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Nichtoffener Wettbewerb | 05/2010

Betreutes Wohnen im Alter - Altstadt Amberg

Rendering Aussenansicht

Rendering Aussenansicht

3. Preis

Preisgeld: 11.000 EUR

Kauffmann Theilig & Partner, Freie Architekten BDA, Partnerschaft GmbB

Architektur

ErlÀuterungstext

StÀdtebau und Architektur

In bewusstem Bezug zur historischen Entwicklung an dieser stĂ€dtebaulichen Schnittstelle und der Wechsel dem Stadtstruktur am Spitalgraben schlagen wir eine eigenstĂ€ndige GebĂ€udeform vor. Im Gegensatz zur sehr verdichteten Altstadtbebauung gab und gibt es in dieser Lage freiere GebĂ€udeformen mit grĂ¶ĂŸeren Innenhöfen bzw. FreiflĂ€chen an denen wir uns orientieren.

Das „Höhendifferenzierung“ der vorhandenen umliegenden GebĂ€ude nehmen wir durch eine zeitgemĂ€ĂŸe Höhenentwicklung des neuen GebĂ€udes auf, in dem zwei punktförmige höhere GebĂ€udeteile entstehen. Die Traufhöhen werden bewusst von der Umgebung abgeleitet und aufgenommen. Sie fĂŒhren aus der FußgĂ€ngerperspektive betrachtet die gewohnte GebĂ€udewahrnehmung fort.

Um eine optimale Belichtung fĂŒr den Neubau selbst, aber auch fĂŒr die direkte Umgebung zu erreichen, haben wir die Baumassen auf das notwendige Maß reduziert. Der Spitalplatz wird wieder deutlich aktiviert als Zugang und erlebbar gestalteter Stadtraum, der die tradierten Wegestrukturen verknĂŒpft und erweitert. Die neuentstehende, großzĂŒgige Fuge zwischen Bestands- und Neubau macht diese Absicht deutlich.


Erschließung

Die Haupterschließung erfolgt extern ĂŒber den Spitalplatz, die Ver- und Entsorgung ĂŒber die Bahnhofsstraße. Die innere Erschließung erfolgt stufenweise vom öffentlichen Bereich (Spitalplatz) zur halböffentlichen Zone (Haupteingang und grĂŒner Hof) zum eher privaten Teil (LaubengĂ€nge mit Erkern) bis hin zum rein Privaten der Wohnungen.

Die ĂŒbersichtliche innere Erschließung mit u-förmig angeordneten LaubengĂ€ngen mit vertikalen Haupterschließungen schafft Orientierbarkeit fĂŒr die Bewohner und Besucher. Am Spitalplatz sowie mit einer Nebenerschließung am Spitalgraben werden die Verbindungen von betreutem Wohnen zur geplanten Tiefgarage vertikal geschaffen. Die StĂŒtzpunkt- und Senioren-Service-Funktionen werden direkt vom Spitalplatz aus erschlossen. Die zwei hierfĂŒr geforderten StellplĂ€tze sind vertrĂ€glich integriert.

Der Bestandsbau mit Studentenwohnungen am Spitalgraben erhĂ€lt eine eigene innere Erschließung vom Spitalplatz her. Durch die Öffnung der vorhandenen Arkaden ergibt sich ein großzĂŒgiger Eintritt vom Spitalgraben her und auch in der Überleitung zur EG-Zone des Neubaus.


Lage der Funktionen

Das Erdgeschoss wird im Wesentlichen von öffentlichen Funktionen belegt. Die Wohnungen befinden sich in den Obergeschossen. Sie sind um den zentralen Innenhof gruppiert und somit optimal nach SW + SO orientiert. Dies fĂŒhrt zusammen mit der Reduzierung der Baumasse auf das notwendige GebĂ€ude-Volumen zu einer optimalen Belichtung.

PflegestĂŒtzpunkt und Seniorenzentrum sind die gemeinsam genutzten Bereiche im EG. So orientiert sich der StĂŒtzpunkt zum zentralen Spitalplatz, die LadenflĂ€chen im EG zum Spitzgraben hin.


Die Wohnungen

Auch die 39 Wohnungen des Betreuten Wohnens folgen dem Prinzip von halböffentlichem Zugang (Laubengang) und privatem Wohnen mit Freisitz (Loggia). Alle Wohnungen sind SW oder SO orientiert und somit ideal tagesbelichtet. Die Studentenwohnungen im BestandsgebÀude sind vertikal innerhalb des GebÀudes erschlossen. Die Bestandsstruktur des Hauses wird im Wesentlichen beibehalten, lediglich neu geordnet.


Konstruktion/Material/Fassaden

Eine einfache GebĂ€udekonstruktion trĂ€gt die Lasten direkt ĂŒber die Wohnungsschotten (7,50 m) und freitragenden Decken ab. Eine Aussteifung erfolgt ĂŒber die WohnungsquerwĂ€nde. Das Konzept ist abgestimmt auf das vorhandene Tiefgaragenkonzept. Es ist somit eine wirtschaftliche und schnelle Herstellung zu erwarten.

Die Fassaden bestehen im EG aus großteils glĂ€sern geöffneten Wandelementen, die dem Charakter von Ladenstraßen und Arkaden entsprechen. Die darĂŒberliegenden Wohnungen sind verputzt. GlĂ€serne, vorspringende Kastenfenster und eingeschnittene Loggien bilden nicht nur die inneren Funktionen nach Außen deutlich ab, sondern gliedern die Fassade rhythmisch. Die GebĂ€udeaußenhĂŒlle nimmt somit das vielfĂ€ltige Gestaltungsspiel der umgebenden Bebauung mit all ihren unterschiedlichen Einschnitten auf. So entsteht ein zeitgemĂ€ĂŸes Haus, das mit modernen Elementen die bauliche Umgebung aufnimmt und interpretiert und sich somit trotz ihrer EigenstĂ€ndigkeit ins Stadtbild integriert.


FreiflÀchen und DachflÀchen

Der Spitalplatz wird mit der neuen Gestaltung und seiner durch die Randbebauung freigestellten Lage zu einem markanten und wertvollen „StĂŒck Stadt“ mit eigener IdentitĂ€t an der Spitalkirche.

Der Innenhofbereich des Neubaus ist als halböffentlicher Begegnungsraum geplant fĂŒr Bewohner und Besucher. Niedere Hecken bilden vor den zu schĂŒtzenden Raumfunktionen im EG den notwendigen Filter. AufenthaltsqualitĂ€ten werden in individuell gestalteten Inseln formuliert. Der Innenhof soll einen großzĂŒgigen, durchwandelbaren Charakter erhalten, der bei aller Individual-nutzung auch eine Aufwertung des Stadtgebietes bewirken kann.

Die DachflĂ€chen bilden eine „5. Fassade“ und sind entsprechend gestaltet, sodass sie fĂŒr Einblicke aus der umgebenden Bebauung attraktiv sind.


Energiekonzept

Die wesentlichen Energieverbrauchsanteile in WohngebÀuden
Heizenergieverbrauch durch Transmission und LĂŒftung, Heizenergieverbrauch durch Warmwasserbereitung, Stromverbrauch durch Beleuchtungsanlagen werden durch folgende Maßnahmen minimiert: hochwertige GebĂ€udehĂŒlle (Optimierung des transluzenten Fassadenanteils, VerglasungsqualitĂ€t), Nutzung regenerative EnergietrĂ€ger, optimierte Tageslichtversorgung.

Der Verglasungsanteil der einzelnen FassadenflĂ€chen wird unter BerĂŒcksichtigung der solaren Gewinne bzw. ErtrĂ€ge optimiert. SĂ€mtliche Verglasungen werden als 3-fach-Verglasungen ausgefĂŒhrt und erhalten weitestgehend außenliegenden Sonnenschutzanlagen zur Einhaltung des sommerlichen WĂ€rmeschutzes. Die notwendige thermische Grundlastversorgung soll ĂŒber den vorhandenen FernwĂ€rmeanschluss erfolgen. Die Grundlast-Raumkonditionierung erfolgt mit NiedertemperaturheizwĂ€rme (Fußbodenheizung). Die Wohnungen werden ĂŒber eine mechanische LĂŒftungsanlage be- und entlĂŒftet. Durch diese GrundlĂŒftung unter Einsatz von hocheffektiven WĂ€rmerĂŒckgewinnungs-systemen wird der LĂŒftungswĂ€rmeanteil stark reduziert und die Betriebskosten gesenkt. Gleichzeitig wird dadurch ein hoher Raumluftkomfort geschaffen.

Eine Vorkonditionierung der Zuluft erfolgt optional ĂŒber einen Erdkanal im Bereich der geplanten Tiefgarage hermische Solaranlagen unterstĂŒtzen eine wirtschaftliche Bereitstellung von Trinkwarmwasser. Die Kollektoren/Absorber werden in den FlachdĂ€chern integriert und versorgen die zentralen Warmwasserbereitungssysteme ĂŒber entsprechend dimensionierte Pufferspeicher.

Beurteilung durch das Preisgericht

Die vorgeschlagene geöffnete Hofform ist eine kraftvolle und prÀgnante Antwort auf die vorhandenen, kompakten Baustrukturen in der unmittelbaren NÀhe. In Korrespondenz mit diesen gibt der Baukörper dem Quartier eine eigene IdentitÀt.

Die Höhenentwicklung und Staffelung des Baukörpers korrespondiert mit der Körnigkeit der Umgebung. Die GebĂ€udeform schafft gut proportionierte und definierte öffentliche und private AußenplĂ€tze und fĂŒhrt zu altstadtgerechten und spannungsreichen DurchgĂ€ngen am Reichertbau sowie am EckertgebĂ€ude. Der fĂŒnfgeschossige „Marker“ ist gegenĂŒber dem Pausenhof der
Wirtschaftsschule richtig gesetzt und sorgt fĂŒr eine interessante Adressbildung.

Die BewĂ€ltigung des Höhensprungs vom Spitalgraben zum Pausenhof der Wirtschaftsschule durch die Absenkung des Höhenniveaus ist zwar gelöst, fĂŒhrt jedoch am Durchgang
ReichertgebĂ€ude zu einer ungĂŒnstigen Höhenentwicklung am zurĂŒckgesetzten Sockelgeschoss.

Die Hauptadresse sitzt an der richtigen Stelle und bildet den Auftakt der konsequenten Binnenerschließung durch LaubengĂ€nge.

Das Raumprogramm ist schlĂŒssig und kompakt in den Grundrissen umgesetzt, Erschließungskerne und Raster sind konsequent bis in die Tiefgarage durchgehalten. Brandschutz, Flucht- und Rettungswege sind erfĂŒllt. Der Entwurf zeichnet sich durch seine Kompaktheit mit den entsprechenden Wirtschaftlichkeitskennzahlen aus. Die GewerbeflĂ€chen im
Erdgeschoss und die Wohnungen sind flexibel entwickelt worden, jedoch fehlen die Nachweise der NebenflÀchen.

FĂŒr das Wohnen werden qualitĂ€tsvolle und gut belichtete Grundrisse mit hoher WohnqualitĂ€t vorgeschlagen. Die gleichförmige Ausbildung der LaubengĂ€nge kann durch die eingestellten Belichtungsdreiecke jedoch keine QualitĂ€ten gewinnen. Das studentische Wohnen ist in den
umgebauten Raumstrukturen gut möglich.

Die QualitĂ€t der Wohngrundrisse korrespondiert mit einer mehrschichtigen Fassadenstruktur, die durch unterschiedliche Öffnungselemente in verschiedener Lage vielfĂ€ltige AußenbezĂŒge gestattet. Der Bezug zu altstadtgerechten Öffnungsformaten und Fassadenelementen ist jedoch nicht hergestellt, das vorgeschlagene „Fassadengewebe“ und die Sockelzone können nicht ĂŒberzeugen.
Lageplan

Lageplan

Grundrisse EG + 1.OG plus Schnitte

Grundrisse EG + 1.OG plus Schnitte

Grunsdrisse 2. + 3. OG plus Schnitte

Grunsdrisse 2. + 3. OG plus Schnitte

Grundriss Wohnung, Fassade und Rendering Innenhof

Grundriss Wohnung, Fassade und Rendering Innenhof

Modellfoto

Modellfoto