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  • DE-77654 Offenburg
  • 10/2014
  • Ergebnis
  • (ID 2-182462)

Mühlbach Karree


  • Anerkennung

    Perspektive

    Architekten
    Lieb + Lieb Architekten BDA, Freudenstadt (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Gerhard Lieb

    Mitarbeit
    Sarah Lipps, Sascha Heinzelmann, Niklas Lieb

    Preisgeld
    2.500 EUR

    Erläuterungstext
    Städtebau /Entwurfskonzept
    Das zu beplanende Areal befindet sich in einer stadträumlichen Situation, die durch ihre Lage zum Grünraum des Mühlbachs ihr besonderes Flair erhält. Gleichzeitig liegt es am Fuß der Stadtmauer, an der Nahtstelle zwischen Innenstadt und Vorstadt. In diesem Kontext gilt es die vorgesehenen Nutzungsbausteine einzuordnen. Das von den beiden bestehenden Villen abgeleitete Konzept der Durchlässigkeit zum Grünraum wird als Grundlage in unserer städtebaulichen Struktur übernommen und nach Süden weitergeführt. Die großzügigen Zwischenräume ermöglichen den Bewohnern den Durchblick zur Stadt und von der Stadtmauer zurück ins Wohngebiet. Im Westen, entlang der Angelgasse und nach Süden zur Hauptstraße, sehen wir die Fortführung der vorhandenen Zeilenbauweise vor.
    Die stadtnahe und ruhige Lage am Grünzug prädestiniert das Wohngebiet für den Bau hochwertiger villenartiger Punkthäuser. Unser Ziel liegt in der standortgerechten Schaffung von hochwertigem Wohnraum. In der Bebauung der Zeile sehen wir die Mietwohnungen und im Winkel zur Hauptstraße eine Dienstleistung- Wohn-oder Hotelnutzung mit Lounge Bar, Café und zum grünen Hof einen Biergarten. Der ruhende Verkehr wird in Tiefgaragen untergebracht, die unter den Hochparterre Erdgeschossen der Wohnhäuser und deren Gärten liegen.
    Die Punkthäuser entlang der Wilhelm Bauerstraße vermitteln in ihrer Stockwerkszahl zwischen den unterschiedlichen Höhen der Nachbarschaftsgebäude im Süden und Norden. Im Zentrum der Wohnanlage am Kreuzungspunkt der Wege wird ein identitätsstiftender Quartiersplatz, der zum Spielen und Treffen einladen soll, angelegt.

    Gebäudestrukturen und Materialität
    Die Erschließung der Wohnhäuser erfolgt über innenliegende Treppenkerne um der Forderung nach natürlicher Belichtung und Belüftung aller Räume nachzukommen. Die geschützten Loggien liegen nicht nebeneinander und bieten so größtmögliche Privatheit. Raumhohe Fenster und großzügig eingeschnittene Loggien gliedern die Fassaden der Parkvillen und der Zeilengebäude, diese gemeinsame Architektursprache verbindet die einzelnen Gebäude und schafft einen homogenen Siedlungscharakter.
    Punkthäuser: Die einzelnen Geschosse sind gegeneinander versetzt und verleihen dem Baukörper eine ausdruckstarke vertikale Gliederung. Dies erscheint uns
    angemessen, da die Baukörper als Blickfang aus der Stadtansicht der
    Bebauung eine besonders repräsentative Funktion erfüllen.
    Die massiven Bauteile werden mit feinen vorvergrauten Holzleisten verschalt und somit bewusst sehr dezent und feingliedrig gehalten, es soll hier keine aufdringliche Konkurrenz zu den umgebenden Grünanlagen geschaffen werden, sondern die Baukörper werden harmonisch in den Grünzug eingebunden.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Entwurfsverfasser teilt das Quartier in zwei unterschiedliche städtebauliche Typologien aus einer offenen Blockrandbebauung entlang der Angelgasse und einer aufgelockerten Punkthausbebauung am Mühlbach. Dies wird grundsätzlich positiv gesehen.

    Entlang der Angelgasse soll ein nur an der Stelle der künftigen West-Ost-Fußwegeverbindung unterbrochener, viergeschossiger Gebäuderiegel entstehen. Dieser schließt mit einem eigenständigen Gebäude direkt an die Brandwand des nördlich angrenzenden Bestandsgebäudes an und bildet ein geneigtes Dach mit einer großzügigen Gaube aus. Dadurch wird die bestehende Trauflinie aber nur in Teilen fortgesetzt. Die sich anschließende straßenbegleitende Bebauung wird dagegen als viergeschossiger Flachdachkörper ausgebildet, der in dieser Anmutung auch über die Fläche des Ideenteils bis zur Hauptstraße selbstverständlich fortgeführt wird.

    Am Mühlbach sehen die Entwurfsverfasser fünf gleichartige Punkthäuser vor, die jeweils versetzt angeordnet werden. Dadurch ergeben sich gute Grundrissorientierungen Richtung Süden und die Möglichkeit optimierter solarer Energiegewinne. Erschlossen werden die Punkthäuser jeweils von Norden. Drei der Punkthäuser erhalten dabei direkten Zugang von der Straße am Mühlbach; die beiden zurückgesetzten Punkthäuser dagegen vom gemeinsamen Innenhof. Dies führt gerade beim nördlichen der zurückgesetzten Punkthäusern zu einer unklaren Erschließungssituation und beeinträchtigt die Auffindbarkeit und Adressbildung des Gebäudes. Gleichzeitig wird dadurch die Qualität der südwestlichen Erdgeschosswohneinheit gemindert. Fragwürdig erscheint die Anordnung bodentiefer Fenster auch für die teils direkt an der Grenze zum öffentlichen Fußweg liegenden Nebenräume (Bäder) im Erdgeschoss.

    Alle Gebäude werden auf einen ca. 60-80 cm hohen Sockel gestellt, so dass sich zwischen öffentlichem Raum, halböffentlichen Bereichen im Innenhof und den privaten Freibereichen der Wohngebäude eine klare Höhendifferenzierung ergibt. Hingegen wird die räumliche Trennung der Bereiche an der Mühlbachpromenade nicht konsequent weitergeführt. Hier entstehen quasi als Vorzonen der beiden zurückgesetzten Punkthäuser Freiflächen, die weder der privaten Nutzung der Gebäude zugeordnet werden, noch dem öffentlichen Raum bzw. den öffentlich zugänglichen Bereichen des Privatgrundstücks dienen. Diese verbleiben gleichsam als nicht nutzbare Restflächen. Hier wird das Potenzial verschenkt, an die Freiraumqualitäten des Mühlbachs anzuknüpfen.

    Die Erfordernisse des zweiten baulichen Rettungsweges werden nur unzureichend berücksichtigt. Insbesondere angesichts der vorgeschlagenen Sockelhöhen und Abgrenzung der Privatgrundstücke sind Feuerwehraufstellflächen nicht ohne grundsätzlichen Eingriff in die Freiraumplanung sicher zu stellen.

    Die Erschließung der Mietwohnungsgebäude an der Angelgasse ist nicht optimal. Die innenliegenden Treppenhäuser werden über einen schmalen Gang erreicht, der eine wenig einladende Eingangssituation definiert. Flächen für das Abstellen von Gehhilfen, Kinderwägen o.ä. werden nicht vorgesehen. Insbesondere bei der jeweils nur einseitig orientierten Kleinwohnung des Dreispänners ist die Erreichbarkeit für die Feuerwehr nicht gewährleistet.

    Die Architektur der Punkthäuser ist außergewöhnlich. Die einzelnen Geschosse sind gegeneinander versetzt und verleihen den Baukörpern eine ausdruckstarke horizontale Gliederung, was die herausragende Lage der Gebäude unterstreicht. Für die Fassade wird eine Verschalung mit vorbewittertem Lärchenholz vorgeschlagen, was den Gebäuden zusätzlich eine plastische aber dezente Anmutung verleiht. Ob die Reihung fünf solcher Gebäude jedoch angemessen ist, wird kontrovers diskutiert.

    Der Wohnungsmix im Bereich der Eigentumswohnungen entspricht nicht in allen Punkten den Wünschen der Ausloberin. Aufgrund der versetzten Geschosse ist mit entsprechend höheren Bauaufwendungen zu rechnen.