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  • DE-52428 Jülich
  • 11/2014
  • Ergebnis
  • (ID 2-167787)

Neubau BiologieCampus Gebäude 15.21 im Forschungszentrum


  • 3. Preis

    Haupteingang

    Architekten
    HASCHER JEHLE Architektur, Berlin (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Stephanie Larassati, Agnese di Quirico, Johannes Raible

    In Zusammenarbeit mit:
    TGA-Fachplaner: Ingenieurbüro Mayer AG, Ottobeuren (DE), Berlin (DE), Murnau (DE), Liestal (CH)
    TGA-Fachplaner: Teamplan GmbH, Tübingen (DE)

    Preisgeld
    16.000 EUR

    Erläuterungstext
    Städtebau und Masterplan
    Das schachbrettartige Wechselspiel von Gebäuden und unverbautem Landschaftsraum wird durch den Neu­bau gestärkt und fortgeführt. Die schon heute attraktiven Grünräume auf dem Campus werden in ihren Nut­zungsqualitäten gesteigert und die Waldbestände um den Campus herum geschützt und gepflegt.
    Der bestehende, grüne Innenhof des Biologie-Campus besitzt eine hohe Aufenthaltsqualität für die Mitarbei­ter der Institute. Der Hof erhält durch den Neubau eine großzügigere Fassung. Der attraktive Innenhof wird erweitert und bis an den Neubau herangeführt. Langfristig könnten die eingeschossigen Hofgebäude entfal­len und gegebenenfalls an anderer Stelle ersetzt werden.
    Während der Neubau die Hofseite L-förmig fasst präsentiert sich das Gebäude zur Straßenseite hin, dem um­gebenden Bestand entsprechend, aufgelockerter: Drei ineinander verschachtelte kubische Baukörper unter­schiedlicher Höhe gruppieren sich um das kommunikative Zentrum des Gebäudes. Der Gebäudeversatz am West-Ring formt einen kleinen Vorplatz und bildet den Haupteingang auf selbstverständliche Weise aus. Der Rücksprung der Erdgeschosszone verstärkt die einladende Geste. Auf der Südostseite wird die vorhandene Topographie zur Belichtung von Laboren im Souterrain genutzt. Die funktionale Einbindung des Souterrains für die Labornutzung und die horizontale Entwurfskonzeption führen zu einer maßvollen Höhenentwicklung des Neubaus, der 2- bis 3-geschossige Entwurf fügt sich harmonisch in die umgebende Bebauung ein.
    Die Baukörper werden in den vorhandenen Baumbestand eingebettet. Ein großer Teil der Bäume kann bei der gewählten Entwurfskonzeption trotz der geringen bebaubaren Fläche erhalten bleiben. Der erhaltene Baumbestand dient in den Sommermonaten als zusätzlicher natürlicher Sonnenschutz für das Gebäude und wirkt sich positiv auf das Mikroklima aus.
    Der Neubau wird so auf dem Wettbewerbsgebiet positioniert, dass alle bestehenden Leitungen unverändert erhalten bleiben. Lediglich im Anschlussbereich des Bestandsgebäudes wird eine punktuelle Gründung für die Brückenkonstruktion, die das Gebäude 15.4.v anbindet, erforderlich. Kostenaufwendige Verlegungen der Bestandsleitungen werden so vermieden.

    Nutzungs- und Funktionskonzept
    Die Gebäudeorganisation ähnelt der Struktur eines Baumes. Über die zentral gelegene Vertikal-Erschließung sind alle Institute direkt an die Eingangshalle angebunden. Im Zentrum des Gebäudes befinden sich in jedem Geschoss jeweils die Vertikal-Erschließung, die gemeinsam genutzten Räume, die Kommunikationsbereiche sowie die Aufenthalts- und Pausenflächen für die Mitarbeiter. Dieser helle, offene Bereich dient als Treff­punkt und Verteiler des Gebäudes und wird zum Ort der Kommunikation und Begegnung. Über die Gebäude­fuge wird der attraktive Aufenthaltsbereich belichtet. Um dieses kommunikative Zentrum herum gruppieren sich die jeweiligen Unterabteilungen geschossweise wie Blätter an einem Baum. Die drei Institute werden horizontal über die Ebenen des Neubaus verteilt. Dadurch können die jeweiligen Institute größtenteils ebe­nen-gleich organisiert werden.
    Der Haupteingang des Neubaus befindet sich auf der Westseite des Wettbewerbsgebietes. Das Gebäude wird vom West-Ring aus erschlossen. Mitarbeiter und Besucher werden von einem großzügigen Foyer emp­fangen. Die westliche Erdgeschosszone des Neubaus wird als halböffentlicher Bereich konzipiert. Das einla­dende, lichtdurchflutete Foyer lässt sich bei Bedarf durch den benachbarten Seminarraum zu einer zusam­menhängenden Fläche erweitern, die für größere Veranstaltungen geeignet ist. Der Seminarraum ist mittels flexiblem Trennwandsystem in zwei Einheiten teilbar. Das Foyer erhält einen rückwärtigen Ausgang zum at­traktiven, grünen Hof des Biologie-Campus.
    Die Anlieferung befindet sich auf der Gebäuderückseite im Hof des Biologie-Campus. Die Einfahrt erfolgt vom Westring aus, zwischen Neubau und Gebäude 15.8u. Eine Laderampe ermöglicht das problemlose Ent­laden. Alle Anlieferungsbereiche, Post- und Paketverteilung, Müllraum, Gasflaschenlager sowie Lösungsmit­tel- und Chemikalienlager werden in benachbarter Lage zum Lastenaufzug wirtschaftlich gebündelt. Die Aus­fahrt erfolgt, der Bestandssituation entsprechend, auf der Nord-Ost-Seite des Wettbewerbsgebietes.
    Die Räumlichkeiten und Labore des IGB-1 BT2, die sich im 1.Obergeschoss des Bestandsgebäudes 15.4 be­finden werden mit einer kleinen Gebäudebrücke direkt an die Abteilung BT2 im Neubau angeschlossen und bilden zusammen eine kompakte, ebenen-gleiche Einheit. Eine wetterunabhängige Verbindung zum Altbau ist somit gegeben. Die Mitarbeiter des IGB-3 können die gleiche Verbindung nutzen um das Gebäude 15.1 bei ungünstiger Witterung zu erreichen.
    Die Dachflächen werden mit einer extensiver Begrünung versehen. Durch die unterschiedlichen Gebäudehö­hen der verschiedenen Bauteile des Neubaus könnten bei Bedarf Dachgärten und Dachterrassen als Aufent­haltsbereiche für die Mitarbeiter im Freien vorgesehen werden.
    Die Technikaufbauten für die Lüftungstechnik auf dem Dach werden von der Traufkannte zurückversetzt, so dass sie aus der Fußgänger-Perspektive kaum wahrnehmbar sind. Die südlich ausgerichteten Fassadenflä­chen und die Dachflächen der Technikaufbauten stehen für Photovoltaik zur Verfügung.

    Labore
    Die Labore sind 3-bündig organisiert. Die Labore und die zugehörigen Büroräume sind einander jeweils ge­genüber zugeordnet, Die Nebenräume der Labore befinden sich in der Mittelzone des 3-Bundes. Kurze Wege ermöglichen effiziente und funktionale Arbeitsabläufe. Die Grundrissstruktur in Verbindung mit der Anord­nung von zentralen Versorgungsschächten bietet die größtmögliche Flexibilität für die Nach- und Umnutzung der Laborbereiche. Die Labore erhalten eine minimale Geschosshöhe von 4m. Die maßvolle Höhenentwick­lung des Entwurfs bleibt mit 12m Traufhöhe deutlich unter den maximal zulässigen 16m. Eine größere Ge­schosshöhe wäre zugunsten einer noch größeren Flexibilität bei der horizontalen Leitungsführung der Haupt­medientrassen problemlos realisierbar.

    Brandschutz
    Alternativ zum Einsatz von Brandschutzklappen könnte das Schutzziel auch durch gesonderte Abluftkanäle für jedes einzelne(!) Digestorium erreicht werden. Dies hätte zur Folge, dass sowohl der Flächenbedarf als auch der konstruktiv-technische Aufwand und folgerichtig damit auch die Kosten erheblich steigen würden.
    In vielen aktuellen Fällen wurde in der Zwischenzeit mit Hilfe von Einzelfallbetrachtungen und Stoffanalysen z.B. durch den TÜV Rheinland nachgewiesen, dass, bedingt durch die sehr hohe Verdünnung der über die Di­gestorien abgeführten Raumluft, an den Brandschutzklappen im Regelfall nur noch sog. "atembare Raumluft" ankommt. In Kombination mit zunächst verkürzten Wartungsintervallen (zwei Jahre lang alle 6 Monate, da­nach wieder im üblichen Turnus von 1 mal jährlich) ist die Verwendung von Brandschutzlappen nach wie vor zulässig und in jedem Fall mit Abstand die wirtschaftlichere Lösung.

    Statik
    Das Tragwerk wurde als robuste Stahlbetonskelettkonstruktion mit aus-steifenden Kernen und konzipiert. Die Regelspannweiten sind mit ca. 25 cm starken Flachdecken realisierbar. Zur Lastabtragung der Auskra­gungen von 1.80m auf der Hofseite des Gebäudes werden für die Decke über dem Erdgeschoss keine zu­sätzlichen Unterzüge benötigt. Das Untergeschoss wird als steifer Kellerkasten in WU-Bauweise vorgesehen.

    Haustechnik
    Da Heiz- und Kühlenergie hauptsächlich zentral bereitgestellt wurden, wird besonders Wert auf geringen Energiebedarf aus dem Zentralsystem gelegt. Bei Forschungs- und Laborgebäuden ist der Teil Luft- und Kli­matechnik energetisch anspruchsvoll, deshalb wird hier ein hochwertiges Energierückgewinnungssystem für Wärme und Kälte (78 % Wirkungsgrad) konzipiert. Jahresrückgewinnung Wärme 70 % / Kälte 58 %. Des Wei­teren wird hauptsächlich ein System mit neutraler Konstant-ZL Temperatur (18….20 °C) betrieben, damit entfallen energetisch ungünstige Nacherwärmungen und zugleich wird die Anlagentechnik weniger aufwen­dig. Volumenreduzierungen im arbeitsfreien Zeitraum (Nacht, Sonn- und Feiertage) reduzieren zusätzlich die Energiekosten für Heizung und Kälte sowie bei Strom.
    Energetisches Verbundsystem UL-Kühlung / Niedertemperatur Heizung als Besonderheit:
    Für die Kühllastabführung in den Laboren und sonstigen Raumbereichen werden hauptsächlich Umluftkühler zum Teil auch statische Kühlelemente eingesetzt. Die Kühlwassertemperatur hat ein eher hohes Temperatur­niveau (+17 °C) Deshalb kann mit einer Kompressionsmaschine eine sehr hoher Wirkungsgrad erreicht wer­den. Zugleich wird die Kondensatorwärme für Heizzwecke eines Niedertemperatursystems aber auch für Vorerwärmung von Brauchwarmwasser (Speichersystem) genutzt. Da die Kühlung auch im Winterfall erfor­derlich ist, wird für einen langen Zeitraum die günstige Energieaustauschbilanz zwischen Kühlkreislauf (17 / 20°C) und Heizkreislauf 35 / 40°C genutzt.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Gebäudegruppe greift den Maßstab der umgebenden Bebauung gut auf und fügt sich in ihrer Konfiguration wie selbstverständlich in die bauliche Umgebung. Die Höhenentwicklung ist mit zwei bis drei Vollgeschossen moderat, wobei allerdings die darüber hinaus reichenden Technikaufbauten in ihrer Höhenentwicklung wie in ihrer visuellen Präsenz sicherlich stärker in Erscheinung treten werden als in den Planunterlagen dargestellt. Der Grundflächenverbrauch ist hoch, das Biotop muss vollständig aufgegeben werden. Kritisiert wird, dass der gewünschte Wechsel von informellen Freiräumen und Gebäuden mit diesem Entwurf nicht prägnant genug umgesetzt wird, zumal sich entlang des Westrings eine längere Baukante bildet. Die Eingangshalle wird vom Westring erreicht, die daran angeschlossene Kommunikationszone wird im Inneren durch die Aufzugsgruppe abgegrenzt. In den Obergeschossen wiederholen sich diese Zonen, sie verfügen jedoch über keine direkten vertikalen Verbindungen untereinander und zum Eingangsfoyer. Zudem münden sie direkt in Flure, die zum Teil wenig übersichtlich und ohne direkten Tageslichtbezug sind. Andererseits sind die drei dreibündig organisierten Gebäudeflügel für alle erstnutzenden Institute funktional hervorragend organisiert und weisen ein hohes Maß an Anpassungsfähigkeit auf, wobei ein konstruktives System nicht nachgewiesen wurde, eine Skelettbauweise jedoch zu vermuten ist. Die Anlieferung ist richtig angeordnet und gut mit den anzudienenden internen Räumen verknüpft. Das Raumprogramm ist in allen wesentlichen Punkten gut erfüllt. Die Fassade mit ihrer tiefen und schweren steinernen Vertikalgliederung wird kontrovers diskutiert - vielen erscheint sie im Umfeld der zumeist horizontal gegliederten, leichten Nachkriegsarchitektur wie der neueren Gebäude fremdartig, man würde sie eher in einem dichten urbanen Umfeld lokalisieren. Sie negiert zudem die dahinter liegende, innere Struktur mit durchlaufenden Fensterbrüstungen. Zudem wird die enge Stellung der Lisenen die Tageslichtverhältnisse in den Büros und Labors ungünstig beeinflussen und Ausblicke in die Freiräume behindern. Die wirtschaftlichen Kennwerte des Entwurfs liegen im Durchschnitt aller Arbeiten. Die Dächer sind begrünt. Die erdverlegten Leitungen sind nicht überbaut. Das Technikkonzept ist ausbaufähig, auch wenn Dachzentralen und Schächte in einem gewissen Umfang nachgewiesen wurden. Nur eine Dachzentrale ist per Aufzug erreichbar. Die innen liegenden Treppenhäuser benötigen eine Druckentlüftung und Schleusen. Die Feuerwehrumfahrt ist nicht nachgewiesen und scheitert an dem Verbindungsbau zum Bestand, der funktional begrüßt wird, die campusübliche Freistellung der Einzelbauten zugunsten des Freiraumkontinuums jedoch beeinträchtigt. Zusammenfassend bildet der Entwurf einen wichtigen Beitrag zum Wettbewerb, der insbesondere aufgrund seiner Funktionalität und Wirtschaftlichkeit sowie des schlüssigen Gesamtkonzepts überzeugt. Das Bild des Gebäudes will sich entgegen der hohen funktionalen Intelligenz seiner inneren Gliederung jedoch trotz der maßvollen städtebaulichen Einbindung aufgrund der Fassade und des zu großen Flächenverbrauchs nicht so recht in sein Umfeld einfügen.