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  • DE-10409 Berlin
  • 12/2014
  • Ergebnis
  • (ID 2-177873)

Wohnen an der Michelangelostraße


  • 1. Preis


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    Architekten
    Frank Görge Architektur Stadt Landschaft, Hamburg (DE)

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Breimann & Bruun, Hamburg (DE)
    Landschaftsarchitekten: Bruun & Möllers GmbH & Co. KG, Hamburg (DE)

    Preisgeld
    36.000 EUR

    Erläuterungstext
    Das Ziel unseres städtebaulichen Konzeptes ist es, aus drei Quartieren unterschiedlicher Prägung einen gemeinsamen im Zusammenhang zu betrachtenden spezifischen Ort zu entwickeln, der mit eigener städtebaulicher und landschaftlicher Ausformung ein in Zukunft noch attraktiverer Bestandteil des Bezirkes wird. Dabei soll die bestehende städtebauliche Grundstruktur erhalten werden. Unsere Konzeption zielt auf die Stärkung und Verbesserung des Vorhandenen und die Ergänzung neuer Stadtbausteine und neuer Freiraumtypologien. Es geht uns insbesondere darum, die großzügigen zusammenhängenden Freiräume nicht zu zerteilen sondern ihre Nutzbarkeit zu erweitern und zu verbessern und durch die Implantation neuer Inseln das Gesamtgefüge zu stärken. Diese Inseln sind neue Stadtbausteine mit neuen Wohnungstypologien und zusätzliche Orte privater, öffentlicher und spezieller Nutzung der Freiräume.

    Wir schlagen vor, das von großzügiger Weite geprägte Bild im städtebaulichen Sinne zu ergänzen mit bisher eher weniger vorhandenen räumlichen Maßstäben und Qualitäten: Abstufungen zwischen breiteren und schmaleren Durchgängen, Abstufungen von normalen Stadtstraßen, engen Gassen-ähnlichen Wegen, kleinen Plätzen und einer Straße als großzügigem städtischem Boulevard sowie die Ergänzung durch räumlich gefasste Wohnhöfe, in denen sich kleine Nachbarschaften bilden und die in dieser Typologie bisher im Wettbewerbsgebiet nicht vorhanden sind.

    Die bauliche Nachverdichtung soll neuen Wohnraum für neu hinzukommende Bewohner bereit-stellen, soll aber auch einen Gewinn für die derzeitigen Bewohner darstellen. Die Bebauung der Ränder des Quartiers soll sich nicht nur hinsichtlich des Schallschutzes für das Quartiersinnere positiv auswirken. Ein neues, differenzierteres Wohnungsangebot steht auch den derzeitigen Bewohnern zur Verfügung und macht das Umziehen innerhalb des Stadtteils eher möglich. Trotz wechselnder Bedürfnisse in verschiedenen Lebensphasen wird es möglich sein, am Ort zu bleiben. Das zusätzliche Wohnungsangebot ermöglicht darüber hinaus ein umfangreicheres Angebot an Einkaufsmöglichkeiten, Dienstleitungen, sozialen und kulturellen Angeboten. Im Zuge der Erweiterung des Wohnungsangebotes wird eine Durchmischung von städtischen Aktivitäten entstehen.

    Stadtstrukturelle Einbindung
    Durchlässige erkennbare Wegebeziehungen in Form kleiner Alleen stellen als Promenaden die Vernetzung insbesondere der nördlich und südlich der Michelangelostraße gelegenen Quartiere her. Kleine stadträumlich erkennbare Quartiersplätze fungieren als Treffpunkte der Quartiersbewohner und Orte der Nahversorgung für den täglichen Bedarf.
    Ein relativ streng orthogonales Verbindungsnetz von Straßen und Fußwegen gibt dem öffentlichen Raum mit pragmatischen Mitteln ein ebenso eingängiges, einfaches und doch ortspezifisches und somit unverwechselbares Bild.

    Freiraumkonzept "Nord-Süd"
    Nördlich der Michelangelostraße: Innerhalb des großzügigen zusammenhängenden Grünraumes sollen neue Angebote für die Nutzung des vorhandenen Potentials bereitgestellt werden. Der Freiraum soll "in Besitz" genommen werden, als Angebot für die Quartiersbewohner und die Bewohner der Nachbarquartiere. Die Bewohner der Erdgeschosse sollen den Außenraum - wo immer möglich - direkt aus ihrer Wohnung erreichen können. Eine räumliche Abgrenzung mittels Hecken der Zäunen soll jedoch vermieden werden um den offenen Charakter des Quartiers unbedingt zu erhalten. Gemeinschaftlich genutzte Gärten und Spielflächen prägen das Quartier. Orte für gemeinsames Spiel, für gemeinsames Grillen, ... werden eingerichtet. Ein Bereich für gemeinsames Gärtnern ("Urban Gardening") gibt dem Quartier eine zusätzliche Qualität, die die Nutzung des Freiraumes auch für Anwohner der Nachbarquartiere interessant werden lässt.

    Südlich der Michelangelostraße: Die großen "bewaldeten" Hof-Räume zwischen den großmaßstäblichen Gebäuden sollten nicht durch kleinteilige Gestaltung der Bodenoberflächen und neu hinzugefügte Kleinstgebäude separiert werden. Die kleinen "Wälder" stellen ein besonderes Potential nicht für den Mühlenkiez, sondern auch für die umgebenden Quartiere dar.

    Im zentralen Bereich: Südlich der Michelangelostraße ist ein neues Quartier geplant, das als zentrales Bindeglied und Mitte zwischen den nördlich und südlich gelegenen Quartieren dient.
    In einer Abfolge gefasster Stadträume bietet Treffpunkte für die Bewohner der Quartiere.

    Freiraumkonzept West-Ost
    In Fortsetzung des Straßenzuges Osloer Straße - Wisbyer Straße - Ostseestraße wird die Michelangelostraße als räumlich gefasste städtische Straße weitergeführt. Parallel zur Michelangelostraße wird eine Abfolge öffentlicher Platz-, Hof- und Gartenräume entwickelt.

    Nutzungsverteilung
    Die gewünschte Nachverdichtung mit Geschosswohnungsbau findet nördlich der Michelangelostraße vor allem am Rand des Quartiers statt. Die Randbebauung ermöglicht eine flexible Mischung von Wohnungsgrößen. Die Bebauung dient auch als Schallschutzmaßnahme für das Quartiersinnere. Die Bewohner der Randbebauung werden durch bauliche Maßnahmen (verglaste Loggien, Kastenfenster, Lüftungsmöglichkeiten) vor dem Schall geschützt, der von Michelangelostraße und Greifswalder Straße ausgeht. In den Erdgeschossen - insbesondere entlang der Greifswalder Straße - soll die Nutzung durch Läden und Praxen möglich sein.
    In moderatem Umfang sind Nachverdichtungen innerhalb des Quartiers geplant. Hier sind vom Bestand unterschiedene Wohnungstypologien vorgesehen: z.B. Maisonetten oder schmale kompakte Stadthäuser als "Parasiten" an den Brandwänden der bestehenden Zeilen.

    Südlich der Michelangelostraße ist ein funktional gemischtes Stadtquartier geplant, das einerseits zusätzliche städtische Funktionen erlaubt (Einkaufsmöglichkeiten, Wochenmarkt, Dienstleistungen, u. a. ein neuer Standort für das Ärztehaus) und andererseits die Realisierung neuer Gebäudetypologien ermöglicht. Im Rahmen der geplanten Wohnhöfe mit Platz oder Garten im Zentrum sind neue Bautypologien möglich, die für verschiedene potentielle Bauherren interessant sein sollen.

    Verkehrskonzept
    Die fußläufige funktionale und gestalterisch hochwertige Vernetzung der Quartiere steht im Mittelpunkt des Verkehrskonzeptes. Im Zuge der Wegeverbindungen entstehen Plätze und Straßenräume mit Aufenthaltsqualität. Das südliche Quartier (Mühlenkiez) wird über befahrbare normale Straßen an die Michelangelostraße angeschlossen.
    Die Stellplatzflächen im nördlich gelegenen Bereich werden neu geordnet und gestaltet. Die Tiefgaragen unterhalb der neuen Randbebauung stehen auch den derzeitigen Bewohnern zur Verfügung. Die südlich der Michelangelostraße entfallenden Stellplätze werden im geforderten Umfang entlang der Hanns-Eisler-Straße und in einem eingeschossigen Parkdeck unterhalb der Sportflächen neu hergestellt. Die Tiefgaragen unterhalb der neuen Gebäude sind diesen direkt zugeordnet.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Was am stärksten an dieser Arbeit überzeugt, ist die Qualität der öffentlichen Räume. Die Michelangelostraße ist der zentrale öffentliche Raum, der in Querschnitt und Ausgestaltung einer Stadtstraße mit „Ringfunktion“ angemessen ist.

    Der Schwarzplan besticht durch eine große Klarheit, die Baumassen verdichten sich in Richtung der stadtstrukturell bedeutsamen Greifswalder Straße. Hier entsteht eine torartige Situation.

    Die Platzierung der Baumassen erfolgt sehr überlegt, die Arbeit geht differenziert auf unterschiedliche Situationen ein, ohne dabei an Klarheit zu verlieren.

    Dies geschieht allerdings zum Teil mittels Überbauung der Fernwärmeleitungen. Im wesentlichen Abschnitt verbleibt die Michelangelostraße in ihrem Verlauf, im östlichen Abschnitt wird sie auf einer Länge von ca. 250 Metern zugunsten der Klärung der städtebaulichen Situation im Übergang zur Ostseestraße verschwenkt. Es entsteht ein Eingangsplatz in das neue Quartier.

    Die gewünschte städtische Verzahnung zwischen den beiden nördlich und südlich der Michelangelostraße gelegenen Quartieren wird durch großzügige Fußgängerpromenaden erreicht.

    Ein großes Angebot unterschiedlicher Freiräume und Aufenthaltsqualitäten lässt lebenswerten Stadtraum im urbanen Kontext entstehen.

    Die Zeilen, die das Nordquartier entlang der Michelangelostraße arrondieren, sitzen in einem Abstand von ca. 3m vor den freistehenden Bestandsgebäuden. Hinsichtlich einer Realisierung sind geeignete Lösungen zu entwickeln.

    Insgesamt ist die Arbeit ein hoch interessanter Beitrag zur Entwicklung eines eigenständigen Stadtquartiers. Der Bestand wird in das Konzept integriert und erfährt eine Aufwertung.


INFO-BOX

Angelegt am 22.12.2014, 11:41
Zuletzt aktualisiert 26.08.2016, 15:29
Beitrags-ID 4-97044
Seitenaufrufe 1106

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