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  • DE-91717 Wassertrüdingen
  • 10/2014
  • Ergebnis
  • (ID 2-170485)

Natur in Wassertrüdingen 2019


  • 2. Preis

    © Perspektive Wörnitzpark, © Storch.Landschaftsarchitektur, QuerfeldEins, Georg Lindenkreuz

    Landschaftsarchitekten
    STORCH.LANDSCHAFTSARCHITEKTUR, Dresden (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Robert Storch

    Mitarbeit
    Sophia Till, Stefan S. Weber

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: QUERFELD EINS Landschaft | Städtebau | Architektur PartGmbB, Dresden (DE)
    Landschaftsarchitekten: hanf Gartenarchitekten und Landschaftsplaner, Kassel (DE)
    Visualisierer: LINDENKREUZ EGGERT | Bildermacherei & Utopografie, Dresden (DE)

    Preisgeld
    24.000 EUR

    Erläuterungstext
    Der direkte Bezug zwischen Stadt und Landschaft insbesondere zu dem
    Element Wasser prägt seit jeher das Bild der Stadt Wassertrüdingen.
    Idyllisch an der Wörnitzaue gelegen, bildet die Stadtgrenze im Süden
    über das Wasserschloss und den Stadtmühlenweiher einen direkten
    Übergang zwischen historischer Altstadt und dem Flussraum. Auch
    der im Norden gelegene Grünzug am Klingenweiher bindet, als grüne
    Fuge der geplanten Stadterweiterung, sowohl die Landschaft und das
    Naherholungsgebiet Baudenhardt als auch das Wasser in den Stadtkörper
    ein.
    Diese Qualitäten und deren Übergang werden durch das vorliegende
    Konzept innerhalb der Maßstäblichkeit des Ortes durch punktuelle
    Eingriffe und deren Vernetzung gestärkt und während der Gartenschau
    inszeniert.
    Den Übergang definiert je ein aus den Gegebenheiten und Notwendigkeiten
    des Ortes entwickeltes Landschaftsbauwerk. Im Norden inszeniert ein
    künstlicher Hügel im Gelände der ehemaligen Deponie den Blick in die
    Stadt und die Landschaft. Im Süden entsteht aus der Notwendigkeit des
    Hochwasserschutzes ein Deichbauwerk. Dieses defi niert einerseits den
    Übergang zwischen Landschaft und Stadt und inszeniert andererseits
    den Übergang zwischen Stadt und Landschaft.
    Beide Punkte bilden die Pole zwischen den jeweils angrenzenden
    Flächen des Wörnitzparks und des Landschaftsparks Klingenweiher und
    sind über die bereits vorhandenen Beziehungen im Stadtkörper zum
    einen urban über den Altstadtkern zum anderen durch Grünelemente wie
    dem Sonnenuhrenpark, der Allee am Weinbergweg und dem Friedhof
    verbunden.


    Landschaftspark Klingenweiher

    Im nördlichen Bereich wird der Landschaftspark Klingenweiher die neue
    grüne Mitte der zukünftigen Stadterweiterung. Über die Marktstraße
    und den Weinbergweg verbindet sich dieser Teil mit dem Bereich
    des Wörnitzparks. Der Landschaftspark ist sowohl durch die drei
    Klingenweiher als auch durch die markante Topographie der ehemaligen
    Lehmgrube und der rekultivierten Deponie geprägt. In den oberen
    Weihern befi nden sich kleine Inseln, welche über Trittsteine erreicht und
    so spielerisch erkundet werden können. An den Weiherufern finden sich
    zusätzlich Stege und Terrassen, die das Wasser direkt erlebbar machen.
    Ein zentraler Bereich ist neben den Weihern selbst der Obsthain mit
    dem Pavillon der Moststation, welcher als dauerhaftes Element in die
    Fränkische Moststraße eingebunden wird. Der Obsthain wird durch
    zusätzliche Pflanzungen auf der rekultivierten Deponie erweitert. Der
    nördliche Teilbereich mit der ehemaligen Lehmgrube und der Deponie
    wird über ein Wegenetz erschlossen, das die zentralen Punkte günstig
    miteinander verbindet und sich natürlich in die Hügellandschaft
    einbettet. Im Bereich der ehemaligen Lehmgruben fi ndet sich zudem
    ein informierender Naturlehrpfad, der auf Stegen durch das grüne
    Klassenzimmer der rekultivierten Landschaft führt. Ein Aussichtspunkt
    bietet den Ausblick über den Landschaftspark, die Stadt und das
    angrenzende Naherholungsgebiet. Spielbereiche wie Trimm-Dich und
    Landschaftsschaukeln ergänzen das umfangreiche Angebot.


    Wörnitzpark

    Die Verlegung der Wörnitz, die Abkopplung dieser vom Stadtmühlenweiher
    und der Bau eines Hochwasserdeiches vor den südliche Stadtrand
    Wassertrüdingens, stellen einen massiven Eingriff in das bestehende
    Gefüge zwischen Stadt und Landschaft dar. Dieser Eingriff birgt aber
    auch das Potential, den Übergang neu zu gestalten.
    Durch die Verknüpfung von Deich und Stadt über eine allmählich
    ansteigende grüne Ebene zwischen Mühlenweiher und Wörnitz löst
    sich die Barriere auf und die Stadt verschränkt sich trotz des Deichs wie
    selbstverständlich mit der umgebenden Landschaft.
    Aus der Landschaft zeichnet sich ein abwechslungsreiches Bild von
    ineinander übergehenden Ebenen und Rampen, die durch gemauerte
    Bastionen den Übergang aus der Auenlandschaft in die Stadt betonen.
    Dem umgenutzten Lagerhaus zugeordnet entsteht ein Stadtplatz, an
    dem sich der Deich zu einem Plateau verbreitert - eine Stadtbühne für
    Veranstaltungen unterschiedlichster Art, insbesondere im Rahmen der
    Gartenschau.
    Von diesem zentralen Knotenpunkt aus kann ohne Einschränkungen die
    Wörnitzaue über den Deich erreicht werden: Der Deich entwickelt sich
    damit von einem trennenden zu einem verbindenden Element. Rampen
    führen von der Mauerkrone zum Flussufer, das über Wasserspielplätze
    erlebbar und bespielbar wird. Der neue Mühlweiher lädt zum Verweilen
    ein. Kleinere Einbauten setzen am Ufer des Mühlweihers Akzente.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Übergang von der Stadt in die Landschaft wird in den beiden Parkbereichen durch zwei „Landschaftsbauwerke“ herausgearbeitet.
    Wörnitzpark
    Die neue Wörnitz wird in einer sanften Schwingung vor das Deichbauwerk gelegt. Der Mühlweiher ist zwischen Stadtmühle und Lagerhaus angeordnet. Das Deichbauwerk wird skulptural ausgeformt, zur Wörnitzaue mit schrägen Mauern als Bastion, zum Weiher als sanfte Rasenböschungen. Es ist vielfältig nutzbar, Mauern, Treppen und Rampen schaffen unterschiedliche Aufenthaltsbereiche, Ausblicke und Zugänge. Zwei Plätze, ein kleinerer an der Stadtmühle, ein größerer am Lagerhaus bilden die Endpunkte der Skulptur und den Übergang in die Stadt. Der östlich anschließende Deich wird mit Sitzmauern auf seiner Krone zurückhaltend akzentuiert. Der Hochwasserschutz ist schlüssig dargestellt. Im Schlossgraben erscheint das Wegenetz und die Nutzungen als Spielbereiche übererschlossen und sind im Sinne des Denkmalschutzes und des temporären Charakters kritisch zu sehen. Ein weiteres beide Parkteile verbindendes Gestaltungselement sind Bereiche mit relativ intensivem wabenförmigen Erschließungssystem, welches am Festplatz, sowie zwischen der Schwarzkopfsiedlung bzw. dem neuen Quartier Klingenweiher 1 und den Weihern eingefügt ist.Insbesondere am Festplatz erscheinen die Flächen übererschlossen und den angebotenen Funktionen nicht angemessen. An den Wohnsiedlungen an den Teichen sind die intensiven Parkbereiche grundsätzlich gut positioniert und beinhalten dauerhafte Spiel- und Aufenthaltsbereiche.

    Klingenweiherpark
    Der Klingenweiherpark wird entlang der Teiche erschlossen, Plätze zum Wasser und die Moststation sind richtig positioniert. Mit Bezug auf den Retentionsraum wird die Einordnung der Terrassen, insbesondere aber der Inseln kritisch gesehen. Das Gelände der ehemaligen Deponie wird zurückhaltend extensiv bespielt. Die vorhandene Streuobstwiese wird über den Hang weiter hinauf entwickelt. Ein weiteres Landschaftsbauwerk – eine Art Mirador bildet am Rande der Obstwiese einen Höhepunkt und eröffnet den Ausblick in die Landschaft. Die Lage des Landschaftsbauwerks wäre infolge mit Blick auf die potentiellen Ausblicke zu prüfen.Im Norden des Parks schließt eine Station des Trimm-Pfads an den bestehenden Pfad an.

    Ausstellungskonzept
    Im Ausstellungkonzept wird spielerisch mit dem Thema Wasser-Blasen-Schaum umgegangen, Anordnung und Erschließung ist schlüssig.

    Das Motto „Stadt-Land-Wasser-Erleben“ wird in den unterschiedlichen Themensträngen fein herausgearbeitet. Die Erschließung des Geländes ist schlüssig, die gestalterische Umsetzung ist hochwertig. Die Notwendigkeit des Deichbauwerkes im Wörnitzpark wird mit der Landschaftsskulptur außergewöhnlich in Szene gesetzt. Empfohlen wird aber die Skulptur mit Blick auf Mauerhöhen und die Möglichkeit der Einfügung von Rasen von Rasenböschungen weiter zu entwickeln.