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Nichtoffener Wettbewerb | 07/2013

Bildungslandschaft Altstadt Nord

2. Phase / 2. Rundgang

sehw architektur

Architektur

Henningsen Landschaftsarchitekten PartG mbB

Landschaftsarchitektur

GonzĂĄlez Modellbau

Modellbau

Bank Street College of Education

UniversitÀten / Hochschulen

ErlÀuterungstext

StÀdtebaulich-Architektonisches Konzept:
Die einzelne GebĂ€ude der BAN sind eierlegende WollmilchsĂ€ue: sie sollen offen und einladend sein, miteinander und mit der Nachbarschaft kommunizieren. Gleichzeitig mĂŒssen sie den Nutzern Geborgenheit bieten, Identifizierung und Differenzierung und individuelle Lernprozesse fördern. Mit- und voneinander lernen statt nebeneinander und fĂŒr sich. Und das auf kleinstem Raum. Aber gerade diese Enge macht es möglich: Jedes GebĂ€ude bietet eine eigenstĂ€ndige Adresse, aber gleichzeitig kommunizieren sie in Ihrer Ausformung miteinander als Ensemble. Durch das ZurĂŒckschneiden von GebĂ€udekanten bilden sich geschĂŒtzte Freibereiche und PlĂ€tze, die durch ihre Lage zu den Einrichtungen zu Identifikationspunkten fĂŒr unterschiedliche Altersstufen werden. Kita und Grundschule öffnen sich zu einem ĂŒberschaubaren Vorbereich, dem der Wendehammer des Gereonswalls (elterliches Bringen und Abholen) zugeordnet ist, wĂ€hrend sich ein zweiter grĂ¶ĂŸerer Platzbereich zum Park öffnet. Dieser ist mit dem Studienhaus und der Realschule die lebendige Mitte der Bildungslandschaft. Wege zwischen den GebĂ€uden weiten sich zu Aufenthaltszonen, BlickbezĂŒge zu den Kernpunkten bieten Orientierung und leiten Nutzer, Besucher, Nachbarn in, durch und um das Gebiet.

Umsetzung der PĂ€dagogischen Zielsetzungen:
Genau diese BezĂŒge zueinander bilden die Grundlage zur Umsetzung der pĂ€dagogischen Ideen. In der Kindertageseinrichtung geht es um graduierte ÜbergĂ€nge von innen nach außen; die RĂ€ume haben untereinander gezielte Durchblicke in verschiedene Höhen. Die ersten Schritte nach außen werden begleitet durch die RĂŒckversicherung zum Vertrauten und die unauffĂ€llige Beobachtung durch die Erziehenden. Der gezielte Einsatz von natĂŒrlichem Licht differenziert und unterstĂŒtzt verschiedene Raumstimmungen (Bewegung/Ruhe, extrovertiert/ introvertiert). Die Grundschule greift das Thema Beheimatung der Kinder auf. Jedes Cluster stellt sich in einem eigenen Haus mit einer eigenen FreiflĂ€che dar. Im Inneren sind die Lernorte zum Clusterforum und zu den Ateliers variabel öffenbar, mit den Außenklassen gibt es sogar definierte Lernorte im Freien. Es entstehen verschiedenste Raumstimmungen, die immer wieder aufs Neue durch Lehrer und SchĂŒler selbst geĂ€ndert werden können. Die Kinder identifizieren sich mit ihrem Cluster und eignen ihn sich in ihrem natĂŒrlichen Bewegungsdrang an. Der Unterricht kann variabel gestaltet werden, es gibt ausreichende Orte fĂŒr klassenĂŒbergreifende Gruppenarbeit, die ein differenziertes Lernen oder auch eine konzentrierte Einzelbetreuung ermöglichen. Das Forum mit der angrenzenden Aula und die FreiflĂ€chen binden die einzelnen Cluster zu einer Einheit zusammen. Im Kern des Realschulenkonzeptes steht das vielfĂ€ltige Lernen, welches nach der Erprobungsstufe seinen Ausdruck im Kurssystem findet. Der Klassenraum bleibt Bezugspunkt der Kerngruppe und ist introvertierter Raum fĂŒr konzentriertes Lernen. Innerhalb des Jahrgangsclusters finden sich entsprechend der Neigungen und FĂ€higkeiten neue Lerngruppen, die mit Hilfe der unterschiedlich gestalteten Bereiche ihren persönlichen Lernweg finden können. Der Übertritt vom Platz in die zentrale Eingangshalle und weiter ĂŒber die Cluster in die Unterrichts- und GruppenrĂ€ume differenziert vom Öffentlichen ins Private. Die FachrĂ€ume bilden das RĂŒckgrat der Schule, wĂ€hrend die Cluster ĂŒber die Außenklassen mit dem Park verknĂŒpft sind. Im Clusterforum findet der Austausch innerhalb der ĂŒberschaubaren Gruppe des Clusters statt, GruppenrĂ€ume und AußenklassenrĂ€ume bieten RĂŒckzug und konzentriertes Arbeiten allein oder in Gruppen, variable TrennwĂ€nde ermöglichen offene und geschlossene Konzepte. Die GruppenrĂ€ume sind verbindende Elemente zwischen den Klassen; es findet ein „Durchlernen“ statt, das die SchĂŒler mit dem Außenraum, dem Klingelputzpark, und mit Köln verbindet.

Außerhalb der jeweiligen Schule bilden die zwei VerbundnutzungshĂ€user Magnete, die SchĂŒler und Besucher anziehen. Sowohl das Studienhaus als auch das Mensa- und Werkstatthaus sind fĂŒr einen regen Austausch zwischen den Nutzergruppen offen und einladend gestaltet. Kontakte werden geknĂŒpft und es wird voneinander und miteinander gelernt. In den oberen Geschossen gibt es in beiden HĂ€usern Bereiche fĂŒr Ruhe und Konzentration, die flexibel umgestaltet werden können und fĂŒr neue Konzepte in der Zukunft geeignet bleiben.

Freiraumplanung:
Die BAN befindet sich in direkter Nachbarschaft von KlingelpĂŒtzpark und Hansapark. Die Freianlagen der zukĂŒnftigen Bildungslandschaft erweitern und ergĂ€nzen diese wertvollen, innerstĂ€dtischen GrĂŒnrĂ€ume und ermöglichen so ein „Lernen im GrĂŒnen“ mitten in der Stadt: Die Bildungs-Landschaft. Diese „Parkerweiterung“ bis in die Bildungsstandorte hinein erfolgt im behutsamen Umgang mit dem Bestehenden. Orientiert an den BestandsbĂ€umen sowie den FlĂ€chen und Materialien im Park, entsteht dennoch ein neuer eigenstĂ€ndiger Bereich zugeordnet zu den Bildungseinrichtungen. Ein einheitlicher Wegebelag aus farbigen Betonplatten vereint in den Außenanlagen alle sieben Einrichtungen zu einem gemeinsamen Standort, in dem jede Einrichtung eigenstĂ€ndig und rĂ€umlich abgetrennt bleibt. Unter den BestandsbĂ€umen liegen im zusammenhĂ€ngenden Wegebelag großzĂŒgige GrĂŒnflĂ€chen. Lage und Form orientiert sich am Park und an der neuen Architektur und den Wegebeziehungen. Auf den neu entstandenen PlĂ€tzen rahmen Beton-Sitzmauern diese grĂŒnen Inseln. Locker gepflanzte ParkbĂ€ume, wie Linden, Ahorn und Platanen ergĂ€nzen den vorhandenen Baumbestand und lassen den Park bis in die Außenanlagen der Bildungseinrichtungen wandern. Die einheitlichen BelagsflĂ€chen und die locker gepflanzten ParkbĂ€ume verbinden alle HĂ€user untereinander und mit den angrenzen Parkanlagen. Der Übergang zum Abendgymnasium wird auf der gesamten LĂ€nge durch farbigen Asphalt markiert. Ein mittiger FußgĂ€ngerĂŒberweg erhĂ€lt ebenfalls den einheitlichen Betonplattenbelag. Auch der Übergang zum Hansa-Gymnasium wird auf diese Weise markiert und durch Gehwegvorstreckungen stĂ€rker ausgebaut. Vor dem Mensa- und Werkstatthaus erhĂ€lt der Eingangsbereich ebenfalls den Wegebelag, der sich im Innern fortsetzt. Der Senkgarten wird weitestgehend wie im Bestand erhalten. Die Eingriffe in den gesamten GrĂŒnflĂ€chenbestand und die BaumfĂ€llungen wurden auf das Nötigste beschrĂ€nkt und durch Neupflanzungen zum grĂ¶ĂŸten Teil ausgeglichen. Zudem ist die großflĂ€chige Nutzung der DĂ€cher eine nachhaltige Form der Bebauung, da somit mehr unversiegelte GrundflĂ€chen erhalten bleiben und zum Teil noch neue geschaffen werden. Ganz anders als auf dem klassischen Schulhof entstehen vielfĂ€ltige AußenrĂ€ume, die das Konzept der Zusammengehörigkeit unterstreichen. Fluchtrutschen und –Treppen bei Kita und Grundschule gehen dabei spielerisch mit dem Thema Sicherheit und Vernetzung um.

Mitwirkungskonzept:
Es gibt drei Hauptziele eines partizipativen Prozesses: 1. Das Projekt soll eine breite Akzeptanz unter den Nutzern und den Nachbarn finden; die sich mit den gebauten Ergebnissen identifizieren können. 2. Es entsteht ein qualitativ besseres Endergebnis, das den echten BedĂŒrfnissen der Nutzenden gerecht wird. 3. Die Teilnehmer sollen einen sichtbaren Einfluss auf die gebaute Umgebung ausĂŒben; nicht nur bei der Entstehung, sondern immer und immer wieder. Der Prozess ist Inspiration fĂŒr die Architekten. Auf neue Ideen einzugehen, kann den Entwurfsprozess nur bereichern.

Ein effektiver partizipativer Prozess bringt alle Nutzergruppen zusammen. Im Fall der BAN sind es nicht nur die Kinder, sondern auch ihre Betreuer und PĂ€dagogen, die Lernenden des Abendgymnasiums, aber nicht zuletzt auch die Nachbarschaft, denn wie soll eine offene Bildungslandschaft ohne den Austausch mit dem Ort entstehen? Gerichtete Workshops werden zu verschiedene Themen veranstaltet. Die Workshops sind Events, bei der die Zielgruppen sich kennenlernen und voneinander lernen. Es werden abstrakte Themen wie AtmosphĂ€re und ZusammenhĂ€nge durch AktivitĂ€ten konkret gemacht, denn es werden Objekte, Berichte, Geschichten, Rollenspiele usw. hergestellt. Je junger die Teilnehmer, desto spielerischer die AktivitĂ€ten. Die gemeinsam entwickelten Konzepte dienen den Architekten als Leitfaden fĂŒr die restliche Planungszeit.

Ein Beispiel: Nicht nur fĂŒr die Gestaltung der Mensa und Werkstatthaus Vogteistraße, sondern auch fĂŒr die Gestaltung der Kindergartengruppen und fĂŒr die Clusterforen der Grundschule ist das Thema Essen von großer Relevanz. Essen ist Ausdruck fĂŒr Zusammenkunft, Austausch und VerstĂ€ndnis untereinander und soll damit unbedingt partizipativ geplant werden. Der Workshop zum Thema Essen lĂ€dt SchĂŒler aller Einrichtungen, Lehrer und PĂ€dagogen sowie Bewohner zur Teilnahme ein und teilt sie in Gruppen auf. Jede Gruppe bekommt eine Aufgabe: Die eine Gruppe schreibt eine Geschichte, in der es um die perfekte kommunale Mahlzeit geht, eine andere Gruppe bastelt eine Kollage mit Farben und Texturen zum Thema Essen, und eine weitere Gruppe sammelt mit einer AufnahmegerĂ€t GerĂ€usche, um verschiedene akustische Situationen rund ums Essen aufzuzeichnen. Am Ende des Tages werden die Ergebnisse prĂ€sentiert. Im weiteren Entwurfsprozess wird auf die Themen baulich eingegangen und es findet eine Ausstellung statt, bei der alle Mitglieder der Gruppen wieder zusammenkommen und die Ergebnisse betrachten können.

Es geht nicht darum, ob der Mehrzweckraum direkt am Eingang liegt, oder ob die Realschule einen Skaterpark im Pausenbereich bekommt. Die bauliche Umsetzung des gewonnenen Konzepts obliegt weiterhin den Architekten. Vielmehr geht es darum, dass Nutzer und Nachbarn ihre EindrĂŒcke, GefĂŒhle und Gedanken zur gewĂŒnschten AtmosphĂ€re zu Ausdruck bringen, sich im Ergebnis wiederfinden und sich ein langfristiger und nachhaltiger Bezug zum Bauwerk entwickelt.

Beurteilung durch das Preisgericht

Die Verfasser suchen die deutliche Verbindung der einzelnen Bildungseinrichtungen. Die Platzbildung durch Baukörper ist ablesbar, die PrĂ€gnanz des denkmalgeschĂŒtzten GebĂ€udes bleibt gewahrt. Allerdings widerspricht die Abschottung des GebĂ€udekomplexes zur Kyotostraße und damit auch zum Abendgymnasium der Entwurfsidee der Verfasser, den Park in die Bildungslandschaft zu ziehen. Leider gelingt es nicht, den einzelnen Bildungseinrichtungen durch prĂ€gnante Fassadengestaltung zur gewĂŒnschten Adressbildung beizutragen und den Nutzern AnlĂ€sse zu Identifikation zu bieten. Die Grundrissorganisation der Realschule folgt dem linearen Modell einer Flurschule. Trotz einzelner Aufweitungen ergibt sich keine sinnvolle Clusterbildung. Große Raumtiefen erschweren zudem die natĂŒrliche Belichtung des Innenraums. Die Brandschutzabschnitte sind nicht erkennbar. Die drei AußenflĂ€chen der Kita schaffen einen auskömmlichen Außenraum, der allerdings zugleich mit einem erhöhten Aufsichtsbedarf verbunden ist. Die Clusterbildung der Grundschule ist mit der gewĂ€hlten AnknĂŒpfung an das Baudenkmal gut gelöst, die Cluster ĂŒber zwei Stockwerke zu organisieren, widerspricht jedoch seinem Grundgedanken. Das Lehrerzimmer im Untergeschoss wird kritisch gesehen. Das Mensa- und WerkstattgebĂ€ude fĂŒgt sich sensibel in die Umgebung ein, ist jedoch im Grundriss zu wenig ausformuliert. Die differenziert ausgearbeiteten FreirĂ€ume sind teilweise ĂŒbermöbliert und die ihnen zugeschriebenen Charaktere nicht immer nachvollziehbar. Die DurchlĂ€ssigkeit der Bildungseinrichtungen untereinander und zum Stadtraum ist nur bedingt erfahrbar. Die erforderlichen Erschließungsfunktionen sind erfĂŒllt. Die gebĂŒndelt verorteten ZugĂ€nge im Bereich der „neuen Mitte“ ziehen jedoch lange Erschließungswege in den einzelnen GebĂ€uden nach sich. Die planungs- und bauordnungsrechtlichen Anforderungen sind erfĂŒllt. Der Kostenrahmen sowie die Wirtschaftlichkeit in Unterhalt und Betrieb können eingehalten werden. Die Barrierefreiheit ist uneingeschrĂ€nkt gegeben. Insgesamt legen die Verfasser einen Beitrag vor, der stringent dem stĂ€dtebaulichen Konzept folgt, der sich in seiner rĂ€umlichen Konzeption aber viel zu wenig vom konventionellen Schulbau löst
Grundriss EG

Grundriss EG

Grundriss 1.OG

Grundriss 1.OG

Grundriss 2.OG

Grundriss 2.OG

Grundriss 3.OG

Grundriss 3.OG

Konzeptskizze

Konzeptskizze

Konzeptskizze

Konzeptskizze

Konzeptskizze

Konzeptskizze

Konzeptskizze

Konzeptskizze

Ansicht Kyotostraße

Ansicht Kyotostraße

Ansicht Kita

Ansicht Kita

Ansicht Mensa

Ansicht Mensa

Ansicht Studienhaus

Ansicht Studienhaus

Ansicht Mensa

Ansicht Mensa

Schnitt Grundschule, Kita und Realschule

Schnitt Grundschule, Kita und Realschule

Schnitt Kita und Realschule

Schnitt Kita und Realschule

Schnitt Studienhaus

Schnitt Studienhaus

Schnitt Cafeteria

Schnitt Cafeteria