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  • DE-48249 Dülmen
  • 07/2014
  • Ergebnis
  • (ID 2-162200)

Neubau Intergeneratives Zentrum IGZ


  • Anerkennung

    Perspektive Innenhof, © KTP

    Architekten
    Kauffmann Theilig & Partner Freie Architekten PartGmbB, Ostfildern/ Kemnat (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Jetter Landschaftsarchitekten, Stuttgart (DE)

    Preisgeld
    4.500 EUR

    Erläuterungstext
    Städtebaulicher Kontext

    Das Neue Integrative Zentrum in Dülmen findet einen sicheren und selbstbewussten Platz zwischen der Rathausgasse im Norden und dem Kirchplatz im Süden. Das solitäre Gebäude ist baulich und im Erleben unabhängig von Kirche und Rathaus, aber dennoch im Schnittpunkt der beiden Institutionen.

    Das neue Gebäude des IGZ wird zum freundlichen, kompakten Treffpunkt der Generationen. Es bildet einen lichtdurchfluteten Mittelpunkt, ein Forum für Jung und Alt.

    Es ordnet aber auch das städtebauliche Umfeld:

    Es schafft mannigfaltige Durchwegung in Ostwest-Richtung ebenso wie in Nordsüd-Richtung.
    Das Gebäude wird vom Westen erschlossen, ein großzügiger, leicht ansteigender Durchgang durch den Rathausflügel erzeugt ein angemessenes Vorfeld und einen gemeinsamen Verteiler für Rathaus und IGZ.
    Es ist zum Kirchplatz hin präsent und bietet eine angenehme Nachbarschaft zur Kirche und erlaubt einen Durchgang über die Kirchgasse.
    Ein neuer kleiner städtischer Platz entsteht auf der Nordseite, südlich der Rathausgasse – wir nennen ihn ‚Bült‘. Es lässt das neue Gebäude aber auch das Rathaus mit dem neuen Café im Stadtraum präsent werden.
    Der Kindergartenfreibereich im Osten ist lagerichtig angeordnet und erhält einen schützenden Rahmen durch die Bebauung entlang der Münsterstraße.

    Das Pfarrhaus mit den drei Wohneinheiten sehen wir, als separate Einheit, hinter der Kirche. Das Pfarrhaus sowie Gebäude für sozial orientiertes Wohnen arrondieren auf auf der Südostseite und der Nordostseite, das Stadtgefüge im Sinne des Konzeptes.


    Erschließung

    Gesicht und Adresse des neuen IGZ befindet sich auf der Westseite. Der großzügige Durchgang durch den Mittelflügel des Rathauses: Ein Arkadengang aus der Struktur des Rathauses schafft eine Art Vorbereich mit Aufenthaltsqualität, erlaubt Durchblicke und lässt das neue IGZ im Stadtgefüge präsent sein.

    Zusätzliche Eingänge befinden sich auf der Nordseite und der Südseite, auf der Höhe des ehemaligen Bült.
    Rathaus und IGZ sind in den Ebenen 1 + 2 transparent und witterungsgeschützt verbunden.

    Das gesamte Gebäude ist mit einer effizienten Tiefgarage unterkellert, welche von Norden über die Münsterstraße und Rathausgasse erschlossen wird. Eine reduzierte Anzahl an oberirdischen Stellplätzen ergänzt das Parkplatzangebot.

    Das gesamte Gelände ist im Westen vom Marktplatz bis zur östlichen Rathausgasse in ein ca. 5%iges Gefälle gelegt. Teilbereiche sind eben ausformuliert, so gelingt es, in harmloser und selbstverständlicherweise die Eingangssituation auf unterschiedlichen Höhenlagen behindertengerecht miteinander zu verbinden. Die bestehende Treppen/Aufzugsanlage im Rathaus wird mit kleinen Ergänzungen an diese Systematik angeschlossen.


    Funktionen

    Das Gebäude bildet ein kräftiges lichtdurchflutetes Zentrum. Das Erdgeschoss, mit dem Forum als Herzstück des Hauses, ist erweiterbar über den kleinen Veranstaltungsraum im Nordwesten und das Café/Bistro auf der Westseite.
    Eine großzügige Treppenanlage verbindet die Geschosse, ergänzt um einen Aufzug. Der Kindergarten entwickelt sich zweigeschossig, lagegerecht auf der Ostseite und ist aktiver Bestandteil des IGZ. Verwaltungsfunktionen, die Funktions- und Bildungseinrichtungen sowie der große Saal in der Ebene zwei ergänzen das Angebot, welches sich sehr selbstverständlich um den gemeinsamen Luftraum und den Mittelpunkt des Gebäudes anordnet.


    Konstruktion und Material

    Alle tragenden und erdberührenden Bauteile bestehen aus Stahlbeton. Die opaken, oberirdischen Gebäudeteile sind zweischalig ausgebildet. Die Ansichtsflächen bestehen aus einem dünnformatigen, hellfarbig geschlemmten Ziegelmauerwerk mit geordnetem Fugenbild. Die Erdgeschosszone des Gebäudes ist weitgehend verglast. Eine Holz-/Alupfosten-Riegelfassade gegenüber den Obergeschossen (etwas eingerückt) verleiht dem Gebäude einen freundlichen und einladenden Eindruck, mit fliesenden Übergängen zwischen Innenraum und Außenraum. Die Lochfassade der Obergeschosse ist mit Holzalu-Elementfenstern geschlossen. Der Öffnungsanteil in der Fassade ist funktionsgerecht und nachhaltig.


    Nachhaltigkeit und Energie

    Die Kompaktheit des Baukörpers (A/V) lässt ein wirtschaftliches Gebäude in Herstellung und Betrieb bereits im Konzept erwarten. Die primäre Energieversorgung erfolgt nach den Möglichkeiten des Standortes, ggf. in Kombination mit bestehenden und anderen Gebäuden.
    Die Dämmung der transparenten und opaken Bauteile entspricht dem technischen Standard ohne selbstgefällige Übertreibungen.


    Resümee

    Das neue integrative Zentrum in Dülmen wird ein Haus für Alle.
    Es ordnet sich selbstverständlich in das städtische Gefüge zwischen Stadt, Rathaus und Kirche. Es schafft Räume und Zwischenräume, Wege und Plätze als Treffpunkt und zur Orientierung.

    Die solitäre Figur ist selbstständig, unabhängig und identitätsstiftend.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    In der Form eines Solitärgebäudes leistet die Arbeit einen besonderen Beitrag in diesem Wettbewerbsverfahren. Die Verfasser bündeln alle Nutzungen unter einem Dach und verbinden diese durch einen gläsernen Verbindungsgang im 1. und 2. Obergeschoss
    mit dem Rathaus. Die Maßstäblichkeit des Gebäudes erscheint angemessen und die Architektursprache zeitgemäß. Die Ausräumung des gesamten Erdgeschosses des Rathausnordflügels, um die Anbindung an den Marktplatz zu erreichen, erscheint
    dagegen beliebig. Eine städtebauliche Eingliederung oder eine Reaktion auf die umgebende Bebauung leistet der Entwurf nur eingeschränkt.

    Die innere Organisation um einen mehrgeschossigen Innenhof wirkt schlüssig und bietet interessante Sichtbeziehungen, wenngleich diese offene Erschließung brandschutztechnische Belange in allen Ebenen ungelöst lässt. Hinsichtlich der Erschließung des ruhenden Pkw-Verkehrs sind leider keine schlüssigen Ansätze erkennbar.

    Im Verhältnis Hüllfläche zur Kubatur zeigt die Arbeit positive Werte. Alle anderen Verhältniswerte liegen deutlich über dem Durchschnitt der Arbeiten. Die Nutzfläche des Gebäudes liegt deutlich über dem geforderten Soll. Eine wirtschaftliche Realisierung ist
    somit nicht zu erwarten.

    Der Entwurf verfolgt konsequent das Ziel, die intergenerativen Nutzungen unter einem Dach zu realisieren, was begrüßt wird. Dabei werden die differenzierten Nutzungen allerdings über alle Ebenen verteilt, wodurch eine räumliche Nähe konterkariert wird.
    Der Anforderung, dass Kirche und Kommune »zusammenrücken«, wird durch die sehr starke solitäre Anordnung des Gebäudes im Umfeld von Kirche und Rathaus widersprochen.