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  • 3. Preis

    Entwurf für den Neubau der Kinderklinik und Nuklearmedizin mit Radiochemie für das Universitätsklinikum Essen, © Nickl & Partner Architekten AG

    Architekten
    Nickl & Partner, München (DE), Berlin (DE), Zürich (CH) Büroprofil

    Verfasser
    Prof. Hans Nickl , Prof. Christine Nickl-Weller

    In Zusammenarbeit mit:
    Bauingenieure: SÜSS Beratende Ingenieure GmbH & Co. KG, München (DE), Nürnberg (DE), Frankfurt (DE)
    Bauingenieure: Hospitaltechnik Planungsgesellschaft mbH, Krefeld (DE)
    Tragwerksplaner: Mathes Beratende Ingenieure GmbH, Chemnitz (DE), Leipzig (DE)
    Landschaftsarchitekten: LATZ+PARTNER LandschaftsArchitektur Stadtplanung, Kranzberg (DE)

    Erläuterungstext
    Als Hochleistungszentrum der Medizin, Forschung und Lehre von höchstem Rang ist das Areal des Universitätsklinikums Essen von komplexen Verflechtungen und einem dichten baulichen Gefüge geprägt. Der Neubau ergänzt als weiterer Baustein das Ensemble des bestehenden Klinikgeländes mit einer klaren städtebaulichen Setzung innerhalb des dichten Gefüges des Campus des Universitätsklinikums. Die kompakte Form des Baukörpers nimmt Bezug auf die Gebäudetypologie des bestehenden Medizinischen Zentrums, arbeitet jedoch auch mit der Topographie des Klinikareals und verankert den Neubau so im ansteigenden Gelände. Das Gebäude, dessen Pflegebereich sich über dem dreigeschossigen, kompakten Hauptbaukörper und der darunter geschützt im Gelände liegenden Nuklearmedizin erhebt, passt sich der gegebenen Grundstücksform und der Maßstäblichkeit des bestehenden Medizinischen Zentrums an.
    Die Pflegebereiche sind durch ein leicht zurückversetztes Fugengeschoss vom Hauptbaukörper lesbar abgesetzt. In Abweichung zur Linearität des Gesamtgebäudes erhält der Aufbau der Pflegestationen in den oberen Ebenen eine teils schräg verlaufende Kubatur und abgewinkelte Fassade, um durch die Auflockerung der Strenge besonders qualitätsvolle Ausblicke einerseits und eine größere Abwicklung der Fassade andererseits zu erreichen, die der Qualität der Pflegezimmer dahinter zugutekommt.
    Mit besonderem Augenmerk auf optimale Tageslichtführung sowie Innen- und Außenbezüge, durchbrechen vier zueinander versetzte Innenhöfe den kompakten Baukörper und erstrecken sich über alle Geschosse.
    Konsequentes Gestaltungsprinzip ist es, wichtige Funktionen zentral zu bündeln, um Abläufe zu optimieren und die Arbeitsqualität zu stärken. Prägendes Entwurfselement ist daher auch die großzügige, in Nord-Süd Richtung verlaufende Magistrale, die als Haupterschließungszone im Inneren und Grundprinzip auf allen Ebenen dient.
    Die Grundrissgestaltung basiert auf dem Anspruch, größtmögliche Aufenthaltsqualität und kurze Wege zu erreichen. Der Neubau folgt im Inneren einer eindeutigen Ordnung: die publikumsintensiveren Nutzungen sind im unteren Gebäudebereich situiert, während sich die Geschosse mit den Pflegestationen darüber als ruhige Aufbauten erheben.
    Die Strahlenklinik ist unterhalb der Haupteingangsebene der Kinderklinik auf den Ebenen 00 bis -02 situiert und stuft sich auch in funktionaler Hinsicht von publikumsintensiveren zu gesicherten, nur dem Personal zugänglichen Bereichen ab. Auf der untersten Ebene liegt die Radiochemie mit Abklinglager und Technikflächen, Ebene -01 beherbergt die Diagnostik mit der inaktiven Zone in Eingangsnähe, der aktiven Zone im nordwestlichen Bereich und der hochstrahlenden Zone im Nordosten.
    Die Kinderklinik umfasst die übrigen Ebenen darüber. Ebene 01 umfasst neben dem Haupteingang und dem Notfallzugang das Ambulanzzentrum mit Funktionsdiagnostik und die Ambulanz SPZ mit Arztdiensträumen. Auf Ebene 02 reihen sich die Pflegezimmer von IMC, ITS und Neugeborenenstation entlang der Außenhaut des Gebäudes und die übrigen Bereiche wie Untersuchungsbereiche, Dienstzimmer und Nebenräume um die Innenhöfe. Auf diese Weise können alle notwendigen Funktionsbereiche effektiv im Gebäudeinneren und um die hellen Innenhöfe gebündelt angeordnet werden.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Das Preisgericht erkennt die städtebaulichen Qualitäten und die in vielen Bereichen
    überzeugenden funktionalen Lösungen. Die städtebauliche Figur generiert ein eigenständiges Gebäude, das sich gelungen an den Baukörper des Medizinischen Zentrums anfügt und die Topografie gut aufnimmt. Die Dachterrassen sind ein weiterer wichtiger Entwurfsbestandteil.
    Das Preisgericht regt an, eine Reduktion der formalen Mittel in der Baukörperform (zu viele Achsen) und der Fassadengliederung zu prüfen. Der Eingangsbereich ist großzügig und schafft eine gelungene Verbindung zum 1. Bauabschnitt. Der Ansatz für eine gute Tageslichtversorgung auf den Stationen wird positiv gesehen, die Querschnitte insbesondere des südöstlichen Hofes sollten jedoch überarbeitet werden. Die Dachflächen bieten Bereiche mit hoher Aufenthaltsqualität und kurzen Wegen. Der Strahlenschutz auf den Dachflächen ist hinsichtlich des Abstands zu den notwendigen
    Abluftanlagen der Radiochemie sicherzustellen.
    Die Straße A ist als wichtige Verkehrsverbindung auf dem Klinikcampus zu erhalten. Der
    Entwurf ist hinsichtlich der Flächenanforderungen des Raumprogramms anzupassen.