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  • CH-9423 Altenrhein
  • 09/2014
  • Ergebnis
  • (ID 2-162991)

Dorfkernentwicklung Altenrhein - Sonnenareal


  • 3. Rang 3. Preis

    Schwarzplan

    Landschaftsarchitekten
    Mettler Landschaftsarchitektur, Gossau (CH), Berlin (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Geisser Streule Inhelder Architekten, St. Gallen (CH)
    Architekten: Spreiter Architekten, St.Gallen (CH)

    Preisgeld
    22.000 CHF

    Erläuterungstext
    Freiraum und Umgebung

    Analog zur baulichen Offenheit ist die Siedlung durchlässig bepflanzt. Die Häuser sitzen auf Grüninseln, die als hauszugeordnete Gartenzonen insbesondere den Erdgeschosswohnungen dienen. Es entstehen unterschiedlich nutzbare Flächen: vom öffentlich genutzten Eingangsbereich an der Strasse, über halboffene Siedlungsterrassen bis zu den privaten Gartenbereichen.

    Die Gärten werden nicht angehoben sondern liegen auf ihren natürlichen Höhenkoten. Ein massiv befestigtes Wegnetz führt die Bewohner über alle Gefälle und rampenartigen Anstiegen zu den Hauseingängen. Die Wege sind aus hellem, grobkörnigem Asphalt, der im Bereich des Dorfplatzes durch eine Chaussierung unterbrochen wird. Einheimische Sträucher und Auengehölze schaffen in den Gärten ein lebendiges und natürliches Bild, das die Stimmung des unmittelbar nahen Naturschutzgebiets der Uferzone vor Altenrhein in die Siedlung transportieren soll. Dabei verbinden Einzelbäume sowie Baumgruppen die unterschiedlichen Teile der Anlage. Zusätzlich werden die Gärten mit lockeren Sträuchern bepflanzt, um dabei trotzdem die Privatsphäre der einzelnen Bewohner zu gewähren.

    Zu den Neupflanzungen gehören die Kleinbäume Blüten-Hartiegel (Cornus florida), Rostbartahorn-Hochstämmen (Acer rufinerve) und Holunder (Sambucus nigra). Zusammen mit den grosskornigen Schwarznussbäumen (Juglans nigra), schmalblättrigen Eschen (Fraxinus angustifolia) und japanischen Schnurbäumen (Sophora japonica) sorgen sie im Herbst mit ihrer gelben und roten Blattfärbung für einen spannenden Akzent.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Zur Ortsentwicklung von Altenrhein schlagen die Projektverfasser insgesamt zehn, in ihrer Ausprägung eng verwandte Neubauten vor. Die 3-geschossigen, modern interpretierten Faltdachbauten nehmen hinsichtlich ihrer Grösse, Ausprägung und Volumenverteilung die Körnung der heutigen Dorfstruktur auf und schaffen gute Bezüge zu den benachbarten Siedlungsteilen. Mit der gewollten Gleichartigkeit der Baukörper und der gleichmässigen Verteilung der Freiräume wirkt der gute konzeptionelle Ansatz mit den Wiederholungen allerdings etwas additiv und verliert dadurch an Spannung. Mit der Anordnung der Neubauten der ersten Bauetappe wird ein gut situierter Dorfplatz von an genehmer Dimension geschaffen. Das geforderte Café wird richtigerweise mit gutem Strassen- und Platzbezug angeordnet. Zur Verstärkung der Platzwirkung sehen die Verfasser vor, das alte Schulhaus (entgegen den Absichten der Ortsgemeinde) bereits in der ersten Etappe durch einen Neubau zu ersetzen. Folgerichtig werden in den platzbezogenen Erdgeschossen aller drei Bauten Dienstleistungsnutzungen vorgeschlagen.

    Dem Konzept der Häuser entsprechend werden die Freiräume offen gestaltet und durchlässig bepflanzt mit standortgerechten Bäumen und Grosssträuchern. Halbprivate und private Aussenräume verschmelzen in den von Hausfassaden und grosszügig angelegten, unterschiedlich breit geführten Fusswegen aus grobporigem Asphalt begrenzten Grünflächen. Die Gärten werden nicht angehoben, sondern liegen auf der gewachsenen Topographie. Zu den Hauseingängen und den Terrassen bei öffentlichen Erdgeschossnutzungen hin wird die Höhendifferenz zur notwendigen Hochwasserschutzkote mit sanften Rampen überwunden. Zu den Wohnungen hin werden Stufen gesetzt. Der Dorfplatz liegt gegen Süden hin geneigt an der Dorfstrasse. Er ist definiert durch die Fassaden von drei Häusern mit öffentlichen oder halböffentlichen Erdgeschossnutzungen, gegliedert durch die umliegend en Terrassen, durch unterschiedliche, den Funktionen entsprechende Belagswahl Asphalt oder Chaussierung und geprägt durch einen Brunnen und zwei Bäumen. Die Dorfstrasse liegt am südlichen Rand des Platzes. Der Strassenraum öffnet sich zum Platz gegen Norden in einer stimmigen Massstäblichkeit. Gegen Süden wird sie begleitet durch eine fahrbahnparallele Baumreihe. Gegen Osten hin wird der Strassenraum optisch eingeengt durch grosskronige Bäume.

    Ein mehrheitlich dem Langsamverkehr vorbehaltenes, dichtes Wegenetz erzeugt eine hohe Quartierdurchlässigkeit und gute Erschliessungsqualität. Die Motorfahrzeugerschliessung ist insgesamt zweckmässig gelöst. Die Parkierung erfolgt mehrheitlich in einer langgezogenen Tiefgarage mit Zufahrt von Osten ab der Sonnenstrasse. Bei einer Beschränkung auf die erste Bauetappe entsteht in der Übergangszeit bis zur Vollbebauung, durch die notwendige provisorische Zufahrt, allerdings ein unschöner Eingriff in den Freiraum.

    Die Planungsvorgaben der ersten Bauetappe werden hinsichtlich der Wohnungsanzahl, des Wohnungsmix und der Wohnungsgrössen mehrheitlich erfüllt. Dabei zu berücksichtigen gilt, dass das alte Schulhaus bereits in der ersten Etappe ersetzt werden soll, die bestehenden Wohnungen also entfallen. Demgegenüber schlägt der Projektverfasser ergänzend zum Café zusätzliche Arbeits- und Verkaufsflächen in den platzangrenzenden Erdgeschossen vor. Diese am Platz an sich wünschbaren Dienstleistungsnutzflächen dürften -mangels Nachfrage- schwer umsetzbar sein. Alternativ liesse sich auch je eine zusätzliche Wohnung realisieren. Die Wohnungsgrundrisse sind grosszügig und zweckmässig organisiert. Bei meist zwei Wohneinheiten pro Geschoss werden für die grösseren Wohnungen attraktive, dreiseitige Orientierungen angeboten.

    Dem bei Zweibündern zwangsläufig höheren Erschliessungsaufwand wird mit einem rationellen, innenliegenden, dadurch aber unbelichteten Erschliessungskern begegnet. Dies ermöglicht andererseits die konsequente Anordnung der Bäder an der Aussenwand und damit deren natürliche Belichtung und Belüftung.

    Die Aufteilung des Nutzungsprogramms der ersten Bauetappe auf vier Baukörper, die Gebäude- und Dachform, der hohe Anteil an zweispännigen Gebäudegrundrissen und der bereits in der ersten Etappe vorgesehene Ersatz des alten Schulhauses lässt eher hohe Realisierungskosten erwarten. Dem stehen eine rationelle Erschliessung und attraktive Wohnungen gegenüber.

    Gesamthaft weist der Projektvorschlag gute konzeptionelle Ansätze zu einer aus dem heutigen Bestand abgeleiteten Kernerweiterung auf. Die Volumetrie und Anordnung der Bauten, verstärkt durch die gebrochenen Fassaden und das Faltdach vermitteln, trotz ihrem modernen Ausdruck, einen dörflichen Charakter. Die Entwicklung der ersten Etappe aus dem heutigen Ortskern heraus überzeugt, die spätere Addition gleichartiger Bauten (Etappen 2 und 3), lässt, trotz der angedachten Unterschiedlichkeit der einzelnen Bauten, aber eine gewisse Monotonie befürchten und verliert auch in den entstehen den gleichförmigen Freiräumen an Spannung. Der Verlust der vier bestehenden Wohnungen durch den vorgezogenen Abbruch des alten Schulhauses mindert auch die Wirtschaftlichkeit des ansonsten guten Projektvorschläge.