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Nichtoffener Wettbewerb | 08/2023

Baugebietsentwicklung Kalverdonk in Meerbusch-Osterath

FußgĂ€ngerperspektive

FußgĂ€ngerperspektive

ein 2. Preis

Preisgeld: 88.090 EUR

ISR Innovative Stadt- und Raumplanung GmbH

Stadtplanung / StÀdtebau

MOLA Landschaftsarchitektur GmbH

Landschaftsarchitektur

Mobilwerk GmbH

Verkehrsplanung

ErlÀuterungstext

CarLos Osterath – Zukunft Gemeinsam Autofrei Gestalten


Leitgedanke

Das neue zukunftsorientierte und nachhaltige Quartier bewahrt und stĂ€rkt die IdentitĂ€t sowie den dörflichen Charme von Osterath. Das harmonische Zusammenspiel zwischen alten und neuen Strukturen schafft eine einzigartige „dörfliche“ AtmosphĂ€re und erfĂŒllt SehnsĂŒchte.

Durch die StÀrkung kleinstÀdtischer Strukturen und dem Erhalt des dörflichen Charakters wird die LebensqualitÀt der Wohnenden zukunftsfÀhig. Dabei wird besonders auf die sozialen Komponenten geachtet, um die Gemeinschaft zu stÀrken.

Ziel ist es, einen lebenswerten Ort zu schaffen, welcher die dörflichen Eigenschaften und Charakteristika, wie ein starkes GemeinschaftsgefĂŒhl, die NĂ€he zur Natur, Traditionsbewusstsein und ein gewisses Maß an Ruhe, bewahrt und gleichzeitig zukunftsfĂ€hig entwickelt, „Osterath fĂŒr Alle“.


StÀdtebauliches Konzept

Im Rahmen der Konzeptentwicklung wird insbesondere auf den Erhalt und behutsame Weiterentwicklung des Bestandes geachtet. Die bestehenden landwirtschaftlich geprÀgten GebÀude bleiben erhalten und punktuell durch ergÀnzende Neubebauung behutsam weiterentwickelt. Mit der Hoferweiterung kann im Rahmen der produktiven Landwirtschaft eine thematische Belegung bspw. als Biohof mit Verkaufsstelle oder Café stattfinden.

Durch die Anordnung der GebĂ€ude in Hof-Strukturen, mit einem großen Anteil an gemeinsam nutzbaren FreirĂ€umen, entsteht ein dem Ort angemessener StĂ€dtebau. In den Höfen wird dieser durch eine maximale GebĂ€udehöhe von drei Vollgeschossen unterstĂŒtzt. Um den kleinstĂ€dtischen Charakter zu wahren, wird auf einen gesunden Mix zwischen ReihenhĂ€usern und MehrfamilienhĂ€usern gesetzt. Es entsteht ein Wechselspiel zwischen bebauter und unbebauter FlĂ€che, die im Gleichgewicht zueinanderstehen.


Nutzungskonzept

Auf dem Plangebiet wird, an der Schnittstelle zwischen bestehendem Siedlungsbereich und Landschaftsraum, ein durchmischtes Quartier fĂŒr verschiedene Zielgruppen entstehen. Im Fokus steht hier die Wohnnutzung fĂŒr Familien, aber auch fĂŒr alleinstehende Personen, welche zudem barrierefrei ausgestaltet ist. Mehrgenerationswohnungen und Betreutes Wohnen sind im ortstypischen Maßstab vorgesehen.

An den wichtigen öffentlichen RĂ€umen – in Kombination mit den Mobility-Hubs – sind in den GebĂ€uden zentrale Nutzungen wie Co-Workings-Spaces, CafĂ©s, BĂŒros und Praxen untergebracht. Hier bĂŒndeln sich die gemeinschaftsorientierten Nutzungen und profitieren voneinander, „Gemeinsam sind wir stark!“. Sie bilden das Scharnier zwischen Alt und Neu.

Rundum die Haltstelle Kamperweg entsteht ein zentraler Ankunftsort. Neben dem erwĂ€hnten FabLab sind hier kleinere gastronomische Angebote wie ein BĂ€cker und ein CafĂ© angesiedelt sowie ArbeitsrĂ€ume, BĂŒros und Praxen.


MobilitÀtskonzept

In insgesamt vier Mobility-Hubs wird der ruhende Verkehr daher zentral organisiert. Die Hubs sind mehrfachcodiert und beinhalten neben StellplĂ€tzen unterschiedliche gemeindienliche Nutzungen, wie eine Fahrradwerkstatt oder Paketstationen, die dem Quartier so einen zusĂ€tzlichen Mehrwert liefern. An den U-Bahn-Haltestellen Kamperweg und Hoterheide befinden sich, in unmittelbarer NĂ€he, je ein Hub, um eine multi- und intermodale MobilitĂ€t mit kurzen Wegen zu ermöglichen und die ÖPNV-Nutzung zu stĂ€rken. Der Entwurf setzt hier auf das Prinzip des 150-Meter-Dorfs. Innerhalb von 150 Metern ist jeder Hub fĂŒr die neuen Bewohner*innen erreichbar.

Die Hubs beinhalten vielfĂ€ltige und leicht zugĂ€ngliche Bike- und Car-Sharing-Angebote, um Anreize zum Verzicht auf einen eigenen PKW zu schaffen und somit den Stellplatzbedarf zu senken. Die Installation zahlreicher E-LadesĂ€ulen fĂŒr FahrrĂ€der und PKWs fördert die E-MobilitĂ€t.


Freiraumkonzept

Das Freiraumkonzept greift diese historischen Strukturen und Nutzungen auf und wandelt diese in ein zukunftsfĂ€higes Konzept um. Es entsteht ein strukturreicher, erlebbarer Raum. Beim Spaziergang oder beim Mitmachen reihen sich in den FreirĂ€umen vielfĂ€ltige Nutzungen wie WeideflĂ€chen, Mietackerland oder das Ernten von Schnittblumen wie eine Perlenschnur aneinander. Dem anfallenden Regenwasser wird genĂŒgend Raum gegeben, um schadlos auf der FlĂ€che zu verbleiben, erlebbar gemacht und vor Ort in den Wasserkreislauf integriert zu werden.

Der Nibbelsweg als historischer Landwirtschaftsweg mit seinen ortsbildprÀgenden AltbÀumen und abwechslungsreichen Szenerien bleibt erhalten und behutsam in das Freiraumkonzept integriert.

Durch die neuen strukturreichen GrĂŒnrĂ€ume in nordsĂŒdlicher und ostwestlicher Richtung entsteht ein attraktiver und produktiver Freiraum fĂŒr die jetzigen und zukĂŒnftigen Bewohner*innen Osteraths. Dieser soll jedoch in seiner Form kein intensiv genutzter Stadtpark sein, sondern einfach naturnah gestaltet und extensiv genutzt werden. Neben Bereichen mit BlĂŒhwiesen, Weiden oder Streuobstwiesen sollen die GrĂŒnzĂŒge auch Raum zum Experimentieren bieten. So entstehen Bereiche wie ‚NaturerfahrungsrĂ€ume‘ fĂŒr Kinder und Jugendliche, die zum Mitmachen animieren und Raum zur eigenen Entfaltung bieten.


Nachhaltigkeit und Energie

Durch den erhöhten GrĂŒnanteil und die ökologische Bauweise wird das Quartier den AnsprĂŒchen an Klimaschutz und Klimaanpassung gerecht. SĂ€mtliche FreirĂ€ume wirken sich positiv auf das Mikroklima im Plangebiet aus, indem die GrĂŒnflĂ€chen Kaltluftproduktion und Regenwasserversickerung ermöglichen. In den GrĂŒnflĂ€chen sind VersickerungsflĂ€chen, Regenwassermulden und auch Teiche (Sedimentationsanlagen) gemĂ€ĂŸ dem vorliegenden EntwĂ€sserungskonzept, welches an den vorgeschlagenen StĂ€dtebau angepasst wurde, angelegt. Es wird somit ein hohes Maß an oberflĂ€chennaher Versickerung, Grundwasserneubildung und Verdunstung ermöglicht. Das anfallende Regenwasser der DachflĂ€chen wird dezentral gesammelt. Anschließend versickert und verdunstet es oder wird zur BewĂ€sserung der Vegetation genutzt.

Die GebĂ€ude verfĂŒgen ĂŒber Dach- und FassadenbegrĂŒnung und kĂŒhlen das Quartier nachhaltig. Alle DĂ€cher sind mit extensiver DachbegrĂŒnung und/oder Photovoltaikanlagen (PV) ausgestattet. In Bereichen zwischen den PV-Anlagen ist eine BegrĂŒnung anzustreben.

Weiterer Strom kann auf den großflĂ€chigen GebĂ€uden, wie den Hubs, erzeugt und in das Netz eingespeist werden. Die Hubs bieten besonders gute Voraussetzungen, um mit großflĂ€chigen PV-Anlagen Strom zu erzeugen und dies ĂŒber integrierte Energiezentralen in das Netz einzuspeisen. Im Hub findet außerdem eine Sektorenkopplung statt, in dem der eigene produzierte Strom direkt in den LadesĂ€ulen fĂŒr die E-MobilitĂ€t genutzt wird.

Beurteilung durch das Preisgericht

Das Preisgericht diskutiert intensiv das Leitbild, welches diesem Entwurf zugrunde liegt. Besonders positiv wird vermerkt, dass die gewĂŒnschte höhere Dichte mit einer geringen FlĂ€chenversiegelung und einem relativ geringen Erschließungsaufwand erzielt wird. Der Landschaftsraum kann seine QualitĂ€ten bewahren – eine Bebauung nordöstlich der K-Bahn ist nicht erforderlich. Auch erkennt das Preisgericht ausdrĂŒcklich die Gestaltung der Platzsituationen in der Verbindung zwischen den bebauten Nachbarschaften und dem grĂŒnen Infrastrukturband an, welches sich wiederum sehr harmonisch mit dem Landschaftsraum verzahnt.
Die stĂ€dtebauliche Struktur ist auf zwei Schwerpunktbereiche ausgerichtet, die eine abschnittsweise Realisierung zulassen und sich ĂŒber die gemeinschaftlich nutzbaren öffentlichen Raum, welcher sich auf das Nötigste reduziert, definieren. Die Hofstrukturen lassen einen hohen Wohnwert erwarten. Insgesamt wird auf einer vergleichsweise kleinen FlĂ€che eine hohe Dichte (700 WE) erreicht. In diesem Zusammenhang ist die maximal geforderte Geschossigkeit von vier Geschossen in einigen wenigen Bereichen ĂŒberschritten. Die QG sind angemessen lokalisiert und bilden eine Platzstruktur aus, die in dieser Form adĂ€quat erscheint. Aufgrund der stĂ€dtebaulichen Struktur ist keine Querung der K-Bahn notwendig.
Die insgesamt sehr positiv beurteilte Arbeit leidet jedoch an einem Mangel, der eine Änderung des Erschließungskonzeptes, welches eine geplante Nachbarschaft ĂŒber Wienenweg und Kamperweg erschließt, erfordert.

Nach Empfehlung:
Die stĂ€dtebauliche QualitĂ€t wird vom Preisgericht besonders hoch bewertet, aber sie wird in dieser Form erkauft durch eine Erschließung ĂŒber Kamperweg und Wienenweg, welche in der Auslobung ausgeschlossen wurde. Wir empfehlen daher eine alternative Erschließung zu prĂŒfen, welche die stĂ€dtebaulichen QualitĂ€ten des Entwurfs erhĂ€lt. In dem Zusammenhang ist auch die LeistungsfĂ€higkeit, Dimensionierung und Erschließung der MobilitĂ€tsstationen zu ĂŒberprĂŒfen. Die Geschossigkeit ist auf maximal vier Geschosse zu reduzieren. Die Straßenrandbebauung am Winklerweg ĂŒberzeugt noch nicht im VerhĂ€ltnis zum Bestand und soll ĂŒberarbeitet werden.
Lageplan

Lageplan

Vertiefung Wohnanger

Vertiefung Wohnanger

Vertiefung SchĂŒtzenplatz

Vertiefung SchĂŒtzenplatz

RĂ€umliches Leitbild

RĂ€umliches Leitbild

MobilitÀtskonzept

MobilitÀtskonzept

Gemeinschaftskonzept

Gemeinschaftskonzept