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Offener Wettbewerb | 04/2018

Abdinghof in Paderborn

Visualisierung Marienplatz

Visualisierung Marienplatz

2. Preis

Preisgeld: 35.000 EUR

Matern Architekten

Architektur

Haug + Schmidtler Architekten

Architektur

helleckes landschaftsarchitektur

Landschaftsarchitektur

Erläuterungstext

Leitidee & Entwurfskonzept
Integration der unterschiedlichen Stadtbausteine und Verdeutlichung der räumlichen
Strukturen. Verbesserung der Lesbarkeit und Raumwirkung durch klare Raumkanten,durchgängige Traufhöhen, Einbindung der Hofstrukturen, Hervorhebung der Baudenkmale (Immunitätsmauer) und Stärkung der historischen Gebäude (Heisingsches Haus, Marienplatz 2a) durch adäquate Nutzungen. Offenhalten der späteren Integration des
Gebäudes Marienplatz 4.

Städtebauliche Einbindung
Fortf√ľhrung der st√§dtebaulichen und architektonischen Grammatik traditioneller st√§dtischer Elemente, Proportionen, Fassadenmaterialien und Einteilung.

Freiraumplanung
Das Freianlagenkonzept unterstreicht die denkmalgesch√ľtzte Wegebeziehung zwischen
altem Rathaus und Paderquellen √ľber die Gutenbergstra√üe, den Franz-Stock-
Platz und den Abdinghof.
Dabei soll die feine Leichtigkeit der 50er Jahre im Bereich der Gutenbergstraße und
des Franz-Stock-Platzes unter Beachtung der vielf√§ltigen Nutzungsanspr√ľche und der
Barrierefreiheit herausgearbeitet werden. Dazu werden die urspr√ľnglichen Bel√§ge
saniert und rekonstruiert. Durch Wechsel der Vegetation in der Gutenbergstraße werden
die Blickbeziehungen wieder gelichtet. Am Franz-Stock-Platz wird die urspr√ľngliche
Pflanzung wieder erg√§nzt. Die Position der B√ľhne wird am alten Standort reaktiviert.
Der Abdinghof wird durch R√ľckbau der Stellpl√§tze als Stadtbalkon zum Paderquellgebiet
entwickelt. Als multifunktionaler Veranstaltungsort kann er so √ľberzeugend den
Rathausplatz ergänzen. Durch gezielte Gehölzpflanzungen wird der Blick auf das
Paderquellengebiet gerahmt. Die Erneuerung der Rampenanlage ermöglicht die barrierefreie Erreichbarkeit von Museumseingang und Franz-Stock-Platz. Sie wird Teil der
Treppenanlage, die bei Veranstaltungen auch als Zuschauerr√§nge fungieren. Der Platzbelag stellt sich als zur√ľckhaltender Verweis auf die 50er Jahre Gestaltung des Franz-Stock-Platzes dar und ist durchg√§ngig befahrbar. Als Vorfeld des Museums dient der Platz auch f√ľr die Aufstellung von Gro√üexponaten.
Der Marienplatz stellt das innerst√§dtische Gegen√ľber des Rathausplatzes dar. Ein
durchgehender Belag bereitet einen eleganten Stadtboden. In diesen ist die Innere
Fläche um die Mariensäule als allseits erreichbare Plattform mit hoher Aufenthaltsqualität
eingestellt. Ein lichter Baumhain aus Gleditschien schafft Aufenthaltsqualitäten und
unterstreicht zugleich den neuen transparenten Raumzusammenhang, der den Blick
zum alten Rathaus öffnet. Die Barrierewirkung der vorhandenen Böschung wird
aufgel√∂st. Die Busspur wird bestm√∂glich von der Geb√§udefassade abger√ľckt.
Alle √∂ffentlichen Platzr√§um werden mit Versorgungsstationen f√ľr Veranstaltungen
versehen. Das Beleuchtungkonzept sieht eine Kombination aus den orts√ľblichen
Mastleuchten mit Baum-Bodenstrahlern zur Stärkung der Atmosphäre vor.
Kurzparker Pl√§tze f√ľr Fahrr√§der werden dezentral auf den Pl√§tzen angeordnet.

Beurteilung durch das Preisgericht

Der Entwurfsverfasser entwickelt einen klar strukturierten, großmaßstäblichen und städtischen Baukörper, der den Straßenraum klärend nachzeichnet und schließt.

Die Einbindung in das st√§dtische Gef√ľge gelingt durch die √úbernahme bestehender Trauflinien und Firsth√∂hen.

Eine rhythmisch gegliederte Lochfassade und das oberhalb des ersten Dachgeschosses abgeflachte Satteldach mit seinen strukturierenden Gauben geben dem Gebäude ein ansprechendes und ortstypisches Gesicht zum angrenzenden Stadtraum.

Der Umgang mit den H√∂henentwicklungen gelingt leicht und scheinbar selbstverst√§ndlich. Der Haupteingang am Marienplatz wird nach Westen bzw. nach unten verlegt. Die Erschlie√üungssituation an der Geb√§udeecke zum Abdinghof wird entsch√§rft. Es gelingt so eine durchg√§ngige Ebene im Erdgeschoss vom Marienplatz bis zum Abdinghof zu entwickeln, welche dem Inneren und √Ąu√üeren des Hauses zu Gute kommt.

Positiv bewertet die Jury die Platzierung des zweiten Haupteingangs in der Flanke des Baukörpers an der Straße Am Abdinghof. Der Neubau wird vom Verwaltungstrakt am Abdinghof abgelöst und zeigt dort eine selbstbewusste Präsenz und eigenständige Struktur. Die Belebung der Erdgeschosszone zur Straße Am Abdinghof durch Ausbildung
eines Hochparterres wird positiv bewertet.

Die innere Struktur des Baukörpers ist nicht mit der gleichen Qualität wie der Außenraum entwickelt. Auch wird die Fassadenausbildung in Erd- und Obergeschoss kritisch bewertet.

Die Arbeit l√§sst aufgrund der angemessenen BGF und der Fassadenkonstruktion eine wirtschaftliche Realisierung erwarten. Fl√§chendefizite vor allem im Bereich des B√ľrgerservices werden im Bestandsgeb√§ude ausgeglichen, sodass insgesamt eine Unterbringung des Raumprogramms zu erwarten ist.

Durch die gew√§hlte H√∂henlage des Haupteingangs zum neuen Rathaus schaffen die Verfasser eine einladende und au√üerordentlich selbstverst√§ndliche Verbindung zwischen Geb√§ude und vorgelagertem Marienplatz. Die eigentliche Platzgestaltung geht angemessen und respektvoll mit historisch-spiritueller Bedeutung des Ortes um und entwickelt mit einer neuen Treppenanlage und einem lockeren Baumhain einen offenen, robusten Stadtraum mit vielen Nutzungsoptionen. Die bewahrende Bearbeitung des Franz-Stock-Platzes wird anerkannt, die Ausbildung des Abdinghofes als Stadtbalkon und als gebautes Entree f√ľr das tieferliegende Paderquellgebiet als richtig empfunden. In Verbindung mit den Geb√§uden besteht hier die Chance auf Wiederbelebung des Freiraums.

So sehr sich der klassisch anmutende Bauk√∂rper auch in den Stadtraum einf√ľgt, so sehr wird der Mut zu zeitgen√∂ssischem architektonischem Ausdruck vermisst. Insgesamt handelt es sich um eine gelungene Arbeit.
Visualisierung Marienplatz

Visualisierung Marienplatz