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Nichtoffener Wettbewerb | 06/2019

Bibliotheksneubau ULMICUM an der UniversitÀt Rostock

Anerkennung

Peter Zirkel Gesellschaft von Architekten mbH

Architektur

Lemme Locke LĂŒhrs Architektinnen BDA

Architektur

LINDENKREUZ EGGERT | Bildermacherei & Utopografie

Visualisierung

Beurteilung durch das Preisgericht

Überraschend einfach und ĂŒberzeugend gelingt es den Verfassern, einen klaren, rechtwinkligen Bibliotheksbaukörper stadtrĂ€umlich einzugliedern und damit den Duktus der vorhandenen strengen stĂ€dtebaulichen Vorgaben der ehemaligen Kaserne fortzuschreiben. Das BibliotheksgebĂ€ude schiebt sich in den Freiraum an der Arno-Holtz-Straße und begrenzt den Raum dort am richtigen Ort. Mit der unregelmĂ€ĂŸigen Form des Bauwerks, in dem sich das Institut fĂŒr Ur- und FrĂŒhgeschichte, das Institut fĂŒr QualitĂ€tssicherung und das Staatliche Schulamt befinden, welches zwischen Bibliotheksbau und Gleisanlage verortet ist, reagieren die Verfasser auf die stĂ€dtebauliche Platzbildung Am Röper.

Durch die zweigeschossige Aufstockung des Hauses 5 und die Schaffung eines Zugangs vom Campus in die Bibliothek wird die neue Bibliothek sichtbar am Campus verankert. Die Aufstockung des denkmalgeschĂŒtzten Bauwerks wird in der Jury allerdings sehr kontrovers diskutiert und erscheint insbesondere wegen des vollstĂ€ndigen Verlusts der historischen Substanz des Dachtragwerks derzeit nicht genehmigungsfĂ€hig.
In Haus 5 befindet sich der Hauptzugang zur Bibliothek. Ein weiterer, grĂ¶ĂŸer dimensionierter Zugang wird ein Geschoss tiefer von der Arno-Holtz-Straße geschaffen. Die Jury kritisiert hier die Unausgewogenheit beider ZugĂ€nge und hĂ€tte sich im Sinne des gewĂ€hlten Konzeptes eine deutlichere PrĂ€gnanz des Zugangs vom Campus gewĂŒnscht. Zudem ist die ĂŒbergeordnete ZugĂ€nglichkeit auf den Campus von der S-Bahn-Haltestelle verbesserungswĂŒrdig und auch nicht barrierefrei umgesetzt. Die periphere Lage der Stellplatzanlage fĂŒr FahrrĂ€der an der Gleisanlage wird sich im Betrieb nicht bewĂ€hren, da sie zu abgelegen angeordnet ist.

Die Entscheidung, alle Bibliotheksbereiche im Hauptbaukörper unterzubringen, Agorå, Cafeteria im EG von Haus 5 und das Seminarzentrum in den beiden oberen Ebenen im aufgestockten Teil zu situieren, sowie die externen Einrichtungen in einem separaten dritten GebÀude anzuordnen, wird nachvollzogen und entspricht den Bedingungen der Einzelfunktionen unter Darstellung ihrer unterschiedlichen Geschosshöhen, der ZugÀnglichkeit und der Adressbildung.

Die Bibliothek ist funktional gut gegliedert. Der Nachweis ĂŒber die Trennung von ungesichertem und gesichertem Bereich funktioniert und die Haupterschließung ist gut auffindbar und funktional richtig angeordnet. Insgesamt gelingt es, eine robuste, fĂŒr VerĂ€nderungen offene Bibliothek zu organisieren. Der mittig angeordnete, mehrgeschossige Lesesaal der Forschungsbibliothek und die sich zu mehrgeschossigen LuftrĂ€umen öffnenden Lesebereiche der Fachbibliotheken schaffen eine rĂ€umliche Situation, die angenehm im Kontrast zur strengen Gesamtgliederung steht. Die Anordnung der LeseplĂ€tze entlang von Galerien entspricht einer konservativen Auffassung, bei der der Nutzer allerdings akustische Störungen befĂŒrchtet. Die rĂ€umlich-bauliche Trennung von Seminarzentrum und Bibliothek ist vom Nutzer in der vorgeschlagenen Form zudem nicht gewĂŒnscht. Die Einzelraumstrukturen der ausgelagerten Institute und des Schulamts sind nachvollziehbar um einen angemessen dimensionierten Innenhof organisiert.

Die Entscheidung, im Sockelbereich und fĂŒr das separate VerwaltungsgebĂ€ude auf das am Ort benutzte Ziegelmauerwerk zurĂŒckzugreifen, ist naheliegend und nachvollziehbar. Die Verfasser beabsichtigen, durch die Pfosten-Riegel-Fassade mit großen Glasanteilen der Dimension und Strenge des 110 m langen BibliotheksgebĂ€udes entgegenzuwirken. In der Jury wird kontrovers diskutiert, ob durch die Strenge der GebĂ€udeanordnung und die eher traditionelle Architektursprache ein angemessener Ausdruck fĂŒr eine „Bibliothek der Zukunft“ erzeugt werden kann. Insgesamt gelingt es den Verfassern, einen guten Entwurf zu prĂ€sentieren, der allerdings wenig Innovatives zu einer Bibliothek der Zukunft beitrĂ€gt.