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Einladungswettbewerb | 07/2023

Assistenzbau zur Villa Baltic in K√ľhlungsborn

Blick von der Strandpromenade

Blick von der Strandpromenade

2. Preis

Preisgeld: 22.735 EUR

Thomas Kröger Architekten GmbH

Architektur

Monath und Menzel

Modellbau

Ken Polster

Visualisierung

Erläuterungstext

Strandtraditionen, Architekturen an der baltischen See, seit rund 120 Jahren wird f√ľr die Faszination des Naturerlebnisses der Ostsee gebaut. Mit der Zunahme der Mobilit√§t im letzten Jahrhundert eroberte der breite Tourismus in rasanter Geschwindigkeit die See-Kurorte, welche einen enormen saisonalen Wachstum erlebten.
Was ist nun ein angemessener Umgang mit bestehenden Kulturlandschaften bei gleichzeitig wachsendem Bedarf an Orten, welche sich auf ein Wohlbefinden konzentrieren, dessen Spektrum ein ganzheitliches Seeerleben √ľber die Jahreszeiten garantiert? Welche Typologien stehen uns zur Verf√ľgung, anhand derer sich Schutz und Ma√üst√§blichkeit bei gleichzeitiger Exponiertheit am Strand erleben l√§sst?
Die gesammelten baulichen Exkurse des letzten Jahrhunderts liegen uns als Orientierungswert vor und lassen uns zu Typologien und Identifikationswert der unterschiedlichen H√§user, Villen und Hotels R√©sum√© ziehen. Die Villa Baltic mit ihrer Parklage bietet eine ganz besondere Ausgangssituation mit der Positionierung an der Strandpromenade von K√ľhlungsborn West.
An die Frage des Wie? kn√ľpft in erster Linie eine Beurteilung zur Gr√∂√üe, zum Kontext, zur Dichte und der Lage im Park und deren Potential zur Identifizierung.
Die Eingebundenheit in den Park bildet per se eine nestartige Situation des Ortes. Diese besondere Situation soll √ľber die Setzung von drei Bauten vergleichbaren Ma√üstabes so erg√§nzt werden, dass der Eindruck einer gewachsenen baulichen Anlage mit Eingang, Platz und Hof entsteht. Das Bild einer mond√§nen und gleichsam kl√∂sterlichen Anlage kommt in den Sinn, deren fein gegliederte Figuren, die durch Kolonnaden verbunden sind, zu einer starken und ortsspezifischen Identit√§t verhelfen. In diesem Sinne soll ein respektvoller, urbaner Umgang mit der historischen Villa Baltic und der sie umgebenden Parklandschaft und zur See sp√ľrbar sein.
Ein Ort der Kontemplation, der Ruhe, aber auch ein Ort der Aktivit√§t, des Sports, des k√∂rperlichen Bewusstseins... a swimmer in a bathing suit, a sportswoman in a pullover, a fireside chat... Best√§ndigkeit, Lifestyle, einfache Sch√∂nheit und Eleganz bestimmen das Bild eines pittoresken Settings, welches durch eine bewusste, zeitgem√§√üe, nachhaltige Architektur √ľbersetzt wird.
Die Villa Baltic bildet in vorderer Reihe zur Promenade stehend den Auftakt und ist die erste Adresse des Villenensembles. Hier kommt man an und wird empfangen. Von hier erschlie√üen sich auch die √ľbrigen H√§user √ľber die erdgeschossige Kolonnadenanbindung. Diese kn√ľpft thematisch an die historische Vorlage der Villa an und √ľbertr√§gt diese in eine reduzierte und zeitgem√§√üe Form. Vorbei am Restaurant geht es direkt in die Halle um das gr√ľne Atrium mit der gro√üen Buche. Ein Ort f√ľr Zusammenkunft und Dialog welcher die Geb√§ude nicht nur nach innen, sondern auch hin zum Park in drei Richtungen √∂ffnet.

Beurteilung durch das Preisgericht

Als St√§rke des Entwurfs wird die Gliederung des Gesamtvolumens des Neubaus in drei Geb√§udek√∂rper, die im Erdgeschoss durch eine durchg√§ngige ¬īGeb√§udelandschaft¬ī verbunden sind, bewertet.

Durch diese Gliederung in - mit der Villa Baltic ann√§hernd vergleichbare - Volumina wird der Altbau st√§dtebaulich gefasst, in seiner Besonderheit herausgearbeitet und nicht durch die Baumasse des Neubaus erdr√ľckt. Die Neubauteile mit drei und mehr Stockwerken wahren ausreichend Abstand zum Altbau und erm√∂glichen multiple Durchblicke und Sichtbeziehungen. Kritisch wird die Ausbildung des f√ľnfgeschossigen Geb√§udes beurteilt.

Durch die Gliederung des Neubaus in Einzelgeb√§udek√∂rper entstehen Vor- und R√ľckspr√ľnge, die als ¬īTaschen¬ī das Geb√§ude mit dem Park verzahnen und am Ort verankern.

Das Erdgeschoss ist als freie ¬īLandschaft¬ī konzipiert. Die aufgezeigten Nutzungen (speziell die gastronomischen Angebote) erscheinen jedoch √ľberdimensioniert. Die Erschlie√üung der Tiefgarage von der Ostseite entlang der Villa Baltic (via Ostseeallee) inkl. der dargestellten Anlieferung kann nicht √ľberzeugen.

Die Ableitung der architektonischen Gestaltung aus dem Bestandsgebäude (Rundungen, Pilaster etc.) - ohne hierbei eine historisierende Bäderarchitektur zu adaptieren - wird durchaus auch positiv bewertet. Die runden Vorbauten ermöglichen die Ausbildung unkonventioneller Zimmergrundrisse, die durchgängig gute Ausblicke auf den Park und die Ostsee ermöglichen.

Nachteilig am vorliegenden Entwurf und sehr kritisch wird der Verzicht auf die Ausbildung von Balkonen bewertet - es mangelt den Zimmern an Bereichen mit Aufenthaltsqualit√§ten im Au√üenbereich. Auch bezogen auf den sommerlichen W√§rmeschutz (Verschattung) w√§re die Integration von Balkonen w√ľnschenswert gewesen.

Verhältnis unterirdische Baumasse zu oberirdischer Baumasse: die Flächen in den Tiefgeschossen und deren Volumina sind sehr groß.

Die Zimmergr√∂√üen liegen unter dem gew√ľnschten Ma√ü.

Ist die st√§dtebauliche Gliederung im Bereich der Regelgeschosse in Einzelbauten auch positiv hervorzuheben, so wird gerade aus Sicht der baulichen Realisierbarkeit und des sp√§teren Betriebs der notwendige Mehraufwand bezogen auf die Infrastruktur (z.B. notwendige Anzahl Fahrst√ľhle) aber auch auf Unterhalt und Pflege (Housekeeping) kritisch gesehen.

Im Falle einer Beauftragung sollte gepr√ľft werden, ob Balkonanlagen integriert werden k√∂nnten ohne den Charakter des Entwurfs ma√ügeblich zu ver√§ndern.

Denkmalpflegerische Einschätzung

Der Versuch, den Assistenzbau in drei Baukörper aufzulösen, wird als denkmalpflegerisch zustimmungsfähig eingeschätzt.

Die Anordnung der Bauk√∂rper und grunds√§tzlich ihre H√∂henentwicklung respektieren das Baudenkmal Villa Baltic in ihrem Erscheinungsbild. Als problematisch wird jedoch das f√ľnfgeschossige Geb√§ude angesehen.

Gestalterische Bez√ľge vermitteln zur Villa Baltic, ohne sich anzubiedern.

Kritikw√ľrdig ist die Anordnung der Tiefgaragenzufahrt an der SO-Seite der Villa Baltic.


Blick aus dem Baltic Park

Blick aus dem Baltic Park

Blick zur Ostsee

Blick zur Ostsee

Lageplan

Lageplan