Bodenbefund eine Flachgründung mit in eine Bodenplatte eingebundenen Streifenfundamenten vorgesehen.

    Bauabschnitte

    Das neue Gebäude kann unabhängig von den beiden bestehenden Sporthallen errichtet werden, da es sich westlich an die Bestandsgebäude anschließt. Damit ist eine 100%ige Nutzung auch während der gesamten Bauzeit gewährleistet.

    Energetisches Konzept

    Das neue Gebäude für die beiden Dreifachsporthallen in Fallersleben erreicht den EnEV 2013 Standard minus 5% einerseits durch die kompakte Bauweise und dem daraus resultierenden sehr günstigen AV Verhältnis, andererseits durch die umlaufend hochwärmedämmende Gebäudehülle mit einem durchschnittlichen U-Wert von 0,2 W/qmK. Damit kann die für die Beheizung erforderliche Energie möglichst gering gehalten werden und der verbleibende Bedarf über eine effiziente Anlagentechnik unter Einbeziehung regenerativer Energien gedeckt werden.
    _Winter: über den Fernwärmeanschluss wird eine Fußbodenheizung versorgt und erzeugt von unten eine gleichmäßige Temperaturschichtung im gesamten Gebäude. Zusätzlich deckt ein Wärmespeicher den Warmwasserbedarf. Um die Lüftungswärmeverluste im Winter zu minimieren, werden die Sporthallen über eine kontrollierte Lüftungsanlage mit effizienter Wärmerückgewinnung belüftet (75% Wärmerückgewinnung).
    _Sommer: Über die Lüftungsanlage findet eine Querlüftung mit reduziertem Luftvolumenstrom statt. Um Zugerscheinungen zu vermeiden und die Behaglichkeit zu steigern, wird eine große Anzahl von Luftauslässen umgesetzt. Die Luft wird unter den Tribünenrängen wieder abgesaugt. Um der sommerlichen Überhitzung entgegen zu wirken, wird zusätzlich zur natürlichen Nachtabstrahlung eine erhöhte Nachtluftspülung genutzt.
    Das nord-süd orientierte Sheddach ist für die Nutzung der Sonnenenergie optimal ausgerichtet: einerseits wird über die Nordverglasung eine konstant gleichmäßige, blendfreie, für Sportler optimale Lichtverteilung im Innenraum erreicht, andererseits werden die Südseiten der geschlossenen Sheddachflächen mit Photovoltaikelementen belegt, um so den Großteil des eigen Strombedarfs decken zu können. Zusammen mit der solaren Nutzung des Daches kann ein EnEV 2013 Standard bis minus 35% erreicht werden (Niedrigstenergiegebäude). Optional können mit Hilfe von Flachkollektoren auf der Südseite der Sheddächer die solaren Wärmegewinne auch für die Brauchwassererwärmung des benachbarten Schwimmbades genutzt werden.


    Freiraumkonzept

    Ziel des Entwurfs ist die Entwicklung differenzierter vielfältig nutzbarer Freibereiche und die Integration und konsequente Weiterentwicklung der Bestandsstrukturen unter Berücksichtigung des ortsbildprägenden Baumbestandes. Begriffe wie Transparenz und Durchlässigkeit, soziale Kontrolle, Enge und Weite, Licht und Schatten, Flexibilität, Mehrfachnutzbarkeit, Nutzungsoffenheit und individuelle Aneignung, wie auch Ökologie und Nachhaltigkeit, Robustheit und Kostenbewusstsein in Herstellung und Unterhalt bestimmen die freiraumplanerische Herangehensweise.
    Ein großzügiger repräsentativer Vorplatz an der Karl-Heise-Straße bildet den Auftakt des Schulensembles. Die Busvorfahrt ist integraler Bestandteil des Eingangsplatzes und zoniert mit dem Wetterschutzdach der Haltestelle den angrenzenden Straßenraum. Die erforderlichen Nebengebäude für Fahrräder und Müll fassen die westliche und östliche Platzkante und der bestehende Kiosk mit Freisitzfläche ist in das Gestaltungskonzept integriert.
    Gruppen aus Schirmkiefern erzeugen in Verbindung mit dem erhaltenswerten Baumbestand ein signifikantes identitätsstiftendes Erscheinungsbild und befördern die klaren Adressbildung im umgebenden heterogen Stadtraum. Frei gruppierte Sitzelemente in Sonnen- und Schattenbereichen stärken die Aufenthaltsqualität. Das offene nicht hierarchisierte Gestaltungskonzept unterstreicht dabei den multifunktionalen Charakter dieser Platzfläche.
    Dem pädagogischen Konzept folgend werden den unterschiedlichen Lernclustern spezifisch gestaltete Pausen- und Aktivitätsbereiche zugeordnet. Ein ruhiger materialkonformer Belagsteppich aus hellem Farbasphalt “umspült” die expressiven Baukörper der geplanten Schulerweiterungsflächen. Die geometrische Ausformung der Pausen- und Freibereiche orientiert sich an der ruhigen orthogonalen Grundstruktur der Bestandsgebäude. Sie werden mit vielfältigen Sitz- und Aufenthaltsmöglichkeiten, einem durchgängigen Materialkanon folgend, ausgestattet. Aktivzonen mit Tischtennisplatten, Fallschutzbereiche für slacklining etc. oder Malwänden sowie Arbeitstische im Kreativhof komplettieren das Ausstattungsangebot.
    “Grüne Klassenzimmer” finden sich im östlichen Wissenschaftsgarten wie auch in den südlich und westlich angelagerten Freiflächen. Im südöstlichen Übergangsbereich zu den neuen Freisportflächen ist eine Veranstaltungsfläche / “Theatron” mit topografisch ausgeformten Rasenstufen platziert. Die bestehende Cafeteria erhält einen großzügigen Freisitzbereich.
    Die bestehenden Parkierungsflächen werden entsprechend den Vorgaben des Masterplanes erweitert und mit frei gruppierten Bäumen in das Gesamterscheinungsbild des östlichen Schulbereiches integriert. Die Entsorgung kann somit rückseitig aus dem östlichen Nebengebäude erfolgen ohne den zentralen Vorplatzbereich zu tangieren.
    Ein differenziertes Vegetationskonzept trägt maßgeblich zur Identitätsbildung der unterschiedlichen Nutzungsbereiche und Teilflächen bei. So wird der Kreativhof mit reichblühenden Zierkirschen, die südliche Pausenhoffläche mit Zierbirnen oder der Wissenschaftsgarten im östlichen Bereich mit lichten weiß blühenden Robiniensolitären besetzt - signifikante Teilbereiche entstehen.
    Der Baumbestand wird wo funktional oder bestandshöhenbedingt und gestalterisch sinnvoll in das Gestaltungskonzept integriert. Er bildet im Äußeren wie im Inneren des Gesamtensembles das Grundgerüst der Freianlagen. Zwischen den südwestlichen Pausenhofflächen und den westlichen Freisportflächen spannt sich die “Große Schulwiese” auf. Ein lichter Baumschleier aus bestehenden und ergänzten Bäumen bildet eine vielfältig bespielbare Pufferzone zwischen der Sport- und der inneren schulischen Nutzung. Im südwestlichen Teil der baumüberstandenen Rasenflächen wird ein großer Seilklettergarten als besonderer Attraktor angeboten.

    In geometrischer Entsprechung zur neuen Sporthalle werden die neuen Freisportflächen orthogonal zum Schwimmbadweg angeordnet und mit einem raumwirksamen Ballfangzaum umwehrt. Die wichtige übergeordnete Wegebeziehung wird mit einer Baumreihe aus Säulenpappeln im Stadtraum klar markiert. Hier befinden sich auch die Fahrradstellplätze und längs zur Halle, eingangsnah die Behindertenstellplätze.
    Die Überlaufstellplätze für Schwimmbad und Sportanlagen werden in eine weitläufige ortsbildprägende Streuobstwiese im Verflechtungsraum eingebunden. Sie trägt auch im ökologischen Sinne zu einer nachhaltigen Bereicherung der städtebaulichen Gesamtsituation bei.
    Der westliche Übergangsbereich vom Schulareal zur Bestandsbebauung ist vorwiegend landschaftlich geprägt. Der vorhandene und partiell ergänzte Baumbestand, Wiesen- und ökologische Vorrangflächen bestimmen das Erscheinungsbild. Hier finden sich Flächen für Naturerfahrung und freies Spiel, wie auch gärtnerische Nutzungsschwerpunkte. Die bestehende Streuobstwiese an der Karl-Heise-Strasse bildet den nördlichen Abschluss dieser Grünvernetzungszone.
    Das gesamte Grundstück wir zur Wahrung der Verkehrssicherungspflicht umlaufend mit einem Stabgitterzaun eingefriedet. Doppelflügelige Tore gewähren eine kontrollierte Andienbarkeit, wie auch die geforderten Feuerwehr- und Rettungszufahrten.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.