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Studienauftrag | 01/2026

Arealentwicklung Chutzenstrasse in Bremgarten bei Bern (CH)

6

Teilnahme

Studio Lima Gmbh

Architektur, Stadtplanung / Städtebau

GWJ Architektur AG

Architektur, Stadtplanung / Städtebau

Hänggi Basler | Landschaftsarchitektur

Landschaftsarchitektur

Gartenmann Engineering AG

Bauphysik, Akustikplanung

Erläuterungstext

Das Areal der Chutzengärtnerei liegt an einer schwierigen Schnittstelle zwischen Einfamilienhausquartier und Dorfzentrum. Zwischen gewachsener Körnung und dem Druck zur Verdichtung. Die Aufgabe verlangte eine Antwort auf die Frage, was diesen Ort ausmacht und was davon weitergetragen werden soll.

Der Entwurf entwickelt daraus das Leitmotiv «Wohnen in der Gärtnerei». Nicht einzelne Elemente des bestehenden Gartens werden konserviert, sondern was den Ort räumlich und atmosphärisch prägt wird weitergeführt: Die Durchgrünung, der Wechsel zwischen privaten und gemeinschaftlichen Bereichen, die Offenheit gegenüber dem Quartier.

Drei Baukörper gruppieren sich um eine durchgehende Grünanlage, die als grünes Herz der Überbauung gleichzeitig den räumlichen Übergang zum angrenzenden Einfamilienhausquartier vermittelt. Ein bestehendes Gewächshaus wird dabei in einen gedeckten Gemeinschaftsraum überführt und hält die Geschichte des Ortes im Alltag der Bewohnenden präsent.

Das Projekt entstand im Rahmen eines Studienauftrags und konnte sich dabei nicht durchsetzen.

Beurteilung durch das Preisgericht

Das Projekt «Wohnen in der Gärtnerei» liest sich als einfache und zugleich ortsspezifische städtebauliche Grundidee. Die Setzung der Baukörper folgt einer klar lesbaren Ordnung:

* Ein viergeschossiger Zeilenbau entlang des Dorfplatzes mit nördlichem Laubengang übernimmt die städtebauliche Fassung des Zentrumsraums.
* Ein fünfgeschossiger Zeilenbau bildet als vis-à-vis zum westlich angrenzenden Nachbarsgebäude einen städtebaulichen Gegenpol.
* Ein dreigeschossiger Punktbau im Norden vermittelt massstäblich zum angrenzenden Quartier und nimmt dessen Körnigkeit auf.

Die gewählte Setzung reagiert differenziert auf die heterogenen Massstäbe der Umgebung und erzeugt eine Hierarchie zwischen der strassen- und platzbegleitenden Bebauung sowie der rückwärtigen Wohnsituation. Die Offenheit der Setzung ermöglicht Sichtbezüge von der Chutzenstrasse in die östlich gelegene Gartenanlage und wahrt die räumliche Tiefe des Areals.

Ein vielfältiger und üppiger Garten umfasst allseitig die drei Baukörper und betont den Erhalt eines grünen Zentrums von Bremgarten bei Bern. Ein orthogonales Wegenetz, in Anlehnung an die Beetstruktur der ehemaligen Gärtnerei, erschliesst die Wohnbauten im Innern der Anlage und führt weiter in den östlich gelegenen, grosszügigen und gemeinschaftlich nutzbaren Gartenbereich, der bewusst auf eine fixe Gestaltung verzichtet und sich über Mitwirkungsprozesse der Bewohnerschaft den jeweiligen Bedürfnissen anpassen kann.

Architektonisch entwickelt das Projekt eine identitätsstiftende Haltung, indem es das Motiv der ehemaligen Gärtnerei als Leitbild aufnimmt und in eine zeitgemässe Wohnarchitektur übersetzt. Die Baukörper zeigen sich in einer ruhigen, robusten Erscheinung mit Einsatz von Holzbauelementen. Laubengänge und grosszügige Aussenräume tragen zu einer wohnlichen Atmosphäre bei und unterstützen den nachbarschaftlichen Austausch.

Die Differenzierung der Typologien – Zeilenbauten und Punktbau – erlaubt grundsätzlich eine vielfältige Wohnungsstruktur. Kritisch beurteilt werden jedoch die Grundrissqualitäten: Die grosse Gebäudetiefe in Kombination mit beidseitig vorgelagerten Aussenräumen in den Zeilenbauten führt zu teilweise ungünstigen Belichtungs- und Proportionsverhältnissen. Auch die Möblierbarkeit einzelner Wohnungen wird als unzureichend erachtet.

Zudem wurde der räumlichen und funktionalen Anbindung an den Dorfplatz zu wenig Beachtung geschenkt. Der im Verfahren formulierte Wunsch nach einer Gewerbefläche wird in der Projektabgabe lediglich am Rande behandelt. Die damit verbundene Adressierung zum öffentlichen Raum, die Erschliessung sowie die erforderliche Aussenraumgestaltung sind nicht ausgearbeitet – eine klare öffentliche Präsenz und Verortung der Nutzung wird folglich nicht aufgezeigt.

Das Projekt verfolgt ein ganzheitliches Nachhaltigkeitsverständnis, das ökologische, soziale und ökonomische Aspekte gleichermassen berücksichtigt. Die Wahl einer einfachen Tragstruktur, der hohe Holzanteil sowie die modulare Bauweise werden begrüsst und als Beitrag zu einer ressourcenschonenden und wirtschaftlichen Bauweise gewertet.

Das Projekt weist im Quervergleich die tiefste Geschossfläche und auch die tiefste Hauptnutzfläche auf. Die Gebäudeabwicklung ist vergleichsweise gross. Die Erstellungskosten werden als leicht überdurchschnittlich eingeschätzt.

Der üppige Freiraum, der sich allseitig um die Wohnbauten spannt, überzeugt atmosphärisch und räumlich, ebenso der grosszügige, zusammenhängende und gemeinschaftlich nutzbare Garten im Südosten der Parzelle. Die Zugangsbereiche im Norden und Süden vermögen hingegen in ihrer räumlichen Qualität nicht zu überzeugen; sie wirken tendenziell generisch und vermitteln nur eine geringe Aufenthalts- und Begegnungsqualität.

In der Gesamtbetrachtung vermag die Setzung der Baukörper in ihrer städtebaulichen und architektonischen Konsequenz nicht vollständig zu überzeugen.