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  • ein 3. Preis

    Perspektive Schlüssenbuden, © Bieling Architekten

    Architekten
    Bieling Architekten AG, Hamburg (DE), Kassel (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Prof. Thomas Bieling

    Mitarbeit
    Johannes Fuß, Indra Meyer

    Erläuterungstext
    Konzept

    Das Entwurfskonzept versteht das Gebäude als integrativen Bestandteil der städtebaulichen Struktur in der Lübecker Altstadt. Den Leitlinien des zukünftigen Bebauungsplans und den Grundsätzen der Lübecker Gestaltungssatzung folgend zeigt sich ein Gebäude, welches bei zeitgemäßem Erscheinungsbild seiner historischen Umgebung gerecht wird.

    Der grundlegende Entwurfsgedanke entwickelt sich aus der Typologie des giebelständigen Hauses. Der kleinteiligen Bebauungsstruktur des Altstadtkerns angelehnt, gliedert sich die Gebäudekubatur in drei aneinandergereihte Häuser, mit Firstverlauf parallel zum Straßenraum. Die gefalteten Giebelfronten auf der Markttwiete entwickeln wichtige städtebauliche Bezüge zwischen dem angrenzenden Straßenraum und der Gebäudefront entlang des nördlichen Rathausplatzes. Die zweigeschossige Arkade greift dabei die Flucht der historischen Rathausarkade auf und führt diese weiter. Über den sich verjüngenden Straßenraum an der Markttwiete wird die räumliche Fassung des Marktplatzes gestärkt.


    Grundrissstruktur

    Dem Gebäude liegt der Grundriss der Vorplanung zugrunde. Die funktionale Organisation ist beibehalten, jedoch um das Öffnen der Flure zu den Stadträumen ergänzt. Ein weiteres zum Innenhof ausgerichtetes Zimmer trägt zur Verbesserung der Effizienz bei, ohne den Lichthof in seiner Funktion einzuschränken. Weitere 10 Zimmer befinden sich im Dachgeschoss.


    Freiraum

    Das Freiraumkonzept ordnet sich der Gesamtordnung des Marktplatzes unter. Dabei versteht sich die Arkade als Fortführung des Platz- und Straßenraums und führt den ortstypischen Bodenbelag weiter. Darunter entwickelt sich ein wettergeschützter Raum, der eine hohe Aufenthaltsqualität aufweist. Parkbuchten entlang der Schüsselbuden entspannen die Haltesituation vor dem Hotel. Der Innenhof, als Erweiterung der Lobby angesehen, wird mit Pflanztrögen bespielt, was eine flexible Nutzung sichert.


    Fassade

    Das Fassadenkonzept folgt den Zielvorgaben der Gestaltungssatzung und fügt sich sehr homogen – jedoch ohne sich historisierend anzubiedern - mit einem Baukörper aus rotem Klinker in die Umgebung ein. Die besonderen Eigenschaften des Fassadenmaterials ermöglichen (gleichberechtigt) vertikale und horizontale Gliederungen, sowie differenzierte Abstufungen der Fassadenebenen. Somit erfährt das Gebäude eine reliefartige Plastizität was ebenfalls zur Einbindung in den historischen Kontext beiträgt.


    Grundgedanken des Fassadenkonzepts

    Durch die Reduktion der wesentlichen Fassadenmaterialität auf den Ziegelstein, der - aus gleichem Ton gebrannt - sowohl an der Fassade als dünnformatiger Klinker wie auch auf dem Dach als flacher Ziegel eingesetzt wird, entsteht ein monolithischer Gesamteindruck, welcher Wand und Dach gleichberechtigt darstellt.
    Die Gliederung der Gebäudehülle erfolgt in erster Linie über die Ausbildung von Sockel-, Normal- und oberer Abschlusszone, im Detail betrachtet über die feinsinnige Verwendung unterschiedlicher Formate und Fugentiefen.

    Ein zweigeschossiger Sockel aus einem horizontal geschichteten Klinkerverband mit tiefer Lagerfuge öffnet sich entlang der Markttwiete in einer Arkade. Der darauf ruhende Gebäudekörper unterteilt sich in im „Wilden Verband“ gemauerte Flächen und in mit einem Fassadenziegel bekleidete Flächen, welche sich direkt mit dem Dach binden. Die schindelartige Struktur bildet trotz gleicher Farbtöne einen angemessenen Kontrast zu den ebenen Wandflächen. Einzelne Klinker, die sich schuppenartig aus der Fassadenebene drehen, betonen die differenzierte Faltung der Giebel.
    Wandöffnungen werden durch eingefärbte Betonrahmen betont, welche mit unterschiedlich weit hervortretenden Maßen das Fassadenrelief prägen und dem Gebäude einen hohen Grad an Wiedererkennung verleihen.

    Die Sockelzone der Anlieferung im Norden des Gebäudes stellt sich als Putzfassade dar.

    Die Belichtung der Dachgeschosse wird über feindetaillierte Dachflächenfenster gewährleistet. Diese Fenster, sowie die notwendigen Öffnungen für Technik, erheben sich als eigenständige Elemente nur leicht aus der Dachhaut und bewahren dadurch die klare Kubatur des giebelständigen Hauses mit seinem Satteldach. Gläserne Übergänge schaffen eine transparente Verbindung der einzelnen Dachflächen ohne die Gesamtfigur zu beeinträchtigen.

    Vertikales Grün, als vorgehängte Fassadenelemente, geben dem Innenhof einen eigenen Charakter, der bewusst von der Lobby und den Fluren in den Obergeschossen erlebt werden kann.


    Fassadenkonstruktion

    Die Klinkerfassade ist als zweischalige/ hinterlüftete Wandkonstruktion vorgesehen. Der Dach- und Fassadenziegel wird an einer herkömmlichen Holzunterkonstruktion aus Lattung und Konterlattung befestigt. Das Rahmenwerk der Fenstereinfassungen erfolgt in Fertigteilbauweise.
    Die Fassadenkonstruktionen erfolgen also vorwiegend in traditioneller Bauart; diese wird in gleichem Maße den Anforderungen aus gestalterischen, statischen, bauphysikalischen und wirtschaftlichen Aspekten gerecht.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.

INFO-BOX

Angelegt am 29.01.2015, 12:06
Zuletzt aktualisiert 06.02.2015, 12:47
Beitrags-ID 4-98011
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