Beurteilung durch das Preisgericht
Mit seiner städtebaulichen Disposition schafft der Entwurf einen starken Bezug zum Entree des Gartenschaugeländes: die sich über eine Eingangspassarelle öffnende nördliche Eingangsseite der Kita baut angemessene Blickbeziehungen zum nachgebildeten römischen Streifenhaus auf und der Auftakt zur via ceramica wird durch die Platzbildung geschickt gestärkt. Die durch die klar erkennbare Strukturierung und Rhythmisierung des Baukörpers entstehende Maßstäblichkeit korrespondiert sowohl mit dem römischen Streifenhaus als auch mit der Freiflächengestaltung des Gartenschaugeländes auf angenehme Weise. Das Gebäude ist konsequent eingeschossig entwickelt, was eine moderate Gesamterscheinung ermöglicht und insbesondere für die Kita gute Bezüge zum Außenraum gewährleistet. Die Eingeschossigkeit bedingt zwar eine relativ große überbaute Grundstücksfläche, dennoch weist der Entwurf eine günstige Kompaktheit auf. Dies ist zum einen auf die klare Grundrissstruktur zurückzuführen und zum anderen auf die intelligente Anwendung der gewölbten Dachform. Infolge der charakteristischen Tonnendächer erhält der Entwurf eine hohe poetische Ausstrahlung, die eine Identifikation mit dem Gebäude unterstützt. Die Rhythmisierung in unterschiedlich breite Gebäudestreifen ist gut an die Größe und Nutzung der Innenräume angepasst. Durch die Schnittgeometrie erhalten größere Räume automatisch eine größere Raumhöhe als kleinere. Die beschützende Raumwirkung wird insbesondere im Zusammenhang mit der Kita-Nutzung positiv anerkannt. Hervorzuheben sind auch die subtilen Übergänge zwischen den Innenräumen und dem umgebendem Freiraum über die überdachten Loggien, die die beiden Längsseiten begleiten. Die Erschließung des Gebäudes aus der Mitte heraus begünstigt Synergieeffekte der Nutzung und hat kurze Wege und eine gute Orientierung im Inneren zur Folge. Im Bereich der Kita sind jedoch nicht alle Räume optimal mit Tageslicht und -luft versorgt. Dies betrifft insbesondere einen der Kleingruppenräume. Hervorzuheben ist aber die ebenerdige Südorientierung aller vier Gruppenräume. Die präzise gesetzte, aber flächige Ausdehnung des Footprints des Baukörpers bedingt eine Reduzierung der vorgesehenen Freifläche sowohl für die Kita wie auch für den öffentlichen Spielplatz, was jedoch aufgrund vieler anderer Vorteile nach Einschätzung des Preisgerichts vertretbar ist. Trotz der außergewöhnlichen Dachform ist der Entwurf konsequent nach wirtschaftlichen und ökologischen Kriterien entwickelt und erreicht Kennwerte, die eine Realisierung ermöglichen würden. Konstruktion und Erscheinungsbild entsprechen einander in der konsequenten Verwendung des Materials holz. Insgesamt stellt der Entwurf einen herausragenden Beitrag zum Wettbewerb dar, der aus der besonderen örtlichen Situation ein typologisch geprägtes Erscheinungsbild mit hoher Prägnanz entwickelt und zudem ein sehr funktionales und flexibles Gebäude schafft.