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  • DE-55118 Mainz
  • 08/2014
  • Ergebnis
  • (ID 2-178888)

Stadtquartier Zollhafen ─ Wohn- und Geschäftshaus Rheinallee III


  • ein 3. Preis


    Architekten
    HASCHER JEHLE Architektur, Berlin (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Stephanie Larassati, Johannes Raible, Anna Szczurek, Agnese di Quirico

    In Zusammenarbeit mit:
    TGA-Fachplaner: Ingenieurbüro Mayer AG, Ottobeuren (DE), Berlin (DE), Murnau (DE), Liestal (CH)
    Tragwerksplaner: RSP Remmel+Sattler Ingenieurgesellschaft mbH, Frankfurt am Main (DE), Berlin (DE)
    Brandschutzplaner: hhpberlin - Ingenieure für Brandschutz GmbH, Berlin (DE), Frankfurt am Main (DE), München (DE), Hamburg (DE), Bremen (DE), Braunschweig (DE)

    Preisgeld
    25.000 EUR

    Erläuterungstext
    Die Gebäudegeometrie folgt den Vorgaben des Bebauungsplans und hält alle Baulinien exakt ein. Zur Lärm-intensiven Rheinallee, zur Lahn- und zur Nahestraße präsentiert sich der Neubau mit einer Lochfassade aus Klinker während sich das Gebäude zum ruhigeren Innenhof und zum Zollhafen hin stärker öffnet und durch Balkone ein belebteres Fassadenbild erhält. Die gewählten Fassadenmaterialien Klinker, Stahl (Rahmen der Lochfenster) und Sichtbeton (Balkonbrüstungen und teilweise EG-Fassade) orientieren sich an den Werkstoffen die den historischen Zollhafen geprägt haben.
    Die meisten Wohnungen sind als wirtschaftliche 5-Spänner aus je zwei 3-Zimmerwohnungen und drei 2-Zimmerwohnungen organisiert.
    Die Erschließungskerne sind außenliegend positioniert und direkt vom Straßenraum aus zugänglich. Dadurch sind sie leicht auffindbar und bilden attraktive
    Adressen. Zugleich werden die anderen Erdgeschossnutzungen (der Vollversorger und die Kita) nur minimal eingeschränkt.
    Mindestens ein Aufenthaltsraum jeder Wohnung orientiert sich zur ruhigen Hofseite. Alle Wohnungen erhalten einen Balkon, eine Loggia oder eine Dachterrasse und sind über einen Fahrstuhl an die Tiefgarage angebunden. 93,2% der Wohnungen sind barrierefrei. Die Kelleräume der Wohnungen befinden sich größtenteils im 1.OG über den Nebenräumen des Vollversorgers. Hier wird die „überflüssige“ Gebäudekubatur optimal ausgenutzt.

    Der Eingang Vollversorger befindet sich an der Ecke Rheinallee / Nahestraße in verkehrsgünstiger Lage und im Straßenbild präsent. Attraktive Schaufenster öffnen das Erscheinungsbild des Neubaus im Erdgeschoss und laden den Besucher ein. Die gesamte Verkaufsfläche des Vollversorgers (ca.2000m²) erhält eine großzügige Geschosshöhe von 7.50m während die Geschosshöhe der kleineren Nebenräume auf 4.50m reduziert wird. Aus der Tiefgarage kommend ist die Mall des Vollversorgers über zwei Aufzüge direkt zu erreichen. Die Anlieferung befindet sich auf der rückwärtigen Querstraße entlang der Grachten.

    Der Eingang der Kita wird in der weniger frequentierten Lahnstraße vorgesehen. Die Kita befindet sich 70cm über Straßenniveau ebenengleich mit dem Freibereich im ruhigen Innenhof. Durch die höhere Lage und die Brüstung sind die straßenseitigen Räume der Kita vor Einblicken geschützt, der Kita-Freibereich wird vom Straßenraum separiert. Alle Grupenräume sind zur Hofseite mit jeweils direktem Zugang zum Freibereich ausgerichtet.

    Aufgrund der Nähe zum Rhein mit entsprechender Hochwassergefahr sieht der Entwurf nur eine eingeschossige Tiefgarage vor. Trotz dieser sehr wirtschaftlichen Lösung können 366 Stellplätze erreicht werden, da die Kellerräume der Wohnungen und die erforderlichen Technikräume für den Neubau in der unbelichteten oberirdischen Kubatur des Gebäudes sowie in den Dachzentralen untergebracht werden.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Arbeit überzeugt durch eine einheitlich gestaltete klar strukturierte städtebauliche Großform. Die robuste Klinkerfassade weist an den jeweiligen Seiten (Rheinallee, Hafenseite) entsprechende Wandöffnungsanteile auf. Sie weist eine durchgängige Sockelzone aus, die jedoch einen deutlich höheren Öffnungsanteil zur Hafenseite und der Süd-Ostseite benötigt. Die Punkthäuser auf der dem Hafen zugewandten Seite sind nicht deutlich akzentuiert und müssten stärker in der Sockelzone ablesbar werden. Die Ausbildung nur eines Tiefgaragengeschosses ist interessant, muss aber auf Grund der Überschreitung des Baufelds kritisch hinterfragt werden. Die daraus folgende Ausbildung der Wohnabstellräume im 1.OG zur Rheinallee sowie die Anordnung der kleineren Wohneinheiten zur Hafenseite ist positiv zu bewerten. Der geforderte Wohnungsmix wird durch durchgängige wirtschaftliche Erschließungstypologien als 4- und 5-Spänner präzise erfüllt, die kleine und mittlere Wohneinheiten erschließen. Daraus resultieren jedoch aufwendige interne Erschließungen in den Wohneinheiten mit ungünstigen Eingangssituationen entlang der Individualräume. Die großen Wohneinheiten in den Eckbereichen erscheinen funktional und belichtungstechnisch problematisch. Die planungsrechtliche Überschreitung der Baulinie im Bereich der KITA führt zu einem räumlich großzügigen Grundsriss. Ihre dezentrale Erschließung bedingt lange interne Wege. Die Eingangssituation des Vollversorgers ausschließlich von der Rheinallee ist im Hinblick auf ihre fehlende Großzügigkeit zu hinterfragen. Die ungünstige Lage der Nebenräume führt zu einer geschlossenen Fassade an der Südostseite. Eine Umorganisation erscheint jedoch möglich, da der Entwurf mit der Verkaufsfläche das MK-Baufeld über schreitet.