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Nichtoffener Wettbewerb | 10/2021

Aufwertung und Nachverdichtung Wohnsiedlung Moosach in M√ľnchen

1. Preis

Preisgeld: 30.000 EUR

bogevischs buero

Stadtplanung / Städtebau

grabner huber lipp landschaftsarchitekten und stadtplaner partnerschaft mbb

Landschaftsarchitektur, Stadtplanung / Städtebau

Erläuterungstext

Mitarbeit: Lea Sch√∂n, Magdalena M√ľller, Sarah Sojka (LA), Lena Lenzewski (LA), Alexandra Anton (LA)

Die Siedlung heute

Die gro√üen Qualit√§ten der Wohnsiedlung zwischen Dachauer Stra√üe und Wintrichring sind die starke Durchgr√ľnung mit altem, gewachsenen Baumbestand, der einen gro√üen Beitrag zum Stadtklima leistet und die Wahrnehmung als Quartier, die durch die Wiederholung von Riegeltypen entsteht.
Diese Homogenit√§t f√ľhrt allerdings dazu, dass der Siedlung ein zentraler Treffpunkt fehlt.
Ein weiteres Defizit ist der hohe Parkdruck. Der √∂ffentliche Stra√üenraum wird vom ruhenden (motorisierten) Verkehr dominiert und wird so vor allem f√ľr Kinder un√ľbersichtlich.


Der Baukasten

Trotz ihrer typologischen und architektonischen Selbstähnlichkeit unterscheiden sich die Bestandsriegel der einzelnen Baufelder stark in ihrem baulichen Zustand und den Herausforderungen, die ihre Lage und Setzung an Städtebau, Lärmschutz und Wohnqualität stellen.
Deshalb schlagen wir ein Baukastenprinzip vor. Verschiedene Maßnahmen werden zu einem Baustein kombiniert und können so gezielt auf die Herausforderungen der einzelnen Baufelder reagieren. Wenn sich in Zukunft Rahmenbedingungen ändern, können einzelne Maßnahmen ausgetauscht werden, oder einzelne Bausteine unabhängig von anderen Baufeldern umgesetzt werden.

Die Maßnahmen

- Sanieren und Aufstocken
Je nach Zustand des Bestandriegels werden Konstruktion und Fassade (energetisch) saniert. Das Dach wird abgenommen und um ein weiteres Geschoss aufgestockt, die Wohnqualit√§t der bestehenden Wohnungen durch ein vorgelagertes Balkonger√ľst deutlich verbessert. Aufstockung und Balkonger√ľst werden als Holzkonstruktion ausgef√ľhrt und setzen sich deutlich vom Bestand ab. Das neu entstehende Flachdach wird extensiv begr√ľnt und mit einer Solaranlage ausgestattet.

- Anbauen
Um l√§rmbelastete Wohnbereiche zu sch√ľtzen, werden Riegel zu halboffenen H√∂fen zusammengefasst oder durch einen abschirmenden Kopfbau erg√§nzt. Um eine Durchl√ľftung weiter zu erm√∂glichen und so eine √úberhitzung zu verhindern, werden Luftschneisen freigehalten. Einzelne Bestandsgrundrisse werden angepasst, um Schlaf- und Aufenthaltsr√§ume zu den neuen Ruhezonen zu orientieren. Bestandsb√§ume werden, wenn irgend m√∂glich erhalten.

- Zwischenbauen
Zwischen die einzelnen Zeilen werden Punkthäuser gesetzt. Im Quartiersinnern ist eine Abschirmung gegen Lärm nicht notwendig, stattdessen soll der fließende Siedlungscharakter erhalten werden. Deshalb werden die Neubauten nicht an die Bestandsgebäude angebunden. Um neue versiegelte Flächen zu verhindern, werden die Punkte auf ehemalige Parkflächen gesetzt.

- Ersetzen und erneuern
Wenn keine Sanierung mehr m√∂glich ist oder die Wohn- und Lebensqualit√§t stark verbessert wird, k√∂nnen einzelne Bestandsh√§user oder Baufelder abgerissen und neu bebaut werden. Um eine weitere Versiegelung und Verseuchung des Bodens zu verhindern, wird m√∂glichst auf den alten Geb√§udeabdr√ľcken gebaut. Die gr√∂√üere st√§dtebauliche Freiheit wird genutzt, um soziale und versorgende Funktionen wie Kitas, L√§den, etc. unterzubringen.

- Stadtreparatur
Schlecht genutzte und/oder stark versiegelte Fl√§chen werden saniert und dem Gr√ľnraum zur√ľckgegeben. Wegfallende Stellpl√§tze werden in der Quartiersgarage ersetzt. So wird die einzelnen Gr√ľnfragmente miteinander verbunden und f√ľr menschliche und tierische Siedlungsbewohner durchl√§ssig gemacht.

Gemeinschaft im Quartier und in der Stadt

Schon heute ist die Nanga-Parbat-Wiese das gr√ľne Herz der Siedlung. Um es auch zum belebten Treffpunkt zu machen, werden hier soziale und gemeinschaftliche Funktionen wie Quartierstreff, Mobility Hub etc. konzentriert. Um alle Siedlungsbewohner gut zu erreichen und Nahtstellen zur umliegenden Stadt zu schaffen, sind Nahversorger und Gewerbefl√§chen √ľber das Gebiet verteilt.
Die neuen st√§dtebaulichen Hochpunkte markieren Gemeinschaftsr√§ume, die an den tats√§chlichen Bedarf ihrer Bewohner angepasst werden k√∂nnen, z. B. als Co-Working-Spaces, Werkst√§tten, Gemeinschaftsk√ľche...

Mobilität

Um die Stra√üen f√ľr den flie√üenden und gehenden Verkehr freizumachen, wird das Parken von PKWs in zwei zentralen Quartiersgaragen organisiert. Neben dem Parken liegt der Fokus vor allem auf geteilter Mobilit√§t in Form von E-Autos, Lastenr√§dern und E-Bikes. Die f√ľr diese Flotte notwendige Energie wird durch eine solaraktivierte Fassade erzeugt, die D√§cher werden begr√ľnt und als Dachpark genutzt. Tiefgaragen werden nur sehr sparsam genutzt, um das Parken auf der Stra√üe obsolet zu machen. Um trotzdem ein schnelles und unkompliziertes Vorankommen in der Stadt zu erm√∂glichen, k√∂nnen Fahrr√§der dezentral in Radlr√§umen abgestellt werden. Der wichtigste Mobilit√§tsbaustein ist der √∂ffentliche Nahverkehr. Durch den flie√üenden Freiraum und die offene Bebauung ist er aus der ganzen Siedlung gut erreichbar.

Die klimaangepasste Siedlung

Um die Bewohner vor der großen Lärmbelastung abzuschirmen, ist es notwendig, einige Riegel zu Blöcken zu schließen. Damit Frischluftschneisen trotzdem erhalten bleiben und eine Überhitzung verhindert wird, werden die Blöcke und Winkel nicht vollständig geschlossen.
Durch das Kombinieren verschiedener Maßnahmen können fast alle Bäume erhalten und ergänzt werden und tragen so einen wichtigen Beitrag zum Mikroklima bei. Der Verzicht auf vermeidbare Unterkellerungen und Versiegelungen reduziert den Eingriff in den Boden und den Einsatz von nicht nachhaltigen Rohstoffen stark. Wo Beton nicht vermieden werden kann, wird Recycling-Beton verwendet.
Die Architektonische Ausformulierung bleibt relativ frei, festgelegt werden lediglich helle, lichtreflektierende Oberflächen und nachwachsende Baustoffe vorgeschrieben.
Die D√§cher tragen durch ihre Begr√ľnung einen wichtigen Teil zum Wasserr√ľckhalt bei, Solaranlagen erzeugen nicht nur Energie, sondern reduzieren die Erhitzung der Geb√§ude um ca. 30% machen eine Geb√§udek√ľhlung so unn√∂tig.

Freiraum

Ausgehend von den vorhandenen Potentialen, wie dem wertvollen Baumbestand und den bestehenden √∂ffentlichen Parks wird das Quartier weiterentwickelt. An den zentralen Kreuzungspunkten entstehen zus√§tzlich zur neuen Mitte zwei Quartierspl√§tze. Die Gube- und Karlingerstra√üe werden zum Wohnweg umgebaut, die Bedeutung des Autos zur√ľckgenommen und ein Mehrwert durch Aufenthalts- und Gr√ľnfl√§chen geschaffen.
Der gr√ľne Charakter der Wohnsiedlung wird erhalten und durch Gr√ľnverbindungen √ľber die Stra√üe hinweg erg√§nzt. Durch die Konzentrierung von Erschlie√üungs- und Aufenthaltsfl√§chen entstehen neue Treffpunkte in der Nachbarschaft. Auch die Spielfl√§chen sind hier angeordnet. Durch eine abwechslungsreiche und artenreiche Vegetation wird nicht nur ein optischer ‚Äď sondern auch ein √∂kologischer Mehrwert geschaffen. Durch die m√§andrierende Wegef√ľhrung kann auf den Baumbestand reagiert werden und dieser in gro√üen Teilen erhalten werden. Bei den erg√§nzenden Neupflanzungen werden klimaresiliente Arten verwendet.

Beurteilung durch das Preisgericht

Das Projekt orientiert sich an der bestehenden st√§dtebaulichen Struktur mit punktuellen Nachverdichtungen und Aufstockungen. Die Freir√§ume werden im Wesentlichen als offene und (teil-) √∂ffentliche R√§ume erhalten, was im Rahmen der Identit√§tsbildung als positiv bewertet wird. Der Wettbewerbsentwurf erm√∂glicht eine schrittweise Umsetzung √ľber einen l√§ngeren Zeitraum hinweg.

Die räumliche Setzung der Baukörper und die schematische dargestellten Grundrissmöglichkeiten lassen eine hohe Wohnqualität erwarten bzw. zeigen im Bereich der schallintensiven Straßenbereiche plausible Lösungen auf. Durch den formalen Erhalt der Zeilenbebauung bleiben die Belichtung und Grundrissaufteilung erhalten. Die Anordnung der winkelförmigen Zubauten im Bereich der Dachauer Straße löst jedoch den Schallschutz nur unzureichend. Hier bedarf es einer Nachbesserung. Die Anzahl der angestrebten Wohnungen/ die Wohnfläche liegt im mittleren Bereich der Wettbewerbsteilnehmer.

Das Verkehrs- und Mobilit√§tskonzept sieht eine Verkehrsberuhigung und ein Einbahnsystem in der Nanga-Parbat-Stra√üe vor. Die Parkfl√§chen werden in Tiefgaragen bzw. in zwei Hochgaragen mit Mobilit√§ts-Hubs vorgesehen. Deren Konzeption erscheint sinnvoll, allerdings erscheint die Lage und Dimension der zentralen Parkgarage an der Hugo Troendle-Stra√üe nicht g√ľnstig. Auch die Zufahrt zu den Tiefgaragen im Baufeld A scheint unzureichend gekl√§rt. Aussagen zur neuen Qualit√§t der Wege-Bereiche werden vermisst. Es bedarf einer weiteren Ausdifferenzierung der Gestaltung gr√ľner Stra√üenr√§ume und dem Netz der Wege.

Die Offenheit und allgemeine Zugänglichkeit der Freiflächen bleiben erhalten, sorgfältig gesetzte zusätzliche Gebäude bewirken eine Gliederung. Die zentrale Nanga-Parbat-Wiese bleibt erhalten und bildet mit sozialen Funktionen in einer neu angeordneten Baustruktur eine Neue Mitte. Dezentrale Nachbarschaftsplätze schaffen weitere Begegnungsorte im öffentlichen Raum. Die vorhandenen wertvollen Baumbestände können zum großen Teil erhalten bleiben.

Die Arbeit befasst sich insgesamt sehr detailliert mit den Komponenten zur Klimaanpassung. Die wasseraufnehmenden Mulden und strukturreichen Vegetationsbereiche in den Gr√ľnfl√§chen bilden ein angemessenes Angebot und zeigen Ans√§tze f√ľr die Klimaanpassung. In den Gr√ľnfl√§chen sind dezentral Elemente f√ľr einen naturnahen Umgang mit Regenwasser vorgesehen. In Kombination mit den Schatten werfenden B√§umen und der ber√ľcksichtigten Durchl√ľftung ist hier ein guter Beitrag zur positiven Entwicklung bzgl. des Klimas erkennbar, der weiterentwickelt werden kann.

Durch das aufgezeigte Baukastensystem und dem Weiterbestand der vorhandenen Infrastruktur ist eine stufenweise Umsetzung gut denkbar.
Lageplan

Lageplan

Isometrie

Isometrie

lageplan 1:1000

lageplan 1:1000

Piktogramm Freiraum

Piktogramm Freiraum

Isometrie Quartiers√ľberblick

Isometrie Quartiers√ľberblick

Piktogramm Mobilität

Piktogramm Mobilität

Piktogramm Freiraum

Piktogramm Freiraum

Piktogramm Schwammstadt

Piktogramm Schwammstadt

Piktogramm Baumbestand

Piktogramm Baumbestand

Impression

Impression

Piktogramm Mobilität

Piktogramm Mobilität

Impression

Impression

Piktogramm Nutzungen EG

Piktogramm Nutzungen EG

Piktogramm L√§rmschutz und Durchl√ľftung

Piktogramm L√§rmschutz und Durchl√ľftung

Piktogramm Baurecht und Brandschutz

Piktogramm Baurecht und Brandschutz

Piktogramm Klimaanpassung und Schwammstadt

Piktogramm Klimaanpassung und Schwammstadt

Piktogramm Zeitachse Maßnahmen

Piktogramm Zeitachse Maßnahmen