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  • 1. Preis

    Dreiecksplatz, © pbs architekten

    Architekten
    pbs architekten Gerlach Wolf Böhning, Aachen (DE), Leipzig (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Reinhard Gerlach , Prof. Andreas Fritzen

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten, Stadtplaner: Fritzen Architekten und Stadtplaner, Köln (DE)

    Preisgeld
    26.500 EUR

    Erläuterungstext
    LEITIDEE

    Der Masterplan Campus West sieht für das Campusband die räumliche Fassung des Straßenraums mittels einer straßenbegleitenden Bebauung vor. Dies nehmen wir zum Anlass, die angrenzenden Gebäude bereits auf den künftigen Straßenraum auszurichten und so das gesamte Quartier vor Schall zu schützen

    Im zentralen Bereich des Quartiers dagegen führt das Bedürfnis nach flexibel bebaubaren, sauber strukturierten Baufeldern zu einer orthogonalen Struktur, die auf die Grundstücksgrenzen, die Erschließungsanschlüsse und das ehem. Kloster reagiert.

    Somit entsteht an der Schnittstelle zwischen Lärmschutzbebauung und Quartierszentrum eine spannende, identitätsstiftende stadträumliche Konstellation: ein prägnanter, baulich gefasster Dreiecksplatz, welcher als Stadtplatz auch gestalterisch in einen Dialog mit dem durchgrünten neuen Klosterpark tritt.

    ERSCHLIESSUNG

    Die Erschließung des Quartiers erfolgt mittels zweier an die Süsterfeldstraße angebundene Stiche. Sämtliche Tiefgaragen sowie die öffentlichen Stellplätze sind direkt an diese Wohnstraßen angebunden.
    Somit bleiben weite Teile des Quartiers verkehrsfrei. Die Verbindungswege zwischen beiden Stichstraßen sind jedoch für Einsatz- und Müllfahrzeuge und im Bedarfsfall auch für PKW befahrbar.

    FUSS- UND RADWEGENETZ

    Das gebietsinterne Fuß- und Radwegenetz verknüpft die Süsterfeldstraße engmaschig mit dem künftigen Campusband: Die barrierefreie öffentliche Anbindung an der südwestlichen Grundstücksecke wird ergänzt durch zwei halböffentliche Verbindungen zwischen den Lärmschutzbaukörpern.

    LÄRMSCHUTZBEBAUUNG

    Die Bebauung am Campusband ist konsequent mit 2 'Vorderseiten' ausgebildet. Nach Süden erzeugen die Fassadenvor- und -rücksprünge, die baukörperverbindenden Terrassen sowie der angemessene Fensteranteil eine wohlstrukturierte Raumkante ohne jede abweisende Geste. Die Erschließung der Treppenhäuser erfolgt gleichberechtigt sowohl vom Campusband als auch vom Dreiecksplatz aus.

    Dort zeigt sich die Bebauung als plastisch ausgebildete 'Perlenkette' aus 5 Baukörpern mit dazwischengeschalteten Gartenhöfen.

    Diese Baukörperkonstellation erzeugt in den Regelgeschossen einen Vierspänner, bei dem sämtliche Wohnungen mindestens zweiseitig belichtet sind. Alle Aufenthaltsräume an der lärmbelasteten Südseite sind mit festverglasten Schallschutzfenstern versehen und weisen Lüftungsfenster zum schallgeschützten Gartenhof auf.
    Die gleichberechtigte Anbindung der Gebäude an den Campusring ermöglicht prinzipiell eine spätere Umwidmung von Gebäudeteilen in gewerbliche Flächen, falls sich dies als sinnvoll erweisen sollte.

    BEBAUUNG IM QUARTIERSZENTRUM

    Die in eine orthogonale, klare Struktur eingebetteten Baufelder des Quartierzentrums sind in Ihren Zuschnitten darauf ausgelegt, flexibel mit bewährten, qualitätsvollen Wohnungsbautypen gefüllt werden zu können.
    Nachgewiesen wird dies prototypisch für einen 13 Meter tiefen und 25,5 Meter breiten Drei- bis Vierspänner, der geschoss- oder gebäudeweise so flexibel in seiner Grundrissstruktur ist, dass sämtliche für den freifinanzierten Wohnungsbau gewünschten Wohnungstypen hier abgebildet werden können.

    Die Kita kann in einem Solitärbaukörper oder alternativ als Teilnutzung innerhalb eines viergeschossigen Wohngebäudes angeordnet werden. Die gewählte Positionierung ermöglicht die Nutzung der zugeordneten, durchaus lärmausgesetzten Freifläche ohne Einschränkungen, da die Kita vom nächtlichen Rangierbetrieb auf dem Bahngelände zeitlich nicht betroffen ist.

    BEBAUUNG AN DER NORD-WESTLICHEN GRUNDSTÜCKSGRENZE

    Auf die angrenzende Siedlung Süsterau reagiert das Quartier mit einer zurückhaltenden Geste: Die zur Grundstücksgrenze hin dreigeschossige Bebauung weist lediglich mit ihren Giebeln zur Süsterau und erzeugt so eine durchlässige räumliche Verzahnung zur Nachbarschaft. Auf den vier Baufeldern sind Geschosswohnungsbauten und Einfamilienhäuser abwechselnd positioniert, was zur sozialen Durchmischung beiträgt und zudem eine Anbindung der Einfamilienhäuser an die Tiefgaragen des Geschosswohnungsbaus ermöglicht.

    TOPOGRAFIE / TIEFGARAGEN

    Das Gelände fällt zwischen Campusband und Süsterfeldstraße um ca. 12 Meter ab.
    Die Lärmschutzbebauung fängt bereits 3 Meter dieses Niveauunterschiedes auf, indem sie sich zum Campusband als Dreigeschosser (zuzüglich Lärmschutzattika) und zum Quartierszentrum als Viergeschosser zeigt.

    Alle anderen Baufelder werden als Plateaus ausgebildet, welche jeweils im Südwesten niveaugleich an das Gelände anschließen und nach Nordosten 2 bis 3 Meter herausragen.
    Dies erzeugt zum einen eine angemessene Privatheit der Erdgeschosswohnungen gegenüber dem Straßenniveau und ermöglicht zum anderen kostengünstige, natürlich belichtete und belüftete Tiefgaragen mit kurzen Zufahrtsrampen.
    Die Treppenhäuser mit ihren Durchladeraufzügen stellen hierbei barrierefrei die Verbindung von Straßen- und Geschossniveau her.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Das Quartier wird durch zwei Stichstraßen erschlossen, die in einen räumlich klar gefassten und städtebaulich richtig gelegenen Dreiecksplatz münden. An die Südseite des Platzes schließt eine kammartige, geschlossene Bebauung sinnvoll an das Campusband an. Diese wird an der nördlichen Platzseite ergänzt durch eine maßvolle Fortführung der Bestandsstrukturen des ehemaligen Klosters durch Zeilenbauten, die zum einen den Klostergarten einfassen und zum anderen offene Wohnhöfe bilden. Im Nordwesten schließt das Quartier sinnvoll an die Bebauung Süsterau an. Richtigerweise wird diese durch eine Mischung von Stadthäusern sowie durch Reihenhäuser ergänzt. Entlang der nordwestlichen Wohnstraße ermöglichen kleine Plätze eine differenzierte Adressbildung.

    Der Entwurf besticht insgesamt durch seine klare städtebauliche Sprache und durch die überzeugende baukörperliche Lösung des Lärmschutzes am südöstlichen Rand des Quartiers zum Campusband hin. Die Grundrisse der dargestellten Wohnungen überzeugen sowohl funktional als auch hinsichtlich ihrer Durchmischung. Die Kammstruktur der Bebauung ermöglicht eine Belichtung der Wohnungen zu unterschiedlichen Himmelsrichtungen sowie ihre natürliche Belüftung bei gleichzeitiger Einhaltung des Schallschutzes auf der Südseite. Positiv wird weiterhin gesehen, dass das Quartier ein flexibles Angebot an differenzierten Wohnformen unter für anderem für studentisches Wohnen in Campusnähe anbietet. Die Kindertagesstätte fügt sich harmonisch in die Wohnbebauung ein und ist über die südliche Stichstraße zweckmäßig angebunden.

    Die Einbindung des Klosterparks und damit die Öffnung zum ehemaligen Kloster verbindet das neu entstehende Quartier überzeugend mit der bestehenden Bebauung und sichert eine hohe Aufenthaltsqualität. Die vorgeschlagene Absenkung des Klosterparks sollte im Zusammenhang mit den Höhenlagen der angrenzend geplanten Wohnbauten überprüft werden.

    Der Entwurf nimmt die topografischen Herausforderungen des Quartiers geschickt auf, ohne bei der Höhenentwicklung ein verträgliches Maß zu überschreiten. Einzig die Überhöhung der Bauten im Binnenbereich des Quartiers durch das Aufsetzen von Staffelgeschossen erscheint überarbeitungswürdig.

    Mit 275 Wohneinheiten entspricht der Entwurf den Anforderungen der Auslobung. Die Anordnung der Tiefgaragen entspricht den beabsichtigen Bauabschnitten und erscheint daher gut realisierbar.

    Die Aufgabenstellung der Auslobung ist vollumfänglich erfüllt. Der Entwurf weist ein stimmiges Gesamtkonzept aus einer stringenten städtebaulichen Struktur sowie einer maßstäblichen, formal angemessenen baulichen Umsetzung auf und stellt somit eine ausgezeichnete Arbeit dar.