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  • DE-83052 Bruckmühl
  • 11/2014
  • Ergebnis
  • (ID 2-187042)

Neubau einer Wohnanlage in Weihenlinden


  • 3. Preis

    Lageplan, © de la Ossa Architekten GmbH

    Architekten
    delaossaarchitekten, München (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Modellbauer: Matthes Max Modellbau GmbH, München (DE)

    Preisgeld
    1.800 EUR

    Erläuterungstext
    Umfeld und Städtebau
    Das Entwurfskonzept bildet mit seiner linearen Gliederung einen maßstäblichen Ortsrand zur freien Landschaft. Durch die wechselseitige Anordnung und die feine Verschwenkung der Gebäudekuben entsteht ein hohes Maß an Transparenz, Ausblicken und Belichtungsvielfalt. Es werden differenzierte Beziehungen in die zurückhaltend gestalteten Freiräume und die freie Landschaft geschaffen.
    Die innere „Gasse“ ist Erschließungs- und gemeinschaftsbildender Begegnungsraum zugleich und bietet hohe Aufenthaltsqualitäten.

    Wohnungen und Erschließung
    Der Durchlässigkeit der Gesamtanlage folgend, gibt es mehrere Zugangsmöglichkeiten zur Gasse, die wegen der drei Fluchttreppen zurückhaltend möbliert und mit zu öffnenden Fenstern versehen werden kann.
    Dies kommt nicht nur der Lebendigkeit der inneren Fassaden zugute, sondern dient auch der natürlichen Belichtung und Belüftung der hier angelagerten Sanitär- und Essbereiche.
    Die Wohnbereiche sind jeweils in einen Wohn- und einen Koch-Essbereich zoniert und durchgesteckt bzw. mindestens zweiseitig belichtet.
    Die Sanitärraume und Küchen sind über nur einen Steigschacht angebunden.
    Die Individualräume orientieren sich konsequent nach außen.
    Alle Wohnungen verfügen über eine geschützte Loggia/Terrasse und einen 2 qm großen AB.

    Parken / Kellerersatzräume
    Die ebenfalls gegliederten Stellplatzflächen entwickeln sich analog zur Bebauung linear entlang der Grundstücks-Ostgrenze.
    Jeder Wohnung ist ein überdachter, begrünter Carportplatz mit angelagertem 6qm Kellerersatzraum zugeordnet. Die übrigen Stellplätze sind offen und mit einem wechselblühenden Heckensaum eingegrünt. Die Fahr- und Parkbeläge sind als offenes Rasenpflaster mit Grasfuge vorgesehen.

    Energiekonzept / Konstruktion
    Die einzelnen Baukörper sind sehr kompakt gehalten. Die Erschließungszone wird thermisch und statisch getrennt ausgebildet.
    Als Konstruktion wird ein Holz-Beton-Mischbau vorgeschlagen, der die Vorteile der jeweiligen Baustoffe geschickt vereint. KLH für die Wände und die Dachkonstruktion (Vorfertigung / Statik / Wärmeschutz) und Stahlbeton für die Bodenplatte und die EG-Decke (Schallschutz / Speichermasse).
    Die Dachwässer werden in der Mittelzone zusammengefasst und über 2 Rigolen versickert.
    Das kompakte Gebäudekonzept in Kombination mit der Holzkonstruktion erlaubt neben einer kostengünstigen Bauweise mit hohem Vorfertigungsgrad auch einen hohen Energiestandard, der je nach Bauteildämmwerten deutlich über EnEV ausgelegt werden kann. Die Wärmeversorgung wird wegen der Höhe und Mächtigkeit des Grundwassers als Grundwasserwärmepumpe vorgeschlagen. Zur teilweisen Deckung des Strombedarfs werden auf den steileren südausgerichteten Dachflächen Photovoltaikflächen vorgesehen.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Grundsätzlich ist die städtebauliche Setzung der Baukörper, die sich an eine Nord-Süd ausgerichteten Fußgängergasse anlagern, gut denkbar. Die Baukörperkörnung ist der Umgebung angemessen. Positiv erscheint die im Osten parallel verlaufende Erschließungsstraße, an der Parkplätze und Nebenräume angelagert sind und von der aus sich kurze Erschließungswege zu den Häuser ergeben.

    Der zwischen den Baukörpern verlaufende Laubengang bricht seine Länge durch das Alternieren von der östlichen zur westliche Seite der Einzelbaukörper. Die Stellung der Baukörper zueinander erscheint jedoch zu eng. Die nach BayBO geforderten Abstandsflächen in Teilen unterschritten. Für die Wohnungen im Erdgeschoß entstehen teilweise stark verschattete Bereiche. Auf Fernwirkung erscheinen die Abstände zwischen den einzelnen Baukörpern zu eng gesetzt.

    Das Programm wurde eingehalten, statt geforderter 18 Einheiten wurden 20 angeboten. Als nachteilig werden die sehr unterschiedlichen Qualitäten der einzelnen Wohnungen gesehen. Die nach Westen ausgerichteten Einheiten haben eine höhere Wohnqualität, als die auf der Ostseite gelegenen Einheiten, die sich auf die Erschließungsstraße ausrichten bei gleichzeitiger Störung der Privatheit auf der Westseite.
    Die Barrierefreiheit ist gegeben. In der Nutzung scheint das Angebot nur eines Aufzuges zwar wirtschaftlich, aber durch die langen Wege, die sich dadurch ergeben nur bedingt alltagstauglich.

    Die architektonische Gestalt wurde kontrovers diskutiert. Einerseits wurde der frische Ansatz der klar rhythmisiert gesetzten, mit Grasdach ausgebildeten Baukörper positiv gesehen. Die Fassaden unterstützen die skulpturale Gestalt der Baukörper. Positiv hervorgehoben wird die gewählte Materialität der Lärchenholzverschalung. Es stellte sich aber die Frage der Angemessenheit bezüglich der kontextuellen Einbindung in den Ortsteil Weihenlinden durch die Ausformulierung der langen Schleppdächer.

    Innenräumlich fehlt die Aussage zu der Nutzung der teilweise stark überhöhten Dachräume. Die Grundrisstypologien sind dem Baukörperkonzept entsprechend stringent entwickelt. Alle Wohnungen sind dreiseitig orientiert. Die Nebenräume sind konsequent zur inneren Gasse orientiert. Teilweise sind die Wohnbereiche zu einsehbar und nur zur inneren Gasse orientiert.

    Der Einsatz von Holz als nachwachsende Ressource in der Konstruktion wird hinsichtlich der Nachhaltigkeit und Primärenergiebilanz positiv gesehen. Das Bauvorhaben wäre durch die räumliche Konzentration auf den westlichen Grundstücksbereich auch ohne sukzessiven Abriss der bestehenden Wohngebäude realisierbar. Bezüglich der Wirtschaftlichkeit erscheint die oben angesprochene Ausformulierung der Dächer jedoch fragwürdig.