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  • DE-69198 Schriesheim
  • 09/2014
  • Ergebnis
  • (ID 2-168654)

Festplatz/Talstraße


  • ein 2. Preis

    Bachweg und Bebauung

    Architekten
    AAg Loebner Schäfer Weber BDA Freie Architekten GmbH, Heidelberg (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Spang. Fischer. Natzschka. GmbH - Landschaftsarchitekten Biologen Geographen, Walldorf (DE)

    Erläuterungstext
    Städtebau:
    Der Entwurf "vernäht" die Altstadtbereiche über den Kanzelbach hinweg bis in die nördlichen Wohngebiete. Die Ergänzung der "Bachbebauung" fungiert als städtebaulicher Abschluss der Stadt zum Festplatz und als Weiterführung eines ortstypischen Bebauungstyps mit hoher identitätsstiftender Funktion und vielfältigen Aufenthalts- und Nutzungsqualitäten.

    Bauabschnitte Bebauung:
    1. BA: Verlagerung des Feuerwehrhauses an einen geeigneteren und größeren Standort im Stadtbereich. An dessen Stelle wird ein Wohn- und Geschäftshaus erstellt.
    2. BA: Statt einer energetischen Sanierung des Rathauses wird dieses in ein neues Gebäude entlang der Talstraße umziehen. Dort lassen sich auch wünschenswerte Nutzungen wie Stadtinfo, Bibliothek und öffentliches WC unterbringen. Bis zu diesem Umbau wird die Fläche mit repräsentativen Grünflächen entlang des Baches gestaltet.
    3. Nach Umzug des Rathauses soll das Quartier auch an dieser Stelle mit privaten Wohn- und Geschäftshäusern mit Burgblick abgerundet und der Festplatz stadträumlich geschlossen werden.

    Gestaltungsansätze der Bebauung:
    - Durchwegung entlang Kanzelbach
    - Aufnahme der Schriesheimer Korngröße
    - Durchwegung der Quartiere
    - Durchblick durch Gebäude im EG
    - Burgblick von den oberen Etagen

    Kanzelbach:
    Der Kanzelbach wird auf der gesamten Fließlänge des Wettbewerbs renaturiert. Dabei wird es teilweise Bereiche einer städtischeren Renaturierung sowie ansonsten eine ökologische Renaturierung geben. In dem städtischeren Ausbaubereich werden vermehrt Zugänglichkeiten mit Sitzmöglichkeiten am Bach wie auch Spielbereiche für Kinder geschaffen. Ansonsten werden Bereiche wie im östlichen Bestand mit einer Sandsteinmauer abgegrenzt. Optisch leichte Brücken vernähen den Festplatz mit der Neubebauung. Entlang der Bebauung wird eine Mauer mit Geländer gebaut.

    Verkehr:
    Die Talstraße wird auch nach Öffnung des Tunnels im Falle einer Sperrung den Durchgangsverkehr aufnehmen müssen. Es wird dennoch ein Umbau auf 6 m Fahrbahnbreite vorgeschlagen. So können beidseits der Talstraße breite Gehwege verlaufen.
    Wie bisher bindet nur die Bismarckstraße für den Durchgangsverkehr zu den nördlichen Stadtquartieren an. Der gesamte Bereich zwischen Talstraße und Steinachstraße wird als verkehrsberuhigter Bereich ausgewiesen (Platz). Die Friedrichstraße bleibt wie bisher nur durchfahrtsberechtigt für Anlieger des Rathauses bzw. Bewohner der späteren Bebauung.
    Der Fußgänger erhält durch den neuen Weg entlang "der Bach" eine besondere Qualität und setzt konsequent die Wegeverbindung über den bestehenden Glassteg fort. Kleine Brücken über den Kanzelbach zu der geplanten Bebauung verknüpfen nicht nur die Innenstadt, sondern auch die sonstigen Stadtquartiere sowie die Parkplätze auf dem Festplatz miteinander.

    Parken:
    Im zentralen Festplatz werden 250 öffentliche Stellplätze mit zusätzlich 30 privaten Geschäftsparkplätzen abmarkiert. Die Fahrbahnen sind immer 6 m breit, die Stellplätze 5 m lang.
    Die Parkplätze sind optimal auf die jeweiligen Einzugsgebiete Rathaus, bestehende bzw. geplante Geschäftshäuser und in Bezug auf die sonstige Parkierungsnutzung orientiert.
    Da die Parkplätze nicht denselben Flächenbedarf wie die Festplatznutzung haben, können die Restflächen durch andere Nutzungen belegt und mit anderen Belägen gestaltet werden.

    Festplatz:
    Die Flächenmaße der Festplatznutzung basieren auf den Vorgaben der Auslobung sowie den entsprechenden Bewegungsflächen. So ergeben sich auch Flächen, die als dauerhafte Grünflächen genutzt werden können.

    Gestaltung Festplatz:
    Der zukünftige Festplatz wird streifenartig gegliedert. Es werden dauerhafte Grünflächen ebenso erstellt wie wechselnde Nutzungsflächen "changingSpaces" für die Schriesheimer Bürger.

    Dauerhafte Grünflächen:
    Im Norden des Festplatzes werden die bestehenden Großbäume zur Steinachstraße erhalten. Unter diesen wird die vorhandene Rasenfläche zu Bürgergärten umgestaltet. In diesen Bürgergärten befinden sich Sitz- und Spielmöglichkeiten, außerdem werden Stauden- und Rosenbeete die Wohlfühlqualität dieser Gartenbereiche wesentlich steigern. Einzelne kleine Gimmicks wie Hängematten in den Altbäumen und das große Kletterraumnetz bringen neue Qualitäten in die Stadt. Die Bürgergärten werden in kleinen Abteilen gestaltet und zeigen die Vielfältigkeiten der Schriesheimer Gartennutzungen. Zwischen den Gärten gibt es kleine Durchgangswege für die Parkplatznutzer der Steinachstraße.
    Auf der südlichen Seite des Festplatzes wird der Kanzelbach im gesamten Wettbewerbsgebiet offengelegt und renaturiert. Hierbei entstehen nicht nur qualitativ neuartige Nutzungsmöglichkeiten "an der Bach", sondern angelagert daran dauerhafte Nutzungen wie Boule-Platz und Sandspielplatz.

    Mittig im Festplatz wird der PocketPark angelegt. Derzeit befindet er sich direkt vor dem Rathaus-Hauptzugang und wirkt als repräsentativer Teppich. Zukünftig wirkt er im Zusammenhang mit den changingSpaces und strukturiert ganzjährig die Fläche. In diesem 1000 m² großen Gartenbereich wird das Winzerdenkmal ebenso Platz finden wie unzählige Sitzgelegenheiten mit duftenden Stauden und Sträuchern. Umlaufende Sitzquader verhindern das Befahren der Grünanlage. Am Ende des PocketParks zum Fußgängerbereich Friedrichstraße lädt ein großer Fontänenbrunnen zum Spielen und Sitzen ein. Der Natursteinpflasterbelag um den Garten gibt der Grünanlage ein besonderes Gewicht in der großen Fläche. So wird mitten im Platz ein Kleinod mit höchster Wohlfühlqualität geschaffen, der auch abends zum Flanieren einlädt.

    ChangingSpaces:
    Eigentlich ist der Mathaisemarkt ein temporärer Zustand für die Nutzung des Platzes. Da er jedoch gute Begeh- und Befahrbarkeit erfordert, ist der dafür erforderliche Grundzustand in einem ersten Schritt herzustellen. Die Planung sieht für die Bereiche, die nicht durch Parkierung genutzt werden als Grundzustand einen Schotterrasen vor. Dieser ist während der Marktnutzung sowohl gut befahrbar, als auch gut begehbar. Mit entsprechender Pflege wird dieser Rasen sich auch jeweils nach dem jahreszeitlich frühen Mathaisemarkt jedes Jahr zu einem grünen Teppich entwickeln.
    Im städtischen Kontext ist es jedoch zu schade, diese großen Flächen während des gesamten Jahres ungenutzt zu lassen. Dieser städtische Platz sollte den Bürgern Schriesheims während des Jahres zur Verfügung gestellt werden, um diese zeitgenössische Stadtmitte zu stärken.
    So können wir uns verschiedene Möglichkeiten für die Flächennutzungen vorstellen.

    ChangingSpace 1:
    Eine einfache Variante ist die Aufbringung eines Vlieses mit 20 cm Oberboden, die im Frühjahr mit einem einjährigen Blütenteppich eingesät wird. Diese Materialien können im Frühwinter leicht aufgenommen werden.
    Eine weitere einfache Variante ist das Stellen von Sonnenschirmen, Sitzbänken und Kübelpflanzen. So können mit wenig Aufwand Aufenthaltsbereiche mit hoher Wohlfühlqualität für die Schriesheimer inmitten der Parkplätze erstellt werden.
    Eine weiterführende Idee ist die Vermietung von Flächen für spezifische Nutzungen mit hoher Wohlfahrtswirkung.

    ChangingsSpace 2: So ist beispielsweise gut vorstellbar, dass sich auf einer der Flächen ein Biergartenbetreiber einmietet, der aus einem mobilen Getränkewagen einen Biergarten mit Biertischgarnituren, Sonnenschirmen und Kübelpflanzen betreibt. Zusätzlich könnte eine aufblasbare Kinoleinwand für einen Freilichtkinoabend sorgen. Sogar mobile Bühnenelemente wären aufstellbar, auf denen kleine Konzerte durchgeführt werden könnten.

    ChangingSpace 3: An anderer Stelle ist es gut möglich, eine BeachArena zu erstellen. Die Fläche wird mit einem mobilen Zaun umstellt. Der Betreiber errichtet eine Chillout-Area auf einem 40 cm dicken Sandbelag. Bequeme Loungemöbel und freistehende Liegen mit Palmenkübeln unter Sonnensegeln laden zum Verweilen an der Strandbar ein. Ein großes Planschbecken für große und kleine Besucher kühlt in der Sommerzeit. Die Nutzflächen könnten auch mit einem einfachen Kuppelzelt überstellt werden, so dass auch in den kühleren Jahreszeiten eine Attraktion für die Schriesheimer entsteht. Neben der Chillout-Area wird eine BeachBall-Anlage in den Sand markiert. Weitere Attraktionen wie Slackline und Kletterwand bieten zusätzliche attraktive Spielflächen.

    Mit Hilfe dieser Changingspaces wird zwar eine genaue Verortung auf der Festplatzfläche vorgesehen, die Art der Umsetzung der Räume kann jedoch variieren und sich im Laufe der Jahre weiterentwickeln. Wichtig bleibt ausschließlich die realisierbare Idee, dem Bürger qualitätvolle Nutzungen anzubieten, die die Stadt aus Wertschätzung gegenüber den Bewohnern initiiert.

    Beläge:
    Die farbähnliche Gestaltung aller Wettbewerbsbelagsflächen stellt eine Gesamteinheit her. Von der Talstraße bis zum Bachweg wird ein gelbliches Natursteinpflaster verlegt. Das Pflaster ist das Bindeglied zur Verknüpfung der Altstadt mit dem Festplatz. Die Pflasterart erinnert an die Altstadt, die Farbwahl korrespondiert mit der Farbigkeit des Festplatzes.
    Auf dem Festplatz werden Parkplätze und Fahrbahnen sowohl in Asphalt-Einstreudecke als auch gleichfarbigen Schotterdecken in den weniger benutzten Parkplatzbereichen kostengünstig hergestellt.

    Fazit:
    Mit der Mischung aus Dauer- und Zwischennutzung des Festplatzes, sowie dem konsequent weiterentwickelten Städtbau entsteht ein stadträumlich gegliederter, attraktiver und jederzeit nutzbarer Fest-Platz, der eine hohe Anziehungskraft mit vielerlei Wohlfühlqualitäten besitzt und die Schriesheimer Identität weiterentwickelt.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.