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Nichtoffener Wettbewerb | 01/2015

Baumschulwäldchen

Blick vom Gärtnerhaus in das Baumschulwäldchen, © scape Landschaftsarchitekten

Blick vom Gärtnerhaus in das Baumschulwäldchen, © scape Landschaftsarchitekten

1. Preis

Preisgeld: 8.000 EUR

scape Landschaftsarchitekten

Landschaftsarchitektur

Tim Erdmann

Visualisierung

Erläuterungstext

Das Baumschulw√§ldchen ist ein wichtiger gr√ľner Baustein und Begegnungsraum f√ľr das Quartier. Es √ľbernimmt als Trittstein zwischen Innenstadt und Musikerviertel eine bedeutende Stellung im Stadtgef√ľge.

Das Konzept steht f√ľr einen Park neuen Typs, der Naturerleben in der Stadt erm√∂glicht und zugleich urbanen Nutzungsanspr√ľchen Rechnung tr√§gt. Es entsteht eine robuste Freifl√§che, deren Baumbestand im westlichen Teil entsprechend seiner Bezeichnung ‚ÄěW√§ldchen‚Äú zu einer Art Naturwald-Insel, dem sogenannten ‚ÄěNaturw√§ldchen‚Äú entwickelt wird. Im √∂stlichen Bereich besinnt sich der Park auf seine historische Funktion als Baumschule: Am ehemaligen G√§rtnerhaus entsteht das ‚ÄěBotanische W√§ldchen‚Äú, das Geh√∂lze mit besonderem Blatt-, Farb- und Bl√ľtenaspekt aufnimmt. Das Baumdach soll hier insbesondere durch lichte Baumarten gebildet werden, die durch feingliedrige, helle Bl√§tter und wei√üe bzw. gelbe Bl√ľten eine freundliche Atmosph√§re schaffen. Goldakazien und Blumen-Eschen √ľberstellen den Raum. Rotlaubige Zier√§pfel setzen dezente Farbtupfer. Die Neupflanzungen erfolgen analog der Baumstellung in einer Baumschule im Raster. Die pr√§genden Bestandsb√§ume bleiben erhalten, sie integrieren sich harmonisch in das Konzept. In beide Teilbereiche werden Spielangebote integriert; ein Schwerpunkt wird im Naturw√§ldchen mit einem innovativen Wald-Spielplatz gesetzt.

Zur Ausbildung der Waldinseln wird ein gro√üz√ľgiger Rahmen als Wegefl√§che geschaffen. Dieser Rahmen vernetzt den Park mit den angrenzenden Stadtr√§umen. Entlang des Wittelsbacherringes wird eine stra√üenbegleitende Allee ausgebildet. Im √ľbrigen Stra√üenraum sind Baumreihen projektiert.

Damit ein einladender, offener Stadtraum entsteht, der trotz des alten Baumbestandes stets die n√∂tige Sozialkontrolle erlaubt, werden das Unterholz entfernt und gro√üfl√§chige Rasen- bzw. Wiesenfl√§chen angelegt. Die M√§hh√§ufigkeit und Pflege der Wiesen wird an die Nutzungsintensit√§t angepasst. Ein flexibles Parkbild entsteht. Die bereits vorhandenen Geophyten (gelber Milchstern und Wildtulpe) sollen gef√∂rdert werden. Durch die Erg√§nzungen weiterer Geophyten sollen gro√üfl√§chige Teppiche aus gelb-wei√üen Fr√ľhlingsbl√ľhern entstehen, die im Laufe der Zeit verwildern.

Das Vegetationskonzept soll schrittweise umgesetzt werden. Vitalit√§tseingeschr√§nkte Geh√∂lze werden behutsam entnommen und an geeigneten Stellen Neupflanzungen erg√§nzt, um das gew√ľnschte Endbild zu erzeugen. Die B√§ume werden bei Bedarf aufgeastet. Die Eingriffe in das Naturw√§ldchen sollen sich auf ein Mindestma√ü reduzieren, so dass die Dynamik aus Werden und Vergehen ablesbar wird. Dadurch entsteht ein Stadtwald als modernes, st√§dtebauliches Element, der im Sommer als W√§rmepuffer dient, zur Frischluftproduktion beitr√§gt und damit die Klimaziele der Stadt unterst√ľtzt.

Das Wegesystem wird vereinfacht und die Oberfl√§chen durchgehend als wassergebundene Wegedecke befestigt. Die Hauptwegeverbindung in Ost-West-Richtung verkn√ľpft die beiden Teilbereiche des Baumschulw√§ldchens und zeichnet die wichtige Verbindung zur Innenstadt nach. Die Wegefl√§chen dienen dabei sowohl zum Promenieren und Aufenthalt als auch dem Bewegungsspiel. Im Bereich des G√§rnterh√§uschens weitet sich die wassergebundene Decke zu einer Platzfl√§che auf, die auch Raum f√ľr eine Au√üenbestuhlung mit gastronomischem Angebot bietet. Dieser Platz bildet den Auftakt f√ľr den Park; die Anbindung an den Beethovenplatz gelingt wie selbstverst√§ndlich. Die Trennwirkung der Fahrbahnen soll durch einen Farbwechsel im Asphaltbelag reduziert und die Stra√üenquerung hierdurch nachgezeichnet werden. Der den Park umfassende Schmuckrahmen aus Kleinsteinpflaster bleibt erhalten und nimmt den ruhenden Verkehr auf.

In Anlehnung an die ehemalige Nutzung als Baumschule und zur Schaffung eines besonderen Spielangebotes werden farbige Holzst√§be und naturfarbene H√∂lzer im Zentrum des Naturw√§ldchens zu einer Spielstruktur zusammengesetzt. Diese bezieht auch Bestandsb√§ume mit ein. Durch die Erg√§nzung von Seilen, Netzen, Schaukeln und Rutschelementen entsteht eine au√üergew√∂hnliche Spiellandschaft, die sich die Kinder eigenst√§ndig aneignen. Als Adaption der im Park stark vertretenen Baumart Rosskastanie stellen ‚ÄěWackelkastanien‚Äú ein weiteres kleines Spielangebot dar. Im ‚ÄěBotanischen W√§ldchen‚Äú erm√∂glichen schr√§g aufgestellte Holzst√§be das Aufspannen von Slacklines.

Die Aufenthaltsqualität wird durch das Aufstellen von Bänken an geeigneten Stellen gesteigert. Auch der Beethovenplatz soll neue Bänke erhalten. Ferner ist eine angemessene Zahl an Abfallbehältern vorgesehen. Die Ehrenmale bleiben an ihrem Standort und sind adäquat im Wegesystem platziert. Die Steinsäule wird in östlichem Eingangsbereich verortet.

Das Baumschulw√§ldchen soll zuk√ľnftig auf vielf√§ltige Art und Weise Natur in der Stadt erlebbar machen. Dabei integriert es sich wie selbstverst√§ndlich in das urbane System und wird so zu einem multifunktional nutzbaren, imagepr√§genden gr√ľnen Baustein der Stadtlandschaft.

Beurteilung durch das Preisgericht

Den Verfassern gelingt es durch geschickte Zonierung in die zwei Bereiche ‚ÄěNaturw√§ldchen‚Äú und ‚ÄěBotanisches W√§ldchen‚Äú den Park neu zu interpretieren.

Sie greifen damit aktuelle Themen wie Naturerlebnis, Klimawandel, nutzerorientierte Aneignung auf, stellen aber gleichzeitig den Bezug zu den historischen Schichten der f√ľrstlichen Baumschule und des gr√ľnderzeitlichen Parks her. Es entsteht ein spannungsvoller Ort, der durch ein gelungenes Wegekonzept in den Stadtraum integriert wird.

So rahmt stra√üenbegleitend eine gro√üz√ľgige, einladende Promenade den gesamten Park. Sie lockt in den Park, bietet reizvolle Einblicke, √ľberzeugt aber auch durch hohe Nutzungsqualit√§t. In dieses Passepartout spannen die Verfasser ein neues Wegenetz, das an die Stadtstruktur optimal anbindet. Eine an der Struktur der ehemaligen Baumschule angelehnte Achse f√ľhrt diagonal durch den Park und zielt mit seiner Ausrichtung sowohl auf die Innenstadt als auch auf die Font√§ne des Beethovenplatzes, der damit unpr√§tenti√∂s, aber deutlich angebunden wird.

Aufgef√§delt auf diese Achse gehen die weiteren Wege sehr eindeutig auf wichtige Wegebeziehungen ein. Gleichzeitig gliedern sie den Park in √ľberschaubare, gut nutzbare R√§ume, die Licht und Schatten bieten.

Das ‚ÄěBotanische W√§ldchen‚Äú wird sinnvoll am barocken G√§rtnerh√§uschen verortet und durch im Raster stehende kleinkronige B√§ume mit besonderem Farbspiel in Blatt bzw. Bl√ľte symbolisiert. Diese werten das bauliche Kleinod deutlich auf und schaffen einen atmosph√§rischen Ort von hoher Aufenthaltsqualit√§t an diesem prominenten Parkeingang. Im Kontrast dazu wird das ‚ÄěNaturw√§ldchen‚Äú durch die lockere Baumstellung symbolisiert.

Auch die Spielanl√§sse sind gut positioniert und zwar einmal in der zentralen Lichtung des Naturw√§ldchens, zum anderen als Angebot f√ľr Jugendliche im Bereich des Botanischen W√§ldchens nahe des Platzes am G√§rtnerhaus.

Mit der Betonung auf ‚ÄěW√§ldchen‚Äú wird das Entwicklungsziel der Verfasser f√ľr die Vegetation deutlich, die ein lockeres Baumdach mit kleinen Lichtungen als langfristige Entwicklungsperspektive vorsehen. Auf Str√§ucher und Stauden- bzw. Gr√§serpflanzungen wird bewusst verzichtet, lediglich die Geophytenfl√§chen werden erweitert. So zeichnet sich der Park durch viel Raum, hohe Transparenz und gleichzeitig hohe Nachhaltigkeit aus, da er pflegeextensiv konzipiert ist.

Der Beitrag bietet ein robustes Konzept, das zum einen den Ideen aus dem Masterplan Innenstadt gerecht wird und zum anderen in der langfristigen Entwicklung hervorragend den Bed√ľrfnissen der Nutzer, aber auch den Herausforderungen des Klimawandels in den St√§dten und in Bezug auf √∂kologische Anforderungen angepasst werden kann. Durch die geschickte Gliederung und Erschlie√üung wird in dieser dichten Stadtstruktur deutlich mehr nutzbarer Raum gewonnen.

Der vorgegebene, knappe Kostenrahmen wird voraussichtlich √ľberschritten, dem stehen wegen des nachhaltigen Konzepts geringe Unterhaltungskosten gegen√ľber.
Lageplan, © scape Landschaftsarchitekten

Lageplan, © scape Landschaftsarchitekten

Schnittansicht, © scape Landschaftsarchitekten

Schnittansicht, © scape Landschaftsarchitekten

Räumliche Einbindung, © scape Landschaftsarchitekten

Räumliche Einbindung, © scape Landschaftsarchitekten

Spielkonzept, © scape Landschaftsarchitekten

Spielkonzept, © scape Landschaftsarchitekten

Vegetationskonzept, © scape Landschaftsarchitekten

Vegetationskonzept, © scape Landschaftsarchitekten

Vegetationsentwicklung, © scape Landschaftsarchitekten

Vegetationsentwicklung, © scape Landschaftsarchitekten