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  • 4. Preis

    lageplan

    Architekten
    dv architekten deffner voitländer, Dachau (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Prof. Dorothea Voitländer , Prof. Konrad Deffner

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Barbara Weihs Landschaftsarchitektur, München (DE)

    Preisgeld
    5.000 EUR

    Erläuterungstext
    städtebau und freiraum
    an der stelle des ehemaligen klinikparks ensteht ein rechteckiger, grüner platz, er wird gefasst von der denkmalgeschützten kapelle im norden, von den vorhandenen zeilenbauten an der gerhard-hauptmannstraße und von der neuen bebauung im süden und westen und leitet über zur großen grünfläche des katholischen friedhofs. sie ist gedacht als öffentlicher erholungs- und aktionsraum für die unmittelbaren anwohner. die neue bebauung nutzt das alte klinikgebäude als schallschutz zur memminger straße, orientiert sich jedoch nicht zu dem massigen baukörper, sondern um 90 grad gedreht nach süden. das quartier gliedert sich in sieben baukörper, deren struktur in der heterogenität der umgebung vermittelt und die räumlichen bezüge zu den nachbarn aufnimmt. der zentrale quartiersweg mit seinen aufweitungen und den angelagerten spiel-bzw. aufenthaltsflächen hat halböffentlichen charakter und ist informeller quartiers treffpunkt. eine abfolge kleinteilig gegliederter gartenhöfe bietet schutz und durchlässigkeit gleichermaßen. alle erdgeschoßwohnungen haben private gärten nach süden oder westen. das denkmalgeschützte waschhaus wird freigestellt und erhält eine scharnierfunktion im übergang zu den hospiz gebäuden. das waschhaus kann zum café umgenutzt werden und so den kleinen platz, den es mit ärztehaus und hospiz bildet, beleben. das viergeschossige gebäude an der memminger straße übernimmt die schallschutzfunktion für das dahinterliegende hospiz und den platz. es beinhaltet arztpraxen in den beiden unteren geschossen und nach osten orientierte pflegeunterkünfte in den oberen ebenen.
    gebäude
    großzügige verglaste eingangssituationen am zentralen quartiersweg und bei den winkelbauten zusätzlich an der ecke, bieten guten witterungsschutz und genügend platz für briefkästen und kinderwägen. sie übernehmen auch die funktion von gemeinschaftsbereichen, sind gut einsehbar und dienen als orientierungspunkte. die erschließung erfolgt jeweils als zweispänner bzw. dreispänner. von den sieben wohnhäusern können zwei als mietwohnungsbau erstellt werden und fünf als eigentum; dies entspricht dem angestrebten verhältnis von 30 % zu 70%.
    hospiz
    das hospiz kann in zwei bauabschnitten neu errichtet werden, der zweite bauabschnitt erhält weitgehend die position des bestandes. über ein zwischenstück, das auch als zugang dient, werden die beiden teile miteinander verknüpft. alle gästezimmer liegen im erdgeschoss nach süden gerichtet, die zusätzlichen räume sind im obergeschoß angeordnet.
    verkehr
    die zufahrten zu den tiefgaragen erfolgen vom gottesackerweg für die bauabschnitte 1 und 2, von der gerhard-hauptmann-straße für den 3. bauabschnitt. damit ist das quartier autofrei. besucherstellplätze sind an der gerhard-hauptmannstraße als senkrechtparker angeordnet
    baumbestand
    der vorhandene baumbestand kann in großen teilen erhalten werden, vor allem im bereich des grünen platzes, aber auch zwischen den neuen häusern.
    topografie
    das leicht abfallende gelände wird in den fugen zwischen den häusern schrittweise von west nach ost abgestuft.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Arbeit greift die klassische Zeilenbebauung der 50/60er Jahre auf und bindet damit an die vorhandene Stadtstruktur an. An der Gerhard-Hauptmann-Straße wird – wohl ausgelöst durch den vorhandenen Baumbestand – ein großer Freiraum situiert, der an dieser Stelle überdimensioniert und nicht nachvollziehbar ist. Leider gelingt trotz dieser Grünfläche kein räumlicher Bezug auf die Kapelle und den Hauptzugang des Friedhofs.

    Durch die strenge Südausrichtung steht das bestehende Hochhaus im Süden weiterhin isoliert und wird nicht in die neue Struktur einbezogen.
    Zum denkmalgeschützten Klinikgebäude entsteht ein undefinierter Zwischenraum, die Neubebauung reagiert nicht auf die große historische Bauform.

    Innerhalb des Quartiers werden durch die Zeilen und Winkelgebäude gut dimensionierte Freiräume angeboten, die auch die unterschiedlichen Funktionalitäten wie Feuerwehrzufahrt oder private Gärten ermöglichen. Allerdings gelingt keine schlüssige Anbindung an die vorhandenen öffentlichen Räume und Fußwegebeziehungen.

    Für die Bebauung werden zwei Tiefgaragen vorgesehen, die sinnvoll situiert sind – eine Anpassung an die einschlägigen Vorgaben der Garagenverordnung, z. B. Zufahrtsbreiten, erscheint erforderlich. Die Wohngebäude selbst sind gut durchorganisiert, gut belichtete Treppenhäuser und schlüssig zonierte Wohnungen bieten gute Wohnqualität. Der angebotene Wohnungsschlüssel erfüllt die Vorgaben. Eine wirtschaftliche Realisierung ist zu erwarten, auch ein nachhaltiges Energiekonzept wird skizziert.
    Der architektonische Duktus mit sehr streng gerasterten, elementierten Holzfassaden wirkt im Umfeld fremd.

    Gelungen ist die vorgeschlagene städtebauliche und funktionale Lösung für das Hospiz: Es entstehen qualitativ hochwertige Freiräume unter Einbindung des denkmalgeschützten Waschhauses. Eine abschnittsweise Umsetzung ist sehr gut realisierbar.

    Insgesamt bietet die Arbeit einen Lösungsvorschlag für die Umsetzung einer Zeilenbebauung, die nicht ausreichend auf das stadträumliche Umfeld reagiert. Besonders heraus sticht jedoch der gelungene Vorschlag für das Hospiz.