Nichtoffener Wettbewerb | 09/2024
Aufwertung Stadtmitte mit Parkanlagen und Neubau Thermenhotel in Bad Dürrheim
©K9 ARCHITEKTEN, faktorgruen
1. Preis
Preisgeld: 33.000 EUR
K9 ARCHITEKTEN Borgards.Lösch.Pichl.Piribauer
Stadtplanung / Städtebau
Landschaftsarchitektur
Beurteilung durch das Preisgericht
Die Arbeit 1005 überzeugt durch ein gelungenes Zusammenspiel von landschaftsarchitektonischen und städtebaulichen Setzungen. Die Jury würdigt insbesondere den behutsamen Umgang mit dem wertvollen Baumbestand und die Herausarbeitung lokaler Qualitäten. So wird die Luisenpassage, bislang eine Engstelle im Übergang von Hindenburgpark zu Salinenpark, rückgebaut und durch einen neuen Kolonnadenbau an der Südflanke des Salinenparks ersetzt. Diese städtebauliche Setzung besticht, schafft sie doch einen großzügigen Übergang von einem Park in den anderen und verleiht insbesondere dem Salinenpark neue Aufenthaltsqualität. Dazu spannen die Verfasser vom Kolonnadenbau einen neuen Weg, der bogenförmig bis zum Kurhaus verläuft und den Salinenpark im Zusammenspiel mit der Luisenstraße zur neuen Mitte des Kurbereichs macht. Der Salinenpark verleiht dem Haus des Bürgers, dem Sure-Hotel, aber auch dem Kurhaus neue Adressqualitäten und hier findet auch das Thermenhotel wie selbstverständlich seinen Platz.
Auch der Bereich Rathaus wird sensibel weiterentwickelt. Die Verfasser schlagen vor, die Rathauserweiterung in das Gebäude „Haus des Gastes“ zu verlegen und den Parkplatz durch einen zweigeteilten Freiraum mit unterliegender Tiefgarage zu ersetzen. Ein neuer „Marktplatz“ schafft Verbindungen zwischen den Gebäuden, eine Festwiese bietet ausreichend Raum für sporadische, größere Veranstaltungen. Die Verfasser schließen den Freiraum zur Salinenstraße durch einen überdachte Mobilitätsstation mit Busbahnhof, so dass die Festwiese eine Rahmung erfährt, gleichwohl aber noch Ausblicke nach Westen möglich sind.
In der freiraumplanerischen Ausarbeitung überzeugen insbesondere neue starke Wege zwischen Hindenburg- und Salinenpark. Auch die Stille Musel wird durch eine Renaturierung in Höhe der Rathausachse prominent eingebunden. An anderen Stellen kritisiert die Jury aber einzelne Freiraumsetzungen als zu formal, so etwa entlang der Luisenstraße oder beim Rathausgarten. Es wird die Frage gestellt, ob die streng gesetzten Baumreihen an Luisen- und Huberstraße und längs der Festwiese in der Lage sind, den jeweiligen Stadtraum sensibel zu akzentuieren.
Das Verkehrskonzept wird als schlüssig bewertet. Der westliche Abschnitt der Luisenstraße wird als Kurpromenade den Fußgängern vorbehalten, während der östliche Abschnitt in Verbindung mit der Huberstraße eine Befahrung des östlichen Kurbereiches weiterhin erlaubt.
Das Thermenhotel ist städtebaulich gut gesetzt und respektiert in seiner Lage und Geschossigkeit das historische Kurhaus. Das Hotel reagiert mit einem Kolonnadengang auf seine besondere Lage am Salinenpark – eine angemessene Geste, von der sowohl das Haus als auch der Park profitieren. Der vorgeschlagene Typus eines Atriumhauses lässt einen wirtschaftlichen Betrieb als Hotel erwarten. Das Therapiezentrum ist abgesetzt und bildet städtebaulich einen angemessenen Übergang zum Gebäudekomplex des Solemar.
Insgesamt gelingt es der Arbeit 1005 die Qualitäten des Ortes aufzugreifen und durch wenige, aber gezielt gesetzte Interventionen im Hinblick auf die Anforderungen der Auslobung weiterzuentwickeln. Sie stellt damit eine sehr gute Grundlage dar, den Kurbereich städtebaulich und landschaftsplanerisch neu zu gestalten.
©K9 ARCHITEKTEN, faktorgruen
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