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Nichtoffener Wettbewerb | 09/2018

Aalen S├╝d / Union-Areal in Aalen

2. Preis / Realisierungs- und Ideenteil

Preisgeld: 37.500 EUR

HASCHER JEHLE Architektur

Architektur

kleyer.koblitz.siegm├╝ller

Stadtplanung / St├Ądtebau

Weidinger Landschaftsarchitekten GmbH

Landschaftsarchitektur

Erl├Ąuterungstext

ST├äDTEBAU ÔÇô UNION AREAL
Mit dem Abbruch des Union-Gel├Ąndes und dem Neubau des Landratsamtes vollzieht sich ein struktureller Wandel s├╝dlich der Aalener Altstadt, der eine vollst├Ąndige Neuordnung des Quartiers nach sich zieht. Dieser Wandel ist vom Verlust bestehender und identit├Ątsstiftender Merkmale begleitet - im konkreten Fall einem St├╝ck Industriegeschichte Baden-W├╝rttembergs. An die Stelle dessen was war, tritt nun das Neue, welches f├╝r die Zukunft bestimmend wird.

In der Vergangenheit war das Union-Areal ein privat genutzter, nach au├čen geschlossener Komplex, der konsequent nach gewerblichen Ma├čgaben organisiert wurde, bis hin zur Kanalisierung des Kochers und seiner Nutzung als Industriegew├Ąsser. Dem steht mit der Neuplanung des Landratsamtes eine ├Âffentliche Nutzung gegen├╝ber, die den Ort und seine Identit├Ąt neu definieren und die Spuren der Geschichte integrieren muss.

Als Signet dieses Wandels sehen die Verfasser das neue Landratsamt, das als markanter Solit├Ąr in der gr├╝nen Aue des Kocher im Ensemble mit dem alten Kesselhaus und seinem Schornstein, sowie dem kleineren potentiellen Erweiterungsbau des Landratsamtes steht. Bewusst ├Âffnet sich dieses Ensemble im Gegensatz zur ehemaligen stra├čenbegleitenden Blockstruktur zur Wilhelm Merz Stra├če, deren Charakter sich zu einer verkehrsberuhigten Zone wandelt. Die Bebauungsh├Âhe ist mit drei bzw. vier geschossen moderat gew├Ąhlt. Das h├Âhere Landratsamt dominiert den vorgelagerten Platz.

Als Blickfang zwischen den beiden runden Neubauten taucht das alte Kesselhaus am Ufer des Kocher auf und komplettiert das Ensemble. Das Kesselhaus kann als Cafe und Veranstaltungsort, oder auch als Ausstellungsraum f├╝r die Industriegeschichte des Standortes dienen. Von hier treppen sich gro├čz├╝gige Liege- und Spielwiesen zum Kocher hinunter.

Erschlossen wird das Landratsamt ├╝ber den Platz, ihm ist der Haupteingang zugewandt. Das Parkhaus, welches als standardisierte eingegr├╝nte Parkpalette geplant ist, liegt im S├╝dosten des Landratsamtes und wird ├╝ber die Wilhelm Merz Stra├če angefahren. Hier befindet sich auch die Bushaltestelle. Das Landratsamt hat zu dieser Seite einen Nebeneingang.

Der Gr├╝nzug entlang des Kocher wird vom bestehenden Landratsamt bis zum neuen Landratsamt erweitert und verkn├╝pft. Beide Standorte werden so auf kurzem und attraktivem Weg verbunden. Der vorhandene Radweg erh├Ąlt eine Br├╝cke ├╝ber den renaturierten Kocher. Der Flusslauf wird dabei gem├Ą├č der Studie aus der Auslobung entsch├Ąrft und der obsolete Industriekanal wird verf├╝llt. Im Zusammenwirken von Au├čenraum und Geb├Ąuden entsteht ein ├Âffentlicher urbaner Raum mit park├Ąhnlicher Aufenthaltsqualit├Ąt. Die Verschr├Ąnkung der Geschichte des Ortes - die durch das alte Kesselhaus erlebbar bleibt - mit der neuen ├Âffentlichen Funktion des Platzes und dem Ausbau der gr├╝nen Aue mit Spielfl├Ąchen, Liegewiesen und Einbindung ins Radwegenetz, macht den Neubau des Landratsamtes zu einem wichtigen Impuls der st├Ądtebaulichen Entwicklung des Quartiers.


ST├äDTEBAU ÔÇô AALEN S├ťD
Das neue Wohnquartier Aalen S├╝d wird als lockere urbane, drei- bis viergeschossigen Bebauung vorgeschlagen, die sich an der K├Ârnung des angrenzenden Wohnquartiers Schmale Str/Marienstr. orientiert. Die orthogonale Parzellenstruktur bildet auch aus Gr├╝nden der abschnittsweisen Realisierung das Ordnungsger├╝st der Planung. Es entstehen gr├╝ne, gut durchmischte Cluster mit ma├čst├Ąblichen Stra├čen- und Platzr├Ąumen mit hoher Aufenthaltsqualit├Ąt.

Die Umsetzung der Planung kann in flexiblen Bauphasen und entsprechend der heterogenen Eigentumsstruktur erfolgen. Die kleingliedrige Struktur l├Ąsst auch sp├Ątere Anpassungen zu ohne die quartierspr├Ągenden Merkmale und das ├╝bergeordnete Gestaltungskonzept zu verw├Ąssern.

Bestandteil des Konzeptes ist die Nutzungsdurchmischung mit erdgeschossigen Dienstleistungsnutzungen, wie Arzt, Apotheke, Fris├Âr o.├Ą., sowie Nahversorgung und Gastronomie zu den Pl├Ątzen und ├Âffentlichen Zonen. In den ruhigen Seitenstra├čen sind auch im EG Wohnungen vorgesehen, in den Obergeschossen sollen Wohnformen in gro├čer Bandbreite realisiert werden.
Zwei park├Ąhnliche Alleen (ohne Pkw-Verkehr) leiten auf den Gr├╝nraum des Kocher zu und verkn├╝pfen das Quartier mit dem ├╝bergeordneten Radwegenetz. Gemeinsam mit den beiden vorgeschlagenen Pl├Ątzen dienen sie dem Quartier als gr├╝ne, qualitativ hochwertige urbane Lebensr├Ąume und Treffpunkte
f├╝r alle Bewohnergruppen.

FUNKTION
Der B├╝roneubau des Landratsamtes ist gekennzeichnet durch eine klare strukturelle Ordnung, eine hochfunktionale Nutzungsverteilung mit einem optimalen Erschlie├čungssystem, das alle Bereiche miteinander (Ringschluss) und auf kurzem Weg miteinander verbindet. Alle Nutzungsbereiche sind exakt nach den Vorgaben des Raumprogramms entwickelt. Die runde Form bietet dabei ein optimales A/V-Verh├Ąltnis und ist somit die Grundlage f├╝r f├╝r Kompaktheit, kurze Wege, Fl├Ącheneffizienz und Flexibilit├Ąt.

Im Erdgeschoss gelangen Mitarbeiter sowie Kunden und Besucher ├╝ber einen gro├čz├╝gigen, einladenden Haupteingang in das ├Âffentliche zentrale Foyer.

Vom zentralen Eingangsbereich werden alle weiteren Bereiche auf k├╝rzestem Weg barrierefrei ├╝ber Aufz├╝ge und drei Treppenkerne vertikal erschlossen. Die zwei n├Ârdlichen Treppenh├Ąuser dienen als halb├Âffentliche Verteiler in die Obergeschosse und sind gut auffindbar am Foyer positioniert. Die Treppenh├Ąuser gliedern das Haus auf jeder Etage und verteilen das Nutzeraufkommen vertikal. Des weiteren beinhalten sie neben ELT- und Lagerfl├Ąchen und den notwendigen Schachtfl├Ąchen auf jeder Etage die Toilettenr├Ąume. Dieses klare und ordnende Erschlie├čungskonzept erm├Âglicht auch eine gute Orientierung, was f├╝r ein publikumsintensives ├Âffentliches Geb├Ąude besonders wichtig ist.

Auf den Geschossen, direkt neben den Treppenh├Ąusern, befinden sich halb├Âffentliche Wartebereiche. Von den Treppenh├Ąusern weiter entfernt, liegen die interneren Arbeitsbereiche. Die Fl├Ąchentypen h├Âherer Konzentration sind dabei zwischen den Kernen angeordnet und somit frei von jeglichem Durchgangsverkehr oder sonstigen St├Ârungen. Die Struktur l├Ąsst variabel verschiedene B├╝rokonzepte zu. So kann frei zwischen Gro├čraum-, Kombi- und Zellenb├╝ro nach Bedarf gew├Ąhlt werden. Die Obergeschosse sind ganz unter der Pr├Ąmisse optimaler Arbeitsbedingungen eines zeitgem├Ą├čen, flexiblen und kommunikationsf├Ârdernden B├╝rokonzeptes entwickelt. Durch die Anordnung der B├╝rozonen als Ring kann immer flexibel auch in der Gr├Â├če der Einheiten variiert werden. Diese atmende B├╝roorganisation kann auch optimal auf zuk├╝nftig Umstrukturierung mit geringem Aufwand reagieren. Zudem belebt und f├Ârdert die Ringstruktur das B├╝roleben und wirkt sich auf die informelle Kommunikation im Arbeitsprozess positiv aus.

Der Erweiterungsbauk├Ârper kann bei Bedarf mit einer Br├╝cke im ersten Obergeschoss mit dem Neubau des Landratsamtes barrierefrei kurzgeschossen werden. F├╝r den Zeitraum der Fremdvermietung wird diese Verbindung nicht ben├Âtigt.

FASSADE UND MATERIAL
Die Fassade ist durch eine hohe Funktionalit├Ąt charakterisiert. Geschlossene und vollverglaste Elemente im Wechsel rhythmisieren die Fassade und erm├Âglichen eine voll flexible Raumaufteilung bei moderatem Verglasungsanteil. Die geschlossenen Elemente sind mit einer schlagregendichten und einbruchsicheren L├╝ftungsklappe ausgestattet, die auch zur freien Nachtl├╝ftung geeignet ist. Die modular aufgebauten Fassadenelemente werden im Werk vorgefertigt und sind einfach in der Montage. Die festverglasten 3-Scheiben-W├Ąrmeschutzgl├Ąser werden durch einen au├čenliegenden Alu-Raffstore mit Lichtlenkfunktion beschattet.
Im EG sind alle Sondernutzungen angeordnet, hier springt die Fassade gegen├╝ber den B├╝rogeschossen leicht zur├╝ck. Der ├Âffentliche Charakter der erdgeschossigen Nutzungen bildet sich so auch in der vollverglasten Fassade ab und pr├Ąsentiert das neue Landratsamt als b├╝rgernahes und einladendes Zentrum.
Die Eingangsbereiche wenden sich den Vorpl├Ątzen zu, insbesondere der Haupteingang wird klar durch die Fassadeneinschn├╝rung an dieser Stelle markiert - Innen und Au├čen flie├čen ineinander.

Der runde Bauk├Ârper des Landratsamts erh├Ąlt durch die hervortretenden Deckenverkleidungen eine horizontale Gliederung. Hohen Abdeckleisten der vertikalen Pfosten und die entsprechende vertikale Gliederung der geschlossenen Paneele, f├╝hren die polygonale Fassade elegant um die Rundungen.
Als Material wir hier ebenfalls Holz vorgeschlagen, ein nachwachsender und CO2-neutraler Baustoff, der mit dem Kontrast zum steinernen Kesselhaus spielt. Alternativ zum Holz sind auch zementgebundene Verbundwerkstoffe m├Âglich.

In der Gesamterscheinung entsteht eine ruhige, homogene und dennoch lebendige Fassade in Holzoptik, welche ├╝ber dem Erdgeschoss zu schweben scheint.

Die funktionale Fassadenkonstruktion vereint angenehme Transparenz und ausgezeichnete Belichtungsverh├Ąltnisse f├╝r die Raumqualit├Ąten im Inneren mit zeitgem├Ą├čer ├Âkologischer Fassadentechnologie, die durch den Wiederholungsfaktor der Elemente und die Kompaktheit des Bauk├Ârpers eine hohe Wirtschaftlichkeit erzielt.

Beurteilung durch das Preisgericht

Die Arbeit lebt von der gro├čz├╝gigen Weiterentwicklung des Landschaftsraumes des Kochers, in den die Ovale des Landratsamts, wie Kiesel platziert, eine hohe Identit├Ąt des Ortes definieren.
Gekonnt umspielt der ÔÇ×AueÔÇť-Bereich die Geb├Ąude und f├╝hrt zielgerichtet in die Innenstadt. Hier wer-den Freiraum und St├Ądtebau zu Partnern eines k├╝nftig ├Âffentlich gelebten Stadtraums.
Auf der anderen Seite wird das Areal des Ideenteils zwischen der Ulmer Stra├če und der Wilhelm-Merz-Stra├če orthogonal entwickelt. Die bauliche Struktur wird im ├ťbergang zum Bestand an der Marienstra├če offen gestaltet. Einzelne Quartiere und Geb├Ąudereihen werden mit Betonung der Quartiersr├Ąnder um Pl├Ątze herum gruppiert. Diesen Pl├Ątzen fehlt die r├Ąumliche Fassung. ├ľffentliche und private Fl├Ąchen gehen ohne erkennbare Schwellen ineinander ├╝ber. Dadurch leidet die Privatheit des Wohnens in den H├Âfen.
Die Erschlie├čung der Quartiere erfolgt schl├╝ssig durch drei Wohnstra├čen zwischen Ulmer- und Wil-helm-Merz-Stra├če. Erg├Ąnzend sind parallel dazu zwei verkehrsfreie Gr├╝nz├╝ge gef├╝hrt. Es entsteht dadurch zwar eine Raumverbindung zwischen Kocheraue und Ulmer Stra├če, diese Gr├╝nr├Ąume kom-men aber an der Ulmer Stra├če an nicht definierten Stellen an. Mangels Begr├╝nung der Ulmer Stra├če werden die Nutzer dieser Gr├╝nbez├╝ge dann in der Ulmer Stra├če auf einen schmalen Gehweg entlas-sen. Diese Raumbildungen f├╝hren zu dem gr├Â├čten Erschlie├čungsaufwand aller Teilnehmer, ohne dass ein ad├Ąquater st├Ądter├Ąumlicher Gewinn erreicht wurde. Der L├Ąrmeintrag von der Ulmer Stra├če ist nicht zu untersch├Ątzen.
Die st├Ądtebauliche Struktur k├Ânnte nur mit Anpassungen auf der Grundlage der bestehenden Grund-st├╝cke realisiert werden.
Der Erweiterungsbau des Landratsamts zeigt sich als Solit├Ąr mit starker Pr├Ąsenz und Unverwechsel-barkeit. Das Kesselhaus wird ├╝berzeugend in das Ensemble mit dem kleineren Dienstleistungsge-b├Ąude eingebunden. Die Ausgangssituation ist niederschwellig angelegt. Die Verteilung der ├ämter ist schl├╝ssig konzipiert. Die innere Wegef├╝hrung ist besonders ├╝bersichtlich und gut orientierbar. Durch die Verdrehung der ├Ąu├čeren und inneren Dreiecksovale entstehen unterschiedliche tiefe Bauk├Âr-persequenzen. Dies erm├Âglicht die Realisierung der differenzierten Anforderungen an unterschiedli-che B├╝rolandschaften.
Das Preisgericht diskutiert den Anspruch der gew├Ąhlten Architektur. Die gew├Ąhlte Holzverbundbau-weise und Fassadengestaltung durch Holzlamellen werden begr├╝├čt. Die architektonische Ovalform wird als zu anspruchsvoll betrachtet f├╝r einen Erg├Ąnzungsbau des weiter als Haupthaus bestehenden Landratsamts an der Stuttgarter Stra├če.
Es wird begr├╝├čt, das Geb├Ąude nicht zu unterkellern. Ebenfalls ist die Unterbringung der Stellpl├Ątze in einem Parkhaus von Vorteil.
Das energetische Konzept der Heizung, K├╝hlung und L├╝ftung ├╝berzeugt.
Kritisch wird das Fehlen von insgesamt 23 B├╝ror├Ąumen sowie anderen Nebenr├Ąumen in unterschied-lichen Dezernaten gesehen. Die abgeschlossene Ovalform erschwert die Behebung dieses Mangels.
Trotz der gekr├╝mmten Au├čen- und Innenw├Ąnde erwartet das Preisgericht aufgrund der gew├Ąhlten Konstruktionen eine wirtschaftliche Realisierung. Die angegebenen Baukosten liegen im erwarteten Rahmen, allerdings mit Defiziten im Raumprogramm.
Der Beitrag besticht durch eine unverwechselbare architektonische Konzeption von hoher Nutzungs-qualit├Ąt und ihrer Einbettung in die naturnah gestaltete Kocheraue. Die Offenheit und Durchwegung der Kocheraue und der Ideenquartiere sind ein Gewinn im Aalener S├╝den. Allerdings ist der ├Âffent-lich-r├Ąumliche Aufwand hoch.