modgnikehtotsyek
ALLE WETTBEWERBSERGEBNISSE, AUSSCHREIBUNGEN UND JOBS Jetzt Newsletter abonnieren

Award / Auszeichnung | 09/2017

Auszeichnung guter Bauten 2017 des Bundes Deutscher Architekten Ostwestfalen-Lippe

BĂŒro- und GeschĂ€ftsgebĂ€ude

DE-33602 Bielefeld, Werner-Bock-Straße 38-40

Auszeichnung

Architekten Wannenmacher + Möller GmbH

Architektur

Csaba Mester Fotograf, Dipl.-Des.

Fotografie

solares bauen GmbH

Energieplanung

Projektdaten

  • GebĂ€udetyp:

    BĂŒro-, Verwaltungsbauten

  • ProjektgrĂ¶ĂŸe:

    keine Angabe

  • Status:

    Realisiert

  • Termine:

    Baubeginn: 01/2014
    Fertigstellung: 01/2015

Projektbeschreibung

Die östliche Innenstadt von Bielefeld hat in den letzten Jahren einen starken Wandlungsprozess durchlaufen. Mit dem Beginn der Industrialisierung hatte sich hier in den darauffolgenden Jahrzehnten eine vorwiegend gewerbliche Nutzung, mit einem entsprechendem heterogenen, wenig urbanen Erscheinungsbild etabliert. Bereits in den 80er Jahren wurde das Potenzial dieses unmittelbar ans Stadtzentrum angrenzenden Stadtteils fĂŒr eine Weiterentwicklung der Innenstadt erkannt. Mit zunehmenden Leerstand einzelner GebĂ€ude wurde die Chance fĂŒr eine strukturelle Neuordnung dieses Gebiets mit dem Ziel einer gemischten Nutzung aus Wohnen und Arbeiten ergriffen.

In diesem Zusammenhang steht auch der viergeschossige Neubau an der Stelle eines ehemaligen Autohauses, der mit einem Verbrauchermarkt im Erdgeschoss und darĂŒber liegenden BĂŒros fĂŒr unterschiedliche Nutzer zur Belebung und stĂ€dtebaulichen Aufwertung dieses Stadtviertels beitragen will. Zur stadtrĂ€umlichen Fassung des öffentlichen Raums entlang der Werner-Bock-Straße wurde das GebĂ€ude nah der Straße positioniert und die obligatorischen StellplĂ€tze des Verbrauchermarkts seitlich und hinter dem GebĂ€ude angeordnet. Auch der Anlieferungsbereich des Marktes wurde weitgehend den Blicken der Öffentlichkeit entzogen und ins GebĂ€udeinnere verlegt. Er wird ĂŒber ein Rolltor auf der Ostseite des GebĂ€udes erschlossen.

Der Zugang zum Markt liegt an der Westseite des GebĂ€udes, in direkter NĂ€he der StellplĂ€tze. Die Erschließung der BĂŒroetagen erfolgt ĂŒber zwei TreppenhĂ€user, die jeweils an den GebĂ€udeecken entlang der Werner-Bock-Straße untergebracht sind. Die BĂŒrogrundrisse wurden im Hinblick auf Brandschutz, technische Anlagen, Toiletten und TeekĂŒchen so organisiert, dass auf jeder Etage bis zu vier autarke Mieteinheiten geschaffen werden können. Die unterschiedliche Breite der BĂŒroschenkel resultiert aus der Vorgabe, den Verkaufsbereich und das Lager des Verbrauchermarktes stĂŒtzenfrei auszubilden. Sie erlaubt die Einrichtung verschiedener BĂŒrotypologien: Als Zwei- bzw. Dreibund mit ZellenbĂŒros, als Kombi-BĂŒro, Open-Plan oder GroßraumbĂŒro.

Die Fassade des GebĂ€udes ist unterteilt in eine Erdgeschosszone aus Sichtbeton und den darĂŒber liegenden Geschossen aus gebranntem Klinker. Sie bildet damit die unterschiedlichen Funktionen auch nach außen hin ab. Mit der Wahl eines Klinkers nimmt das GebĂ€ude Bezug auf die Geschichte des Ortes. Der ehemalige Schlachthof, die heute von der Fachhochschule genutzte frĂŒhere Kaserne, die Seidenstickerhalle sowie die Feuerwache, die sich in der nĂ€heren Umgebung befinden, sind allesamt Klinkerbauten, die das Quartier seit vielen Jahren prĂ€gen. Auch damit möchte das GebĂ€ude einen Beitrag zur architektonischen Konsolidierung des Quartiers beitragen.

Beurteilung durch das Preisgericht

Eine der herausragenden Leistungen bei dem Projekt besteht darin, sich nicht in das bestehende kontextuelle Umfeld einzuordnen, sondern entgegen den naheliegenden Konzeptionen eine vielleicht etwas aufwĂ€ndigere Lösung zu verfolgen, die jedoch den Startpunkt zu einer Art Stadtreparatur oder auch Quartiersentwicklung setzt. Mit der Entscheidung, einen Supermarkt in das neue BĂŒrogebĂ€ude zu integrieren, anstatt diesen aus rein funktionalen Überlegungen heraus in gestaltungsferner und jeglichen quartiersbildenden StĂ€dtebau zerstörender Art auf das GrundstĂŒck zu setzen, wird Mehrwert geschaffen. Dieser kommt sowohl dem Investor – in Form von mehr realisierbarer FlĂ€che – als auch der Stadtentwicklung langfristig und nachhaltig zugute.
Über die strategische Positionierung hinaus ist das GebĂ€ude durch sehr hohen architektonischen Anspruch geprĂ€gt, der sich sowohl in der prĂ€zisen Materialwahl als auch in der hohen DetailqualitĂ€t widerspiegelt. Der helle Sichtbetonsockel lĂ€sst den dunkel verklinkerten BĂŒrobereich gefĂŒhlt schweben. Ebenso wie Sockel und Obergeschosse kontrastieren die gut variierenden Fenster der BĂŒrofassade mit den großformatigen Verglasungen und Verkleidungen im Sockelbereich. Die angenehm massiv ausgebildeten Ecken des GebĂ€udes nehmen die TreppenhĂ€user auf und verleihen diesem dadurch eine angemessene Ruhe. Die schlichte, jedoch prĂ€zise gewĂ€hlte MaterialitĂ€t setzt sich von der Fassade ĂŒber die TreppenhĂ€user bis in die Detailausstattung der BĂŒrorĂ€ume fort und prĂ€gt das GebĂ€ude unabhĂ€ngig von den Nutzern.
Das vorliegende Projekt gibt Antworten auf die Fragen, wie unglĂŒcklich gewachsene Strukturen im Zeitalter der stĂ€dtebaulichen Transformationen stĂ€dtebaulich, funktional und auch architektonisch hervorragend entwickelt werden können, ohne bestehende Anforderungen und ZusammenhĂ€nge grundsĂ€tzlich in Frage zu stellen.