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  • DE-28217 Bremen
  • 10/2014
  • Ergebnis
  • (ID 2-186641)

Hafenkante Bremen, Baufeld 5 – Wohnen an der Weserpromenade


  • 3. Preis

    Perspektive Weser, © Hilmes Lamprecht Architekten BDA

    Architekten
    Hilmes Lamprecht Architekten BDA, Bremen (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Ebba Lamprecht

    Mitarbeit
    Eike Harant, Isabelle Berszinn

    Preisgeld
    8.000 EUR

    Erläuterungstext
    Mit der Planung des Baufeldes 5 in der Bremer Überseestadt soll an die bisherige Entwicklung des neuen Stadtteils angeknüpft werden, sodass perspektivisch ein heterogenes städtisches Milieu entsteht.
    Unter dieser Prämisse wird eine für das Ensemble identitätsstiftende Struktur geschaffen, die sich, bei Bewahrung der persönlichen Bedürfnisse der Bewohner, mit Ihrer Umgebung verzahnt und sich sowohl zum Umfeld als auch ins Innere durch verschiedene Sichtachsen öffnet.
    Im Fokus steht dabei das Schaffen einer Adresse durch das gezielte Setzen von Akzenten in der Kubatur und Differenzierungen in der Fassade. Es entsteht eine Reminiszenz an die maritime Leichtigkeit skandinavischer Architektur des 20. Jahrhunderts. Entsprechend entstehen erkerartige Raumnischen, die im Wohnraum weiträumige Raumbezüge in der Diagonale schaffen. Der Weser zugewandt akzentuieren Übereckfenster die eindrückliche Sicht über den Fluss. Im Inneren gliedern Erschließungskerne die Grundfigur, während an den Außenkanten das räumliche Prinzip der Erker umgekehrt wird und Freiräume im Bereich der Gebäudeecken entstehen.



    Städtebau

    Geprägt von der Lage zwischen Kommodore-Johnsen-Boulevard und Weser (-Promenade) wird das Ensemble mit fünf Mehrfamilienhäusern in seiner Maßstäblichkeit sorgsam in die anstehende Bebauung eingepasst und erzeugt eine städtische Dichte. Neben den beiden seitlichen Anliegerstraßen, die die abschließende Einfassung des Baufeldes darstellen, bietet die Anordnung der Bebauung weitere Blickachsen als optische und überwegbare Verbindung zwischen dem Boulevard und der Promenade. Die Gebäude sind indes nicht blockartig-linear strukturiert, sondern staffeln sich mit Leichtigkeit zur optimalen Ausnutzung von Ausblick und Sonne um einen geborgenen Hof, der einen besonders geschützten Ort in Form einer Wohnlandschaft zwischen den weitläufigen umgebenden Verkehrswegen bietet.
    Eine gewerbliche Nutzung im Erdgeschoss auf der Seite des Boulevards sorgt für eine zusätzliche Durchmischung des Plangebietes, vernetzt es in die Umgebung und reagiert auf den benachbarten Bushalt.
    Insgesamt liegt das Augenmerk darauf, im Kontext der Überseestadt den Zusammenhang des Gebietes zu unterstützen.



    Gebäudestruktur

    Die Wohnungen in den fünf Häusern des Komplexes werden barrierefrei überwiegend über Drei-Spänner-Treppenhäuser und ein Vier-Spänner-Treppenhaus mit Aufzügen und großzügigen Eingangsbereichen erschlossen. Geplant ist eine große Bandbreite von Zwei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen, die verschiedenen modernen Lebensformen gerecht werden und für eine Durchmischung der Bewohnerstrutur sorgen. Berücksichtigung finden die Forderungen der technischen Baubestimmungen zum Barrierefreien Bauen.
    Die Ausrichtung der Wohnungen orientiert sich zur Weser. Darüberhinaus besteht eine Blickbeziehung zum neuen Strandbereich am Wendebecken.
    Alle Wohnungen verfügen über Außenbereiche, die sich bei den Einheiten in den Obergeschossen als Loggien darstellen, welche zum Großteil in zwei Richtungen gegliedert sind und auch einen Seitenblick ermöglichen. Durch die Staffelung der Gebäude sind die Loggien vor Einblicken abgesichert. Die Erdgeschoss-Wohnungen erhalten großzügige Terrassen und Mietergärten, die durch eine entsprechende Begrünung in ihrer Privatheit geschützt sind.
    Insgesamt entsteht eine Wohnfläche von ca. 10.400m2.
    Die äußere Leichtigkeit der Architektur soll durch großflächige Verglasungen ins Gebäudeinnere transportiert werden. Gleichzeitig entstehen Ausblicke in die Nachbarschaft und auf die Weser.
    Außer erdgeschossigen Kinderwagenräumen sind sämtliche Nebenräume, wie Fahrradabstellräume, Technikräume etc. treppenhausbezogen im Untergeschoss untergebracht, wo auch der ruhende Verkehr lokalisiert wird.



    Materialität

    Als Verweis auf die Verortung des Projektes in einem ehemaligen Hafenbereich, stellt Klinker das prägende Material dar, der in hellem Erscheinungsbild die Leichtigkeit des Entwurfs fördert. Bronzefarbene Metallblenden in Form von umlaufenden Bändern strukturieren die freien Volumen und nehmen die senkrechten Screens auf, die bei Bedarf eine Beschattung der Fensterflächen gewährleisten und mit ihrer transluzenten Erscheinung ebenfalls Leichtigkeit ausstrahlen.
    Die Fensterrahmen nehmen den Farbton der Metallblenden auf.
    Im Inneren herrscht eine reduzierte und wertige Materialität mit Parkett und Feinsteinzeug.



    Außenraum

    Der Außenraum setzt sich aus öffentlichen, halb-öffentlichen und privaten Bereichen zusammen, die ihren jeweiligen Anforderungen und Nutzern entsprechend gestaltet sind. Eine umlaufende Bepflanzung bietet einen Filter zwischen dem öffentlichen Straßenraum und der leicht erhabenen Grundfläche des Gebäudeensembles.
    Unterbrochen wird die Bepflanzung für Treppen und Rampen, die einen freien Zugang in den halb-öffentlichen Innenhof gewähren, sowie für die Eingangsbereiche, die optisch betont werden und auf diese Weise eine individuelle Adresse für die Bewohner darstellen.
    Das Hof-Innere ist geprägt durch einen Platz zum Treffen und Spielen, dessen Belag sich bisweilen in die Rasen- und Pflanzbereiche auflöst und für einen fließenden und weichen Übergang sorgt, der sich über die durch Gräserbeete geschützten privaten Terrassen bis in die Bebauung fortsetzt.
    Ein weiteres Gestaltungsmerkmal des Außenraums ist die Strukturierung durch ein klares Fugenbild der Pflasterung, aus dem sich Bankelemente bilden.
    Die lockere Bepflanzung soll neben der Unterstreichung der Leichtigkeit der Architektur zu einem vielfältigen Erscheinungsbild beitragen, wie etwa der Betonung der Jahreszeiten und des Wandels durch Geophyten wie Krokusse und Bildung von Akzenten durch kleine poetische Bäume mit lichten Kronen wie zum Beispiel dem Kuchenbaum.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Arbeit, Zitat: „soll ein heterogenes städtisches Milieu“ darstellen, das skandinavischen Vorbildern folgt.

    Die bewusst nicht blockartige Bebauung, Zitat: „staffelt sich mit Leichtigkeit zur optimalen Ausnutzung von Ausblick und Sonne um einen geborgenen Hof“, was das Preisgericht ebenfalls als positiv empfindet.

    Die Wohnungen mit ihren vielfältigen Grundrissen, die sich konsequent in der Außenkubatur wiederspiegeln, stellen eine große Bandbreite von 2- bis 4-Zimmer - Wohnungen dar. Alle Wohnungen verfügen über vielfältige Außenbereiche, sei es im Erdgeschoss über Terrassen sowie in den Obergeschossen, zum größten Teil über Eck ausgebildete Loggien und Balkone, die vielfältige Blickbezüge zur Weser ermöglichen.

    Die Wohnungen werden über großzügige, barrierefreie Treppenhäuser mit Aufzügen erschlossen, wobei die erhöhte kleine Gewerbeeinheit mit Treppenanlage und Behindertenrampe recht umständlich erschlossen ist.

    Die geplante Wohnung im Staffelgeschoss liegt höher als 26 Metern über NN und in dieser Konfiguration planungsrechtlich nicht zulässig.

    Die Außenanlagen ergänzen die Leichtigkeit der Architektur durch ein durchgehendes organisch geformtes Gräserband, das auf selbstverständliche Weise die Privatheit der Terrassen ermöglicht.

    Im Ganzen stellt die Arbeit für das gesamte Baufeld 5 eine eigenständige Adresse dar, die auch im Detail konsequent weiterentwickelt wurde.