loading
  • DE-68117 Heidelberg
  • 12/2014
  • Ergebnis
  • (ID 2-174833)

Konversionsfläche Rohrbach – ehemaliges Hospital


  • 3. Preis

    © A-U-R-A GbR / silands 2014

    Architekten
    A-U-R-A - Architecture, Urbanism + Research Agency, Ulm (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Christian Schmutz

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: silands | Gresz + Kaiser Landschaftsarchitekten PartG mbB, Ulm (DE)

    Preisgeld
    9.000 EUR

    Erläuterungstext
    KONZEPT
    Das Konversionsgebiet wird in ein Stück Stadt gewandelt, das den vormals weißen Fleck in den umgebenden Stadtkörper einbindet. Diese Öffnung geschieht in der Entwicklung einer Ausgewogenheit von erhaltenswerten Strukturen, wie den historisch prägenden Bauten, und den neu zu definierenden Qualitäten eines nachhaltigen Stadtquartiers. Die Leitidee bildet ein Rahmen aus im Wesentlichen drei Freiräumen, die das Gebiet mit der Umgebung vernetzen und selbstverständlich in überschaubare Baufelder gliedern: Einem zentralen Quartierspark für alle Bewohner Rohrbachs und des Hasenleisers, einem West-Ost-Band, die Baumesplanade, zur Verbindung in Richtung Gewannsee und einem Quartiersplatz als Entreé von der Freiburger Straße aus.

    STÄDTEBAU UND GEBÄUDENUTZUNGEN
    Das Entreé an der Freiburger Straße wird von einem fünfgeschossigen Wohn- und Geschäftshaus markiert. Zusammen mit dem Erweiterungsbau der Lebenshilfe-Werkstätten und dem betreuten Wohnen in den Obergeschossen sowie einem winkelförmigen Bau mit kleinteiligem Einzelhandel, Dienstleistungen, wie z.B. eine Apotheke mit Arztpraxen, umschließt er einen Innenhof, den Generationenhof, an dessen nördlicher Seite im Erdgeschoss die neue Kindebetreuungseinrichtung untergebracht ist.
    Die beiden großen denkmalgeschützten Hallen werden für den gesamten Stadtteil genutzt. Neben dem bestehenden Theater wird die zweite Halle als großer variabler Veranstaltungsraum für Floh-, Advents- und andere Indoormärkte, aber auch als Programmkino und Raum für Sportereignisse eingerichtet. Kleinere denkmalverträgliche räumliche Einstellungen in den großen Raum können die hierfür erforderlichen Nebennutzräume wie Lager, Umkleiden, Garderoben und Sanitärräume aufnehmen.
    Auf der baumbestandenen Esplanade in West-Ost-Richtung werden kleinere öffentliche Nutzungen platziert: Der Jugendtreff im alten Wächterhäuschen, das Quartierscafé als Treffpunkt in der ehemaligen Kirche und eine kleine Stadtteilbibilothek mit einer Außenstelle der Volkshochschule als Neubau.
    In Art und Dichte differenzierte Bebauungstypologien besetzen die Baufelder. Viergeschossige Zeilen mit Geschosswohnen bilden Wohnhöfe mit privateren gemeinschaftlichen Außenräumen. Townhouses mit vier Geschossen und eigenen Gärten und freistehende Stadtvillen mit drei oder vier Geschossen ergänzen das vielfältige Wohnangebot für unterschiedlichste Bevölkerungsgruppen, von Studierenden, Familien, Senioren bis hin zu Baugruppen. Fünf- bzw. sechsgeschossige Häuser markieren besondere Punkte wie z.B. die westlichen und südlichen Eingänge zum Quartier.
    Die historischen Gebäude entlang der Karlsruher Straße bieten sich mit ihrer baulichen Struktur (Mittelgangerschließung) und ihrer Präsenz an der Straße sehr gut als Standorte für gewerbliche Nutzungen wie Büros z.B. auch für größere Firmen oder Organisationen an. Sie werden beidseitig erschlossen, wobei die erforderlichen Parkplätze unter Bäumen mittels einer parallel geführten Fahrgasse entlang der Karlsruher Straße platziert werden. Im Pförtnerhaus am historischen Kaserneneingang lädt eine kleinere gastronomische Einrichtung zum Verweilen ein, ein kleiner Platz entsteht in historischem Ambiente.

    ERSCHLIESSUNG UND ÖFFENTLICHER RAUM
    Um das Gebiet mit seiner Umgebung zu vernetzen, wird eine differenzierte Erschließung vorgeschlagen. Neben dem Eingang an der Freiburger Straße und dem Eingang am nordöstlichen Ende werden am Kolbenzeil bestehende Querstraßen aufgenommen. Zur Vermeidung von Durchgangsverkehr und zur Erhöhung der Wohnqualität sind die Straßen als verkehrsberuhigte Mischflächen ausgebildet. Neben dem Auto benutzen Fußgänger und Radfahrer gleichermaßen diese "Shared-Spaces". Bäumen säumen diese Wege; die unter ihnen angeordneten Besucherparkplätze und Fahrradstellplätze rhythmisieren den öffentlichen Raum. Die Hausadressen liegen direkt an den Rändern der Baufelder. Private Stellpätze für das Geschosswohnen befinden sich in Tiefgaragen, deren Zufahrten nahebei den Quartierserschließungen liegen. Die Townhouses verfügen über integrierte Garagen.

    FREIRÄUME UND GRÜN
    Der Quartierspark prägt die Nachbarschaft und gliedert sich in zwei Bereiche: Am westlichen Rand ein lockerer Waldhain mit Spielangeboten für Kinder und Jugendliche entlang der östlichen Waldkante. Die offene Parkfläche im Osten wird als großzügige Wiese ausgebildet, zum Spielen, Liegen und für nachbarschaftliche Aktivitäten wie z.B. einem Stadtteilfest. An ihrer östlichen Seite bildet sich eine Wasserfläche als Regenwasserretentionsraum aus. Die gewünschte Rad- und Fußwegeverbindung quert den Park diagonal von Nord nach Süd.
    Der Quartiersplatz vor den beiden denkmalgeschützten Hallengebäuden bildet das Foyer am Eingang zum Quartier. Lose Baumgruppen um ein Wasserbecken laden zum Verweilen ein. Zwischen den Hallen entsteht ein maßstäblich kleinerer Gartenraum für Veranstaltungspausen mit Sitzgelegenheiten zwischen Hecken und Ziergräsern/ Staudenbändern.

    REALISIERUNGSABSCHNITTE
    Die Entwicklung des Quartiers erfolgt von Ost nach West. Als erster Baustein sollte der Quartierspark baldmöglichst realisiert werden, so dass er auch von den umliegenden Bewohnern frühzeitig benutzt werden kann. In diesem Zug wäre auch die Herrichtung der ehemaligen Kirche als Quartierscafé und des Jugendtreffs im vormaligen Wächterhäuschen im Sinn einer identitätsstiftenden Partizipation wichtig. Nach Fertigstellung des östlichen Bereichs - denkbar wäre auch eine Zwischennutzung der historischen Gebäude an der Karlsruher Straße - erfolgt die Entwicklung des südlichen Teils mit dem Einzelhandel, daran anschließend die Baufelder im Westen am Kolbenzeil und am nördlichen Gebietsrand.

    NACHHALTIGKEIT UND ENERGIE
    Durch ein Projektmanagment im Quartierscafé können die neuen Bewohner und Eigentümer von Anfang an auf diese Themen hin beraten und sensibilisiert werden. Die begrünten Flachdächer der Neubauten erlauben die Platzierung von PV-Modulen und Sonnenkollektoren und tragen zur Regenwasserrückhaltung bei. Das Regenwasser wird zentral im Quartierspark und dezentral in Rigolen versickert. Carsharing im Quartier, die Bereitstellung von E-Tankstellen, auch in den Tiefgaragen, und Verleihstationen für E-Mobile und -Räder tragen zur Stärkung der ökologischen Profilierung des Gebiets bei.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Arbeit integriert sich mit großer Selbstverständlichkeit in das bestehende Umfeld und nimmt dessen Maßstäblichkeit auf. Die Vernetzung mit der Umgebung erfolgt über vorhandene Verbindungen und führt sie schlüssig fort. Lücken in der historischen Bebauung an der Karlsruher Straße dienen im nördlichen Bereich zur Quartierserschließung für alle Verkehre, im südlichen als Tor und Auftakt für eine ost-westliche Fußwegerschließung.
    Die denkmalgeschützte Bebauung an der Karlsruher Straße ist hierbei gewerblich genutzter Filter zum Schallschutz der dahinter liegenden Wohnbebauung. Der südliche Durchgang wird verschmälert durch zwei zurückhaltende Anbauten mit geneigtem Dach in der Kubatur der Altbausubstanz.

    Die städtebauliche Struktur der Arbeit ist geprägt durch einen zentralen großen Quartierspark, den alle wichtigen inneren Verbindungen tangieren. Der Park ist eher „Grüne Mitte“ des Quartiers als von quartiersübergreifender Bedeutung, insbesondere für den Hasenleiser. Das Freiraumangebot wird ergänzt durch eine sehr großzügige Platzfläche westlich der historischen Hallen, die nur durch eine repräsentative Baumesplanade vom zentralen Freiraum getrennt ist. Insgesamt scheint das Angebot an öffentlichem Raum fast übererfüllt angesichts der relativ moderaten Geschossfläche der neuen Bebauung auf dem Grundstück.

    Die vorgeschlagenen Typologien entsprechen dem Wunsch nach Vielfalt, wobei ihre Verteilung auf der Fläche jedoch vielfach eher schematischen Ansätzen zu folgen scheint, als einer Strategie zur Formulierung des Stadtraums. Insbesondere die „Stadtvillen“ im nördlichen Bereich des Areals entwickeln zu wenig Kraft als Fassung der großen Freifläche. Dies gelingt besser auf deren Südseite, wo ein eher städtischer Abschluss gefunden wird durch einen markanten gemischt genutzten Wohnhof.

    Alles in allem eine gut proportionierte, moderat sich einfügende Arbeit, der man allerdings etwas mehr Mut im Hinblick auf raumbildende Kraft in den Quartiersbausteinen sowie die Ausprägung einer stärkeren Identität mit individuellen Milieus in den unterschiedlichen Bereichen des Wettbewerbsgebietes gewünscht hätte.