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  • DE-73547 Lorch
  • 10/2014
  • Ergebnis
  • (ID 2-163705)

Umgestaltung Schillerplatz und Remsanlagen


  • Anerkennung

    Raumbezüge, © silands | Landschaftsarchitekt Roberto Kaiser

    Landschaftsarchitekten
    silands | Gresz + Kaiser Landschaftsarchitekten PartG mbB, Ulm (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Stefan Cichosz

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: LIMA architekten | Lisa Bogner und Tobias Manzke, Stuttgart (DE)

    Preisgeld
    3.000 EUR

    Erläuterungstext
    Die Erlebbarkeit der Rems, der Zugang und die Interaktion mit dem Wasser, die Verbindung der Quartiere südlich des Flusses mit der Innenstadt sind sicher die größten Defizite aber auch die besonderen Potenziale im bestehenden Stadtraum rund um das Bürgerhaus Schillerschule. Die regionale Gartenschau ist dabei das Instrument, die Rems in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung zu rücken. Eine prägnante Gestalt zu finden, die diese Potenziale aufgreift und in sich bündelt, die zentrale Herausforderung im Entwurf.

    Der neue FLUSSMÄANDER , bildhafter Ausdruck der Dynamik der Auenlandschaft, bindet als Klammer beide Seiten des Remsufers gleichwertig zusammen. Der Fluss als Trennlinie und Barriere wird aufgehoben. Das Zurücknehmen der dichten Ufervegetation und die Schaffung von Zugängen zum Wasser machen die zu überwindende „Infrastruktur“ zum Ort, zum erlebbaren Stadtraum und Treffpunkt für seine Anwohner. Das neue Café unterstützt diese Umdeutung und profitiert von ihr gleichermaßen.

    Die Öffnung des Götzenbachs wird südlich des Bürgerhauses fortgesetzt, der Mündungsbereich aufgeweitet und renaturiert. In Verbindung mit der Aufweitung der Rems südlich der Sitzstufen entstehen Entspannungsflächen im Hochwasserfall und gleichzeitig hydrodynamische Orte mit differenzierten Mikrobiotopen von Brenne bis Flachwasserzone. Die spielerische Erlebbarkeit dieser besonderen Landschaft wird durch die Stufen zur Rems und die Aufwertung des Flussbetts für Kinder gefahrenlos ermöglicht.

    Der Schillerplatz verfügt über große Qualitäten, der Baumbestand und der renaturierte Götzenbach verleihen dem Platz seine besondere Atmosphäre. Auf diesen Bausteinen baut der Entwurf auf. Eingriffe beziehen sich vor allem auf die räumliche Ordnung und die Reduktion der Oberflächen und Elemente. Es entsteht ein Ort großer Klarheit und Ruhe. Inmitten der geordneten Strukturen kommen die alten Kastanien und der Götzenbach klar und kräftig zur Geltung. Ein neuer Weg, der gleichzeitig als Sitzkante zum Götzenbach fungiert, vermittelt zu den südlich des Bürgerhauses gelegenen Remsanlagen und gibt ihnen durch die Aufnahme der Materialität des Flussmäanders eine Präsenz am Schillerplatz. Das Kriegerdenkmal wird nach Norden unter die alten Kastanienbäume verlegt und damit räumlich und atmosphärisch eingebunden. Entlang der August-Wilhelm-Pfäffle-Straße werden die Haltebereiche der Linienbusse und der Schulbusse zusammengelegt. Die Fortführung des Platzbelags über die August-Wilhelm-Pfäffle-Straße bindet den Schillerplatz für Fußgänger an die historische Innenstadt an und führt zu einer Reduzierung der Geschwindigkeit der querenden Fahrzeuge.

    Die versiegelten Flächen des Pausenhofs der Stauferschule werden zugunsten von grünen Rückzugsräumen für die Schüler im östlichen Teil zurückgenommen. Ein grünes Klassenzimmer, Bänke zum Lesen und Tischtennisplatten liegen eingebettet in differenzierten Pflanzenbändern. Der Sandspielbereich wird vergrößert und mit neuen Spielangeboten ergänzt.

    Durch den Abbruch der disponiblen Gebäude entlang der Schießhausstraße ergibt sich die Möglichkeit, die Stadthalle visuell und über ihren neuen Vorplatz an den neuen Flussmäander anzubinden. Sportler, Schüler und andere Besucher der Stadthalle werden einladend in Empfang genommen. Der Hang im Rücken der Stadthalle wird „repariert“, das Gebäude in einen landschaftstypischen Obstbaumhain eingebettet. Die notwendigen Stellplätze befinden sich ganz selbstverständlich zwischen den Obstbäumen.

    Die Realisierung der Baumaßnahme ist entsprechend den gegebenen Prioritäten abschnittsweise möglich. Der FLUSSMÄANDER als übergreifendes und verbindendes Freiraumelement schafft dabei im Vorfeld die Vernetzung und Aktivierung von Schillerplatz, Rems, Stauferschule und Stadthalle – unabhängig von der Neugestaltung der jeweils gebäudebezogenen Freiflächen. Dies ist vermutlich sein größtes Potenzial.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Verfasser schlägt zwei grundsätzliche gestalterische und räumliche Methoden vor, die Stadt Lorch im Bereich des Schillerplatzes an die Rems zu bringen: Erstens durch einen durchgängigen Pflasterbelag, ausgehend von der Innenstadt über den Schillerplatz bis hin zur Rems. Zweitens entwickelt der Verfasser mit dem entwurfsnamengebenden Flussmäander eine gestalterische und räumlich starke Klammer zwischen dem Südbereich des Bürgerhauses und dem Südufer der Rems mit der angrenzenden Staufferschule und der Stadthalle.

    Der Schillerplatz hat eine klare auf das Bürgerhaus ausgerichtete Formensprache. Die multifunktionalen Aktionsflächen auf dem Platz sind aus wassergebundenem Belag abgesetzt, der Baumbestand wird größtenteils erhalten und der Götzenbach in diesem Bereich renaturiert und erlebbar gemacht. Der südliche Bereich des Bürgerhauses bleibt in seiner Topographie erhalten und hat durch den Remsstrand und seinen Funktionen einen klaren urbanen Charakter. Durch steile Sitzstufen wird der direkte Kontakt zum Wasser hergestellt. Die Ausrichtung der Stufen und die Ausformulierung und Lage des Cafés werden an dieser Stelle als kritisch gesehen, da der Blickbezug zum Ufer und Spielplatz an der Staufferschule verstellt wird.

    Die Anbindung der Schule und der Stadthalle wird über den Mäander, als Verteiler, hergestellt und gestalterisch gelungen ausformuliert. Die räumlich starke Gestaltung des Schulhofes mit Multifunktionsfläche, Gartennischen und Spielplatz zur Rems wird positiv gewertet. Kritisch gesehen wird der undefinierte Übergang zur Innenstadt mit durchlaufendem Bodenbelag. Ebenfalls kritisch gesehen wird die urbane Ausformulierung des Platzes südlich des Bürgerhauses, welcher in seiner Größe nicht angemessen erscheint und den direkte Sichtbezug und die Erlebbarkeit der Rems reduziert.

    Im Bereich der Götzenbachmündung wird das Bachbett renaturiert, aber nicht in das Gesamtkonzept integriert und erlebbar gemacht. Der Steg über die Rems kann erhalten bleiben.

    Der Entwurf überzeugt mit seiner konsequenten Haltung die Stadt räumlich und funktional an die Rems zu bringen.