loading
  • DE-88069 Tettnang
  • 06/2014
  • Ergebnis
  • (ID 2-152066)

Gestaltung der Öffentlichen Räume der Innenstadt


  • Anerkennung


    Stadtplaner
    Schegk Landschaftsarchitekten | Stadtplaner, Haimhausen (DE), Memmingen (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Alexandra Haupt, Franziska Lomb, Martin Mayer

    Preisgeld
    4.000 EUR

    Erläuterungstext
    Städtebau
    Mit diesem Entwurf werden einerseits die Charaktere der unterschiedlichen Straßenräume bzw. Quartiere in der Innenstadt von Tettnang herausgestellt und gestärkt. Andererseits wird aber auch die –fußläufige - Verbindung der annähernd nord-süd verlaufenden Straßenräume verbessert, die von der Montfortstraße über den Graben und auch über die Karlstraße hinaus bis zum Gelände der alten Kistenfabrik führt. Die Karlstraße als historisch jüngster, streng linear aufgebauter Straßenzug wird als kommerzielles Zentrum von Tettnang zur Einkaufsmeile mit breiteren, attraktiven Fußgängerbereichen aufgewertet. Mit der vorgeschlagenen spürbaren Durchgrünung mit Bäumen erhält der Straßenraum eine ganz neue Atmosphäre. Die Gestaltung ist für hohe Flexibilität bei unterschiedlichsten Funktionen angelegt, und eben diesen Funktionen angemessen gestaltet. Der Betriebsamkeit der Einkaufsmeile Karlstraße steht das Altstadtflair der Montfortstraße gegenüber und lädt zum Verweilen in einem der Gastronomiebetriebe oder Einzelhandelsgeschäft ein. Der Stadtbach wird als charakteristisches Element durch flüssigeren Verlauf gestärkt. Die Gestaltung schafft durch einheitliches über den gesamten Straßenraum gelegtes Material einen dem verkehrsberuhigten Bereich mit gleichberechtigten Verkehrsteilnehmern angemessenen Zusammenhang. Die räumlichen Potenziale der Grabenstraße gilt es erst zu erwecken. Die historische, rückseitig zu Montfort- bzw. Schulstraße, am Tiefpunkt der Altstadt gelegene Gartenzone an Grabenstraße bzw. Kronengässle ist ein wertvoller historischer Grünraum und nicht nur Nachverdichtungsfläche. Der vorgeschlagene Hopfengarten in dieser Lage könnte daher als attraktiver Freischankbetrieb für zusätzliche Belebung in der Innenstadt sorgen und mehr sein als eine Übergangslösung bis zu einer späteren Bebauung.

    Verkehr
    Der motorisierte, einbahnig geführte Verkehr in der Karlstraße wird künftig auf 20 km/h gedrosselt und als verkehrsberuhigter Geschäftsbereich ausgewiesen. Die Bushaltestelle in der Karlstraße wird bis zu der als Warteraum attraktiven Überdachung des Stadtgrabens verlegt. Parken ist wie bisher beiderseits der Fahrbahn möglich, jedoch nur noch in deutlich reduziertem Umfang von ca. 50% des Bestandes. Zum Ausgleich kann die Parkgarage in der Grabenstraße künftig von der Karlstrasse über die Neugasse angefahren werden. Die Ausfahrt erfolgt über Graben- und Schloßstraße. Der Straßenraum der Grabenstraße wird zurückgenommen, die ungeregelten Stellplätze auf Brachen aufgelöst zugunsten einer Begrünung bzw. der Schankfläche Hopfengarten. Die Verkehrsbeziehungen in der Montfort- und Schulstraße bleiben wie im Bestand, lediglich die Zahl der Stellplätze wird reduziert.

    Gestaltung
    Mit der Gestaltung der unterschiedlichen Straßen und Platzräume werden deren Funktionen gestalterisch nachvollzogen. Die Karlstraße im Südosten wird als moderne Einkaufsmeile gestaltet. Mit einem hochwertigen Natursteinplattenbelag belegte, gut nutz- und begehbare Trottoirs, laden zum Einkaufen ein. Die Fahrbahn bleibt als Funktionsfläche asphaltiert. Schatten-spendende Bäume wirken der Erhitzung entgegen und machen zusammen mit Sitzgelegenheiten den Aufenthalt im Straßenraum angenehm. Als perspektivischer Blickfang und Orientierungspunkt wird eine künstlerisch gestaltete Stele für den Bärenplatz vorgeschlagen, die für Orientierung und Zusammenhalt der Bereiche der Innenstadt sorgt. Mit Ihrem Altstadt-Flair laden Montfort-Straße und –platz zum bummeln und in die zahlreiche anliegende Gastronomie ein. Der Stadtboden aus Granitplatten in den Laufzonen und großformatigem, ebenen Pflaster im stabilen Flechtverband in den befahrbaren Bereich unterstreichen den historischen Altstadtcharakter ebenso wie die bewusst sparsame Setzung von Solitärbäumen. Der Stadtbach als wird als belebendes Element etwas verlängert und nochmals herausgehoben. Die Mischfläche der Schulstraße wird ebenso wie die quartiersverbindende Fußgängerzone mit engfugig verlegtem Kleinsteinpflaster belegt. Im Bereich der Grabenstraße wird der Charakter als Grüner Keil, der in den südlich anschließenden Schloßpark überleitet, gestärkt. Brachflächen werden begrünt. Die zentrale Fläche im Schnittpunkt von Fußgängerzone und Graben wird als Hopfen-garten gestaltet und zur Freischankfläche. Zusammen mit der Ratsterrasse südlich des Rathauses entsteht ein in diesem bislang vernachlässigten Zwischenraum zusätzliches, attraktives Angebot.

    Grün
    Montfortstraße und –platz werden als steinerne Altstadt nur punktuell mit einzelnen Bäumen begrünt, so dass Sichtbezüge auf die Fassaden und insbesondere die Sichtachsen zum Schloß frei gestellt werden bzw. bleiben. Die Karlstraße erhält dagegen eine intensive Begrünung mit kleinkronigen Zierobst-bäumen, die mit ihren Blüten einen heiteren Aspekt vermitteln. Die Baumstellung erfolgt in einem Raster, das nicht vollständig ausgefüllt wird, so dass flexibel auf Erfordernisse reagiert werden kann, ohne das die Gesamtqualität darunter leidet bzw. die Gestaltung aufgegeben werden muss. In der als Querspange verlaufenden Fußgängerzone von Montforstraße bis ins Quartier der ehem. Kistenfabrik werden als weiteres verbindendes Element Zierkirschen mit starker Blütentracht gepflanzt und verleihen dieser Verbindung zusätzliche Identität.

    Wasser
    Der Stadtbach wird in seiner Führung und Ausbildung etwas überarbeitet, um die Erlebbarkeit zu verbessern. Auch die optische Verbindung mit dem Wasserrad nord-östlich der Kirche wird verbessert. Der bislang unauffällig am Übergang zur Küfergasse stehende Brunnen wird zentral in den Kreuzungsbereich der Fußgänger mit der Grabenstraße ins Blickfeld gerückt. Beleuchtung/ Ausstattung Gestalterisch zurückhaltende Leuchtstelen wie auch Wandleuchten werden in der gesamten Innenstadt zu angemessener Beleuchtung eingesetzt. Einzelne angestrahlte Fassaden ergänzen das Licht im öffentlichen Raum indirekt, auf Überinszenierung wird verzichtet. Im Hopfengarten sorgen Hängeleuchten an den Verspannungen für einladendes Licht. Der ‚Tettnanger Sitzwürfel‘ ist als Sitzgelegenheit auch in den stärker geneigten Flächen geeignet. In der Querspange der Fußgängerzone weisen Sitzkisten den Weg in das Gelände der ehem. Kistenfabrik

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die stadträumliche Analyse der drei Bereiche Montfortstraße, Grabenstraße und Karlstraße ist nachvollziehbar. Die Leitidee wird sorgfältig ausgearbeitet. Die fußläufige Durchwegung wird durch einfache Gestaltungselemente wirkungsvoll und angemessen hergestellt. Zentraler Ort im Bereich der Grabenstraße ist der neu gestaltete „Hopfengarten“, der als gastronomischer Außenbereich genutzt werden könnte. Die neue Karlstraße als florierende „Einkaufsmeile“ ist gut vorstellbar. Die Trennung von Fahrstraße und Fußgängerbereich wird über die Beläge erkennbar. Der neue Straßenraum ist flexibel nutzbar und bildet einen robusten Rahmen für zukünftige Entwicklun-gen. Die freien Baumstandorte schaffen einen angenehmen Straßenraum und reagieren auf die Fassaden und Durchgänge. Leider gibt es keine Aussagen zum Radverkehr. Das Lichtkonzept unterstützt das Leitkonzept. Der Übergang zwischen Stadt und Schlossgarten ist nicht angemessen gelöst. Insgesamt zeichnet sich die Arbeit jedoch durch das klare Konzept aus, das sowohl durch die Auswahl der Beläge als auch durch eine überzeugende Pflanzenauswahl besticht.