Kooperatives Werkstattverfahren als Mehrfachbeauftragung | 07/2025
Bildungscampus Seidensticker in Bielefeld
©DZH, WBP
Axonometrie Seidensticker
Teilnahme
Stadtplanung / Städtebau
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Verfasser:
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Mitarbeitende:
Erläuterungstext
Ein Campus entsteht durch räumliche Kontinuität, durch Austausch und durch Mehrfachnutzung von Flächen und Gebäuden. Alle Baukörper haben eine eigene Adresse sowie eine eigene, erkennbare Identität. Gerade in der rauen Umgebung von Herforder Straße und angrenzenden gewerblichen Flächen kommt dem Freiraum als gemeinsamem Raum eine besondere Bedeutung zu. Der herausfordernde Einschnitt in das Grundstück wird dabei durch eine kräftige Freiraumachse, durch ein besonderes Gebäude und topografische Eingriffe „überspielt“.
Über die Dreifachturnhalle mit Bistro, zusätzlichem Sportangebot auf dem Dach und Mobility Hub verbindet die Achse Feldstraße mit dem Campuspark. Die Tiefe des Gebäudes wird dabei minimiert, um die Breite der Freiraumachse zu maximieren. Die Setzung dieses zentralen Bausteins schafft nicht nur Bewegung, Begegnung und Austausch auf dem Campus. Sie sorgt als Schallabschirmung Richtung Süden dafür, dass das Areal bereits in den frühen Phasen der Entwicklung als guter Lernort in einem rauen Kontext funktionieren kann. Indem an strategisch wichtigen Stellen die Topografie angehoben wird, entstehen Blickbeziehungen über die die privaten Grundstücke hinweg. Der Seidenstickerbau erhält eine neue Eingangssituation und öffnet sich zum Park.
Ebenso wie die Neubauten sind die Freiräume abwechslungsreich und vielfältig gestaltet, vom Schulgarten bis zum naturnahen Park mit Laufstrecke. Die Freiflächen legen sich behutsam um die bestehende Grünstruktur und erhalten so viel Baumbestand wie möglich. Außensportanlagen sind auf bereits versiegelten Flächen und dem Dach der Sporthalle geplant. An der Kreuzung Herforder Straße besetzt die Sporthalle gut sichtbar den Stadtraum. Dort beginnt die autofreie, begrünte, einladende Feldstraße. Sie wird Teil des Campus. Hier kommen Schüler*innen sicher zu Fuß oder mit dem Fahrrad auf dem Campus an.
Beurteilung durch das Preisgericht
Das Team De Zwarte Hond und wbp Landschaftsarchitekten haben ihre Campusidee nach dem Zwischenkolloquium konsequent weiterentwickelt. Die Hinweise sind sinnvoll eingearbeitet worden, der Campuspark insgesamt gestärkt worden. Auch die Sekundarschule mit Turnhalle hat sich deutlich verbessert. Die Integration der beiden Gebäude wird vom Empfehlungsgremium positiv beurteilt. Die Quartiersgarage ist praktikabel organisiert, die einsehbare Sporthalle und die Cafeteria sind positive Alleinstellungsmerkmale der Arbeit.
Auch die Freiraumgestaltung ist konsequent durchgearbeitet worden. Kritisch wird der vergleichsweise hohe Versiegelungsgrad beurteilt. Gerade an der Sekundarschule wären weniger unversiegelte Außenflächen wünschenswert.
Die Lage der Mensa wird wegen der dezentralen Lage durchaus kritisch gesehen. Auch die Verortung des BieBUZ im 1. Obergeschoss entspricht letztlich nicht der gewünschten Integration am Standort, zumal die Fassaden aufwendigen Schallschutz benötigen. Die Nutzungsverteilung hat zur Folge, dass die Erkennbarkeit des Bildungscampus an der Herforder Straße mit der eher niedrigen Turnhallenfassade untergeordnet ist. Auch zur Feldstraße wird der Campus zwar funktional sinnvoll angebunden, bleibt aber wenig adressbildend.
Insgesamt überzeugt die Arbeit mit einem gelungenen Campuskonzept, welches die Nutzungen im Westen vergleichsweise wenig integriert und nach außen eher unauffällig bleibt.
©DZH, WBP
Präsentationsplan 01
©DZH, WBP
Präsentationsplan 02
©DZH, WBP
Präsentationsplan 03
©DZH, WBP
Lageplan Seidensticker
©DZH, WBP
Perspektive: Ergänzung des Bestandsgebäudes