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Nichtoffener Wettbewerb | 08/2023

Baugebietsentwicklung Kalverdonk in Meerbusch-Osterath

RĂ€umlicher Eindruck "Lebensader"

RĂ€umlicher Eindruck "Lebensader"

ein 2. Preis

Preisgeld: 88.090 EUR

Schaller Architekten Stadtplaner BDA

Stadtplanung / StÀdtebau

Stefan Schmitz BDA Architekten und Stadtplaner

Stadtplanung / StÀdtebau

urbanegestalt

Landschaftsarchitektur

SchĂŒĂŸler-Plan

Verkehrsplanung

ErlÀuterungstext

StÀdtebauliche Leitidee
In gut erschlossenen Lagen des Wettbewerbsgebietes entstehen zwei stĂ€dtebaulich dichte Quartiere. Das K-Bahn Quartier Kamperweg im Nordosten entwickelt sich von der namensgebenden Haltestelle ausgehend und das Quartier Winklerweg / StrĂŒmper Straße im SĂŒdwesten vom Winklerweg aus.
Durch flĂ€chensparende Anordnung kann die FlĂ€chenversiegelung begrenzt werden und der bestehende agrarische Landschaftsraum nördlich der K-Bahnlinie wird als zusammenhĂ€ngende FlĂ€che erhalten und fĂŒr die Bewohner:innen erfahrbar gemacht.
Vom SchĂŒtzenplatz ausgehend zieht sich von SĂŒdwesten nach Nordosten ein grĂŒnes Band. Es bietet GrĂŒnrĂ€ume, verknĂŒpft und ist TrĂ€ger sozialer Infrastruktur. MobilitĂ€tsangebote, gewerbliche Nutzungen, SportstĂ€tten und Naherholung, eine 4-zĂŒgige KiTa mit FlĂ€chenpotential fĂŒr weitere 2 Gruppen, QuartiersgĂ€rten, RetentionsflĂ€chen und bestehende Liegenschaften sind im grĂŒnen Band verbunden. Das grĂŒne Band schließt im SĂŒdwesten an die bestehende Anbindung an Bahnhof und Zentrum von Meerbusch Osterath an. Der Nibbelsweg bleibt mit seinem bisherigen Charakter als Landschafts- und Agrarweg weitgehend bestehen.
Mit zwei dicht bebauten Quartieren (drei mit der optionalen FlĂ€che) wird die geforderte Anzahl an Wohneinheiten erreicht. Die Kompaktheit erlaubt großzĂŒgige FreirĂ€ume, so gelingt eine qualitĂ€tsvolle Einbindung der neuen Wohnlagen.

Lebendige Stadtquartiere
Das Ziel des Entwurfes ist die Schaffung lebendiger Stadtquartiere, denn anstelle von SchlafstÀdten besteht die regional vernetzte Stadt der Zukunft aus gemischten Quartieren, die Wohnen und Arbeiten vereinen, mit unterschiedlichen Schwerpunkten. So entsteht eine angemessene UrbanitÀt in den Wohnquartieren, die dabei hilft die Pendlerverkehre zu reduzieren und damit wesentlichen zum Klimaschutz beitrÀgt.
Aus diesen GrĂŒnden werden vor allem in den Erdgeschossen der Wohnquartiere in den zentralen Erschließungsachsen Nutzungen fĂŒr BĂŒros, Praxen, Coworking und nicht störendes Gewerbe vorgesehen, die ĂŒber das hinausgehen, was in der Baunutzungsverordnung (BauNV) unter der Festsetzung „Allgemeines Wohngebiet“ erlaubt ist und Ausnahmeregelungen erfordert. FĂŒr die unmittelbare Umgebung des SchĂŒtzenplatzes und der K-Bahn Haltestelle werden verstĂ€rkt kommerzielle Nutzungen, Dienstleistungsangebote und Coworking-Space angeboten, die dem Ziel eines lebendigen Stadtquartiers gerecht werden. Hier wird eine Ausweisung als „Urbanes Gebiet“ gemĂ€ĂŸ BauNV vorgeschlagen.

Konzept MobilitÀt
Zwei Mobilityhubs sind die wesentlichen Bausteine des Konzepts und nie weiter als 300 Meter von der eigenen HaustĂŒr entfernt, genau wie die Haltestellen des ÖPNV. Die Mobilityhubs sind außerdem Energieversorger und -speicher (s. Nachhaltigkeit). Der sĂŒdwestliche Mobilityhub ist ein mehrstöckiges GebĂ€ude mit gewerblichen Nutzungen in einem vorgesetzten Riegel zum SchĂŒtzenplatz (z. B. Coworking-Space, soziale Angebote, GrĂŒnderzentrum), 350 StellplĂ€tzen und MobilitĂ€tsangeboten. Über Tag stellt man hier das Rad unter oder leiht ein Lastenrad aus. Man fĂ€hrt von hier mit dem PKW los, ob mit dem Eigenen oder einem Gemieteten. Man hĂ€lt ein Online-Meeting ab, sammelt Pakete ein oder holt die Kinder vom Basketballplatz auf dem Dach ab. Der Hub ist Vermittlungspunkt und Anziehungspunkt zwischen Neu und Alt, zwischen Stadtraum und Freiraum und zwischen den zwei geplanten Quartieren. Außerdem ist er ein wichtiger stĂ€dtebaulicher Beitrag: Er wendet dem SchĂŒtzenplatz, der seinen angestammten Ort behĂ€lt, ein aktives Gesicht zu und fasst ihn rĂ€umlich.
Der Mobilityhub an der K-Linie fasst 300 StellplĂ€tze fĂŒr PKW. Das EG ist FahrrĂ€dern und sharing-moblity vorbehalten. Der Hub macht das Angebot der K-Linie noch attraktiver fĂŒr die Quartiere. Ein viergeschossiger Gewerbebau stellt die stĂ€dtische Kante des Hubs her und erzeugt so einen Impulsgeber fĂŒr die 15-Minuten-Stadt. Besucherparken wird zusĂ€tzlich zu den Hubs in kleinen ParkplĂ€tzen an den QuartierseingĂ€ngen angeboten.
Ein dichtes Netz an Wohnstraßen und Wohnwegen ist vorhanden, ideal fĂŒr Radfahrende und zu-Fuß-Gehende und auch mit dem Auto sind alle HĂ€user (notfalls) erreichbar. In jedem Quartier ist ein zentraler Weg als Lebensader der Nachbarschaft konzipiert. Hier erreicht man alle Hausgruppen und hat gute Orientierung. Hier spielen die Kinder und man trifft die Nachbarschaft. FĂŒr MobilitĂ€tseingeschrĂ€nkte, Handwerker und Pflegedienste gibt es verteilte Multifunktionsbereiche, aber es gibt keine öffentlichen StellplĂ€tze in den Wohnwegen und nur in wenigen Ausnahmen private StellplĂ€tze am Haus.
Kindergarten und Schule sind fast ohne Kreuzung mit dem Autoverkehr erreichbar, was dazu fĂŒhrt, dass Bewegung durch die neuen Quartiere zu Fuß und mit dem Rad fĂŒr alle Altersklassen schnell zur NormalitĂ€t wird.

Das Quartier Winklerweg / StrĂŒmper Straße
Baustein 1 – urbaner Rand
Im Westen, anschließend an den Winklerweg und die StrĂŒmper Straße, soll ein Quartier mit unterschiedlichen Wohn- und Mischtypologien entstehen. Mehrgeschossige ReihenhĂ€user, MehrfamilienhĂ€user und Wohntypologien mit höheren GebĂ€udetiefen fĂŒr alternative und gemeinschaftliche Wohnformen erstrecken sich vom Winklerweg in das Wettbewerbsgebiet. Die Anordnung der GebĂ€ude in offenen Blöcken schafft private Innenhöfe, die Raum fĂŒr private GrĂŒnflĂ€chen bieten. Die GebĂ€udekörper sind dicht gestellt und in der Regel drei- bis viergeschossig.

Baustein 2 – Wohnhöfe
Entlang des Nibbelswegs entstehen Wohnhöfe, die sich aus verschieden dimensionierten GebĂ€udekörpern zusammensetzen und so Raum fĂŒr unterschiedliche Wohnformen bieten. Hier sind gemeinschaftliche FlĂ€chen vorgesehen, die bei Bedarf auch fĂŒr Nutzungen jenseits des Wohnens genutzt werden können – Co-Working oder soziokulturelle Nutzung. Die privaten GrĂŒnflĂ€chen binden den umgebenden Landschaftsraum an. Die Höfe sind durch kleine Wege miteinander verbunden und bilden so ein Netzwerk. Die Höfe sind locker zueinander angeordnet. Hier sind bestehende GebĂ€ude eingebunden und Neubauten mit zwei bis vier Geschossen vorgesehen. Die GebĂ€udehöhen sind vom urbanen Rand ĂŒber die Wohnhöfe hin zum Landschaftsraum abgestuft geplant.

Erschließung
Die Erschließung der GebĂ€ude erfolgt ĂŒber eine Lebensader, eine zentral verlaufende verkehrsberuhigte Straße mit entsiegelten Mittelzonen und versetzen BĂ€umen. Davon zweigen Wohnstichwege ab, die als shared space ausgebildet werden. Der ruhende Verkehr wird auf BesucherparkplĂ€tzen und in dem Mobilityhub am SchĂŒtzenplatz gebĂŒndelt.

Freiraum/ Klima/ EntwÀsserung
Private GĂ€rten und GemeinschaftsgrĂŒn prĂ€gen die nicht unterbauten Innenbereiche der offen Blockstrukturen im urbanen Rand. Die kleinmaßstĂ€blichen Wohnstraßen und Wohnwege bieten Spiel- und Begegnungsraum. Die zentrale Lebensader bietet Orientierung vom Mobility-Hub bis zur StrĂŒmper Straße. Von Norden wirkt die landschaftliche AtmosphĂ€re durch die Wohnhöfe hindurch tief in die Wohnlagen hinein. Die privaten AußenrĂ€ume der Wohnhöfe liegen nach außen orientiert, wĂ€hrend sich im Inneren der GebĂ€udegruppen gemeinschaftliche Erschließungshöfe fĂŒr ĂŒbersichtlich große Nachbarschaften bilden. Die großen GĂ€rten bilden eine zeitgenössische Allmende, Haine, SpielplĂ€tze, SickerflĂ€chen und Wiesen fĂŒr die Wohnhöfe. Ein Netzwerk offener Rinnen bringt Niederschlagswasser aus dem Quartier ĂŒber den Nibbelsweg nach Norden. Überstanden von Baumgruppen erreicht dieser großzĂŒgige GrĂŒnplanung erhebliche klimatische Funktion im Hinblick auf Retention, Versickerung und KĂŒhlung.

Das K-Bahn Quartier Kamperweg
Baustein 1 – Mobilityhub
Dreh- und Angelpunkt fĂŒr das Quartier Kamperweg ist die gleichnamige K-Bahnhaltestelle, die das alte und neue Quartier an den ĂŒberregionalen ÖPNV anbindet. SĂŒdlich der K-Bahnlinie am Kamperweg – in direkter Nachbarschaft zur Haltestelle – entsteht ein Mobilityhub, der gewerbliche Nutzungen und MobilitĂ€tsangebote aufnimmt. Eine BrĂŒcke ist direkt mit dem GebĂ€ude verbunden und bringt FußgĂ€nger schnell ĂŒber die Gleise und nördlich der K-Bahnlinie zum Auftakt des K-Bahn Quartiers.

Baustein 2 – Urbaner Kern
SĂŒdlich und nördlich der K-Bahnlinie bilden Blockstrukturen und baumreihen den Raum, der die Haltestelle wie einen kleinen Bahnhof fasst. Durch Anordnung und Höhenentwicklung schĂŒtzen die GebĂ€ude das Quartier vor den LĂ€rmemissionen der K-Bahn. Die Bebauung innerhalb der Blockstrukturen ist mit mehrgeschossigen ReihenhĂ€usern, MehrfamilienhĂ€usern und GebĂ€udetypologien mit höherer Tiefe fĂŒr alternative und gemeinschaftliche Wohnformen vielfĂ€ltig und flexibel. Zum grĂŒnen Band im Nordwesten bildet die Bebauung eine starke Kante. Nach SĂŒden, SĂŒd-Osten und Norden stufen sich die GebĂ€udehöhen leicht von vier auf zwei bis drei Geschosse ab und die Bebauung lockert sich auf. Der umgebende Freiraum fließt zwischen die Bebauung. Die bestehenden Wohnlagen werden durch diese Abstufung respektiert und haben Luft zum Atmen.

Erschließung
Die Erschließung der GebĂ€ude erfolgt ĂŒber zwei zentral in Ost-West-Richtung verlaufende Lebensadern – verkehrsberuhigte Straße mit entsiegelten Mittelzonen und versetzen BĂ€umen. Hiervon gehen Stichwege ab, die als shared space ausgebildet werden. Der ruhende Verkehr wird auf BesucherparkplĂ€tzen und in dem Mobilityhub an der Haltestelle Kamperweg gebĂŒndelt. Entlang der K-Bahnlinie nach Osten erfolgt der Anschluss an das ĂŒberregionale Straßenverkehrsnetz.

Freiraum/ Klima/ EntwÀsserung
Die FreirĂ€ume des Quartiers sind multicodierte SiedlungsflĂ€chen. Langsame und aktive StraßenrĂ€ume, grĂŒne Höfe und aktivierte DachflĂ€chen beantworten eine Wohnlandschaft moderater, urbaner Dichte. Das grĂŒne Band ist geeignet, um wohnungsnah großzĂŒgige Spiel- und ErholungsflĂ€chen anzubieten. SĂŒdlich ist eine grĂ¶ĂŸere Wiese als SchulentwicklungsflĂ€che vorgesehen, die ĂŒber die neue Planstraße eine zusĂ€tzliche Erschließung bekommt. Nördlich der K-Bahntrasse ist der Kontakt in den Landschaftsraum prĂ€gend. Ein Hain aus NussbĂ€umen vermittelt als Saum der Entwicklung die MaßstĂ€be und erzeugt eine nachhaltige Siedlungskante.
Die im Nordwesten vorzufindenden, wenig dichten Siedlungsformen der EinfamilienhÀuser und Bungalow Bebauung werden mit wenigen Hausgruppen stÀdtebaulich abgeschlossen. Ein Hain aus NussbÀumen, in dem zwei KinderspielplÀtze liegen begrenzt und vermittelt zum Freiraum.

Freiraum
Freiraum 1 – Der Wiesenzug entlang Nibbelsweg
SĂŒdlich der K-Bahntrasse wird entlang des Nibbelswegs ein Wiesenzug als Landschaft vor der HaustĂŒr entwickelt. So wird der Charakter des historischen Nibbelswegs fĂŒr Osterath erhalten. Der schöne Baumbestand beidseits des Weges wird zu einem ParkgerĂŒst ergĂ€nzt, die vorhandene Senke wird fĂŒr das Management der Niederschlagswasser ausgebaut. Mit ein wenig Ausstattung entsteht eine großzĂŒgige Freizeitlandschaft, Wiesen mit SchattenbĂ€umen und weitem Blick.

Freiraum 2 – Das grĂŒne Band
Das grĂŒne Band nimmt den bestehenden GrĂŒnzug vom Bahnhof Osterath auf und setzt sich fort bis an den nördlichen Feldrand, nachhaltig wird so der Zugang zum GrĂŒnen Ring gesichert. Wesentliche Funktionen fĂŒr das soziale Leben der neuen Quartiere sind hier in einer parkartigen Abfolge von GĂ€rten und GrĂŒnflĂ€chen angeordnet. Die seitlich anliegenden Straßen und Wege profitieren von der grĂŒnen Tiefe des Bandes.
Der Kreisverkehr Winklerweg und der Hans-Lampenscherf Festplatz werden als grau-grĂŒne Elemente gestaltet und eingebunden. Die aktive Fassade des MobilitĂ€tshub im Norden gibt dem Raum eine rĂ€umliche Definition und bringt dessen multifunktionales Talent heraus. Auf dem Dach entsteht eine SportflĂ€che mit spektakulĂ€rem Ausblick.
Im Norden des Hub sind weitere Sportfunktionen fĂŒr die Schule, sowie ein Skateplatz und ein Kinderspielbereich zusammengefasst. Anschließend ist das große Garten-grundstĂŒck des Imker-Hof mit dem reichen Baumbestand eingebunden.
Eine Fuge bindet die Retentionslandschaft am Nibbelsweg durch das grĂŒne Band nach Osten an.
Der letzte Abschnitt sĂŒdlich der K-Bahnlinie ist mit einem Bahnparallelen Weg und dem GrundstĂŒck fĂŒr die KindertagesstĂ€tte besetzt. Die Bauten fĂŒr 4-6 Gruppen stehen als hofartige Hausgruppe in einen Apfelbaumhain, der als niedriges grĂŒnes Volumen einen maßstĂ€blichen Raum schafft und bereits den Kindern die ProduktivitĂ€t von Landschaft nahebringt.
Die K-Bahntrasse durchfĂ€hrt das grĂŒne Band, Querwege vernetzen, der BahnĂŒber-gang westlich bleibt bestehen.
Nördlich der K-Bahn ist ein Freiraum mit gĂ€rtnerischen Anlage vorgesehen, eine fĂŒr die Quartiere zentrale KompostflĂ€che schließt lokale Stoff- und MaterialkreislĂ€ufe.
Auch hier wird eine klimatisch wirksame Fuge eingeplant, die das nördliche Quartier mit den RetentionsflĂ€chen im Nordwesten verknĂŒpft.
Die bestehenden Wohnparzellen bilden den Rahmen des anschließenden Teilraums. Die Bauten und GĂ€rten werden von KleingĂ€rten in ein grĂŒnes halb-privates Netzwerk ĂŒberfĂŒhrt. Über die nĂ€chsten Jahre sollen hier die privaten Wohnnutzungen StĂŒck fĂŒr StĂŒck in eine Gartensiedlung mit produktiven und nachhaltigen Konzepten ĂŒbergehen.
Das grĂŒne Band geht am Landschaftsweg in den GrĂŒnen Ring um Osterath auf, ein Hain aus NussbĂ€umen umfasst den in die Landschaft geschobenen Wohnstandort und bietet mittelfristig einen produktiven Ort mit AufenthaltsqualitĂ€t
Das grĂŒne Band bietet eine Vielfalt an siedlungsnahen Nutzungen und ein Raum fĂŒr BiodiversitĂ€t und Wasserwirtschaft. Die rĂ€umlich wirksamen Gehölzpflanzungen helfen dabei den zusammenhĂ€ngenden Charakter zu stĂ€rken. Öffentliche Bereiche stoßen auf private, neugeplante Gebiete stoßen auf den Bestand und doch hĂ€ngen alle zusammen und bilden den entscheidenden Freiraum im neuen Quartier.

Freiraum 3 – agrarische Landschaft
Den dichten Quartieren steht im Nordwesten des Plangebietes ein StĂŒck nutzbare Landschaft gegenĂŒber. Nutzbar bedeutet hier eine neuartige Schnittmenge von Frei-zeit und gĂ€rtnerischer Produktion. Mobile HĂŒhnerstĂ€lle, bewirtschaftete Nussbaumhaine, BlĂŒhstreifen Retentionsraum fĂŒr Regenwasser, Selbsternteacker sind Bausteine lokaler Lebensmittelerzeugung und einer nachhaltigen und naturinklusiven Idee vom Leben in einer verstĂ€dterten Region.
RĂ€umlich bilden zwei Baumhaine aus WalnussbĂ€umen den Rahmen. Ein Marktplatz der lokalen Produkte und Ideen ist ein wichtiger Impulsgeber der Entwicklung, hierfĂŒr stehen die nordöstliche bestehende Hofstelle und der Eingangsplatz der produktiven GĂ€rten zur VerfĂŒgung.

Freiraum 4 – Festwiese
Der Dr. Hans-Lampenscherf Festplatz am Beginn des grĂŒnen Bandes verbleibt in GrĂ¶ĂŸe und Lage wie im Bestand. Baumreihen, Baumraster und Wegeinfrastruktur fassen den Raum prĂ€ziser und geometrisch eingepasst. Die FlĂ€che wird mit Intarsien aus Rasengitter gestaltet, welche sich im sĂŒdlichen Bereich bis in den Gehweg ziehen und im Norden bis zum Mobility Hub auslaufen. Die Platzgestaltung bietet die Möglichkeit alles an Ausstattung fĂŒr das SchĂŒtzenfest unterzubringen aber auch in den veranstaltungsfreien Zeiten dem Raum eine Bespieltheit zu verleihen. Gefasst wird der Platz durch Baumreihen, welche im Raster stehen.

Freiraum 5 – Lebensadern
Den Lebensadern in den Wohnquartieren kommen zahlreiche Funktionen zu. Zum einen dienen die Lebensadern der Erschließung. Die entsiegelten Bereiche im Zentrum, welche mit Pflanzbeeten und kleinkronigen, schattenspendenden Gehölzen bestĂŒckt sind, geben den Lebensadern hohe AufenthaltsqualitĂ€t und Eigenartigkeit. Die Form dieser entsiegelten Bereiche ist vielfĂ€ltig und trotzdem ist das Straßenprofilen klar und wiederholend strukturiert. DarĂŒber hinaus wird hier an der OberflĂ€che Niederschlagswasser gesammelt, behandelt und abgeleitet. RetentionsflĂ€chen und Rinnen ziehen sich wie ein ‚Blauer Faden‘ durch.

Nachhaltigkeit
Das Ziel der Nachhaltigkeit wird in erster Linie durch das gemischte Stadtquartier erreicht, das soziale und funktionale Vielfalt fördert. Die damit verbundene Reduzierung der schÀdlichen Klimagase durch Verkehrsvermeidung bedeutet einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz. Die Schaffung klimaresilienter stÀdtebaulicher Strukturen und kreislauforientierter FreirÀume, die Verwendung langlebiger Materialien und OberflÀchen und energieeffiziente Bauweisen mit entsprechender technischer Ausstattung tragen zur Nachhaltigkeit der geplanten Quartiere bei.
Die BeschrĂ€nkung des motorisierten Individualverkehrs auf nur eine zusĂ€tzliche Sammelstraße zur Quartierserschließung ermöglicht eine Vielfalt von verkehrsfreien Wegen und PlĂ€tzen fĂŒr FußgĂ€nger und Radfahrer. Die geplanten MobilitĂ€tszentren beherbergen nicht nur den ruhenden Verkehr und vielfĂ€ltige MobilitĂ€tsangebote, sondern auch die Endstationen fĂŒr den Lieferverkehr. Nahversorgungseinrichtungen und Gastronomie in den Erdgeschosszonen machen die Hubs zu lebendigen Mittelpunkten der jeweiligen Nachbarschaften. Der ruhende Verkehr wird aus den Wohngebieten verbannt und so die Möglichkeit geschaffen, das nahe Wohnumfeld mit den höchsten FreiraumqualitĂ€ten auszustatten. In diesen öffentlichen RĂ€umen kann damit eine nahezu idyllische AtmosphĂ€re geschaffen werden, in der Kinder spielen und Nachbaschaftsbeziehungen aktiviert werden können. Das private Auto kommt nur noch zum Be- und Entladen schwerer GĂŒter vor die HaustĂŒre, nicht jedoch zum Parken. Dieses MobilitĂ€tskonzept bedeutet mehr tĂ€gliche Gehminuten fĂŒr den StĂ€dter; ein „Nachteil“, der aber mit mehr gesundheitsfördernder Bewegung, sicheren Wohnstraßen, weniger VerkehrslĂ€rm, sauberer Luft und hohen QualitĂ€ten des Wohnumfeldes zu einem „Vorteil“ wird.
Das Ziel der Energieversorgung ist die maximale Nutzung und Erzeugung von erneuerbaren Energien im Planungsgebiet. Hierzu werden fĂŒr die beiden Wohnquartiere Blockkraftheizwerke mit Anschluss an ein NahwĂ€rmenetz in den MobilitĂ€tszentren verortet, die sich je nach Möglichkeit und VerfĂŒgbarkeit mit regenerativen Energiequellen speisen: Photovoltaik, Erd- oder AbwasserwĂ€rme in Verbindung mit einer WĂ€rmepumpe, Holzhackschnitzel, Biogas etc.
Die Unterbringung der StellplĂ€tze in Hubs macht Tiefgaragen unnötig. Sogar der Verzicht auf energieintensive und kostspielige Unterkellerungen wird fĂŒr Teile der Wohnbauentwicklung erreichbar.
Der Erhalt und die Förderung der BiodiversitĂ€t wird durch naturbelassene Landschaftsbereiche (Biotope) mit Schwerpunkt sĂŒdlich der K-Bahn-Linie entsprochen, die zugleich auch als RetentionsflĂ€chen dienen und auch bei Starkregen eine Versickerung des Regenwassers in den Boden ermöglichen.
Weitere bauliche, funktionale und technische Maßnahmen zum Thema Nachhaltigkeit bedĂŒrfen einer vertieften Betrachtung und Zieldefinitionen, die im Rahmen dieses Wettbewerbs nur benannt werden können und in den folgenden Realisierungsphasen des Bauvorhabens Kalverdonk in einem qualifizierten Planungs- und Entscheidungsprozess erarbeitet werden mĂŒssen.

Beurteilung durch das Preisgericht

Die Wettbewerbsarbeit 3605 weist eine gute Einbindung in den Bestand auf. Die Typologie und Dimensionierung der GebĂ€ude lassen eine gute Bezugnahme auf die prĂ€genden Osterather Strukturen erkennen. Die Haupterschließung fĂŒr den MIV erfolgt nicht aber den vorhandenen Kreisverkehrsplatz und ermöglicht dort eine grĂŒngestaltete fußlĂ€ufige Verbindung zwischen der GrĂŒnachse zum Ortskern und dem offenen Landschaftsraum. Die großzĂŒgige GrĂŒnstruktur, mitsamt EntwĂ€sserungsflĂ€chen, Kaltluftschneiden sowie AufenthaltsqualitĂ€ten und Einbindung in den StĂ€dtebau, wird als sehr gelungen angesehen. Die angemessene Dichte ermöglicht in Verbindung mit den gemischten Typologien der GebĂ€ude die gewĂŒnschte Zahl von Wohneinheiten. Es werden verschiedene Bauformen und Geschossigkeiten geplant. Das Konzept spielt dabei an den richtigen Stellen mit unterschiedlichen Dichten. Die geforderte Umsetzung der Akzentsetzung am Haltepunkt wurde schlĂŒssig gelöst. Die Dimensionierung und Positionierung der MobilitĂ€tsstationen erscheinen hingegen nicht passend. ÜberarbeitungsbedĂŒrftig ist insbesondere Lage und Dimensionierung der MobilitĂ€tsstation östlich des SchĂŒtzenplatzes.
Es bestehen weite Wege von hier aus in die Quartiere hinein. Der öffentliche Raum der sog. "Lebensader" bedarf einer besonderen Qualifizierung. Die Lage der KiTa im Freiraum wird kritisch diskutiert. GrundsĂ€tzlich wurden die Vorgaben der Auslobung zu großen Teilen eingehalten. Insgesamt bewertet das Preisgericht den Entwurf als qualitĂ€tsvoll und gut umsetzbar.

Nach Empfehlung:
Es wird eine freiraumschĂŒtzendere Konzeption fĂŒr die MobilitĂ€tsstation und eine dezentralere Verteilung der MobilitĂ€tsstationen empfohlen. Die Kita sollte ebenfalls aus dem Freiraum heraus in die Quartiere integriert werden. Das MikromobilitĂ€tskonzept insbesondere Fahrradabstellanlagen sollte ĂŒberarbeitet werden.
Lageplan

Lageplan

Vertiefung Bereich Haltestelle

Vertiefung Bereich Haltestelle

Vertiefung Bereich Festplatz

Vertiefung Bereich Festplatz

Schnitt

Schnitt