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  • DE-77746 Schutterwald
  • 01/2015
  • Ergebnis
  • (ID 2-174253)

Neubau Seniorenpflegeheim, Wohnungen und eine Sparkassenfiliale


  • Anerkennung

    Perspektive, © Lehmann Architekten GmbH

    Architekten
    Lehmann Architekten GmbH, Offenburg (DE), Berlin (DE) Büroprofil

    Preisgeld
    4.000 EUR

    Erläuterungstext
    Städtebauliches Konzept
    Durch die Neubaumaßnahmen Seniorenpflegeheim, Wohnen und Sparkassenfiliale besteht die Möglichkeit, die Ortsmitte von Schutterwald neu zu definieren und weiterzuentwickeln. Dieser Prozess wurde bereits durch den Neubau des Rathauses
    und der Erweiterung der Mörburgschule im Zentrum neben der ortsbildprägenden
    Kirche in den letzten Jahren eingeleitet. Eine neue Planungskultur ersetzte die gewachsene Struktur der vorhandenen Straßenrandbebauung.

    Bei dem Entwurf war deshalb neben den Fragen der Platzierung des Seniorenpflege-heims, der Sparkassenfiliale und des Wohnens die Lage des Ehrenmals städtebaulich ebenfalls zu klären. Hier waren die Lage und die Vorstellung von privatem Wohnen
    der Bedeutung und der öffentlichen Wahrnehmung eines Ehrenmals gegenüber-
    zustellen.

    Bei der Abwägung der Vor- und Nachteile wird vorgeschlagen, das Ehrenmal an die Hauptstraße gegenüber der Kirche zu verlegen. Hier könnte im Zusammenhang mit Pfarrhaus und Kirchenvorplatz ein öffentlicher Raum weiterentwickelt werden, der
    neben den Hochbaumaßnahmen den Ortsmittelpunkt aufwertet und stärkt.

    Durch die Anordnung des Wohnens an der Bahnhofstraße konnte in Verbindung mit
    der Gebäudeausformung des Seniorenpflegeheims eine städtebauliche Struktur entwickelt werden, die sich in einer Abfolge von straßenbegleiteter Bebauung und
    der Bildung von Freiräumen den gewachsenen Strukturen des Dorfes annähert.

    Gebäudekonzept und Funktionalität
    Schwerpunkt der Baumaßnahme bildet das Seniorenpflegeheim. Das vorgeschlagene baulich in Nord-Süd-Ausrichtung verschränkte Gebäude eröffnet die Möglichkeit der Ausrichtung der Zimmer in Ost-West und die Bildung von zwei hochwertigen Wohnhöfen, die den Wohngruppen vorgelagert sind.

    Während der nach Osten ausgerichtete Platz an der Bahnhofstraße die Erschließung
    und die Begegnung mit der Öffentlichkeit übernimmt, soll der nach Westen entstehende grüne Hof zusammen mit dem vorhandenen Nussbaum mehr den Charakter eines privaten Gartens für die Bewohner erhalten.

    Das neue Gebäude für das barrierefreie Wohnen wurde in den ruhigen und grünen Bereich des Grundstücks gelegt. Die 8 Wohnungen sind Ost-West ausgerichtet und werden von der Bahnhofstraße erschlossen. Die Parkierung befindet sich in der Tiefgarage der Seniorenwohnanlage mit direkter Anbindung an das Wohngebäude.

    Die Filiale der Sparkasse wurde dem öffentlichen Bereich an der Kreuzung Haupt-/
    Bahnhofstraße zugeordnet. Hier im Erdgeschoss der Seniorenwohnanlage besteht
    die Möglichkeit in Verbindung mit der Platzgestaltung entlang der Hauptstraße eine
    neue Geschäftslage zu entwickeln, die sowohl den öffentlichen als auch privaten Belangen Rechnung tragen kann.

    Architektur und Materialität
    Die Dimension und das Erscheinungsbild resultiert aus den Anforderungen an die Nutzung eines Seniorenpflegeheims. Um der Maßstäblichkeit des Ortes gerecht zu werden, wird vorgeschlagen, die konstruktive Gliederung der Hochfassade durch den Einsatz von heimischen Materialien (Mauerwerk und Holz) zu stärken. So könnte z. B.
    das etwas zurückgesetzte Erdgeschoss, in dem die Sparkassenfiliale und die Nebenräume der Seniorenwohnanlage untergebracht sind, in einem geschlämmten Sichtmauerwerk und die darüber liegenden 2 Wohngeschosse in einer vorbehandelten Holzschalung
    zur Ausführung kommen.

    Eine weitere Akzentuierung, die gleichzeitig an das historische Fenstergewänd erinnert, kann durch die vorgeschlagene Einfassung der Fensterleibungen in Verbindung mit
    dem Sonnenschutz erzielt werden.

    Wirtschaftlichkeit und energetische Maßnahmen

    Der wirtschaftliche Erfolg einer Baumaßnahme resultiert im Wesentlichen aus der Ausgewogenheit einer guten Planung und der Anwendung von sinnvollen ökonomischen und ökologischen Maßnahmen. Der Entwurf wurde deshalb unter Berücksichtigung von städtebaulichen und funktionalen Vorgaben auf einem orthogonalen Ordnungsprinzip entwickelt, die teilweise eine modulare Umsetzung ermöglicht. Auf der Grundlage des statischen Konzeptes können deshalb halbfertige und fertige Teile wirtschaftlich zum Einsatz kommen.

    Die vorgeschlagenen im Wesentlichen aus Stahlbeton und Mauerwerk hergestellten Wände werden im Außenbereich hochwertig gedämmt und erhalten im Erdgeschoss
    eine geschlämmte Ziegelfassade und in den 2 Obergeschossen eine hinterlüftete Holzverkleidung.

    Um die Folgekosten beim Energieverbrauch zu miniminieren, sind folgende Punkte zu beachten:

    • Lückenlose Wärmedämmung.
    • Vermeidung von Wärmebrücken.
    • Effiziente Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung, ausgelegt auf den hygienisch
    erforderlichen Luftwechsel.
    • Luftdichte Gebäudehülle (Prüfung durch Blower-Door-Test mit n50 ≤ 0,6 l/h).
    • Gute Tageslichtversorgung mit entsprechenden Verschattungsmöglichkeiten im
    Sommer etc.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die städtebauliche Ausformung ist durch die Platzierung der Gebäude gut gelöst. Der Verfasser schlägt 2 getrennt angeordnete Gebäude vor. In dem größeren befinden sich das Pflegeheim und die Sparkasse.
    Durch die Anordnung des kleineren im nördlichen Bereich gelegenen Wohngebäudes muss das Ehrenmal versetzt werden, wodurch bestehender Freiraum beansprucht wird und höhere Aufwendungen verbunden sind. Der südlich gelegene Platz nimmt einen Bezug zur gegenüberliegenden Kirche auf. Allerdings ist dieser vom Pflegeheim abgewandt. Der Eingang der Sparkassenfiliale ist etwas prominent gelegen.
    Die vorgeschlagenen Materialien, geschlämmtes Sichtmauerwerk und die Holzschalung sind für den Ort gut vorstellbar.
    Die Zulieferung des Pflegeheims erfolgt über den Haupteingang, was zu Störungen führen wird. Der Eingang zum Begegnungsraum ist zu abgelegen und sollte besser an die Eingangshalle angebunden werden.
    Der zweibündige Flur im Pflege-Wohn-Bereich erscheint sehr sparsam und bietet keine Aufenthaltsqualität.
    Eine Aufweitung an den äußeren Enden könnte diese verbessern.
    Die Anordnung und Funktion der Sparkassenfiliale ist gut gelöst.
    Die erwartbaren Kosten liegen im mittleren Bereich