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  • DE-68309 Mannheim
  • 12/2014
  • Ergebnis
  • (ID 2-186249)

Columbus-Quartier


  • 2. Preis


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    Stadtplaner
    berchtoldkrass space&options Raumplaner, Stadtplaner. Partnerschaft, Karlsruhe (DE)

    Verfasser
    Martin Berchtold , Philipp Krass

    Preisgeld
    14.000 EUR

    Erläuterungstext
    COLUMBUS QUARTIER. matching pattern Mannheim Nordost

    ENTWURFSANSATZ
    Das Columbus Quartier ist das fehlende Puzzlestück in der bisher dispersen und stark fragmentierten Stadtlandschaft des Mannheimer Nordostens, das mit extrem schwierigen Herausforderungen zurechtkommen muss. Der strategische Ansatz des „matching patterns“, eines passgenau auf diese Situation zugeschnittenen, neuen Stadtbausteins, wandelt die vermeintlichen Nachteile mit einfachen und pragmatischen, dabei aber durchdachten, wirksamen und machbaren Mitteln in Standortvorteile um, die nicht nur das Quartier selbst, sondern auch die Umgebung mit hoher räumlich-funktionaler Qualität ausstatten und zu einem neuen Zusammenhalt des Mannheimer Nordostens führen.

    ÜBERLEGT ERGÄNZEN & VERMITTELN
    Im Columbus Quartier kommen viele unterschiedliche Raumelemente zusammen, ohne bisher wirklich miteinander in Austausch treten zu können: Stadtautobahn, Großwohnsiedlung, Kasernenkonversionen, Wald, Parkfragmente. Der neue Stadtbaustein formt hier ein zusammenhängendes Quartier mit eigenem Profil und vermittelt gleichzeitig zwischen den bisher getrennten Elementen. Über zwei Fuß- und Radbrücken über die B 38 werden Vogelstang und Columbus Quartier miteinander verbunden und bis den neuen Franklin Park mit seinen Sport- und Freizeitangeboten, die neuen Wohngebiete und in den Käfertaler Wald vernetzt.

    ADRESSEN SETZEN
    Der neue Stadtbaustein bildet verschiedene eindeutige Adressen aus, die dem Gebiet eine grundsätzliche räumliche und funktionale Klarheit verschaffen. Die beiden Ankerinvestoren (Möbel- und Baumarkt mit entsprechenden Ergänzungen) werden bewusst gemeinsam auf der zusammenhängenden Teilfläche im westlichen Plangebiet positioniert, um ein möglichst großes, zusammenhängendes Areal für die Entwicklung des östlichen Areals zu schaffen und die sehr unterschiedlichen Verkehre entsprechend zu entzerren. Dort entsteht ein Mischgebiet höherer städtebaulicher Dichte mit Gewerbe-, Wohn-, Kultur- und Bildungsfunktion. Außerdem kann so eine hohe Flexibilität für sich ändernde Rahmenbedingungen erzielt werden (s.u.).

    ZONEN & TYPEN GENAU EINPASSEN
    Der neue Stadtbaustein bedarf entsprechend des „matching pattern“-Ansatzes einer genauen Zonierung und der Entwicklung hierauf ausgerichteter spezifischer Typologien, die auf die Rahmenbedingungen reagieren und dennoch ein möglichst hohes Maß an Urbanität erzeugen. Entsprechend einer Abstufung des motorisierten Verkehrs von der B38 zur Birkenauer Straße hin werden die Typologien in drei Zonen eingepasst: Angrenzend an die parallel zur B38 verlaufende Service Lane befindet sich die Unternehmenszone, die flexible Gebäudetypologien entsprechend der individuellen Anforderungen zulässt, jedoch eine klare und repräsentative Kante zur B 38 vorschreibt. Nördlich schließt sich der emissionsfreie Quartierteil mit kleineren, nicht-störenden Gewerbeeinheiten, Büroflächen und speziellen Wohnformen an, die in Gebäude-Schollen mit Sockelgeschoss ausgebildet sind. Die Sport- und Freizeitnutzungen hingegen bilden locker eingestreute Inseln im neuen Franklin Park.

    ROBUST & FLEXIBEL SEIN
    Der Entwurf setzt auf ein bewusst einfaches Grundregelwerk, das eine robuste langfristige Entwicklung ohne andauernde Anpassungsbedarfe gewährleistet. Gleichzeitig wird durch die spezifische Zonierung ein hohes Maß an Flexibilität und Anpassungsfähigkeit erreicht: Dies gilt zum einen für die Anforderungen der einzelnen Unternehmen im östlichen Bereich. Sollten sich hinsichtlich der Ankerinvestoren die Rahmenbedingungen ändern, besteht auch im westlichen Bereich hohe Flexibilität: Das Konzept ermöglicht in diesem Fall eine Erweiterung des modularen Konzeptes auch in diesem Bereich.

    EINDEUTIG ZURÜCKHALTEND BEGRÜSSEN
    Die Südseite des Columbus Quartiers bildet zukünftig die neue Stadteingangssituation von der B 38 aus. Ebenso wie Möbel- und Baumarkt haben die Unternehmen, die sich hier im Zuge der Ingenieurmeile verstärkt ansiedeln werden, eine ideale Präsentationsfläche zur stark frequentierten Stadtautobahn. Um dem Mannheimer Stadteingang ein hochwertiges, angemessenes Erscheinungsbild zu geben und gleichzeitig die markanten Bebauungen von Vogelstang zu würdigen, werden im Columbus Quartier klare, aber zurückhaltende Bebauungslinien verfolgt, die auch der unternehmerischen Haltung entsprechen. Die Reduzierung der Spuren der B 38 und eine markante Begrünung unterstützen diese Geste auf Wahrnehmungs- bzw. Augenhöhe und erzeugen einen neuen, räumlich und funktional attraktiven Stadteingang.


    ERSCHLIESSUNG
    Eine Service Lane erschließt das gesamte Gebiet von Süden her mit insgesamt drei Abfahrten: die existierende Abfahrt zu den Bestandsgebäuden am Ostende, eine neue Abfahrt Richtung Friendship Circle, von der aus das gesamte zentrale Columbus Quartier erschlossen wird und die neue Zufahrt zu den Fachmärkten, auf denen stadteinwärts fahrende Kunden schnell und bequem zum Ziel finden. Stadtauswärts wird eine weitere Einfahrt zu den Fachmärkten direkt von der Abfahrt der L597 Waldstraße her installiert. Die parkbegleitende Birkenauer Straße erschließt quartiersübergreifend alle Abschnitte für den Langsamverkehr zwischen Käfertal und Viernheim und schließt an die Straßenbahnlinie 5 und die Elektrobus-Linie an. Der MIV hat hier nur lokale Bedeutung.

    ENERGY MOBILITY CUBE
    Das Mischgebiet des Columbus Quartiers ist emissionsfrei und wird nur von Anwohnern mit Elektromobilen befahren, die in Tiefgaragen unter den Bebauungsschollen parken. Besuchern des Columbusquartiers und Anwohnern, die mit regulären PKWs fahren, stehen Stellplätze im Energy Mobility Cube - einem Leuchtturmprojekt des BFVs - an der Fürther Straße zur Verfügung.

    DREI TYPOLOGIEN IM MISCHGEBIET
    Typologie 1: Erhaltenswerte Gebäudeteile der bestehenden Kasernen werden mit Neubauten ergänzt und bilden Blöcke aus. Im Erdgeschoss dieser Blöcke befinden sich gemeinsam nutzbare Arbeits- und Werkräume, Studio-Wohnungen können in allen Geschossen untergebracht werden. Diese Wohnungen, die zum Teil als Maisonetten ausgebildet sind, eignen sich auch für Kleinst-Unternehmer, die hier produzieren und arbeiten können. Wohnungen mit Zugang aus dem Erdgeschoss eignen sich so auch für Büronutzung und Dienstleister. Die Elektro-Autos der Nutzer werden jeweils in einer Tiefgarage abgestellt.
    Typologie 2: Ein Sockelgeschoß enthält flexibel teilbare Flächen für Läden, Praxen, Dienstleister oder kleinere Gewerbeeinheiten bereit. Auf dem Sockel befinden sich Wohngebäude. Eine Tiefgarage ermöglicht das Parken von Elektro-Autos der Bewohner.
    Typologie 3: Diese Blöcke bestehen aus um einen Innenhof gruppierten Bürogebäuden. Sie profitieren von der Nähe zu den Haltestellen der Straßenbahn und der geplanten Elektro-Buslinie und sorgen so für die weitere Durchmischung des Gebiets.

    MEDIENBAND
    Das Medienband befindet sich östlich entlang der Fürther Straße und passt sich nahtlos in die Zonierung und Körnung des Columbusquartiers ein. Im Gewerbegebiet befindet sich der Medienverleiher mit seinen großen Hallen. Im angrenzenden Bereich des Mischgebiets schließen sich der Energy Mobility Cube und die Multifunktionshalle an. Nordöstlich des Friendship Circle befindet sich der Medienpark mit Büroräumen, Studios und dem Musikclub.

    REALISIERUNGSSTRATEGIE VON ZWEI SEITEN
    Da Teile des Bestands noch mehrere Jahre von teils temporären Nutzungen belegt sind, wird die Strategie einer Bebauung aus zwei Richtungen verfolgt: Die Entwicklung des Columbus Quartiers Ost nimmt ihren Ausgangspunkt am Friendship Circle und wird je nach Verfügbarkeiten des Bestandes schrittweise nach Westen hin erweitert. Unabhängig davon kann der westliche Bereich des Columbus Quartiers mit Möbel- und Baumarkt sowie Grünverbindung nach Vogelstang gebaut werden, sobald die entsprechenden Flächen zur Verfügung stehen. So entstehen zeitgleich der städtischere Übergang zwischen Zentrum Vogelstang und Columbus Quartier sowie die Grünverbindung von Vogelstanger See zum Käfertaler Wald durch die Großsiedlung und die öffentliche Grünfläche beim Baumarkt, die hier zugleich als angenehmer Puffer zum Mischgebiet dient.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Städtebau

    Der Entwurf besticht durch seine einfache, aber durchaus logische Sortierung der unterschiedlichen Nutzungen. Die beiden großflächigen Einzelhändler sind im südwestlichen Planungsgebiet gemeinsam angesiedelt, daraus ergeben sich durchaus Synergieeffekte. Das nicht komplett erfüllte Raumprogramm des Möbelhauses wurde nicht komplett erfüllt, könnte aber durch eine Erhöhung der Kubatur ergänzt werden. Die Lage des Parkhauses sollte überdacht werden. Die geplante PKW-Anbindung im Bereich B38 /Waldstraße und Heppenheimer Straße wird in Frage gestellt.
    Im nordöstlichen Bereich werden Baufelder mit einer hohen Flexibilität angeordnet, die sowohl gewerbliche Hallen- als auch kleinteilige Bürostrukturen zulassen. Auch Wohnen im rückwärtigen Bereich an der Birkenauer Straße fügt sich selbstverständlich in das städtebauliche Gefüge ein. Der Medienpark hat in dem Entwurf kein Alleinstellungsmerkmal und wird dadurch beliebig. Der Übergang zum Waldeckweg ist schlüssig gelöst.
    Nördlich der Birkenauer Straße werden Sport- und Freizeitnutzungen angeordnet, die damit den Sportpark stärken.
    Die Raumkante entlang der Bundesstraße wird trotz unterschiedlicher Bebauungsstrukturen gut gefasst, ohne die dahinter liegenden Nutzungen abzuriegeln.

    Ein zentraler Bereich als grüner Anger trennt die beiden Großstrukturen und dient über die Birkenauer Straße hinaus als Landschafts- und Sportfenster zum grünen U. Die Fuß und Fahrraderschließung zwischen BFV Mitte über Columbus in die Vogelstang wird positiv bewertet. Der Anknüpfungspunkt auf Seiten der Vogelstang ist allerdings nicht richtig gewählt. Die aufwendig gestaltete Brücke endet ziellos zwischen den Hochhäusern des benachbarten Stadtteils.

    Eine direkte Verbindung von der Lincoln Street über Columbus an die Bundesstraße ist sinnvoll. Kritisch zu betrachten ist die Parallelität der Straßenanbindung der B38 an den Friendship Circle mit der 2. Fuß- und Radwegeverbindung Richtung Vogelstang. Die Funktionsfähigkeit des Tiefgaragenkonzeptes im nordöstlichen Plangebiet muss nachgewiesen werden.

    Die hohe Dichte bzw. Ausnutzung ist durchaus vertretbar und ist unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten auch aufgrund der geringen Erschließungsflächen positiv zu bewerten. Auch ist durch das vorgeschlagene Konzept eine phasenweise Realisierung gut möglich.

    Das Konzept löst das Nebeneinander von großflächigem Einzelhandel zu kleinteiligeren Strukturen auf einfache und selbstverständliche Weise. Im Bereich des fahrenden und ruhenden Verkehrs sind Überarbeitungen notwendig. Besonderes Augenmerk sollte allerdings bei einer Realisierung auf die Architekturqualität entlang der B38 gelegt werden. Insgesamt aber, auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten, eine gute Lösung für die gestellte Aufgabe, mit der weiter gearbeitet werden könnte.
    Ein Energiekonzept liegt nur im Ansatz vor. Der Energy-Mobility-Cube an der Fürther Straße ist der ÖV-Haltestelle nicht klar genug zugeordnet. Das Gebäude ist für eine PV-Nutzung auf den Fassaden zu stark verschattet.


INFO-BOX

Angelegt am 08.12.2014, 15:30
Zuletzt aktualisiert 12.12.2014, 15:58
Beitrags-ID 4-96145
Seitenaufrufe 131

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