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Nichtoffener Wettbewerb | 07/2013

Ausbau fĂŒr die Fachbereiche MNI und KMUB des Labor- und Technologiezentrums der Technischen Hochschule Mittelhessen

Anerkennung

ARCHITEKTEN BDA RDS PARTNER

Architektur

Förder Landschaftsarchitekten

Landschaftsarchitektur

ErlÀuterungstext

Enzwurfskonzept
GemĂ€ĂŸ dem stĂ€dtebaulichen Masterplan werden die Institute auf drei Baukörper verteilt. Der nördliche Baukörper ‚GebĂ€ude I’ beinhaltet UHSI, BMT, BMB sowie weitere Labore fĂŒr alle StudiengĂ€nge. SĂŒdlich angrenzend ‚GebĂ€ude II’ mit den Funktionen BMT, KHY, KTM und weiteren Laboren fĂŒr alle StudiengĂ€nge. Der dritte Baukörper ‚GebĂ€ude III’, der am sĂŒdlichsten angeordnet ist, die Arbeitsbereiche Chemie, Kunststofftechnik und Physik. Die drei Baukörper sind um einen gemeinsamen Platz gruppiert, der als Minicampus gestaltet ist. Die Eingangsbereiche der GebĂ€ude sind eingeschnitten und setzen die Farbgebung des Platzes fort. Das Gestaltungsprinzip der Subtraktion setzt sich in der Farbigkeit auch in den Obergeschossen fort. Die GebĂ€udehaut besteht aus Kupfermembrane. Diese harmoniert mit der großen GrĂŒnflĂ€che der Landesgartenschau 2014 und bildet eine KomplementĂ€rfarbe zu den rötlichen Erdtönen des Campusplatzes. Die GebĂ€ude sind im Inneren klar strukturiert und zoniert. Ein Mittelgang, welcher die BĂŒro- und Lagerzone von den Labor- und Lehrzonen trennt, wird an den Enden mit Tageslicht versorgt. Des Weiteren befinden sich an den Flurenden TreppenhĂ€user mit AufzĂŒgen. Seitliche Austritte und Einschnitte sorgen fĂŒr eine Auflockerung der Flure.

Freiraumplanung
Die HauptzugĂ€nge werden von SolitĂ€rbĂ€umen markiert um ein starkes Signet zu schaffen, bevor sich der Raum wieder öffnet, um den Campus als eigenstĂ€ndigen introvertierten Raum zu stĂ€rken. Flankiert werden diese Situationen durch Sitzinseln als einladende Geste und kommunikativer Treffpunkt. Der Minicampus zwischen den Neubauten hebt sich durch den Plattenbelag aus rotem Naturstein von der Umgebung ab und verdeutlicht die stĂ€dtebauliche Idee. Farbe, Form und Struktur wurden als harmonischer Kontrast zur Gestaltung der Fassaden gewĂ€hlt, um so ein ausdruckstarkes Ensemble zu schaffen. Akzentuiert wird der Minicampus durch einen breiten Streifen, welcher aus dunkleren Natursteinplatten am Rand fĂŒr einen klaren Raumabschluss sorgt. StahlbĂ€nder zwischen den Platten betonen die Hauptachsen, um die sich der Platz organisiert. Als „Platz im Platz“ prĂ€sentieren sich die Lounges, deren Bedeutung als kommunikative Orte durch eine weitere Umrahmung hervorgehoben wird. Die Standorte sind dezentral gewĂ€hlt. Dies hat den Vorteil, dass die Mitte und die Achse frei bleiben und die Aufenthaltsorte von einer Seite geschĂŒtzt sind. Als fließende Formen modellieren sich die Möbel aus dem Holzpodest. Entwickelt wurden 3 Typologien. Typ 1 mit Tisch und Bank, Typ 2 mit integrierter PflanzflĂ€che sowie Typ 3 als vollflĂ€chiges Podest. Außerhalb der PlatzflĂ€che des Minicampus werden die Lounges als Zitat auf einen Rahmen aus roten Natursteinplatten gestellt. Dies stĂ€rkt die EigenstĂ€ndigkeit der Orte und bildet einen Querverweis zum Minicampus. Auflockerung schafft das Wasserspiel aus WasserdĂŒsen. Bei der Gestaltung wurde darauf geachtet, dass auch diese Elemente regelmĂ€ĂŸig von Schwerlastverkehr befahren werden können. Der MĂŒllstandort ist unauffĂ€llig in der Nord- Östlichen Ecke verortet und von der Straße aus andienbar, ohne den Parkplatz befahren zu mĂŒssen. Aufgrund der konsequent eingehaltenen urbanen Gestaltungsprinzipien und dem gezieltem Einsatz von vegetativen Elementen sind nur geringe Pflege- und Wartungskosten zu erwarten.

Raumprogramm und Funktionale ZusammenhÀnge / Barrierefreiheit
Angelehnt an das Raumprogramm und die Funktionsdiagramme sind die Grundrisse konzipiert. Alle GebĂ€ude sind im Untergeschoss um eine Tiefgarage mit 100 StellplĂ€tzen gruppiert. Die GebĂ€ude sind auf allen Ebenen ĂŒber Aufzugsanlagen barrierefrei zu erreichen.

Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit
Die klare Funktionsverteilung und der kompakte Baukörper ermöglichen kurze Wege und gute Lehr- und Arbeitsmöglichkeiten. Durch die Transparenz des Baukörpers und dem Einsatz von Lichtlenkungssystemen entstehen lichtdurchflutete RĂ€ume. Eine hohe Einsparung von Kunstlicht und optimale Arbeitsbedingungen in den Laboren werden erwartet. Durch den kompakten Baukörper wird fĂŒr das VerhĂ€ltnis von BGF / NF ein Wert von 1,88 erreicht.

Bau- und Sonderkonstruktion
Die Konstruktion der drei GebĂ€ude und der Tiefgarage basiert auf einem Ordnungsraster von 2,50 m. Um eine möglichst flexible Nutzungsstruktur fĂŒr die Zukunft zu ermöglichen, ist die Tragkonstruktion auf StĂŒtzen und aussteifende Kerne reduziert. Als Besonderheit werden die Einschnitte im Erdgeschoss (EingĂ€nge) stĂŒtzenfrei ausgefĂŒhrt. Dies ist durch die Ausbildung geschosshoher Tragwerke möglich.

Energieeffizienz und Nachhaltigkeit
Abwasseranlagen
Die EntwĂ€sserung des GebĂ€udes erfolgt im Mischsystem. Das auf der DachflĂ€che anfallende Regenwasser wird ĂŒber innenliegende Fallleitungen in eine Zisternenanlage eingeleitet und als Grauwasser fĂŒr die ToilettenspĂŒlungen, und nach Aufbereitung, fĂŒr die adiabatische KĂŒhlung der RLT-GerĂ€te genutzt. ÜberschĂŒssiges Niederschlagswasser wird zusammen mit dem Schmutzwasser dem Kanal zugefĂŒhrt. Die WĂ€rmeversorgung des neuen GebĂ€udes erfolgt ĂŒber ein Blockheizkraftwerk zur Grundversorgung des GebĂ€udes mit WĂ€rme und Strom in Kraft-WĂ€rme-Kopplung. Als Brennstoff wird zur Erhöhung des regenerativen Anteils Rapsöl verwendet. Die erzeugte WĂ€rme wird in einen Pufferspeicher geleitet, um die Laufzeit des Blockheizkraftwerkes zu erhöhen. Idealerweise wird das Blockheizkraftwerk so klein ausgelegt, dass es kontinuierlich laufen kann. So kann grĂ¶ĂŸtmöglicher Nutzen aus der Stromerzeugung gezogen werden. Das BHKW lĂ€uft auch im Sommer zur Stromerzeugung, wobei die resultierende WĂ€rme zur KĂ€lteerzeugung genutzt wird.

Labortechnik
RLT- Anlage Laborbereich
FĂŒr die Auslegung der technischen Anlagen werden die Vorgaben der Labornutzung und der Laborplanung zugrunde gelegt. Die Standard-Raumluftversorgung fĂŒr die Laborbereiche erfolgt mit 12m3/h*m2 bzw. 25 m3/h*m2 mit hoch induktiv eingeblasener Zuluft, die im Aufenthaltsbereich jedoch nicht zu Zugerscheinungen fĂŒhrt. Die HauptlĂŒftungsgerĂ€te fĂŒr die Laboratorien und MessrĂ€ume werden im Untergeschoss aufgestellt. Ferner erhalten Labore mit grĂ¶ĂŸerem KĂŒhlbedarf, soweit erforderlich, UmluftkĂŒhleinrichtungen, welche die inneren KĂŒhllasten abfĂŒhren sollen. Die UmluftkĂŒhlung ist effizienter als die KĂŒhlung mit RLT-Anlagen, da Hilfsenergie eingespart wird. Hier handelt es sich um Verfahrenstechnische Systeme, die nicht in die EnEV einfließen. In dem Hörsaal bzw. den SeminarrĂ€umen werden je nach Raumtiefe und nach lĂŒftungstechnischer Anforderung dezentrale LĂŒftungsgerĂ€te mit hocheffizienter WĂ€rmerĂŒckgewinnung installiert. Die WĂ€rmerĂŒckgewinnung wird durch ein 3-stufiges Kreislauf-Verbundsystem realisiert. Das Hydraulik-Versorgungs-Modul mit WĂ€rmetauschern fĂŒr Heizung wird in der NĂ€he der Heizkreisverteiler installiert. Es erfolgt eine 2-stufige adiabatische KĂŒhlung auf der Abluftseite mit nachgeschaltetem Tropfenabscheider. Die WRG und die adiabatische KĂŒhlung reduzieren die Betriebskosten der Anlage durch eine max. Reduzierung der der maschinellen KĂŒhlung. Die Ventilatormotoren werden mittels Frequenzumformer gesteuert und somit die Luftvolumenströme gegebenenfalls wechselnden Nutzerbedingungen angepasst. Die Regelung im Kanalnetz erfolgt druckkonstant. Die Zu- und AbluftgerĂ€te werden aus GrĂŒnden der besseren Regelung und zur Erhöhung der Betriebssicherheit mit Doppelventilatoren (2 x 50 %) ausgestattet. Sie sind direkt betrieben und der Motor ist im Zuluftstrom eingebaut. Die Abluftmotoren sind FremdluftgekĂŒhlt.

Vorbeugender Brandschutz
Die tragenden Bauteile wie Geschossdecken, WĂ€nde und StĂŒtzen werden feuerbestĂ€ndig ausgebildet. Brandabschnitte/ Rauchabschnitte: Die Grundrissstruktur ermöglicht eine Aufteilung der Ebenen in Brandabschnitte bis 400 qm. Die Flure werden zusĂ€tzlich mit RauchschutztĂŒren so unterteilt, dass Rauchabschnitte von max. 30 m LĂ€nge entstehen. Die Rauchableitung aus dem GebĂ€ude kann jeweils ĂŒber die Außenfassade erfolgen.
Fluchtwege: An den Flurenden der GebĂ€ude sind jeweils FluchttreppenrĂ€ume angeordnet, welche die vier Ebenen miteinander verbinden. Mit der Anordnung der TreppenrĂ€ume können fĂŒr alle AufenthaltsrĂ€ume zwei bauliche Rettungswege sichergestellt werden.

Beurteilung durch das Preisgericht

In der Beurteilung durch das Preisgericht wird die Ă€sthetische Konsequenz gelobt: „Die Architektur und GestaltungsqualitĂ€t der Neubauten ĂŒberzeugt durch eine feinsinnige Vorhangfassade, die als 2. Haut den Sonnenschutz beinhaltet. Im Wechselspiel dazu befinden sich Loggien, welche zum Verweilen einladen.“ Weiterhin folgt die wirtschaftliche Betrachtung: „In der vergleichenden Betrachtung der Kosten liegt der Entwurf im unteren Bereich und wird somit als gĂŒnstig bewertet. In der vergleichenden Betrachtung der BGF und des BRI erscheint der Entwurf als kompakt und wirtschaftlich.“