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  • DE-70629 Stuttgart
  • 07/2014
  • Ergebnis
  • (ID 2-159801)

Wohnbebauung "Rote Wand" Killesberg Stuttgart-Nord 2014


  • Anerkennung

    © TICTH

    Landschaftsarchitekten
    Treibhaus Landschaftsarchitektur Berlin/Hamburg, Berlin (DE), Hamburg (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Gerko Schröder

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: TELEINTERNETCAFE Architektur und Urbanismus, Berlin (DE)

    Preisgeld
    2.300 EUR

    Erläuterungstext
    FREIRAUMKONZEPT
    Das neue Quartier durchzieht ein fein abgestuftes System an öffentlichen,
    halböffentlichen und privaten Freiräumen. Maßgebend für den Entwurf sind die Sonnenausrichtung, die Verzahnung mit der Grünen Fuge, die Rücksichtnahme auf Bestandsbäume sowie eine feingliedrige Einbindung der existierenden Höhenstafflung.
    Durch das dichte Zusammenrücken der Baukörper in Kombination mit einer räumlichen Kleinteiligkeit durch winkelige Baukörper und Niveausprünge, entsteht im Inneren des Quartiers ein halböffentlicher gemeinschaftlicher Raum für die Anwohner. Über platzartige Eintritte im Westen und Osten des Riegels sowie zwischen den Punktgebäuden mündende Parkwege gelangt man auf das innere Freiraumband. Der sich zwischen den Gebäuden aufspannende Freiraum ist Kommunikations-, Spiel- und Verweilraum. Auf unterschiedlichen
    Geländeniveaus entstehen Hofsituationen mit Spielflächen mit unmittelbarem Zugang aus den Gebäuden. Bestandsbaumgruppen außerhalb des Tiefgaragenbereich werden soweit möglich behalten, Neupflanzungen lehnen sich an die Arten der vorher auf dem Parkplatz
    vorgefunden an.

    Die nach Süden orientierten privaten Freiräume im Rückgrat werden durch eingeschnittene Loggien und Terrassenzonen mit vorgelagerten locker abgepflanzten Austritten an das Freiraumband angebunden. Ziel ist eine soziale Distanz, jedoch kein abgeschlossener Vorgarten-Charakter. Das Freiraumband mündet im Westen in einem Platz vor der Brenzkirche. Die Landenbergerstraße wird hier durch weiche Separation und durch eine einheitliche Materialität in die Platzgestaltung integriert. Die Eingangssituation der Kirche ist durch eine Stufenanlage neue gegliedert, so dass ein großzügigerer repräsentativer
    Austritt entsteht und die Kirche auch durch den Haupteingang
    barrierefrei Betreten werden kann. Die fünf geforderten Parkplätze
    sind Baum überstanden im Vorfeld der Kirche angeordnet.
    Die Südseite des Quartiers hat einen unmittelbaren Bezug zum Freiraum der Grünen Fuge. Kernidee ist es die an das Quartier angrenzenden Parkkissen im Zusammenspiel mit den Erdgeschossnutzungen an den Schnittstellen mit spezifischen Nutzungsangeboten zu überlagern. Durch den Höhensprung der Kissen ist eine subtile Abgrenzung der Nutzungen zum öffentlichen Park-Weg gegeben. Die Hauptwegeverbindung der grünen Fuge verläuft am Böschungsfuß der Roten Wand entlang, um einen Abstand zu den privaten Fassaden zu gewährleisten. Über die mäandernden Parkwege ist ein Eintreten durch abbiegen ins Quartier jedoch möglich. Durch ein Ansteigen der Wege und einen Belagswechsel ändert sich der Charakter, man betritt zwischen Baumassen den halböffentlichen inneren Bereich.

    Das westlichste Kissen hat einen öffentlichen Charakter und die bietet die Möglichkeit als Terrasse / Biergarten von einer gastronomischen
    Nutzung am Park besetzt zu werden. Die anschließenden Landschaftskissen können von den Bewohnern der zugeordneten Wohngebäude angeeignet werden, z.B. durch das Aufstellen von Liegestühlen, Picknick-Decken, Fußball spielen, etc. Über eine semi-
    transparente Raumgrenze aus vereinzelten Blütensträuchern und durch den leichten Niveauunterschied zu den Parkwegen haben die Erdgeschosswohnräume eine subtile Distanz zum öffentlichen Grün. Das östlichste Kissen nimmt den Freiraum der Kita auf.
    Nachbarschaftliche und private Freiräume sind nicht in Form von konventionellen Privatgärten vorgesehen, sondern als eingeschnittene Loggien, Balkone und (Dach-)Terrassen in die Gebäude integriert.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Arbeit erfüllt den Wunsch nach einem gemeinschaftlichen Miteinander, Nachhaltigkeit und flexiblen Wohnformen in sehr guter Weise.
    Zur Straße Am Kocherhof hin ist ein Gebäuderiegel angeordnet, der durch seine An-ordnung das Gebiet von der hohen Lärmbelästigung nach Norden hin abschirmt.
    Im Süden sind fünf prismatisch geformte Einzelgebäude locker angeordnet.
    Ein befestigter Freiraum bildet den großzügigen Innenbereich für die Gemeinschaft zwischen Riegel und Solitären.
    Dieser Zwischenraum ist räumlich spannungsvoll und differenziert gestaltet mit direk-ter Zuordnung zu den Gemeinschaftsräumen.

    Nach Osten hin entsteht ein fließender selbstverständlicher Übergang zum Brenzplatz. Das Gebäude mit KiTa etc. liegt zentral und städtebaulich an der richti-gen Stelle gegenüber der Brenzkirche als sozialer Schwerpunkt für das neue Quar-tier „Bunte Wand“.
    Sehr schön ist die räumliche Verknüpfung zwischen Grüner Fuge und dem neuen Quartier. Die Baukörper sind gut gegliedert und wohl proportioniert. Die Grundrisse sind variantenreich, flexibel und für unterschiedliche Wohnkonzepte und Bewohner gut geeignet.
    Wünschenswert wäre eine noch größere Durchmischung der Wohnformen über alle Gebäude hinweg.

    Die Fassade des Riegelbaus überzeugt wenig. Sie wirkt zur Straße hin monoton und geschlossen, ganz im Kontrast zu der lebendig gestalteten hofseitigen Südfassade.
    Die an die Straße Am Kochenhof angrenzenden Erdgeschosswohnungen haben wenig Wohnqualität und werden deshalb sehr kritisch gesehen.
    Zur Innovation bezüglich der Materialität und CO2-Neutralität werden leider keine weiteren Angaben gemacht. Holzbauweise scheint eine denkbare Realisierungsmethode.
    Der Entwurf ist gut durchgearbeitet und durchdacht. Der Entwurf bietet außerdem hervorragende Identifikationsmöglichkeiten für die künftigen Bewohner.