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  • 1. Preis Hochbaulicher Realisierungsteil

    Perspektive vom Eingang, © Behnisch Architekten

    Architekten
    Behnisch Architekten Partnerschaft mbB, Stuttgart (DE), München (DE), Boston (US) Büroprofil

    Preisgeld
    26.000 EUR

    Erläuterungstext
    Leichtigkeit und Offenheit bestimmen den Entwurf für den Neubau der Stadtteilschule Lurup in Hamburg. Diese Attribute ergänzen das pädagogische Konzept der neuen Schule und werden diese durch ein vielfältiges Angebot von Lernlandschaften mit offenen Raumstrukturen und kommunikativem Charakter unterstützen.

    Die bestehende Stadtteilschule, an der zur Zeit etwa 900 Kinder mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen und Nationalitäten, verteilt auf drei Standorte, unterrichtet werden, soll zu einer sechszügigen Schule erweitert und an einem einzigen Ort zusammengeführt werden. Damit reagiert die Stadt Hamburg auf die stetig wachsenden Schülerzahlen des Stadtteils und die sich wandelnden pädagogischen Ansätze.

    Die neue Schule wird sich in ihrem Erscheinungsbild markant eigenständig und dennoch formal angemessen ihrer Umgebung zeigen. In einer ausgewogenen Leichtigkeit fügt sich der differenziert gestaffelte Baukörper in die Nachbarschaft ein. Das Haus wird hauptsächlich über die fein bearbeiteten Dachkanten als harmonische Linien wahrgenommen werden. Die Fassade selbst nimmt sich stark zurück und ist lediglich als thermischer Abschluss von Innen nach Außen zu verstehen, weitgehend transparent, sodass der Eindruck einer offenen Lernlandschaft mit einem gläsernen Vorhang entsteht.

    Im Erdgeschoss, vom zentralen Foyer aus, sind der Multifunktionsraum, das Stadtteilcafé mit Außenbestuhlung, die Ganztagesbetreuung, die Mediathek und die Gemeinschaftsbereiche direkt zu erreichen, spielerisch angeordnet und offen gestaltet. Von hier aus ist auch die Zweifeldhalle erreichbar und einsehbar. Auch die separat nutzbare Einfeldhalle kann von hier erschlossen werden. Die Eingangsebene ist als fließender Raum mit den Fachklassen, vielfältigen Bezügen zum Freiraum und über Lufträume zu den Obergeschossen ausformuliert. Freitreppen verbinden die einzelnen Ebenen miteinander und schaffen so ein kommunikatives Miteinander und gewährleisten eine gute Orientierung im Haus. Lichtdurchflutete Lernlandschaften, Marktplätze und Unterrichtsräume lassen die Übergänge zwischen Verkehrs- und Nutzfläche fließend werden und beleben das gesamte Haus.

    Die vorgeschlagenen Materialien folgen der Idee der Authentizität, angemessen an die funktionalen Anforderungen. Eine Holz-Aluminium Fassade als Elementfassade mit opaken Holzelementen überhöht die Idee einer offenen Lernlandschaft. Die vorgeschlagene Bauweise als Stahlbeton-Skelettbau mit lasierten Sichtbetondecken zur Aktivierung der thermischen Masse, Stahlgeländer mit Netz und funktional detaillierten Einbauten aus Holzwerkstoffen bieten einen angemessenen Kontrast zu strapazierfähigen Linoleum- und Teppichböden in den Flurzonen und Klassenräumen.

    Ziel des Energie- und Klimakonzeptes des Gebäudes ist es, durch eine Kombination von passiven und aktiven Maßnahmen den Aufwand in Bau und Betrieb des Gebäudes zu minimieren und Gleichzeitig den Komfort zu optimieren. Ein erhöhter winterlicher Wärmebedarf wird dabei kompensiert durch eine optimierte Tageslichtversorgung sowie einer effizienten Anlagentechnik.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Verfasser schlägt einen differenzierten, lang gestreckten, z.T. dreigeschossigen Baukörper vor, mit dem es gelingt, gut proportionierte Außenräume und gut belichtete Innenräume zu schaffen. Durch ein Zurückweichen mit dem Baukörper in den rückwertigen Grundstücksbereich und das Staffeln der Geschosse wird ein in Größe und Ausrichtung angemessener Schulhof geschaffen. Es entsteht ein einladender, gut auffindbarer Eingang mit einer angemessenen Adressierung. Die Sporthallen werden so platziert und erschlossen, dass diese sowohl vom Haupteingang als auch durch einen separaten Eingang vom Außensportfeld gut erreicht werden. Ebenso logisch und geradezu selbstverständlich werden die Flächen der Community School am Haupteingang platziert und so ein Bindeglied zum Stadtteil geschaffen. Die Mensa und die Sporthallen sind so platziert, das diese mit den Erschließungsflächen ein großzügiges, einer Stadtteilschule angemessenes Entree bilden.

    Die interne Organisation des Gebäudes folgt den Bedürfnissen der Schule. Es werden Fachbereiche bzw. -zonen angeboten, differenziert in Naturwissenschaften, Kunst und Musik. Die zwei Etagen für den allgemeinen Unterricht werden in Zonen und Jahrgangsbereiche gegliedert und sind auch sich wandelnden Anforderungen anzupassen. Durch Aufweitungen und die abwechslungsreiche Geometrie der Flure entstehen differenzierte offene und abgeschlossene Arbeitsbereiche für unterschiedliche Gruppengrößen und Lernkonzepte. Aus Sicht der Schule und der Jury entsteht hier eine sehr gut und flexibel nutzbare Bildungslandschaft.

    Die Erschließung erfolgt über einen Stich von der Flurstraße. Durch das geringe Wohnungsangebot werden Erschließungskonflikte aus den bestehenden Erschließungsstraßen vermieden.

    Insgesamt wird ein angemessenes, gut proportioniertes Gebäude mit sehr hohen innenräumlichen Qualitäten angeboten.