ALT UND NEU ZU EINEM GANZEN
Mit dem Entwurf sollen Alt- und Neu zu einem neuen schlüssigen Ganzen zusammengeführt werden.
Eine Trennung zwischen Alt und Neu ist nicht zu erkennen, die Putzflächen des Bestandes ziehen sich an den Stirnwänden der Aufstockung hoch und die Lattenfassade des zurückgestaffelten Neubaus und die gerundeten Balkone übertragen sich auf die Bestandsgeschosse. Der Versatzim Grundriss sowie die Höhenentwicklung des Bestands werden in der Zurückstaffelung des Neubaus aufgenommen.
STRUKTUR WEITERFÜHREN
Die tragende Schottenwände und die Sanitärkerne samt Schächten werden exakt in den Neubau- geschossen weitergeführt, daher sind keine teuren statischen oder haustechnische Verzüge notwendig. Decken aus Brettsperrholzplatten werden in Querrichtung mit angemessener Spannweite aufgelegt.
Die Treppenhäuser der Häusern 1 und 4 werden mit Aufzügen ergänzt und bis in die obersten Geschosse weitergeführt. Die mittleren Wohnungen sind von hier aus mit Laubengang erschlossen. Alle Wohnungen von Haus 1 und 4 werden über die Halbetage barrierearm erschlossen. Der Laubengang verfügt über zwei Fluchtrichtungen, somit ist eine völlige Freiheit in der Gestaltung der Laubengangfassade mit bodentiefen Fenstern und Türen möglich.
PRIVATHEIT UND ZUSÄTZLICHER FREIRAUM
Die Laubengänge dienen vornehmlich der Erschließung, sind aber so gestaltet, dass sie für die Bewohner Privatsphäre gewähren und von den Bewohnern als zusätzlicher Freiraum benutzt werden können.
Die Anrampung von dem Treppenhaus in Haus 1 zu dem Laubengang hält Abstand zu den Fenstern der Wohnungen in Haus 1 und 2. Die Wohnungen in Haus 2 erhalten hier private Vorbereiche.
Die Wohnungen von Haus 3 sind von Laubengang-Passanten freigehalten, da der Zugang nur von einer Seite, West oder Ost, vorgesehen ist. Sie genießen einen kleine Austritt mit Westsonne auf dem Dach des Bestandstreppenhauses. Der Durchgang über die Mittelachse ist nur für den Fluchtfall vorgesehen und wird durch ein nicht verschließbares Gartentor gesichert.
Im obersten Geschoss sind die Zweizimmerwohnungen von Haus 2 und 3 zu einem Innenhof orientiert und genießen einen ganz besonderen Bezug zum privaten Außenraum. Die Endwohnungen in Haus 1 und 4 liegen nicht am Laubengang. Von allen Räumen liegt einzig und alleine die Küche der Westwohnung Haus 4 direkt an einem Laubengang mit Durchgangsverkehr zu einer anderen Wohnung.
WOHNUNGSVIELFALT, FLEXIBLITÄT UND QUALITÄT
Das System der Wohnungen zeichnet sich durch eine besonders hohe Wohnqualität und Flexibilität aus und ermöglicht die verschiedensten Wohnungsschlüssel und Nutzungsszenarien.
Das Grundrisssystem erlaubt für die Häuser 2 und 3 vielfältigen Kombination mit 2+2 Zimmern, 2+3 Zimmern, 3+3 Zimmern, 4+2 Zimmern und 2+3,5 Zimmern. Mit überschaubarem Aufwand und geringen Umbaukosten kann die Aufteilung während der Nutzung Phase verändert werden.
Alle Wohnungstypen nehmen einen versetzten Wohn- Flur- Küchenbereich auf. Lange diagonale Durchblicke verleihen diesen Wohnungen eine besondere Großzügigkeit. Der (kleine) Flur ist in den Wohn-Essbereich so eingebunden, dass kein Quadratmeter für das Wohnen verloren geht, und dennoch genießen die Schlafzimmer einen geschützten Zugang.
Mit dem Verlegen der Küche auf die andere Seite - die Schächte liegen weiterhin über den Küchen der unteren Geschosse - können die Drei- und Vierzimmerwohnungen für ein gerades Durchwohnen gestaltet werden. Für die Wohngemeinschaftsform mit bis zu 3 (Doppel-)zimmern kann das Wohnen-Essen zum Laubengang verlegt werden.
Bei den Drei- und Vierzimmerwohnungen bieten sich eine Vielzahl an möglichen Durchwegungen und unterschiedlichen Verknüpfungen der Zimmer an.
Die Zweizimmerwohnungen des obersten Geschosses warten mit einer besonderen Wohnqualität auf. Die großzügige Z-Anordnung des Wohn-Essraumverbundes umschließt einen Vorhof als privater Vorgarten.
Das Wohnzimmer genießt Ausblick, Sonne und privaten Außenraum von/in zwei Richtungen. Auch der Küche-Essenbereich orientiert sich, nicht zum Laubengang, sondern zu der privaten Hofterrasse.
ENERGIEKONZEPT
Die wirksamste energetische Maßnahme ist die Reduktion auf wenige Mittel, die für diese beiden Geschosse Dachaufstockung nötig sind. Durch das konsequente Fortführen der Bestandswände und Schächte kommt das Gebäude ohne lastverteilende Zwischendecke aus, die bestehende statische Struktur und Haustechnik wird einfach erweitert. Hierdurch kommt es zu Material- und Platzeinsparungen, da sehr schlanke Wände und Decken möglich werden. Recht breit sind hingegen die Außenwände der Aufstockung, als 45cm starke Holzständerwände gewähren sie zusammen mit dem 65cm starken Dach und den dreifachverglasten Fenstern geringe Transmissionswärmeverluste.
Das Heizsystem wird soweit möglich über Geothermie oder über Wärmepumpen betrieben, die wiederum vom Strom der Fotovoltaik Anlage versorgt werden. Der überschüssige Strom wird für Eigenversorgung und E-Mobilität genutzt.
Die neue Heizungsanlage versorgt zudem auch den Bestand, hier wird in Kälteperioden mit den bestehenden Gasthermen zugeheizt.
Das energetische Grundprinzip ist Bestehendes belassen und mit Neuem ergänzen, sodass der Technik- und Materialeinsatz so gering wie möglich gehalten werden kann.
Die komplett als Holzbau erstellte Aufstockung kann zudem in großem Masse vorgefertigt werden. Für die 16 neuen Wohnungen werden 4 verschiedene Badzellen als Module vorgefertigt und geliefert. Ebenso sind alle tragenden Wände aus Brettsperrholz vorfertigbar, Anpassungen vor Ort können über die Gipskartonschalen und Faserzementkapselungen erstellt werden. Auch die Balkone und Balkonergänzungen sind als vormontierte Stahlkonstruktionen lieferbar, die vor Ort montiert werden. Dies gewährt hohe Planungssicherheit und schnelle Montagezeiten.
FREIANLAGEN
Die Wohnhöfe zwischen den Hauszeilen sollen gestalterisch aufgewertet und zur Nutzung durch die Anwohner aktiviert werden.
Ausgehend von den künftig steigenden Sommertemperaturen werden schattenspendende und verdunstungsaktive, trockenheitsverträgliche Baumdächer etabliert.
Dabei erhält jeder Hof ein eigenes Baumthema, die Bestandsbäume bleiben aber weitestgehend erhalten. In der Erdgeschoßebene gliedern Schnitthecken, wiederum je Hof unterschiedlich angeordnet, die Freiflächen in überschaubare, geschützte Gartenzimmer. In diesen Teilräumen können vielfältige Spielangebote, Rückzugsorte und Treffpunkte integriert werden.
In den erdgeschossigen Grünflächen kann das Regenwasser der Dach- und Wegeflächen mit geringem Aufwand zurückgehalten und oberflächennah (im Baumwurzelbereich) versickert und verdunstet werden, zudem dienen Regenwassertanks der Bewässerung der eigenen Grünanlagen.
Je nach Bedarf dienen die Hauptdächer der Energieerzeugung mit PV und gleichzeitig der Regenrückhaltung, unbelegte Teilbereiche sollen der Biodiversität erhöhen, sonnige Gemeinschafts-Freiflächen und bei entsprechender Nachfrage auch Mieterbeete aufnehmen.
Das Dach der Quartiersgarage wird in der obersten Ebene mit PV-Modulen auf einer leichten berankten Stahlkonstruktion belegt, darunter komplettiert ein Allwetterplatz das Spielangebot für die Bewohnerinnen im Quartier.