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  • DE-18057 Rostock
  • 05/2014
  • Ergebnis
  • (ID 2-128648)

Errichtung einer kombinierten Feuer- und Rettungswache


  • 3. Preis

    Perspektive

    Architekten
    architekten prof. klaus sill, Hamburg (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Prof. Klaus Sill

    Mitarbeit
    Immanuel Mihm, Alberto López-Lapuente Blasco

    In Zusammenarbeit mit:
    Tragwerksplaner: ASSMANN BERATEN + PLANEN AG, Berlin (DE), Braunschweig (DE), Dortmund (DE), Dresden (DE), Frankfurt (DE), Hamburg (DE), Leipzig (DE), Magdeburg (DE), München (DE), Stuttgart (DE), Moskau (RU), Teheran (IR)
    TGA-Fachplaner: Ingenieurbüro Reich + Hölscher, Bielefeld (DE)
    Verkehrsplaner: M+O Masuch+Olbrisch Ingenieurgesellschaft mbH, Oststeinbek (DE)

    Preisgeld
    9.000 EUR

    Erläuterungstext
    AUFGABE
    Die Stadt Rostock plant am Standort Dierkower Damm den Neubau einer kombinierten Feuer- und Rettungswache der Berufs- und freiwilligen Feuerwehr. Das Baugrundstück liegt an der nördlichen Spitze des Gewerbegebietes Osthafen und besitzt aufgrund seiner besonderen Lage am Wasser, zwischen der Innenstadt und den nordöstlichen Stadterweiterungen, positive Potentiale für die Stadtentwicklung.

    STÄDTEBAU
    Auf dem dreiecksförmigen Grundstück entlang der wichtigen Verkehrsverbindung Dierkower Damm soll das Gebäude zu einer Visitenkarte für die hochwertigen Veränderungen dieses Gebietes werden. Der von uns entwickelte Baukörper schmiegt sich mit seinem Gebäuderücken entlang der geschwungenen Grundstücksgrenze. Er hat aufgrund seiner durchgehenden Zweigeschossigkeit eine Höhe von ca. 6,50 Metern und erhält Richtung Nord-Westen ein drittes Geschoss. Das Gebäude erhält damit eine besondere Akzentuierung und wird an dieser wichtigen Stelle zur Landmarke für das neue Baugebiet und den Stadteingang nach Rostock.
    Die Fassade wird hier zum `Monitor` und gibt gezielte Blicke in das Innere des Gebäudes frei. Schulungsräume, Sport- und Aufenthaltsräume dokumentieren die Präsenz der Berufsfeuerwehr an diesem Ort.

    LAGE AUF DEM GRUNDSTÜCK
    Neben den beschriebenen städtebaulichen Kriterien waren eine Reihe andere Parameter die ausschlaggebenden Faktoren für die Anordnung des Gebäudes auf dem relativ schwierig zu bebauenden Grundstück:
    • Optimale Verkehrsführung für die Einsatzfahrzeuge
    • Getrennte Verkehrsführung zu den Stellplätzen der Berufsfeuerwehr und der Freiwilligen Feuerwehr
    • Optimale Ausnutzung der Grundstückfläche
    • Maximale Größe für den Alarm- und Übungshof
    • Optimale Verkehrsführung für die von einem Einsatz zurückkehrenden Fahrzeuge
    • Klare Differenzierung des Gebäude in die Teile Berufsfeuerwehr und Freiwillige Feuerwehr.
    • Optimaler Emissionsschutz nach Norden und Nord-Westen in Richtung der angrenzenden Wohngebiete durch den 2 bzw. 3-geschossigen Baukörper
    • Schutz vor möglichen Immissionen aus Richtung Osten.
    Der U-förmiger Baukörper umschließt einen nach Süden zur Planstraße hin sich öffnenden Alarm- und Übungshof und bietet in Bezug auf die oben genannten Parameter optimale Bedingungen. Alarm- und Übungshof bilden eine Einheit. Nach Osten hin vergrößert sich die Fläche und bietet hier - vor den Fahrzeughallen der Freiwilligen Feuerwehr - ausreichend Platz für eine Übungsfläche der Berufsfeuerwehr. Eine weitere optionale Übungsfläche befindet sich nordwestlich des Gebäudes vor dem signifikanten‚ Gebäudekopf`. Hier können emissionsarme Übungen oder auch Ausstellungen/ Präsentationen von Rettungsgeräten, Fahrzeugen etc. stattfinden. Die Fläche befindet sich innerhalb des eingezäunten Bereichs des Geländes und bietet so ein erhöhtes Maß an Sicherheit. Sollte sich diese Konzeption nicht durchsetzen, kann die Fläche als Grünfläche für den Außensport genutzt werden.

    OPTIMIERTE ZONIERUNG
    Die städtebauliche Disposition des Baukörpers und seine Lage auf dem Grundstück werden im Inneren des Gebäudes durch eine entsprechende Zonierung komplettiert. Nach Norden hin schottet sich der Baukörper konsequent ab, um möglichst wenig Emissionen in die anliegenden Wohnquartiere auszusenden. Hier befinden sich im EG und 1. OG. vorwiegend Sanitär- und Lagerbereiche, die einen dienenden Charakter für die Fahrzeughallen haben. Die Fassade nach Norden besitzt daher nur schmale Fensterbänder als Oberlichter, die der Belichtung und der natürlichen Belüftung dienen. Aus- und Einblicke sind hier nicht erforderlich.
    Nach Nord-Westen hin bekommt das Gebäude ein 2. Obergeschoss, in dem sich die Sozial- und Bürobereiche der Berufsfeuerwehr befinden. Diese sind nach Nord-Westen und nach Süden ausgerichtet. Die Fassaden ermöglichen einen weite Ausblicke in dem Landschaftsraum nach Süden und in den Stadtraum nach Nord-Westen. Die Ruheräume der Feuerwehrleute sind nach Süden und Süd- Osten orientiert. Hier bietet sich der schönste Blick auf Landschaft und Stadtsilhouette.

    Wichtiges Kriterium des Entwurfes war es, die Trennung des Gebäudes in Berufs- und Freiwillige Feuerwehr funktional und indirekt auch architektonisch zum Ausdruck zu bringen: Beide Bereiche erhalten daher sowohl nach Süden wie nach Norden jeweils einen eigenen Eingang. Im Inneren durchzieht das Gebäude ebenfalls eine optionale Funktionsgrenze im Bereich der Fahrzeughallen und in den Sanitär- und Lagerbereichen.
    Nach Außen besitzt die Berufsfeuerwehr durch die Lage auf dem Grundstück und die 3-Geschossigkeit eine höhere Präsenz. Dies geschieht eher unmerklich, die gestalterische Gesamtkonzeption des Gebäudes bleibt erhalten. Die Position der Freiwillige Feuerwehr im Osten des Grundstücks ist dagegen eher abgeschottet und introvertiert.

    ZONIERUNG IM QUERSCHNITT
    Die Fahrzughallen sind räumlich der größte und prägnanteste Bereich des Gebäudes. Im Vergleich zu den anderen Funktionsbereichen des Gebäudes, haben sie die doppelte Höhe. Dies nutzt unser Entwurf aus und kombiniert im Nord-Süd-Schnitt die hohen Fahrzeughallen mit einem 2-geschossigen Gebäudebereich im Norden. Es entsteht ein Verhältnis von 1 zu 2.
    Die beiden Gebäudeteile erhalten zwei unterschiedliche Konstruktionsweisen , was zu einer hohen Wirtschaftlichkeit und einen ökonomischen Bauablauf führt. Die Baukörperschichtung verzichtet bewusst darauf, auf die weit gespannten Fahrzeughallen andere Nutzungen anzuordnen.

    FASSADEN
    Die Fassaden werden als hinterlüftete Glattblechkonstruktionen ausgebildet, eine erprobte und nachhaltige Konstruktionssystematik. Das Gebäude zeichnet eine neutrale, unbunte Farbigkeit aus, da in der Regel die Einsatzfahrzeuge und die Rettungsgerätschaft viele unterschiedliche, kräftige Farben besitzen. Lediglich die Eingangsbereiche erhalten einen roten Signalton!
    Nach Nord-Westen, im Bereich der `Monitor-Fassade` erhält das Gebäude eine einfache Doppelfassade aus einer ESG-H-Verglasung, um diesen Bereich akustisch vor den Emissionen des Dierkower Damm zu schützen. Zusätzlich werden die dahinter angeordneten Räume mit einem innen liegenden Sicht- und Blendschutz ausgeführt.

    FREI- UND GRÜNFLÄCHENGESTALTUNG
    Aufgrund der Festlegungen des Amtes für Stadtgrün, Naturschutz und Landschaftspflege und den Anforderungen des Auslobers das Grundstück bis auf die Alarmausfahrten einzuzäunen, ergibt sich an der Nord- und der Nord- West-Seite ein umlaufender Grünstreifen, der aufgrund des 5 Meter nach innen zu rückenden Zaunes entsteht.
    Im Osten und Nord-Westen sind zwei Tore vorgesehen, die den berechtigten Benutzer Zugang gewähren. Alarm- und Übungshof erhalten eine Pflasterung aus Betonssteinen, ebenso die Fahrflächen auf der Nordseite. Die Stellplätze erhalten eine Rasen-Gitterstein- Pflasterung.
    Zwischen den Stellplätzen werden Birken gepflanzt, dessen grüngraues Blattwerk sehr gut mit den Gebäudefassaden harmoniert. Die Bäume weichen im Nord-Westen des Grundstücks bewusst zurück und geben einen Blick auf den dreigeschossigen „Gebäudekopf“ frei.

    TRAGWERKSKONZEPT
    Die Gebäudestruktur ist aufgrund der unterschiedlichen räumlichen Anforderungen und aus wirtschaftlichen Gründen in Nord-Süd-Querrichtung in zwei unterschiedliche Konstruktionsweisen ausgebildet: In einen eingeschossigen, weit gespannten Bereich mit einer leichten Stahlkonstruktion für die Fahrzeughallen und in einen massiven, größtenteils aus Stahlbeton bestehenden Bereich für die kleinformatigen, teilweise dreigeschossigen Nutzungsbereiche. Dies ermöglicht eine hohe Wirtschaftlichkeit und einen komprimierten Bauablauf. Die leichte, stählerne Hallenkonstruktion wirkt sich insbesondere im wirtschaftlichen Sinne positiv auf den Materialeinsatz der aufgehenden Bauteile und den Material- und Energieaufwand bei der Einbringung der Tiefgründung aus.
    Die Stabilisierung des Gesamtgebäudes erfolgt in statisch konstruktiver Hinsicht sinnvoll durch die geplanten massiven Stahlbetonbauteile der nördlichen Gebäuderiegels, der aufgrund seiner Nutzung eine kleinteiligere Struktur mit teilweise massiven Längs- und Querwänden zulässt.
    Die Dachträger der Fahrzeughalle werden als Wabenträger HEB 500 – 500 ausgebildet. Dadurch ergeben sich systembedingt Durchbrüche im Steg der Träger, die für Leitungsverlegungen der TGA genutzt werden. Die Träger haben einen Abstand von ca. 3,00 m. Über diese Länge wird das Trapezblech [Höhe 150 mm] gespannt. Die Aussteifung in Querrichtung erfolgt über die schubsteife Trapezblechkonstruktion.

    TGA
    Folgende Bereiche werden über eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung versorgt:
    - innen liegende Räume
    - Sanitärräume
    - Umkleiden
    - Schulungs- und Versammlungsräume
    - Fitnessraum
    Der notwendige Luftwechsel ergibt sich aus den Anforderungen der Arbeitsstättenrichtlinie. Die Lüftungszentrale befindet sich zentral im 1.Obergeschoss. Die Lage ist optimal abgestimmt auf die Außenluftansaugung in mindestens 3 m Höhe und die Fortluftabführung über das Dach.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.