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  • DE-55116 Mainz
  • 06/2014
  • Ergebnis
  • (ID 2-143274)

Nachhaltige Sanierung Landtagsgebäude Rheinland-Pfalz


  • 1. Preis


    Visualisierer
    rendertaxi architecture.visualisation, Aachen (DE), Barcelona (ES) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: sander.hofrichter architekten GmbH, Ludwigshafen (DE), Frankfurt (DE), Düsseldorf (DE), Nienburg (DE), Kulmbach (DE), München (DE), Aalen (DE), Karlsruhe (DE)

    Erläuterungstext
    Liegt nicht vor.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Arbeit überzeugt mit einem hervorragenden städtebaulichen Ansatz: Der überhöhte Anbau
    mit seinem deutlichen Vorsprung gegenüber der Flucht von Deutschhaus und Staatskanzlei
    klärt die stadträumliche Situation und schafft einen angemessenen, stimmigen
    stadträumlichen Abschluss. Den Verfassern gelingt es in hervorragender Weise, den neuen
    Anbau mit dem historischen Bestand in Bezug zu setzen. Das Deutschhaus bildet das Zentrum
    des neuen Ensembles: Eine symmetrisch aufgebaute, vorgelagerte Terrasse empfängt
    künftig die Besucher. Zwischen diesem Baukörper und dem Deutschhaus liegt ein etwas
    kleinerer Zwischenbau. Dieser bezieht sich auf Proportion des bestehenden Gebäudeteils
    zwischen Deutschhaus und Staatskanzlei bindet die neuen Gebäudeteile logisch in die barocke
    Gesamtanlage ein. Damit wird dem historischen Deutschhaus auf subtile Weise mit
    eine neue Zeitschicht mit eigenständigem, modernen Charakter hinzugefügt. Das für die
    Außenfassade vorgeschlagene Ziegelmauerwerk muss in seiner Struktur und Farbigkeit
    sorgfältig auf die barocken Bestandsgebäude abgestimmt werden.
    Mit der Anordnung des Windfangs, der zugleich der Eingangskontrolle dient, sowie den notwendigen
    Treppenhäusern / Aufzügen im Bereich der Eingangsfassade des Deutschhauses
    gelingt eine gute Gliederung und Auffindbarkeit der inneren Erschließung. Der Besucher wird
    in einem repräsentativen Foyer mit Ausstellungsbereich empfangen. Zu beiden Seiten des
    Foyers liegen symmetrisch angeordnete Seminarbereiche. Ein großzügiger Flurbereich führt
    vom Restaurant im Westen über das Foyer bis hin zum großen Sitzungssaal im Osten. Kritisch
    gesehen wird die getrennte Anordnung von Besucher-WCs im EG und den Garderobenbereichen
    im UG.
    Im 1. OG liegt vor dem Plenarsaal eine großzügige Lobby. Eine dreiflügelige, gläserne Türanlage
    schafft die notwendige Abtrennung, ermöglicht zugleich aber Blickverbindungen und
    schafft einen großzügigen und attraktiven Übergang zwischen Lobby und Plenarsaal. Der
    vorgeschlagene Luftraum zwischen Lobby und 3. Obergeschoss hätte durchaus Qualitäten,
    muss aber aus akustischen und sicherheitstechnischen Gründen geschlossen werden. Der
    Plenarsaal bleibt in der ursprünglichen Form und Ausrichtung erhalten, durch die Absenkung
    des Bodens entsteht ein großzügigerer Gesamteindruck bei weitgehender Barrierefreiheit.
    Die hufeisenförmige Galerie ermöglicht gute Sichtbeziehungen zum Plenarsaal. Die
    genaue gestalterische Ausformulierung ist insbesondere in Bezug auf den Anschluss an die
    Außenmauern des Deutschhauses zu überprüfen. Die Zahl der Besucherplätze ist mit 110
    etwas zu gering. Die unmittelbare Verbindung der Empore mit dem Bereich des Landtagspräsidenten
    ist aus Sicherheitsgründen bedenklich. Die Bereich der Direktorin im 1. OG sollte
    mit dem Bereich des Landtagspräsidenten im 2. OG getauscht werden. Möglichkeiten für
    zusätzliche separate WCs für Abgeordnete sollen geprüft werden. Die Organisation der Büroräume
    im 3. OG als Dreibund muss im Bereich der vorhandenen Fachwerkträger und deren
    Diagonalen überdacht werden.
    Die Küche ist gut organisiert und belichtet. Ein interner Speiseaufzug verbindet die Küche
    mit dem Buffetraum im EG und ermöglicht die Versorgung des Gästebereichs. Die Anlieferung
    des Restaurants ist nicht ausreichend dimensioniert. Die Lage des Serverraums im UG
    sollte überprüft werden.
    Die Gebäudehülle wird signifikant verbessert, Wärme- und Sonnenschutz sind mit einem
    durchführbaren und bauphysikalisch ausgereiften Konzept vorgeschlagen. Das Energiekonzept
    und die Aussagen für die Raumklimatisierung sind differenziert und schlüssig ausgearbeitet
    und lassen relativ niedrige Betriebskosten erwarten. Die technische Gebäudeausrüstung
    ist plausibel und funktional. Die Lebenszykluskosten liegen im mittleren Bereich des
    Teilnehmerfeldes. Die Anforderungen des baulichen Brandschutzes werden in vollem Umfang
    erfüllt.
    Die inklusive barrierefreie Erschließung des Landtages ist durch die vorgelagerte Treppen/
    Rampenanlage gestalterisch und funktional hervorragend und beispielhaft gelöst. Die
    barrierefreie Erschließung des Plenarsaales (Abgeordnetenplätze und Regierungsplätze,
    Rednerpult) kann noch verbessert werden. Geringere Höhenunterschiede zwischen den Sitzreihen
    könnten dafür sinnvoll sein. Bei der weiteren Durcharbeitung muss ein Leit- und Orientierungssystem
    für Blinde und Sehbehinderte ergänzt werden.
    Insgesamt handelt es sich bei dieser Arbeit um einen besonders wertvollen Beitrag, der sowohl
    gestalterisch, funktional als auch technisch überzeugt. Durch die vorgelagerte Sockelzone
    entsteht ein elegantes, kohärentes äußeres Erscheinungsbild für den Landtag in Rheinland-
    Pfalz, das im Inneren des Gebäudes auf überzeugende Weise weitergeführt wird.