loading
  • DE-93073 Neutraubling
  • 12/2015
  • Ergebnis
  • (ID 2-183102)

Neubau eines Stadtparks


  • Anerkennung

    Park_Hauptweg, Mettler Landschaftsarchitektur

    Landschaftsarchitekten
    Mettler Landschaftsarchitektur, Gossau (CH), Berlin (DE) Büroprofil

    Preisgeld
    3.400 EUR

    Erläuterungstext
    Die bisher landwirtschaftlich genutzten Flächen wandeln sich in einen ökologisch wertvollen Stadtpark, welcher vielseitige Erholungs- und Freizeitnutzungen ermöglicht.
    Der neue Park gliedert sich in einen Baumhain, in eine offene Rasenfläche und eine extensiv gepflegte Wiesenfläche. Der Baumhain bildet das Rückgrad der Anlage und begrenzt den Park im Westen zu den Industrie- und Parkplatzflächen. Er wird über den Ideenteil fortgeführt und knüpft an den Gehölzbestand in den angrenzenden Quartieren an. Drei unterschiedliche Wegtypen verbinden die Parkbereiche miteinander und mit der Umgebung.
    Der Hauptweg aus hellem Asphalt führt als großzügiger Schwung durch den Park und verbindet das Wohngebiet im Süden mit dem Ortskern. Ein Rundweg aus heller Wassergebundener Wegedecke führt durch die offenen Rasenfläche als auch durch den Baumhain und die Staudenflur und ermöglicht das Erleben unterschiedlicher Raumeindrücke. Zur direkten Querung führen geradlinige Wege in Ost-West-Richtung durch den Park. Ihre Oberfläche und Haptik aus erdfarbener wassergebundener Wegedecke wechseln an prominenten Stellen zu einem Holzsteg. Den Querwegen sind kleine Plätze zugeordnet, die je nach Standort und Wetter zum Sonnen- oder Schattenplatz werden. Die Parkeingänge im Norden und Süden bilden baumbestandene Platzflächen. Sie ermöglichen vielseitige Nutzungen und verknüpfen den Stadtpark mit den umliegenden Quartieren. Auf dem nördlichen Platz werden ein Pavillon mit Ausschankmöglichkeit sowie Besucherstellplätze integriert. Besucherstellplätze werden außerdem im Bereich der Traunreuter- Ecke Pommernstraße angeboten. Die öffentliche Toilettenanlage sowie ein Unterstand werden im Bereich des Baumhains platziert. Fahrradstellplätze werden dezentral an den Parkeingängen angeordnet. Gruppen von Robinienhölzern sorgen am Rand des Baumhains für Spielmöglichkeiten zum Klettern, Balancieren und Schaukeln auf der Wiese und zwischen den Bäumen.
    Die Sitzmöbel in unterschiedlichen Größen (Hocker, lange und kurze Bank), aus soliden Holz- und Metallverbindungen, mit Arm- und Rückenlehnen erleichtern auch älteren Besuchern ein bequemes Sitzen. Die Positionierung des Mobiliars orientiert sich an den Bewegungsströmen und lehnt sich an das Gesamtkonzept der Wege und Plätze an. Gruppen von Sitzhockern und -bänken laden zum Verweilen unter Bäumen oder freiem Himmel ein, die Holzstege zum informellen Liegen oder Sitzen in der Wiesenlandschaft.
    Licht ist bestimmend für die gefühlte Atmosphäre. Helligkeit und Lichtfarben stimmen den Menschen ein. Zonierte Helligkeitsverteilungen orientieren die Wahrnehmung wie selbstverständlich. Die Atmosphäre des Parkraumes in den Abend und Nachtstunden wird über das Licht vermittelt und erzeugt. Mastleuchten auf den Plätzen und entlang des Rundweges erhellen den Raum. Die eingesetzten Leuchten mit guter Ausblendung verbessern die Raumwahrnehmung. Ziel der Beleuchtungsintervention ist es, eine zurückhaltende und ruhige Beleuchtungssituation der wichtigen Wege und Plätze zu erreichen. Die Parkmitte soll in den Abend und Nachtstunden ruhig sein und wird daher nicht beleuchtet. Neben den atmosphärischen Aspekten sind unter anderem die sicherheitsrelevanten und ökologischen Anforderungen Entwurfsgrundlage.

    Der Baumhain im westlichen Parkteil wird, zur raschen und langjährigen Entwicklung eines ansehnlichen Baumbestandes, mit schnell und langsam wachsender Arten kombiniert. Die schnell wachsenden Pionierarten, Schwarzpappel (Populus nigra) und Birke (Betula pendula) entwickeln sich mit langsam wachsende Arten wie Feldahorn (Acer campestre), Stieleiche (Quercus robur), Winterlinde (Tilia cordata), Elsbeere (Sorbus torminalis) oder Hainbuche (Carpinus betulus). Im Laufe der Zeit verändert sich der Baumhain, da die Pionierarten sukzessive entnommen und den langsam wachsenden Arten platz bieten. Punktuell wird der Baumhain mit Unterpflanzen wie Haselnuss (Corylus avellana), Weissdorn (Crataegus laevigata) oder Schlehe (Prunus spinosa) angereichert.
    Den Baumgruppen in den offeneren Rasen- und Wiesenbereichen werden Baumarten mit einer besonderern Ästhetik beigemischt. Durch ihren Habitus, ihre Borke, die Blatttextur oder Blühaspekte erzeugen Vogel-Kirsche (Prunus avium), Tulpenbaum (Liriodendron tulipifera) und Gelbholzbaum (Cladrastis lutea) eine besondere Atmosphäre.

    Im inneren Parkbereich breitet sich eine weitläufige Rasenfläche aus. Sie verzahnt sich mit der angrenzenden extensiv gepflegten Wildstaudenwiese. Einen besonderen Ort in der Rasenfläche markiert ein ca. 1,80 m hoher Hügel. Der Ausgleich zwischen Auf- und Auftrag erfolgt innerhalb des Geländes. Die Parkmitte wird leicht gesenkt und die Auffüllung erfolgt im Bereich des Hügels. Einzelne, locker angeordnete Baumgruppen aus Obst- und Nussbäumen bilden Schwerpunkte in der offenen Hügellandschaft. Im Bereich des Bodendenkmals wird von topografischen Überformungen abgesehen. Große Teile der Fläche mit zu erwartenden Bodendenkmälern werden als Parkfläche genutzt und von Bebauung frei gehalten.
    Die extensive Wildstaudenwiese folgt in ihrer Struktur der parzellenartigen Gliederung landwirtschaftlich genutzter Flächen. Die Struktur wird erkennbar durch den Hauptanteil bestimmter Wiesenarten je „Parzelle“ und den dadurch entstehenden Unterschieden in Farbe, Blühzeitpunkt, Habitus und Textur. Ausgewählt werden Leitarten wie Kartäusernelke (Dianthus carthusianorum), Wiesensalbei (Salvia pratensis), Margerite (Leucanthemum vulgare) oder Arnika (Arnica montana).

    Die neue Bebauung im Ideenteil reagiert auf die bestehende Bebauungsstruktur. Bezugnehmend auf die angrenzenden Geschosswohnungsbauten wird im nördlichen Teil mit bis zu fünfgeschossigen, durchlässigen Gebäudeblöcke eine stärkere städtebauliche Setzung vorgenommen. Im Vergleich dazu orientieren sich die Neubauten im südlichen Teil an der kleinteiligen Baustruktur des Baugebiets Birkenfeld West II.

    Der Baumhain und die weiträumigen Rasen- und Wiesenlandschaft mit den lockeren Baumgruppen bilden den großzügigen neuen Park. Er verbindet und hebt gestalterische und ökologische Belange gleichermaßen hervor. Die Blickbeziehungen - Aus- und Einblicke - werden durch die Anordnung der Bäume und der Topographie inszeniert und verstärkt. Die Ränder und Übergänge werden unterschiedlich gestaltet und bilden gleichzeitig verschiedene Parkbereiche aus. Diese verzahnen sich miteinander und bilden ein harmonisches Ganzes. Der Park wird zum wichtigen Verbindungs-, Aufenthalts- und Lebensraum für Neutraubling und soll eine angenehme Koexistenz der vielfältigen Nutzungsansprüche von Bewegung, Spiel, Erholung und Aufenthalt aller Alters- und Personengruppen unterstützen.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Arbeit setzt auf eine klare und radikale räumliche Gliederung des Bearbeitungsgebietes: Ein dichter Wald mit Unterpflanzung zur westlich liegenden Industrie und eine große offene Wiese zu den östlich angrenzenden Pferdekoppeln.
    In der Dualität dieser unterschiedlichen Räume und deren Atmosphären liegt das Potenzial des Entwurfes. Die darübergelegte Wegstruktur spielt mit diesem Potenzial, indem es die Räume zueinander in Beziehung setzt.
    Ein beleuchteter Rundweg, eine mittige Platzspange mit Ankunftsplätzen im Norden und Süden sowie Querwege bewegen sich im Spannungsfeld dieser unterschiedlichen Atmosphären.

    Der Wald mit Unterbepflanzung schafft eine wirksame Zäsur zur Industrie und eignet sich gut als ökologische Ausgleichsfläche; ebenso die sanft daran anschließenden Feldstrukturen mit Wildstauden.
    Daran angrenzend die offenen Rasenflächen, die gegen Norden mit einem leichten Hügel akzentuiert werden. Im räumlich geschickt inszenierten Übergang der Vegetationsschichten liegt eine große Stärke des Entwurfes.

    Das Wegsystem und die Plätze wirken demgegenüber in ihrer Ausformulierung etwas schematisch. Gerade das überaus klare räumliche Grundschema hätte einen etwas differenzierteren Umgang mit dessen Entdeckung verdient. Beispielsweise verläuft der Rundweg im Osten etwas unmotiviert fast parallel zur Pirkacher Breite, ebenso ist die Setzung der Querspangen im Detail schwer nachvollziehbar.
    Der gut gemeinten Idee der in die Tiefe des Parks führenden Holzstege fehlt die Präzision in der Setzung.

    Die ortsbaulich klare Haltung der Öffnung gegen Osten bindet die Flächen der Pferdekoppeln räumlich mit in den Park ein.
    Geschätzt wird die Positionierung des nördlichen und südlichen Platzes, die eine gute Vernetzung mit den angrenzenden Wohngebieten gewährleistet.
    Die städtebauliche Setzung im nördlichen Ideenteil schafft einen guten Parkabschluss sowie eine Adresse der neuen Siedlung an der Haidauer Straße. Die kleinmaßstäbliche Siedlungsstruktur im Süden wird als möglich, jedoch insbesondere in ihrem Abschluss zum Park als nicht zwingend erachtet.

    Insgesamt liegt die Stärke der Arbeit in der klaren räumlichen und atmosphärischen Grundhaltung, die innerhalb des dispersen Umfeldes in ihrer ruhigen Einfachheit eine eigenständige Identität aufzubauen vermag, jedoch in der Detailausbildung zu schematisch bleibt.