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  • DE-60438 Frankfurt am Main
  • 09/2014
  • Ergebnis
  • (ID 2-181209)

Bebauung Ensemble Kopf Kätcheslachpark


  • ein 4. Preis

    Wohnhaus als neue Stadtmarke am Kätcheslachpark, © www.raumwerk.net

    Architekten
    raumwerk Gesellschaft für Architektur und Stadtplanung mbH, Frankfurt am Main (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Sonja Moers , Jon Prengel

    Mitarbeit
    Yui Ohtsuka, Christoph Packhieser, Sebastian Moos, Stephan Fischer

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: club L94, Köln (DE)

    Preisgeld
    7.000 EUR

    Erläuterungstext
    Ausgangssituation

    Das Planungsgebiet zeichnet sich aus durch seine herausragende Lage innerhalb der städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme am Riedberg. Es befindet sich an der Schnittstelle von drei Quartieren mit unterschiedlichen Bebauungsstrukturen und Körnungen. Während auf der Ostseite die beiden streng orthogonal organisierten Quartiere Altkönigblick und Mitte liegen befindet sich auf der Westseite das Quartier Westflügel / Niederurseler Hang mit seiner bewusst gewählten organischen Formensprache. Besonders kennzeichnend für die Lage ist zudem der Kreuzungspunkt der beiden Freiräume Römerstraße – in Nord-Süd Richtung verlaufend - und Kätcheslachpark – in Ost-West Richtung verlaufend. Die lineare Ausrichtung des Kätcheslachpark verleiht dem Wettbewerbsgebiet eine zusätzliche Signifikanz, da die markante Freiraum-Schneise an seiner »Mündungsstelle« in die Bebauungsstruktur des Niederurseler Hangs übergeht und somit das Entree zum Quartier bildet.

    Städtebauliche Leitidee und Quartiersbildung

    In Anlehnung an die organische Grundstruktur sowie an die offene Bauweise des Westflügels werden auf den drei Baufeldern des Planungsgebietes einzelne, einander ähnlich geformte, aber in ihrer Körnung und ihrer Bauhöhe variierende »Bausteine« platziert. Diese werden – analog zur Leitidee von weich gerundeten Kieselsteinen in einem Flussbett – an dieser Stelle vom „grünen Strom“ des Kätcheslachparks vom Freiraum umflossen. Den Gebäuden und den dazwischen liegenden Freibereichen kommt die Bedeutung eines »Filters« zu, der den großen linearen Strom in mehrere kleine »grüne Abzweige« unterteilt.

    Die signifikante Lage am Kopf des Parks findet Ausdruck in den unterschiedlichen Größen und Höhen der Gebäude. Als wichtiger Gelenkpunkt innerhalb des neuen Stadtteils ist in Verlängerung der Parkachse ein zentraler Quartiersplatz positioniert – ergänzt um einen städtebaulichen Hochpunkt als »Stadtmarke«. Dieser Baukörper unterstreicht mit Höhe die herausragende Lage des Quartiers und verleiht mit seiner weithin sichtbaren, organischen Form dem Niederurseler Hang einen angemessenen und eigenständigen Ausdruck.

    Das Verhältnis von Weite und Dichte wird derart konzipiert, dass sich der Stadtraum zwischen den Einzelhäusern zu einer Sequenz von fließenden Straßen- und Gassenräume und intimen Orten verbindet, die gleichzeitig das Planungsgebiet mit seiner Umgebung verweben.

    Die Gebäude prägen das Quartier durch ihre spezifische, große Volumetrie – nehmen jedoch stets durch gestaffelte Höhen Bezug zur angrenzenden Bebauung. Die Gemeinsamkeit aller Häuser – ihre markante äußere Form – ermöglicht vielfältige Gebäude- und Fassadenentwürfe, ohne die Wirkung des Gesamtensembles zu schwächen. Einzelne Häuser können so als variable aber miteinander verwandte Typen gestaltet werden.

    Architektur und Materialität

    Die 10 Einzelhäuser mit variierenden, kompakten Formen und unterschiedlich tiefen Grundrissen bilden das städtebauliche Ensemble. Die Gebäude sind jeweils zwischen fünf und sieben Etagen hoch – die Ausnahme bildet das Wohnhochhaus mit seinen 14 Etagen. Die kieselförmig und organisch geformten Einzelhäuser werden in einer Art „Baukastensystem“ organisiert. In allen Einzelhäusern werden unterschiedliche Wohnungsgrößen im Mix von 1- bis 5-Zimmer Wohnungen angeboten, um so eine quartiersgerechte Durchmischung zu gewährleisten.

    Insgesamt kommen für die zehn Einzelhäuser fünf unterschiedliche Typologien zum Einsatz, die je Baufeld auf einer gemeinsamen Tiefgarage platziert sind.

    Das kleinste Einzelhaus „XS“ ist als Punkthaus mit einem innenliegenden Atrium-Treppenhaus konzipiert. Das Gebäude ist als 4-Spänner organisiert. Die Kellerräume befinden sich in der Tiefgarage.

    Das Punkthaus „S“ wird über zwei Treppenkerne erschlossen und verfügt je Etage über sieben Wohneinheiten, so dass jeweils ein 3- und ein 4-Spänner entstehen.

    Im Gebäudetyp „M“ sind an jedem der drei Atrium-Treppenhäuser ebenfalls drei bis vier Wohneinheiten angeschlossen. Die Kellerräume der Typen „S“ und „M“ werden in der Gebäudemitte angeordnet, um die Gebäudetiefe optimal zu nutzen.

    Das Wohngebäude Typ „L“ ist – gemessen am Fußabdruck – das größte Einzelhaus. Es ist als eine Variante des Blockrand-Hauses mit Innenhof organisiert. Die hofseitig erschlossenen Treppenhäuser sind jeweils in den Ecken angeordnet und bieten Zugang zu jeweils drei Wohneinheiten. Die Größe des Innenhofes wurde so gewählt, dass von allen Seiten ein Durchwohnen möglich ist.

    Innerhalb des Wohnhochhauses Typ „XL“ werden über ein Sicherheitstreppenhaus zwischen zwei und sieben Wohneinheiten je Etage erschlossen – in Abhängigkeit zur Gebäudehöhe. Die kleinen Wohneinheiten befinden sich dabei in den unteren acht Etagen, die größeren sind in den oberen sechs Etagen angeordnet. Die Kellerräume der Typen „L“ und „XL“ befinden sich ausschließlich im Untergeschoss.

    Die Grundrisse aller Punkthäuser mit innenliegendem Kern sind zwiebelförmig angeordnet. Außen liegen die Wohn- und Schlafbereiche. Nach innen folgt ein Ring aus Eingängen und Sanitär-, Abstell- und Waschräumen. In der Gebäudemitte sind die von oben belichteten Atrium-Treppenhäuser mit Aufzug angeordnet.

    Durch die Wahl einer markanten Formensprache und einer verbindenden Grundfarbigkeit wurde besonderer Wert auf den Ensemble-Charakter gelegt. Hierdurch wird sichergestellt, dass trotz der verschiedenen Gebäudegrößen ein insgesamt einheitliches Quartiersbild entsteht. Um ein abwechslungsreiches Spiel in der Fassadengestaltung ausformulieren zu können, werden zwei Grundprinzipien variierend angewendet: Zum einen wird ein Teil der Gebäude monolithisch ausformuliert, zum anderen werden die Gebäude in horizontalen Schichten aufgebaut. In beiden Fällen sorgen farblich und materiell abgesetzte Paneele für eine angenehm „warme“ Wohnatmosphäre.

    Insgesamt wird beabsichtigt, alle Gebäude in der gleichen Architektursprache umzusetzen, jedoch auch analog zum Leitbild der »Flusskiesel« in farblichen Nuancen und in der Körnung voneinander zu differenzieren.

    Nachhaltigkeit

    Im städtebaulichen Konzept sind vielfältige Themen der Nachhaltigkeit angelegt. Neben einer hochwertigen energetischen Versorgung durch Fernwärme sind für das Areal eine durchmischte Bewohnerstruktur, städtebauliche Dichte, quartiersbezogene Mobilität und lokale freiräumliche Qualitäten für die Nutzer angedacht. Gerade die kompakte und optimierte Gebäudeform führt durchgängig zu einem niedrigen A/V-Verhältnis. Es wird vorgeschlagen, die thermische Qualität der Baukörper auf dem Qualitätsniveau KfW55 zu entwickeln.

    Ergänzt wird die Energieversorgung durch eine Phototvoltaikanlage auf den großen Gebäuden im Areal, die in Form einer Beteiligungsanlage entwickelt werden kann. Die potenzielle Solarleistung der Dachflächen ist dabei in der Jahresbilanz ausreichend, um etwa 40% des Strombedarfs (Haushaltsstrom und Gebäudebetrieb) des gesamten Areals zu decken.

    Darüber hinaus sind innerhalb des Energiekonzeptes auch Bausteine enthalten, die zur Verbesserung des Mikroklimas beitragen:
    - Oberflächen im Außenraum: Durch hell gestaltete Plätze und Fassaden wird die sommerliche Erwärmung des Areals reduziert
    - Regenwasserbewirtschaftung: Versickerung des lokalen Regenwassers auf ausgewiesenen Flächen, Kühlung der umliegenden Bereiche durch erhöhte Verdunstung im Sommerfall
    - Durchlüftung: Die baulichen Strukturen sind so gestaltet, dass die Gefahr stehender Luft im Außenraum verringert wird. Wind aus allen Richtungen kann zur Durchlüftung herangezogen werden; das unterschiedliche thermische Verhalten von Versickerungsbereichen und Plätzen führt dabei auch bei Windstille zu einem natürlichen Luftwechsel zwischen den Zonen

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Arbeit von Raumwerk zeichnet sich durch eine hohe städtebauliche Qualität aus. Mit dem Grundkonzept, solitäre Baukörper in einem grünen Freiraum zu platzieren gelingt es, die Qualität des Kätcheslachparks in das Wohnquartier hineinzuführen.

    Der Park wird westlich des Grünzuges Römische Straße durch einen städtischen Platz ergänzt und mit eher spielerisch angeordneten Raumkanten begrenzt.

    Dabei korrespondiert der Stadtplatz mit einem westlich angrenzendem kleineren Quartiersplatz, der nach Durchschreiten einer Engstelle erreicht wird.

    Für die zukünftigen Bewohner der Wohngebäude ergeben sich vielfältige Ausblicke mit wechselnde Perspektiven, bei der Nutzung der Freiflächen zwischen den Wohngebäuden ergeben sich abwechslungsreiche Raumbilder.

    Die Gebäudehöhen variieren, so dass überzeugende Anschlüsse an die geplante Nachbarbebauung erreicht werden.

    Die asymmetrische Anordnung des Hochhauses überzeugt. Die Staffelung von Geschossen ist gelungen, auch wenn bei den niedrigen Gebäuden auf eine mehrfache Rückstaffelung verzichtet werden kann.

    Die Vorschläge für die Gestaltung und Nutzung der Grün- und Platzflächen sind qualitätvoll. Die Gliederung des Stadtplatzes in zwei Teilbereiche ergibt einen großen vom Autoverkehr nicht beeinträchtigten Bereich, gewährt aber den Wohngebäuden am Platz einen angenehm großen Vorbereich.

    Die Wohnungsgrundrisse sind überwiegend stimmig, sie stellen eine Palette unterschiedlicher Größen und Qualitäten dar. Dass in wenigen Situationen Wohnungen mit überwiegender Nordorientierung angeboten werden, erscheint als ‚reparabel’.

    Ökologische Gesichtspunkte sind in Ansätzen vorhanden und können bei einer Weiterentwicklung des Projektes vertieft werden.