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  • DE-55232 Alzey
  • 02/2015
  • Ergebnis
  • (ID 2-171508)

Neubau eines Feuerwehrgerätehauses


  • 2. Preis

    Perspektive

    Architekten
    WW+ architektur + management, Esch-sur-Alzette - Luxembourg (LU), Trier (DE) Büroprofil

    Preisgeld
    12.600 EUR

    Erläuterungstext
    Neubau eines Feuerwehrgerätehauses in Alzey

    ‚Gute Architektur lebt von Spannung, Harmonie und einer angemessenen Bescheidenheit. Sie sollte einen Hauch von Selbstverständlichkeit ausstrahlen und sich immer am Wesen des Menschen orientieren.‘
    Zitat Norman Heibrodt

    Die Besonderheit hinsichtlich der Geographie des Baugrundstückes und die funktionale Nutzung mit Identifikationscharakter prägt die gesamte bauplastische und typologische Struktur des geplanten Feuerwehrgerätehauses. Das Konzept für die Architektur, die Szenographie der einzelnen Funktionseinheiten und die Gestaltung der Außenanlagen wird konsequent aus dem vorhandenen Naturraum und der Nutzung abgeleitet.


    ENTWURFSKONZEPT

    Die Individualität des Standorts am Stadteingang von Alzey am Rande eines gartenstädtischen, offenen Wohngebietes und am Hochzeitswald, der im Süden des Baugrundstücks anschließt, geben nur bedingt Vorgaben zu städtebaulichen Bezügen.
    Das architektonische Konzept sieht eine kompakte Gebäudeform zur Reduzierung der bebauten Flächen zugunsten einer grünen Umgebung vor und legt ein besonderes Augenmerk auf eine harmonische Einbettung in den umliegenden Naturraum. Das Gebäude bildet durch seine eigenständige Form einen klaren, identitätsstiftenden Abschluss zur L409, integriert sich mit seinem Sockelgeschoss in die vorhandene Topographie und setzt durch seine markante Volumenausbildung ein weithin sichtbares Zeichen – eine Landmark.

    Entstanden ist ein Entwurf, der seinen Nutzern eine klar orientierte Strukturierung und der Stadt Alzey eine prägnante Eingangssituation vom Landschaftsraum zum Stadtraum bietet. Gleichzeitig erreicht das architektonische Konzept Offenheit und Transparenz durch den gezielten Einsatz von Material, Licht und Öffnungen.


    NUTZUNG UND FUNKTION

    Erschließung

    Der Haupteingang wird durch einen großzügigen Vorplatz an der Südseite des Gebäudes markiert. Von dort erreicht man im Erdgeschoss die Einsatzzentrale, die durch ihren repräsentativen Charakter zum zentralen Punkt des Feuerwehrgerätehauses wird und gleichzeitig eine wichtige Schnittstelle des Gebäudes, über die alle weiteren Bereiche erreicht werden, darstellt. Um Synergien der einzelnen Gebäudeteilbereiche zu fördern, ist die Erschließung des Obergeschosses über ein Treppenhaus mit Aufzug geplant. Der zusammengefasste kommunale Funktionsbereich mit Musikübungsraum und zwei Wohnungen, sowie der Ausbildungsbereich der Feuerwehr schließen direkt an das Treppenhaus an. Auch der multifunktionale, öffentliche Sitzungsraum wird von hier erschlossen.
    Der Anschluss an die Kreisstraße 12 ermöglicht dem motorisierten Verkehr eine direkte Zufahrt zum neugeplanten Stellplatzbereich, welcher östlich an den Gebäudeentwurf angrenzt. Um kurze Wege im Einsatzfall zu garantieren, sind 25 Parkplätze, mit direktem Zugang zum Feuerwehrgerätehaus, der Freiwilligen Feuerwehr zugewiesen. Zudem ist eine zusätzliche Rettungsspur im Bereich der Ein- und Ausfahrt geplant.

    Funktionale Lösung

    Durch die Volumenausbildung des Feuerwehrgerätehauses in einen eingeschossigen sowie zweigeschossigen Gebäudeabschnitt ergeben sich automatisch die einzelnen Hauptfunktionsbereiche. Im zweigeschossigen Kopf des Gebäudes befinden sich im Erdgeschoss der Einsatzbereich mit Umkleide-/Sanitärflächen, Funk-/Telekommunikationsraum, Sozialraum und Kleiderkammer sowie die Atemschutzwerkstatt mit Anlieferung, Werkstatt und Arbeitsbereich. Daran schließen die Nebenfunktionsräume der städtischen Funktionsflächen an. Weitere Teile der kommunalen Nutzung (multifunktionaler Sitzungsraum mit Teeküche, Musikübungsraum, zwei Wohnungen für Feuerwehrmitglieder und Hausmeister) sind neben dem Schulungs- und Ausbildungsmodul im Obergeschoss angeordnet und über eine Treppe sowie einen Aufzug mit dem Erdgeschoss verbunden. Im eingeschossigen Gebäudeteil befindet sich als weitere Hauptfunktion die Wagenhalle mit Werkstätten und öffentlicher Waschhalle, welche über den zentralen Hof erschlossen wird. Neben der Vermittlung zwischen den einzelnen Eingängen zu den Hauptmodulen des Gebäudes, dient dieser Platz mit dazugehörigem Übungsturm als Feuerwehrübungsfläche.
    Die einzelnen Raumelemente werden durch die großflächige Verglasung mit Blick zum Außenraum sowie durch Oberlichter mit Tageslicht versorgt, so dass eine helle und freundliche Aufenthaltsatmosphäre in allen Räumen entsteht.
    Der Schulungs- und Ausbildungsbereich, der sich ebenfalls mit großzügig verglasten Flächen zum zentralen Vorplatz öffnet, ist auch außerhalb des regulären Tagesbetriebs nutzbar und bildet dadurch einen wichtigen Anlaufpunkt für die angrenzenden Stadtteile. Dies führt zu einer funktionalen Vernetzung zwischen dem Feuerwehrgerätehaus und den Quartieren in unmittelbarer Nähe.


    WIRTSCHAFTLICHKEIT UND NACHHALTIGKEIT

    Ausgangspunkt des Energiekonzeptes ist ein optimiertes Architekturkonzept, was auf die Nutzung vorhandener und natürlicher Ressourcen, sowie optimierte Betriebs- und Wartungskosten abgestimmt ist. Die Kombination aus nachhaltiger Bauweise (sehr gutes Verhältnis von Fassadefläche zu Gebäudevolumen, ausgewogenes Fassadenverhältnis von transparenten und nichttransparenten Flächen, etc.) mit einem effizienten Energieeinsatz ermöglicht es, ein ganzheitliches Konzept für das Feuerwehrgerätehaus zu erreichen:
    Eine konsequente Raumorganisation, eine hohe Kompaktheit des Gebäudes und eine optimierte Wärmedämmung bilden dafür die Voraussetzung. Der Hauptzugang des Neubaus wird über einen thermisch wirksamen Windfang geführt. Das obere Geschoss erreicht man über eine Treppe, die in dem zentralen Eingangsbereich des Erdgeschosses liegt um kurze Wege innerhalb des Gebäudes zu gewährleisten. Alle Aufenthaltsräume erhalten durch die großflächige Verglasung einen Blick in die Natur und werden mit Tageslicht versorgt, so dass eine helle und freundliche Atmosphäre in allen Räumen entsteht. Eine bestmögliche natürliche Belichtung und Belüftung reduziert außerdem den Energieverbrauch. Im Zusammenspiel mit einer effizienten Haustechnik und erneuerbarer Energiequellen in Verbindung mit der Rückgewinnung vorhandener Energien entsteht ein Gebäude, dass einen hohen Nutzerkomfort gewährleistet und auch langfristig, vor allem hinsichtlich des Primärenergiebedarfs der aktuellen Energieeinsparverordnung entspricht und diese sogar unterschreitet. Unter der Zielsetzung einer investitions- und betriebskostenoptimierten Planung der Energieerzeugungsanlagen wird durch konzeptionelle und betriebstechnische Optimierung großen Wert auf niedrige Emissionen gelegt. Als zentrale Erzeugungsanlage wird eine Erdwärmepumpe in Verbindung mit einer Photovoltaikanlage auf dem Dach eingesetzt. Die Wärmeversorgung erfolgt vollständig über die Wärmepumpe, die teilweise im Winter von Niedertemperaturpotenzialen aus den Kollektoren unterstützt wird. Im Sommer erfolgt die Warmwasserbereitung ausschließlich über die Kollektoren, eventuell vorhandene Überschusspotenziale können zur Regenerierung des Erdreichs wieder eingelagert werden.


    KONSTRUKTION UND MATERIAL

    Die tragenden Bauteile des Feuerwehrgerätehauses werden in einer Stahlbeton-Bauweise erstellt. Diese Stahlbetonwände und Stahlbetonstützen stellen die Auflager der Rahmen-Riegel dar. Die Decken mit konventioneller Spannweite werden ebenso in Stahlbeton erstellt. Die Gründung des Bauwerks wird über eine gebettete Bodenplatte mit integrierten Streifenfundamenten, die gleichzeitig als Frostschürze dienen, ausgebildet. Die massive Betonkubatur mit einer Wärmedämmschicht aus Mineralwolle wird mit einem naturbelassenem, dunklen Holz, als vorgehängte und hinterlüftete Holzleistenfassade, verkleidet. Die Anpassung an die Umgebung führt zur Wahl des Materials Holz.
    Der Innenbereich ist durch eine Reduktion auf wenige Materialien gekennzeichnet. Insgesamt dominieren die härteren Materialien Glas/Profilglas, Beton und weiß verputzte Wandflächen. In den Aufenthaltsbereichen, also den Bereichen, die in erhöhter Frequenz sowohl intern als auch extern genutzt werden, kommt Holz als weiches Element hinzu, was eine freundliche und warme Arbeits- und Aufenthaltsatmosphäre schafft und den Bezug zur Fassade herstellt.
    Entsprechend des ganzheitlichen Energiekonzepts werden bewusst robuste, langlebige und nachhaltige Materialien ausgewählt, die pflegeleicht sind und über einen langen Zeitraum ansehnlich bleiben.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Arbeit formuliert einen klar konturierten, langgestreckten Baukörper in Ost-West-Richtung, der sich maßvoll in die bestehende Landschaftssituation einfügt. Der Baukörper ist im Hauptteil eingeschossig, nur der Eingangsbereich wird als baukörperliche Betonung ausgebildet und formuliert einen 2-geschossigen Kopfbau. In der Gesamtheit wird eine sehr moderate Höhenentwicklung erzielt, die sensibel mit der bestehenden Topografie umgeht und den nördlichen Bereich zur Landesstraße L 409 dem Landschaftsraum wieder zuschlägt. Der Anteil versiegelter Flächen wird dadurch erheblich reduziert.

    Dem städtebaulich klaren Solitärbaukörper wird im südlichen und westlichen Bereich eine ebenso klar strukturierte funktionale Freifläche vorgelagert, die durch den optionalen Übungsturm eine gut gesetzte, bauliche Markierung erhält. Die Hallenvorzone mit den Ausfahrten überlagert sich mit der Übungsfläche, was zu Flächensynergien führt, hinsichtlich der zwangsläufigen Überschneidungen aber in der weiteren Planung überarbeitet werden müsste.
    Die Zufahrten erfolgen von der Straße Am Herdry und sind kompakt, kreuzungsfrei und übersichtlich organisiert und erzeugen kurze Wege zu den Umkleiden und Fahrzeughallen.

    Das Feuerwehr-Raumprogramm wird auf einer Ebene treffsicher erfüllt, die funktionale Zuordnung ist schlüssig, muss aber aus Sicht der Nutzer in wenigen Einzelbereichen noch modifiziert werden. Gut gelöst ist die Lage der FEZ in der Schnittstelle zwischen Eingang und Fahrzeughalle, so dass im Einsatzfall auch die Außenbereiche gut überblickt werden können.
    Im Obergeschoß der Kopfausbildung sind die zusätzlichen Städtischen Funktionen und die Wohnungen auf selbstverständliche Weise angeordnet und wirtschaftlich organisiert.

    Die Fassadengliederung ist klar formuliert und aus der Funktionalität heraus entwickelt. Dennoch gelingt es, ein angemessen modernes und spannungsvolles Erscheinungsbild zu erzeugen. Die Materialität als Holzleistenfassade erzeugt eine gute Einfügung in die Farbigkeit des ländlichen Umfeldes.

    Die gewählte Konstruktion als Stahlbeton Massivbau mit Stützen und Rahmenriegeln im Hallenbereich ist der Funktionalität angemessen und wirtschaftlich. Große Spannweiten insbesondere Im Hallenbereich werden vermieden, der Verzicht auf Gebäudeunterschnitte und Auskragungen unterstreicht die pragmatische Baukonstruktion.

    Die klar geschnittene Kontur erzeugt auch bauphysikalisch eine überzeugende Hüllkonstruktion ohne geometrische Kältebrücken.

    Die Wirtschaftlichkeit der Konstruktion wird als günstig eingeschätzt, lediglich das hohe Raumvolumen BRI ist im Vergleich überdurchschnittlich. Das liegt an der gleichen inneren Raumhöhe von Fahrzeughalle und Nebenräumen. Dieser ungewöhnliche Vorschlag führt zu einer weiteren Vereinfachung von Konstruktion und Hülle, so dass das höhere Raumvolumen nicht zwangsläufig zu höheren Kosten führen muss. Ob der entstehende Luftraum zusätzlich zur Installationsführung oder für Technikbereiche genutzt werden könnte, wäre in der weiteren Planung zu untersuchen.

    Insgesamt stellt die Arbeit einen gleichermaßen selbstbewussten und zurückhaltenden Beitrag dar, der die gestellte Aufgabe souverän löst und sich baukörperlich hervorragend in die bestehende Situation einfügt.