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Award / Auszeichnung | 07/2023

BIM-Preis Bayern 2023 fĂĽr digitales Planen und Bauen

Elementum, MĂĽnchen-Ludwigsvorstadt

DE-80335 MĂĽnchen, BayerstraĂźe 49, 51 & 53

Gewinner | Bauen im Bestand

Preisgeld: 5.000 EUR

Herzog & de Meuron

Architektur

Vogt Landschaftsarchitekten

Landschaftsarchitektur

Schnetzer Puskas Ingenieure AG

Tragwerksplanung

Zilch + MĂĽller Ingenieure GmbH

Tragwerksplanung

m+e consult gmbh

TGA-Fachplanung

Transsolar Energietechnik GmbH

Energieplanung

hhpberlin - Ingenieure fĂĽr Brandschutz GmbH

Brandschutzplanung

CL MAP GmbH

Nachhaltigkeitskonzeption, Projektsteuerung

Projektdaten

  • Gebäudetyp:

    BĂĽro-, Verwaltungsbauten; GroĂź- und Einzelhandel, Tourismus, Gastronomie

  • Projektgröße:

    84.300m² (geschätzt)

  • Status:

    Im Bau

  • Termine:

    Baubeginn: 05/2020

Projektbeschreibung

A Burgeoning Railroad Neighborhood
The area south of the railroad station in Munich is characterized by the compact perimeter-block construction typical of the mid-19th century: small plots of land, narrow courtyards, and heavily trafficked, generally treeless streets. Featuring a number of hotels and buildings with relatively small office units and studios, the neighborhood is lively and bustling by day thanks to a variety of ground-floor retail stores and commercial uses. When night falls, however, the lack of residents in this neighborhood becomes obvious. The popular nickname “Orientalischer Viktualienmarkt” (Oriental Food Market) implies vibrant diversity but also reveals the dense and stony nature of this district. The large-scale redevelopment and expansion of the main station in Munich will have a dramatic impact on this neighborhood, which is set to become more attractive and livable in the next few years.

Beurteilung durch das Preisgericht

Das Projekt Elementum entsteht auf Grundlage eines 2018 gewonnenen Wettbewerbs unmittelbar südlich des Münchner Hauptbahnhofs. Ausgangspunkt ist das bestehende Verwaltungsgebäude der Postbank aus den frühen 1990er-Jahren. Hierbei handelt es sich um eine sechs- bis siebengeschossige Blockrandbebauung mit einem fast vollständig mit niedrigen Bauteilen bebauten Innenhof. Ziel des Entwurfs von Herzog & de Meuron GmbH ist der gezielte Rückbau, die Reorganisation und die Ergänzung der vorhandenen Bausubstanz – unter der Prämisse, im Sinne der Weiterverwendung vorhandenen Ressourcen möglichst weite Teile des Bestands zu erhalten. Das neue Raumprogramm umfasst insbesondere Büro- und Gewerbeflächen.

„Baue auf und mit dem Gebauten – das ist unsere Maxime.“ Mit diesen Worten erklärt Pierre de Meuron auf der Website des Büros eines der Hauptziele dieses Projekts. Um für die zukünftigen Nutzer des Elementum optimale räumliche Bedingungen zu schaffen, werden sämtliche Innenhofeinbauten und die Obergeschosse bis auf das Niveau über dem 2. Obergeschoss rückgebaut sowie der verwinkelte äußere Blockrand geglättet. Hinzu kommen drei neue Vollgeschosse und zwei zurückversetzte Staffelgeschosse. Auf diese Weise entstehen ein prägnanter achtgeschossiger Baukörper sowie ein vor dem Lärm und der Hektik der Stadt geschützter, öffentlich zugänglicher Innenhof – eine Art Wald, den die Architekten als „grüne Lunge für die Nachbarschaft“ bezeichnen.

Die digitale Grundlage des Projekts besteht aus 2D-Schalplänen, die den Sollzustand zeigen, aus Punktwolken, die den Ist-Zustand erfassen, sowie aus CAD-Plänen eines Vermessungsbüros. Daraus entstand ein Planungsmodell des kompletten Bestandsrohbaus, das auch jene Bereiche enthält, die später rückgebaut werden. Das Modell ermöglichte die Überprüfung und Beurteilung von Abweichungen wichtiger Bauteile vom ursprünglichen Schalungsplan. So konnten die Planer leicht feststellen, ob etwa Bestandsstützen vom Gebäuderaster abweichen. Zudem schafft das Modell die Grundlage für präzise Rot-Gelb-Pläne und Abbruchübersichten.

Die Projektplanung der Architekten erfolgt mit einem 3D-Modell (Revit), das als Basis sowohl für die Ableitung aller wichtigen Planunterlagen als auch für die Erstellung von begleitenden Planunterlagen dient (z. B. Bauteilkatalog, Übersichten oder Flächenermittlungen). Planer anderer Fachbereiche setzten hierauf ihre eigenen 3D-Modelle auf. Eine cloudbasierte Lösung, die ein gemeinsames Arbeiten aller Projektbeteiligten in Echtzeit ermöglichen würde, kam nicht zur Anwendung. Jedoch wurde zur Vereinfachung der Zusammenarbeit innerhalb des zeitweise verteilt arbeitenden Architekten-Projektteams eine Cloud-Plattform verwendet (BIM360).

Den Austausch mit den externen Fachplanern führen die Architekten mithilfe nativer Revit-Dateien und IFC-Schnittstellen durch. Zur Dokumentation kommt das BCF-Format zur Anwendung – in Verbindung mit der Cloud-Lösung BIMCollab. Da es auch bei diesem Projekt leider keinerlei Anforderungen des Bauherrn an eine BIM-Planung gab, existieren auch keine Auftraggeber-Informations-Anforderungen, sodass die Architekten in Bezug auf die Gestaltung der BIM-Prozesse eigenverantwortlich handeln.

Das BIM-Modell dient auch der Erstellung und Überprüfung komplexer Geometrien. Hierfür wird das 3D-Modell in Rhino importiert und für Visualisierungen, zum Teil auch zur Nutzung von 3D-Brillen weiterbearbeitet. Ein Anwendungsgebiet hierfür bieten etwa die zweifach gekrümmten Flächen der Glasbrüstungen im Innenhof, die mithilfe von Grasshopper via Rhino.Inside.Revit direkt in Revit erstellt wurden.

An diesem Projekt wird beispielhaft deutlich, welche Möglichkeiten BIM für Bestandsgebäude bietet, aber auch wie selbstverständlich das Planen mit BIM unter Architekten und Fachplanern inzwischen ist. Es wäre wünschenswert, wenn sich BIM in nicht allzu ferner Zukunft auch bei Bauherren und ausführenden Firmen etablieren würde, um so das Bauen im Bestand zu erleichtern und das gesamte Potenzial dieser Planungsmethode bis hin zum Facility Management ausschöpfen zu können. Erfreulicherweise arbeiten beim Elementum zumindest Fassadenfirmen und Rohbauer heute schon mit dem BIM-Modell der Architekten.