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Nichtoffener Wettbewerb | 12/2015

Allerinsel - Wohnen am Stadthafen

Los 1 / 1. Rang

Preisgeld: 2.500 EUR

PASD Feldmeier Wrede Architekten BDA Stadtplaner SRL PartG mbB

Architektur, Stadtplanung / StÀdtebau

Bauunternehmung Hofschröer GmbH & Co. KG

Investor*in

ErlÀuterungstext

ERLÄUTERUNGSBERICHT 190127
Allerinsel Celle – Wohnen am Stadthafen

KONZEPTIDEE
Leben am Wasser in Celle – Wohnen am Hafen.
StadtraumergÀnzung und Entwicklung eines nachhaltigen modernen klimaneutralen Wohnstandort am Stadthafen in Celle mit sehr hoher WohnqualitÀt

STÄDTEBAU/ FREIRAUM
Der Entwurf nimmt die besonderen Rahmenbedingungen des Hafens auf und entwickelt diese in einem stĂ€dtebaulichen Konzept weiter. Auf Grundlage des stĂ€dtebaulichen Rahmenplanes und der Vorgaben des Bebauungplanes wird eine Hochbauplanung vorgeschlagen, die dem Thema Leben und Wohnen/ Arbeiten am Wasser in besonderer Weise gerecht wird. Hauptthema ist die Vernetzung der Themen Wasser, GrĂŒn und Wohnen. Die Empfehlung mit GeschĂ€ften und Gewerbe am Hafenbecken die Promenade zu beleben wird ĂŒbernommen und eingearbeitet. Die solitĂ€re Lage der Insel (Los 1) vereint in besonderem Maße die QualitĂ€ten des Standortes und wir daher weiter ausgearbeitet und angeboten. Die unterschiedlichen QualitĂ€ten diese Standortes werden mit dem vorliegendem Entwurf gewĂŒrdigt und ausdifferenziert und damit intensiver wahrnehmbar: Im Norden der Hafen mit Sichtbezug zur kleinen Marina und der geraden Promenade mit Öffentlichkeit. - Im SĂŒden dagegen die grĂŒne Uferkante mit Ihrer Privatheit zur ruhigen Aller hin. Diesen Gegensatz thematisiert dieser Entwurf bei gleichzeitiger Vernetzung dieser beiden Welten. Der gewĂŒnschte rĂ€umliche Abschluss mit Raumkante zum Hafen entlang der vorgegebenen Baulinie wird mit
3 Baukörpern an der Promenade erzeugt (Promenadenhaus 1, 2 und 3). Auf dieser Nordseite gibt es keine Balkone, die diese gerade Flucht optisch zerstören wĂŒrden, sondern nur zurĂŒckspringende Dachterrassen. Die Gradlinigkeit dieser Bebauungskante wird durch eine begleitende beschnittene Platanen-Baumreihe unterstrichen. Diese bildet gleichzeitig auch das leichte grĂŒne Dach fĂŒr die tiefergelegte FußgĂ€ngerpromenade am Wasser. Zwischen den drei PromenadenhĂ€usern gibt es 2 DurchgĂ€nge Richtung SĂŒden. Der westliche fĂŒhrt direkt auf das Zentrum der Insel zu den 3 Inselvillen. Der östliche Durchgang fĂŒhrt ebenfalls an die sĂŒdliche Uferkante, beinhaltet aber auch die Ein- und Ausfahrt zur Tiefgarage. Das gesamte BaugrundstĂŒck ist im Erdgeschoss konsequent autofrei gehalten. Lediglich die Feuerwehr hat Ihre Zufahrts- und Wendemöglichkeit. Der geschwungene Uferweg kann auch als Wirtschaftsweg genutzt werden.
Pflanzvorschlag: Hainbuchenhecke = Carpinus betulus, Ausgleichspflanzungen: Weissdorn = Crategus ; Kornellkirsche = Cornus mas; Kupfer-Felsenbirne = Amelanchier lamarckii; Chinesische Zaubernuss = Hamamelis mollis, SĂ€ulen-Birne = Pyrus calleryana „Chanticleer“,

ARCHITEKTUR/ GESTALTUNG
Die QualitĂ€t liegt in der MaßstĂ€blichkeit des Entwurfes. Die Reihung der drei unterschiedlich großen PromenadenhĂ€user zusammen mit der höhenmĂ€ĂŸigen Staffelung der Geschosse in der Nordansicht ist eine differenzierte Antwort auf die gestellte Aufgabe: „Wohnen am Wasser“. Die erdgeschossige Nutzung an der Promenade ist kleinen LĂ€den, Kleingewerbe und einem LadencafĂ© gewidmet. Gerade fĂŒr die GĂ€ste des anlegenden Linienverkehrs wird diese Promenade damit ein belebter und erlebnisreicher Ort.
Die Erschließung der 3 PromenadenhĂ€user als auch der 3 Inselvillen erfolgt barrierefrei ĂŒber TreppenhĂ€user mit Aufzug. Über diese TreppenhĂ€user ist auch die TG angebunden. Die Tiefgarage hat eine offene Belichtung zum Inselhof zwischen den 3 Villen. Die GebĂ€ude an der Promenade sind als 2- bis 4-SpĂ€nner konzipiert. Bei einer GebĂ€udetiefe von 13,50m entstehen attraktive „Durchwohngrundrisse“ mit Bezug zum Hafen, als auch Orientierung ins GrĂŒne nach SĂŒden. Hervorzuheben sind auch die hochwertigen Wohnsituationen an den Enden der Promenadenbebauung. Hier sind die exclusive Wohnungen in Verbindung mit exclusiver Aussicht und einem Nutzungsmix mit Ateliers geplant. Alle Wohnungen haben eine Dachterrasse oder Balkon. Die Insevillen sind als 2-SpĂ€nner geplant und haben im Staffelgeschoss eine Wohneinheit ebenfalls mit großer Dachterrasse. Die skulpturale Architektursprache in rostrotem Klinker unterstreicht den werthaltigen, modernen Wohnungsstandort am Stadthafen.
Bodentiefe Fenster erzeugen helle moderne WohnrÀume und ein freundliches Wohnambiente.
Dieser vorliegende Entwurf fĂŒr Los 1 bildet durch seine Architektur eine Signifikanz mit hohem Wiedererkennungswert am Stadthafen in Celle. Das dargestellte stĂ€dtebauliche Konzept zeigt, dass diese Architektursprache auch auf Los 2 und 3 ĂŒbertragbar wĂ€re. Insbesondere stellt sich der Verfasser ein Pendant zum Kopfbau der Promenadenbebauung Haus 1 auf der anderen Seite der Aller als z.B. als Kranhaus vor. (Siehe Perspektive Blatt 1).

Die anthrazit-farbenen Fenster unterstĂŒtzen die Lochfassadenwirkung von außen und bilden als Holz/Alu-Konstruktion im Inneren den warmen Gegenpol zur Klinkerfassade.
Alle DachflĂ€chen erhalten eine Solarpaneeldeckung / extensive DachbegrĂŒnung.

Energetisches Konzept
Der Raumkomfort und die AufenthaltsqualitĂ€t werden durch ein komplexes Zusammenspiel aus Lufttemperatur, Strahlungstemperatur, Luftgeschwindigkeit, Luftfeuchtigkeit, LuftqualitĂ€t, Raumakustik, Belichtung und Beleuchtung beeinflusst. Durch den entwickelten Komfortkonzeptansatz ist den WohngebĂ€uden eine maximale thermische und lĂŒftungsbedingte Eigenfunktion gegeben, die bereits ohne die UnterstĂŒtzung durch technische GebĂ€udesysteme zu einer hohen Funktionssicherheit fĂŒhren. Diese Maßnahmen werden gemeinhin als Passiv-Maßnahmen bezeichnet:
- Hoher DĂ€mmstandard der GebĂ€udehĂŒlle, Passivhausstandard
- Transparente HĂŒllflĂ€chen bestehen aus 3-fach-WĂ€rmeschutzglas mit maximaler Lichttransparenz und effizientem, adaptivem, außenliegendem Sonnenschutz
- Der Glasanteil der Fassade ist auf rund 60 % begrenzt; somit ergibt sich eine in Bezug auf Tageslicht und solare Gewinne optimierte GebĂ€udehĂŒlle, die eine minimale unkontrollierte Außenluftinfiltration aufweist und eine blendfreie, maximierte Tageslichtautonomie verspricht; die solaren Lasten sind im Sommer weitestgehend reduziert.
- Effiziente, natĂŒrliche IntensivlĂŒftung ĂŒber öffenbare Fenster kombiniert mit QuerlĂŒftung
fĂŒr alle WohnrĂ€ume
- Passive Nutzung von thermischer GebĂ€udemasse insbesondere in der Massivdecke. Zudem ist der PrimĂ€renergiebedarf der GebĂ€ude fĂŒr WĂ€rme und Kunstlicht durch so genannte Effizienz-Maßnahmen weiter reduziert:
- Die Beheizung der RĂ€ume erfolgt ĂŒber Fußbodenheizung.
Im letzten Schritt wird der stark reduzierte GebĂ€udeenergiebedarf weitestgehend durch regenerative, vor Ort verfĂŒgbare Energiepotentiale abgedeckt. Unter die so genannten Supply-Maßnahmen fallen folgende Punkte:
-Solare Hybridkollektoren auf den DĂ€chern decken zum einen außerhalb der Heizperiode den
BrauchwasserwÀrmebedarf ab
– die Heizanlage bleibt in dieser Zeit abgeschaltet; der Stromoutput der Kollektoren versorgt die GebĂ€ude bzw. wird ins öffentliche Netz eingespeist
- Das BHKW erzeugt die Heiz- und BrauchwasserwÀrme innerhalb der Heizperiode.

Wirtschaftlichkeit
Das Tragwerk des GebĂ€udes wird in Massivbauweise mit tragenden WĂ€nden und StĂŒtzen konzipiert. Die Decken werden in Ortbetonbauweise erstellt. Sie liegen auf den tragenden der Kerne sowie auf den StahlbetonstĂŒtzen auf. Unterzugsfreie Flachdecke mit wirtschaftlichen StĂŒtzweiten von 5 bis 7m. DeckenstĂ€rken von 20 – 30 cm. Die Aussteifung des GebĂ€udes erfolgt durch die Treppenhaus- und KernwĂ€nde. Ein orthogonales wirtschaftliches Tragwerk mit keinerlei Besonderheiten, das der erforderlichen FlexibilitĂ€t der Raumaufteilung auch fĂŒr zukĂŒnftige Anforderungen gerecht werden wird.
Die vorgefertigte Filigrandeckenbauweise bietet auch große Potentiale fĂŒr Zeit und Kostenersparnis bei Energie, Herstellung und Transport.

Aspekte der ökologischen und umweltgerechten Planung
- Das entwickelte Komfort- und Energiekonzept ist auf das GebĂ€ude und auf den Standort zugeschnitten; die vorliegenden Passiv- und Effizienz-Maßnahmen garantieren die Einhaltung der geforderten raumklimatischen Bedingungen und fĂŒhren zu einer konsequenten Reduktion des Jahresenergiebedarfes; mit Hilfe der beschriebenen Supply-Maßnahmen ist die regenerative Abdeckung eines Großteils des PrimĂ€renergiebedarfes ĂŒber das Jahr möglich.
- FensterflĂ€chen und Rahmenmaterial bestimmen maßgebend den Grauen Energieinhalt der GebĂ€udehĂŒlle; der Fensteranteil ist in Hinblick auf die natĂŒrliche Belichtung und in Hinblick auf den Außenbezug optimiert; ein allseitiger Außenbezug schafft rĂ€umliche IdentitĂ€ten und fördert die Orientierung im GebĂ€ude.

Zusammenfassung
Die neu geplante Wohnbebauung auf der Allerinsel in Celle bildet durch ihre Architektursprache und QualitĂ€t, Offenheit, Klarheit und Nachhaltigkeit einen neuen GENIUS LOCI am Stadthafen und steht damit fĂŒr das SelbstverstĂ€ndnis der Stadt Celle mit Ihrer Überzeugung und Verantwortung fĂŒr die Gesellschaft und vor Natur und Schöpfung.

Beurteilung durch das Preisgericht

Die Verfasser ĂŒbersetzen die bauleitplanerischen und landschaftsrĂ€umlichen Vorgaben in ein insgesamt stimmiges Konzept. Entlang der sĂŒdlichen Hafenkante bilden drei langgestreckte GebĂ€uderiegel, deren Auftakt und Abschluss jeweils plastisch akzentuiert wird, die gewĂŒnschte Raumkante, ohne den zur MĂŒhlenaller orientierten Landschaftsraum hermetisch abzuschließen.
Über zwei ausreichend breite Raumfugen sind die drei zur MĂŒhlenaller orientierten Punkt- bzw. StadthĂ€user erreichbar, die sich in lockerer Anordnung um einen begrĂŒnten Hof gruppieren und das GebĂ€udeensemble rĂ€umlich-strukturell ergĂ€nzen.
Typologisch handelt es sich bei den GebĂ€uderiegeln und StadthĂ€usern um MehrspĂ€nner, die in den Obergeschossen grundsĂ€tzlich einem zeitgemĂ€ĂŸen Wohnungsstandard entsprechen und Reserven fĂŒr GrundrissverĂ€nderungen im Sinne von Generationenwohnen, Wohngemeinschaften etc. aufweisen.
In den zur Straße orientierten Baukörpern sind die ĂŒberwiegend gewerblich genutzten Erdgeschosse nicht sinnvoll und sollten in der weiteren Überarbeitung durch Wohnnutzungen oder eine Kombination von Wohnen und Arbeiten ersetzt werden. Die stĂ€dtebaulichen Kenndaten der 52 WE liegen oberhalb des Durchschnitts (= 50 WE).
Ebenso bedarf die Garagenebene mit viel zu breiter Fahrspur und einer zu knappen RampenlĂ€nge einer grĂŒndlichen Überarbeitung – entweder durch FlĂ€chenreduzierung oder eine effizientere Stellplatzorganisation. Dies kĂ€me auch dem darĂŒber liegenden begrĂŒnten Frei-raum zugute, bei dem sich die nach Osten ausgreifende Tiefgarage – anders als in Plan Mo-dell erkennbar – deutlich abbilden mĂŒsste. Hier muss die Lösung zugunsten einer verbesserten FreiraumqualitĂ€t weiterentwickelt werden. Hervorzuheben ist, dass das Untergeschoss auch die fĂŒr die aufgehenden Geschosse erforderlichen NebenrĂ€ume enthĂ€lt und die Erschließung barrierefrei in die aufgehenden GebĂ€ude fĂŒhrt.
Das architektonische Erscheinungsbild ĂŒberzeugt in erster Linie durch die plastische Ausbildung der Ecksituation und eine differenzierte Dachlandschaft. Kontrovers diskutiert wird der Vorschlag, einen dunklen Ziegel als bestimmendes Fassadenmaterial zu wĂ€hlen. Zu ĂŒberprĂŒfen ist, ob die PlastizitĂ€t der Baukörper durch ein helleres Fassadenmaterial deutlicher zum Ausdruck gebracht werden könnte.
Bei vorrangiger SĂŒd-Ost-Orientierung der Baukörper sind die Voraussetzungen fĂŒr ihre energetische Aktivierung gegeben. Z.B. Aktivierung fester und beweglicher Fassadenelemente, BegrĂŒnung der DachflĂ€chen, wobei die Dachlandschaft auch TrĂ€ger energetischer Elemente sowie Terrasse oder AufenthaltsflĂ€che fĂŒr Bewohner sein kann. Nicht zuletzt wird die starke landschaftliche Einbindung und DurchgrĂŒnung zur Nachhaltigkeit der Baumaßnahme beitragen.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass den Verfassern ein ĂŒberzeugender Beitrag gelungen ist, der in einigen Punkten allerdings der Überarbeitung bedarf.