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  • DE-91717 Wassertrüdingen
  • 10/2014
  • Ergebnis
  • (ID 2-170485)

Natur in Wassertrüdingen 2019


  • Anerkennung

    wbp Landschaftsarchitekten GmbH

    Landschaftsarchitekten
    wbp Landschaftsarchitekten GmbH, Bochum (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Rebekka Junge , Christine Wolf

    Mitarbeit
    Jan Eickelberg, Sebastian Sippel, Caroline Neubert

    In Zusammenarbeit mit:
    Bauingenieure: Ing.-Büro Wolfgang Klein, Warstein (DE)

    Preisgeld
    6.720 EUR

    Erläuterungstext
    Die Wörnitzaue wieder als naturnahen Landschaftsraum zu erleben; mit einer grünen Parkverbindung Schloss, historische Innenstadt, Wallanlagen und den neuen Landschaftspark Klingenweiher zu verbinden und mit der neuen Klingenhalde einen spannenden Aussichtsort zu schaffen, soll mit der kleinen Gartenschau 2019 verwirklicht werden.

    Wörnitzaue als naturnaher Landschaftsraum
    Mit dem Bau der Hochwasserdeiche kann dem Fluss wieder ein naturnaher Verlauf in einer weiten, offenen Aue zurückgegeben werden. Der Fluss mäandriert in weiten Bögen ausserhalb des Deiches durch den Auenpark und überwindet so den Höhenunterschied ohne Staustufe. Der Auenpark wird über einige, wenige Wege erschlossen, eine (Hochwasser-)Drehbrücke und Stege zum Fluss, die Blickachsen zu Schloss und Stadtkirche nachzeichnen, machen den Fluss erlebbar und binden diesen Weg in die spannende Altstadtrunde mit ein.
    Die historische Stadtkante am Wasser mit dem Wehr, den Mühlengebäuden, den Flussmauern und den Gärten wird erhalten und weiterentwickelt. Durch den neuen Deich vom Fluss getrennt, erhält der Mühlenweiher dennoch einen hohen Durchfluss, so daß am Wehr ein Wasserrad betrieben und im Bereich des ehemaligen alten Flussarms eine Fischtreppe angeordnet werden kann.
    Mit einem Wasserrad soll an dieser historischen Stadt-Flusskante die Energiegewinnung aus Wasserkraft stadtbildgerechter und vor allem auch leiser und fischverträglicher, als mit einer Wasserschnecke möglich, gezeigt werden.
    Der ehemalige Altarm des Wörnitzkanals wird als natürliche Fischtreppe entwickelt. Damit bildet sich eine Insel inmitten des Wörnitzweihers aus, die naturnah entwickelt werden soll und den Störchen erhalten bleiben soll. Das Mühlengebäude wird zum Naturschutzzentrum entwickelt.
    Der dem Wall vorgelagerte Bereich soll mit Mauern zum Fluss, zwei Zugängen zum Wasser und Flussgärten eine eigene neue Identität erhalten. Ein Steg zwischen Lagerhaus und dem Zugang am Schlosswandplatz lässt den Wörnitzweiher auch auf Wasserhöhe erleben.
    Das Lagerhaus soll in eine städtische Auftaktfläche eingebunden werden. Hochwasserschutzmauern und eine Treppenanlage zur offenen Wiesenfläche bilden einen neuen, attraktiven Ort am Wasser.
    Die östliche Fläche zwischen den Brücken und dem neuen Deich steht für die Kirmes zur Verfügung. Hier werden neben dem Verkehrsübungsplatz Spiel- und Sportangebote für Jugendliche geschaffen. Mit Wegen und Rasenstufen wird der Deich einbezogen. Eine lineare Baumstruktur bildet eine räumliche Fassung nach Osten, ohne den Hochwasserabfluss zu verhindern.
    Der Schlossgraben wird mit einigen wassergebundenen Wegen erschlossen, eine Querung durch den Graben lässt den besonderen Ort erleben.

    Grüne Parkverbindung durch die Stadt
    Mit Grünstrukturen wie dem Friedhof, dem Weiher und der Allee am Weinbergweg sind bereits attraktive Verbindungsachsen vorhanden, die mit wenigen Ergänzungen bis zum Stadttor zur historischen Innenstadt ergänzt werden. Insbesondere im Bereich des Einkaufsmarkts werden mit Baumreihen und kleinen Plätzen die Aufenthaltsqualitäten langfristig verbessert. Der Weiher am Weinbergweg wird mit einem Steg und einem Rundweg in das Grünkonzept eingebunden. Im Bereich der Querung der Parkachse mit der Dinkelsbühlerstrasse/ Öttingerstrasse wird ein großzügiger Stadteingangsplatz mit Blick auf das Tor geschaffen. Für die Innenstadt wird ein System aus steinernen Strassen, Gassen und Plätzen vorgeschlagen.
    Die Wallanlagen, insbesondere die öffentlich zugänglichen im Westen der Stadt werden in das Grünverbindungskonzept eingebunden. Aber auch die privaten Wallflächen sollten langfristig entwickelt werden.
    Im Westen wird der Wohnmobilstellplatz erweitert und mit einem direkten Zugang zum Wörnitzweiher versehen. Auch der Deich mit dem Spazierweg ist direkt zu erreichen.

    Landschaftspark Klingenweiher
    Der neue Park im Norden der Stadt schafft eine neue Anbindung der Innenstadt an den Landschaftsraum im Norden. Durch die Fassung des neuen Parks mit raumprägenden Baumstrukturen wird eine gemeinsame Mitte vom Parkeingang am Baudenhardtweg im Süden, über die Klingenweiher und der neuen Klingenhalde im Norden geschaffen. Ein Rundweg fasst diesen überwiegend offenen Landschaftsraum. Die weite Freifläche des Landschaftsparks erhält dennoch unterschiedliche Ausprägungen: Im Süden wird ein parkartiger Auftakt mit Parkwiesen unter großen Bäume geschaffen. Die Mitte wird durch die offenen Wasserflächen mit Stegen und Zugängen zum Wasser geprägt. Der Aufstieg zur Klingenhalde und das Plateau der Klingenhalde selbst werden eher rauh und zurückhaltend entwickelt. Schotterflächen und Magerrasenwiesen sollen hier an die Entstehung der Klingenhalde erinnern.
    Die Ränder des Landschaftsparks sollen hingegen intensiver genutzt werden, sie sind als Spiel- und Sportflächen in Wohnungsnähe, als Streuobstflächen oder werden als Biotope vorgesehen. Auf der Klingenhalde werden Aussichtsflächen in den Gehölzrändern vorgesehen, die vor allem die Blickverbindung zum Hesselberg herstellen, aber auch Ausblicke auf die umliegende Feldstruktur erlauben.
    Ergänzend zum zentralen Rundweg im Park, der einen direkten Aufstieg über Treppen
    zur Klingenhalde vorsieht, ermöglicht ein barrierefreier Weg ebenfalls einen direkten, aber bequemen Aufstieg. Alle Wege sind barrierefrei.
    Den nördlichen Eingang bildet ebenfalls ein breites Band, das zum Aufenthalt einlädt und eine Achse zur Aussichtsplattform bildet.

    Ausstellungskonzept
    In der neuen Wörnitzaue wird eine weite, offene Flusslandschaft geschaffen. Hier steht die naturnahe Gestaltung des Flussparks im Vordergrund. Im Klingenweiherpark soll die Wiederherstellung von Landschafsräumen und deren Rekultivierung im Vordergrund stehen. Der offene, raue Charakter und die verwendeten Materialien, insbesondere die mit Bauholz beplankte Aussichtsplattform soll dem Besucher die Sekundärnatur näherbringen.
    Der Haupteingang zum Wörnitzauenpark liegt im Osten mit direktem Anschluss an den Busparkplatz. Die Fläche zwischen neuem Deich und Wörnitz, die auch weiterhin für das Volksfest zu Verfügung steht, nimmt im Sommer 2019 das Gastrozelt, Schau- und Veranstaltungsflächen. Die große Treppe und der neue Platz am Lagerhaus, der einen weiteren Eingang aus der Stadt aufnimmt, werden als Veranstaltungsorte genutzt.
    Der Schlossgraben wird mit Frühlingsblühern versehen, die Kleingärten bilden im ganzen Schaujahr einen intensiven Ausstellungsbereich. Der Flusspark am neuen Verlauf der Wörnitz wird nur extensiv mit einigen Gräserbändern, Stegen und Aussichtsplattformen gestaltet.

    Der Klingenweiherpark wird über ein breites, intensiv gestaltetes Band mit Wasserspiel, Gastronomie und Spielangeboten von der Stadtseite aus erschlossen. Breite Stufen führen zum südlichsten Klingenweiher und lassen einen attraktiven Auftakt entstehen. Die intensiven Ausstellungsflächen sind, dem Konzept folgend, in den Randbereichen untergebracht. Die Moststation bildet eines der Gastronomieangebote. Die vielfältigen Biotope werden mit Stegen und Wegen erschlossen, ein Naturinfozentrum vermittelt den besonderen Ort.

    Die Verbindung durch die Innenstadt wird durch kleine, temporäre Aktionen und KunstInterventionen insbesondere zum Thema Wasser attraktiviert. Ein Pendelverkehr mit Pedelecs oder Fahrradrikschen lässt den Besucher die Parkbereiche auf attraktive Weise erreichen.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Entwurf postuliert eine naturnahe Gestaltung.
    Wörnitzpark
    Die neue Wörnitz wird stark mäandrierend vor den Deich gelegt und frontal auf den Speicher verschwenkt. Zwischen Lagerhaus und Brücke entsteht der sog. „Flussplatz“, der einen großzügigen Eingangsbereich zur Stadt und den Übergang zum Festplatz markiert. Zwischen Deich und Stadt entsteht der Mühlweiher mit kleiner Insel. Am Weiher werden zwei kleine Plätze mit Sitzstufen zum Wasser angeboten, einer am Nordufer mit Verbindung zum Entengraben, einer am Ostufer mit Verbindung zur Mühltorstraße, die die Verbindung von Stadt und Landschaft ermöglichen. Kritisch diskutiert wurde die zwischen Speicher und Brücke entstehende, sehr lange massive Hochwasser-Mauer, die die Erlebbarkeit des Flusses stark einschränkt. Der Festplatz ist angemessen zurückhaltend geordnet. Die Wegverbindung Entengraben – Deich wirkt verwirrend, die Anordnung einer Hochwasserdrehbrücke über die neue Wörnitz ist unklar, die Wegeführung in der Flussaue erscheint beliebig.

    Klingenweiherpark
    Der Klingenweiherpark wird insgesamt zurückhaltend erschlossen und gestaltet. Ein grüner Rahmen und eine offene Mitte soll Teiche und Deponie verbinden. Der großer Quartiersplatz an der Schwarzkopfsiedlung und der Rastplatz am Nordostrand der ehemaligen Deponie wirken sehr formalistisch und überdimensioniert. Die Potentiale des Naturerlebnisses an den Teichen werden nicht ausgeschöpft, lediglich in den ehemaligen Lehmgruben wird ein Naturlehrpfad angeboten. Am westlichen Rand der Anhöhe werden Landschaftsfenster und Aussichtsbalkone eingesetzt, die immer wieder den Blick in die laufende Deponie, aber vor allem auch über diese hinweg zum Hesselberg ermöglichen. Zusätzlich dazu wird auf dem offenen Hang ein Aussichtsplateau angeboten. Der Hang und die Ausstattungen auf demselben sollen bewusst roh und rau, großteils mit Recyclingmaterialien gestaltet werden.

    Ausstellungskonzept
    Der Ausstellungsschwerpunkt wird im Klingenweiherpark angeboten, vor allem dem westlichen grünen Rahmen zur Wohnbebauung. Im Wörnitzpark finden sich Funktionsflächen (Bühne, Zelte, Markt).

    Die Stadtkante zur Wörnitzaue ist mit ihren Platzfolgen und Wegen am Wasser gut ausformuliert, lediglich der Platz am Lagerhaus erscheint zu monumental. Das landschaftliche Wegesystem und die Baumstandorte bleiben an vielen Stellen unklar. Leider sind die Perspektiven nicht geeignet, die angestrebten Atmosphären zu vermitteln.