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  • 2. Preis

    Blick über Schwanenplatz, © Lützow 7

    Landschaftsarchitekten
    Lützow 7 Cornelia Müller Jan Wehberg, Berlin (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: LORENZEN MAYER ARCHITEKTEN, Berlin (DE)
    Verkehrsplaner: LK Argus GmbH, Berlin (DE), Hamburg (DE), Kassel (DE)

    Erläuterungstext
    Wettbewerb St.-Georgen / Hunnenplatz und Schwanenplatz in Regensburg

    Die Neuordnung und Umgestaltung des öffentlichen Raumes zwischen der „Donaulände / Eisernen Brücke“ und der „Minoritenkirche“ im Süden ist für die Stadt Regensburg - nicht nur im Licht des Unesco-Weltkulturerbe-Siegels - von besonderer Bedeutung. Herausragende mittelalterliche Strukturen und Denkmale sowie Relikte des römischen Legionslagers „Castra Regina“ stehen in unmittelbarer Beziehung zur gestellten Wettbewerbsaufgabe. Im Besonderen ist das Zusammenwirken und Ineinandergreifen von gestalterischen Aspekten wie
    • die Abbildung einer klaren typologischen Einordnung der Platzfolgen,
    • eine angemessene Bebauung / Möblierung / Materialverwendung,
    • die Berücksichtigung zeitgemäßer Aspekte der Nutzung und des Ausbaus der Anlagen
    eine Herausforderung an Entwurf und Umsetzung der Neuanlage. Die mit diesem Entwurf vorgelegte klare, identitätsstiftende Gestaltung der unterschiedlichen Raumsequenzen im Kontext der Besonderheiten des öffentlichen Raumes der Stadt Regensburg als auch die Nachhaltigkeit und Robustheit des Gesamtkonzeptes basieren auf einer konsequenten Analyse der strategischen, gestalterischen und stadttechnischen Aspekte der Aufgabe. Im Besonderen wurde das Zusammenwirken von touristischen, verkehrsplanerischen und tiefbaulichen Anforderungen mit städtebaulichen und freiraumplanerischen Grundsätzen untersucht und in das Entwurfskonzept ganzheitlich integriert.

    Stadtraum
    Die beiden Platzräume des St.-Georgen / Hunnenplatzes und des Schwanenplatzes sind im gewachsenen Grundriss der Stadt jeweils klar ablesbar - ihre Platzränder durch die jeweilige Bebauung und Architektur unterschiedlich begrenzt.
    Der St.-Georgen / Hunnenplatz ist durch seinen heterogenen Grundriss und einer weiten Öffnung zur Donau hin charakterisiert. Der Schwanenplatz hingegen ist langgestreckt proportioniert und weitgehend baulich regelmäßig gefasst. Die Kalmünzergasse und ein Abschnitt der Adolph-Kolping-Straße verbinden die beiden Platzanlagen in unterschiedlicher Funktion und stadträumlicher Prägung.
    Das Gesamtkonzept vertraut zunächst auf die klare Eigenständigkeit der Räume, die gegebenen stadträumlichen Bezüge und die Unterschiedlichkeit der jeweiligen den Raum bestimmenden Architekturen. Lediglich vorsichtige doch prägnante Setzungen von wenigen Solitärbäumen akzentuieren die Wahrnehmbarkeit des Raumgefüges St.-Georgen / Hunnenplatz.
    Die zwischen den Platzräumen gelegenen, sich grundsätzlich unterscheidenden „Passagen“ der Kalmünzergasse und der A.-Kopling-Straße werden ihrem Charakter und der Nutzung nach entwurflich differenziert thematisiert: Die Kalmünzergasse erhält durch die Bepflanzung mit zwei Baumreihen einen grünen, räumlichen Aspekt, der in klarer visueller Verbindung zu dem kraftvoll, durch lichte Baumdächer charakterisierten Schwanenplatz steht. Der Raum der A.-Kolping-Straße nördlich des Schwanenplatzes ist durch die Fassung der Kolping Terrasse bereits deutlich akzentuiert. Wir können uns vorstellen, die Mauern, welche die Terrassenfläche umfassen, mit Wein oder Efeu zu bepflanzen.
    Der relativ weite Raum des Schwanenplatzes wird durch das Blätterdach zweier lichter, gleichsam mediterran anmutender Gleditschienhaine eigenständig thematisiert und als großzügig nutzbarer Stadtplatz vorgeschlagen. Das Brunnenhaus (Pavillon mit den Funktionen der Stadttouristik, einem kleinen Café und Biergartenausschank) bildet im Schnittpunkt des Raumes einen die Baumhaine verbindenden Anziehungs-, Informations- und Aufenthaltsort.

    Stadtboden
    Der Stadtboden, die Befestigung der Oberflächen, wird im Kontext der bestehenden Gestaltung des öffentlichen Raumes Regensburgs interpretiert. Ein klarer und ruhiger Stadtboden wird einer „lauten Gestaltung“ mit untypischem Material bewusst vorgezogen. Allseitig gebrochenes, jedoch oberseitig gesägtes und nachgestocktes Natursteinmaterial, in Fortführung der bestehenden Beläge in der Altstadt, bilden eine feine, an der jeweiligen örtlichen Situation geometrisch ausgerichtete Textur.
    Der Großsteinbelag wird in Reihe gepflastert. Die Flächen der Baumhaine des Schwanenplatzes werden, diese hervorhebend, mit Mosaiksteinen des gleichen Natursteinmaterials gepflastert. Sämtliche Borde und Einfassungen des Belags sind im gleichen Material angedacht.
    Die stark von motorisiertem Verkehr beanspruchten Flächen der Fahrstraßen werden der Auslobung folgend regelwerksgerecht in hellem, in der Farbigkeit sich an das Natursteinmaterial anlehnenden (Zuschlag/Abstreuung/Pigmentzugabe) Asphalt vorgeschlagen. Falls sich die Stadt im Zuge der weiteren Planung dazu entscheidet ungeregelte Bauweisen für diese Bereiche zuzulassen, schlagen wir vor, die Fahrstraßen mit Natursteinpflaster (Großstein in Reihe) in gebundener Bauweise zu realisieren.
    Die Flächen der ÖPNV-Haltestelle und Lichtzeichenanlage zur Thundorferstraße hin werden ebenso wie die hiermit vorgeschlagenen „Straßenräume mit besonderem Überquerungsbedarf (Shared space)“ in geregelter Bauweise aus farblich, an der Grundfarbigkeit des Stadtbodens orientiertem Ortbeton vorgesehen.
    Es sei hier darauf hingewiesen, dass die Haltestreifen der ÖPNV-Haltestellen den anerkannten Regeln der Technik folgend in jedem Fall in Ortbeton auszuführen sind. Die Bushaltestellen des ÖPNV erhalten „Kassler Borde“.
    Die „Aufmerksamkeitsbereiche“ der „Straßenräume mit besonderem Überquerungsbedarf“ werden durch Tiefborde gefasst und auf das Niveau der Platzflächen angehoben. In der Regel werden Borde mit 12 cm Höhe vorgeschlagen. An allen Querungsbereichen sowie an den ÖPNV-Bushaltestellen sind taktile Streifen, in der Helligkeit deutlich kontrastierend (Sehbehinderte), vorgesehen.


    Architektur
    Das hochbauliche Programm wird im sogenannten „Brunnenhaus“ zwischen den beiden Baumhainen auf dem Schwanenplatz konzentriert. Wie der Platz selbst, bietet es mit seinem um einen Brunnen organisierten Grundriss für Besucher und Passanten einen besonderen Ort. Es ist ein Ort des Ankommens, Informierens und Verweilens, wo man Momente in einer nahezu meditativen Umgebung erleben kann.
    Die Gestaltung des „Brunnenhauses“ reflektiert präzise das Raum- und Bewegungsgefüge der Umgebung. Über den zentralen Brunnenraum schafft es eine offene Verbindung zwischen den beiden Baumhainen, während sich der zentrale Warteraum zur Pfluggasse und Altstadt mit einer geknickten Glasfassade präsentiert. Das vorgegebene Programm wird durch eine kleine Gastronomie an der Kalmünzergasse ergänzt und schafft dort einen neuen, auch für die Stadtbewohner attraktiven Aufenthaltsort und Treffpunkt. Um die Architektur möglichst durchlässig zu gestalten, wurden vielfältige Durchgangs- und Öffnungsmöglichkeiten vorgesehen; darüber hinaus wurden alle Nebenfunktionen im Untergeschoss organisiert. In den vier massiven Wänden, auf denen das Dach ruht, sind historische und aktuelle Stadtpläne sowie Texte zur Stadtgeschichte eingeprägt. Sie stellen eine Art Dauerausstellung zur Stadtentwicklung Regensburgs dar. Die Glasflächen, die die witterungsgeschützten Räume umschließen, dienen als Präsentationsfläche für wechselnde Ausstellungen und allgemeine Informationen. Insgesamt entsteht mit dem „Brunnenhaus“ ein vielfältig erfahrbarer Ort, der die geforderten Funktionen in einen atmosphärischen Gesamtzusammenhang stellt. Mit seiner hochwertigen Gestaltung ist er ein nachhaltiger Beitrag zur Modernisierung der Regensburger Altstadt, der nicht auf einen kurzen Gebrauch angelegt ist, sondern vielmehr Bestandteil der langsam gewachsenen und wachsenden Baukultur dieser Stadt sein will.

    Ausstattung
    Beide Stadtplätze erhalten je eine kleine Brunnenanlage. Im „Brunnenhaus“ inszeniert der zentral zwischen den Baumhainen gesetzte Brunnen den Mittelpunkt der Platzanlage des Schwanenplatzes.
    Am St.-Georgen- / Hunnenplatz begleitet ein flaches Bassin mit Sprudlern im Unterschnitt der Museumskubatur den Blick der Besucher in die Haupthalle des „Museum der Bayrischen Geschichte“. Die Lage der frühhistorischen Stadtmauer sowie das im archäologischen Grund verborgene Stadttor markiert im Belag ein Plattenstreifen mit eingelassener, erklärender Texttafel. Die hier im Rahmen der Kunst am Bau vorgeschlagene Lichtstele markiert den historischen Standort des Tors und entfaltet als zentrales Orientierungsobjekt räumliche Wirkung für den gesamten Platz.
    An geeigneten Orten unter den Baumhainen des Schwanenplatzes, am Museumseingang und am St.- Georgen-Platz werden lange ortsfeste Bänke in schlichtem, einheitlichem, zeitgenössischem Design vorgeschlagen.
    Spielangebote aus dem Repertoire werthaltiger Spielelemente-Hersteller für Fußgängerzonen sind unter dem lichten Dach der Baumhaine am Schwanenplatz in unmittelbarer Nähe zur möglichen Außengastronomie des Brunnenhauses sowie des gegenüber liegenden Wirtshauses „Goldener Ochs“ angedacht.

    Verkehr
    Der Straßenabschnitt zwischen der Martin-Luther-Straße und Eiserner Brücke ist heute eine unwirtliche Durchfahrtsstraße. Die Bedingungen für den Fuß- und Radverkehr sind unbefriedigend und die angrenzenden bedeutsamen Nutzungen kaum wahrnehmbar. Der verkehrsplanerische Entwurf verfolgt das Ziel, Nutzungskonflikte durch die verbesserte Gestaltung und Organisation des Verkehrs zu entschärfen und eine Beruhigung des fließenden Verkehrs bei weitgehender Beibehaltung der Leistungsfähigkeit zu erreichen. Der fließende Kfz-Verkehr wird gebündelt und mit niedriger Geschwindigkeit geführt. Bereiche mit hohen Nutzungsüberlagerungen am Übergang zur Pfluggasse und im Eingangsbereich des neuen Museums werden durch Anhebung der Fahrbahn niveaufrei als Mischverkehrsflächen, angelehnt an das Shared-Space-Prinzip gestaltet. Die verkehrsrechtliche Ausweisung erfolgt entsprechend dem deutschen Verkehrsrecht als verkehrsberuhigter Bereich oder als Geschäftsbereich. Auch eine bessere Führung des Radverkehrs ist so möglich. Die ÖPNV-Bushaltestellen sind südlich der Zufahrt zum Knoten Thundorferstraße, der zur Abwicklung der Verkehrsmengen und -ströme neu organisiert wird, angeordnet. Zwischen den beiden Kfz-Fahrspuren ist eine Links-Abbiegespur für den Bus- und Radverkehr vorgesehen, die bei Bedarf auch für Kfz freigegeben werden kann.

    Beleuchtung
    Die öffentliche Beleuchtung erfolgt zum einen mittels Wandleuchten (Ratisbona, LED) sowie durch Lichtstelen auf den Plätzen (LED). Thematisch akzentuiert wird eine lichtkünstlerisch entwickelte Beleuchtung des Tunnels am Kolpinghaus und einheitliche Beleuchtung aller Durchgänge / Arkaden vorgesehen. Für das „Brunnenhaus“ und die Lichtstele ist eine besondere künstlerische Licht-Gestaltung angedacht. Das dargestellte Beleuchtungsmodell ist fachtechnisch realistisch angefertigt.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Beurteilung des Preisgerichts
    Das Gesamtkonzept zeigt eine angemessen einfache und selbstverständliche Einordnung in den vorgefundenen und geplanten städtebaulichen Ort.
    Mit den neu gestalteten Verkehrsräumen werden angemessene Akzente gesetzt und eine wesentliche Aufwertung erreicht. Im zentralen Bereich vor dem Museum wird einerseits durch den niveaugleichen Ausbau eine gute fußläufige und barrierefreie Anbindung in
    Form eines Shared Space erreicht, anderseits wird durch die Betonung der verkehrsleitenden Markierungen dieser Grundgedanke wieder in Frage gestellt. Besonders deutlich wird die verkehrliche Übergewichtung durch die 5 Spuren am Hunnenplatz. Dies ist ebenso problematisch wie die vorgeschlagene Anrampung.
    Die Anbindung des Museums zur Kalmünzergasse und weiter zum Hunnenplatz wird durch die Betonfahrbahn in der Ostengasse gestalterisch unnötig gestört. Die Wasserbecken am Museum sind störend.
    Die Baumreihen in der Kalmünzergasse wären attraktiv, sind aber östlich des Kolpinghauses wegen des Kanals kaum realisierbar. Die Konzentration von Stellplätzen in diesem Bereich wäre dann zu überdenken.
    Der Schwanenplatz mit der lockeren Baumpflanzung und dem „Brunnenpavillon“ wird wesentlich aufgewertet.
    Das Servicegebäude in der Achse der Pfluggasse ist richtig situiert, jedoch durch die Anordnung der WCs im Untergeschoss wenig benutzerfreundlich.
    Das Beleuchtungskonzept mit Ausleger und Lichtstelen ist vorstellbar; der Vorschlag, mit einem Kunstkonzept die Kolpinghausunterführung aufzuwerten, wird begrüßt.
    Die vorgeschlagenen Materialien und Konstruktionen versprechen Wirtschaftlichkeit in Realisierung und Unterhalt.
    Das Programm ist erfüllt.
    Der Beitrag entspricht am Hunnenplatz hervorragend den Anforderungen der Aufgabenstellung. Im Umfeld des Museums und in der Kalmünzergasse sind kleine Defizite der insgesamt hochwertigen Arbeit zu bedauern.