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Nichtoffener Wettbewerb | 09/2011

Campus Goethe-Gymnasium Gera / Rutheneum seit 1608

der Pausenbereich im Neubau

der Pausenbereich im Neubau

Anerkennung

F29 Architekten

Architektur

Dietrich | Untertrifaller Architekten ZT GmbH

Architektur

Rotzler Krebs Partner GmbH

Landschaftsarchitektur

Erl├Ąuterungstext

Campus
Das neue Campusareal wird Teil der Stadt. Zur Reichsstrasse mit dem begleitenden Parkband hin wird der Campus durch die Setzung einer St├╝tzmauer in Anlehnung an die historische Lage der ehemaligen Stadtmauer definiert. Die entstehende Campus-Terrasse ist ├╝ber die gesamte L├Ąnge der Westseite des Areals den Schulbauten vorgelagert.

Durch die Umwidmung der Burgstrasse in eine ÔÇ×Shared-space-ZoneÔÇť erh├Ąlt das Campusareal altstadtseitig eine r├Ąumliche Erweiterung bis an die bestehende Bebauung, so dass die Schul-bauten inmitten des Campus zu liegen kommen, von diesem umflossen werden.
Die Burgstrasse wird so mit der Setzung des neuen Erweiterungsbaus zur Enfilade, an die sich der bestehende Johannisplatz, der neugestaltete Ehrenhof sowie der neu entstehende Florian-Geyer-Platz als Stadtpl├Ątze eigener Pr├Ągung aneinanderreihen.

Die campusspezifische Durchl├Ąssigkeit des neuen Schulhausensembles erm├Âglicht an mehre-ren Stellen den Wechsel zwischen den Stadtpl├Ątzen, der Campus-Terrasse und dem Parkband. Grossz├╝gige Rampen- und Stufenanlagen stellen dabei den ├ťbergang zwischen den Niveaus her, und dienen den Sch├╝lern teilweise auch als trib├╝nenartige Aufenthaltsbereiche.

Im ├ťbergang zu den Bestandsh├Ąusern an der Florian-Geyer-Strasse ├Âffnen sich Stadtplatz und Campus-Terrasse zu einem grossz├╝gigen Stadtraum, der ├╝ber das vorgelagerte Parkband hin-weg den Blick in die Reichsstrasse ÔÇô und viceversa ÔÇô freigibt. Die vielf├Ąltige Nutzungsm├Âglich-keit dieses Bereichs als Spielfeld f├╝r jedermann sollte auch nach einem allf├Ąlligen sp├Ąteren Bau einer Turnhalle an dieser Stelle auf deren Dach erm├Âglicht werden.

Stadtpl├Ątze
Der Johannisplatz bleibt in seiner Gestaltung als baumbestandener, gr├╝ner Platz bestehen und k├Ânnte allenfalls zum Schmuckplatz entwickelt werden. Der Ehrenhof, durch Entfernung einiger bestehender Zaunfelder bis ├╝ber die Burgstrasse erweitert, wird als ansonsten leerer Platz ge-pr├Ągt von einer bestehenden Linde und dem relikthaft erhaltenen Zufahrtstor des ehemaligen Reu├čischen Regierungsgeb├Ąudes. Der Florian-Geyer-Platz als Gelenk zwischen den hier zu-sammen kommenden Typologien ist bestimmt von einem grossen Aufenthaltselement, das explizit der Aneignung durch die Jugendlichen zur Verf├╝gung steht: try-out! Daneben erfolgt ├╝ber diesen Platz die Ver- und Entsorgung des neuen Schulbereichs.
Die Enfilade mit den Stadtpl├Ątzen ist materiell gepr├Ągt vom g├Ąngigen Geraer Altstadtbelag mit seinem Granitgro├čsteinpflaster, welcher vom Johannisplatz kommend auf dem Niveau der Stadtpl├Ątze von Fassade zu Fassade reicht.

Campus-Terrasse
In Anlehnung an den Bereich vor dem Rutheneum mit seinen markanten Bestandsb├Ąumen, ist die Terrasse vor den neuen Schulgeb├Ąuden mit einem zusammenh├Ąngenden Baumdach aus japanischen Zierkirschen bestanden, welches den hier vorgesehenen eingefassten Pausenbe-reich beschattet.
Die ├Âffentliche Querung der Pausenterrasse kann als sekund├Ąre Wegebeziehung mittels trans-parenter Absperrelemente erm├Âglicht werden, die aus den Gel├Ąndern der Terrassenmauer ent-wickelt sind. Sowohl die Terrassenmauer als auch die Stufenanlagen zum Stadtplatzniveau sind aus weich anmutendem Konglomeratbeton erstellt. Der dazwischen aufspannende, robuste Hartbelag wird im Bereich des Baumdaches von einem Feld aus wassergebundener Wegedecke unterbrochen. Aufenthalts- und Spielelemente stehen den Sch├╝lern hier in der Pause zur Verf├╝gung.


Parkband
Entlang der Reichsstra├če wird die bestehende Gr├╝nzone zu einem Parkband entwickelt, das mit seiner ansteigenden freien Rasenfl├Ąche den H├Âhenversatz zur Campus-Terrasse entsch├Ąrft. ├ťber neue Wegef├╝hrungen werden die L├Ąngsbeziehung entlang der bestehenden Alleeb├Ąume sowie die Querbeziehungen zwischen Wohnquartier und Altstadt gew├Ąhrleistet. Die Anlage der ehemaligen Vogelinsel mit ihrem Baumbestand geht im Parkband auf.

ARCHITEKTUR

St├Ądtebau
Als pr├Ązis gesetzter, dritter Baustein komplettiert das neue Schulgeb├Ąude im Sinne des Cam-pusgedanken das Ensemble des Goethe-Gymnasium mit den historischen Schulh├Ąusern Rutheneum und Reu├čisches Regierungsgeb├Ąude. Das neue Schulgeb├Ąude fasst den Ehrenhof in s├╝dliche Richtung und interpretiert dessen historische Grundintention neu. Leicht abgesetzt vom Reu├čisches Regierungsgeb├Ąude folgt der Neubau der linearen Abfolge der bestehenden Schulanlage entlang der freigelegten Stadtmauer und wahrt gleichzeitig die gew├╝nschte Wege-verbindung zwischen Burg- und Reichsstra├če. Zwischen Alt- und Neubau wird somit die ├╝ber-geordnete Wegeverbindung zwischen Altstadt und westlichen Wohnquartier ganz selbstver-st├Ąndlich in den Campus integriert.

In westlicher Richtung, auf der historischen Stadtbegrenzung und mit Blick auf die vorgelagerte Vogelinsel erhalten die Sch├╝ler in Form von Schulterrassen ihre neuen Pausenfl├Ąchen.
In ├Âstlicher Richtung entsteht eine urbane, ├Âffentliche Platzabfolge mit dem Johannisplatz und Ehrenhof, die den neuen Campus mit der nachbarschaftlichen Altstadt r├Ąumlich verbindet.
Zwischen dem neuen Schulhaus und der Bebauung an der Florian-Geyer-Stra├če entsteht der dritte Platz, der sich in s├╝dlicher Richtung ├Âffnet und den Blick zur Altstadt freistellt. Das Be-standsgeb├Ąude an der Florian-Geyer-Stra├če wird Bestandteil des Campus, indem es als s├╝dli-ches Pendant zum neuen Schulhaus die Torsituation zur Altstadt definiert.
Dem Campusgedanken folgend, sind die den drei Schulh├Ąusern vorgelagerten Pl├Ątze miteinan-der verbunden. Die Sch├╝ler k├Ânnen vom Johannisplatz direkt durch die Bibliothek auf den Eh-renhof gelangen und von dort durch den Gemeinschaftsbereich des neuen Schulhauses den neuen Platz an der Florian-Geyer-Stra├če erreichen.

Die 3 unterschiedlichen Schulbauten beinhalten auch unterschiedliche Nutzungen:

Rutheneum (Sekundarstufe II)
Im Rutheneum verbleibt die Sekundarstufe II, lediglich der Schulleitungsbereich wird f├╝r Musik-├╝bungsr├Ąume umgenutzt. Im 1.Obergescho├č wird der Flur erweitert und mit dem reu├čischen Regierungsgeb├Ąude eine Wegeverbindung hergestellt.

Reu├čisches Regierungsgeb├Ąude (Fachklassen, Bibliothek, Lehrk├Ârper)
Der Altbau wird behutsam renoviert und teilweise rekonstruiert. Mit seiner zentralen Lage bein-haltet das Reu├čische Regierungsgeb├Ąude die Bibliothek, die Verwaltung und die gemeinschaft-lichen Fachklassen.
Hauptzugang und Foyer wird das stattliche Vestib├╝l. Vom Foyer gelangt man direkt in die Bibliothek im Nordfl├╝gel. Prunkst├╝ck der Bibliothek ist der Leseraum im ehemaligen Rittersaal. ├ťber die seitlich angeordneten, barocken Treppenl├Ąufe wird aus dem Vestib├╝l das 1. Obergescho├č erreicht. Im Nordfl├╝gel ist der Lehrerbereich zentral zur Schulanlage gelegen und bietet im ├Âstlich abschlie├čenden Kopfbau dem Lehrerzimmer einen besonderen Raum mit umlaufenden Blickbeziehungen. Erschlossen wird der Lehrerbereich sowohl extern ├╝ber den separaten Eingang im Kopfgeb├Ąude, als auch intern ├╝ber den Westfl├╝gel. Im 1. und 2.Obergescho├č werden unter Ber├╝cksichtigung tragender Wandstrukturen die Fachklassen angeordnet. Der Flur mit Blick zum Ehrenhof wird von nichttragenden Einbauten befreit und wird um gro├čz├╝gige Aufenthaltsfl├Ąchen bereichert. Das Dachatelier erh├Ąlt neue Gauben und wird durch r├Ąumliche Erh├Âhung bis zum ehemaligen Spitzboden der besonderen Nutzung als Musikr├Ąume gerecht.

Neubau (Unterrichtsklassen Sekundarstufe I, Ganztagsbereich, Mensa)
Der kompakt organisierte Neubau ist als einfacher, zweih├╝ftiger Schultyp mit innenliegender Kernzone konzipiert. Die Unterrichtsr├Ąume gruppieren sich innerhalb der beiden Obergeschosse um einen zentralgelegenen, zweigeschossigen Luftraum. Innenr├Ąumlich entwickeln sich somit abwechslungsreiche Blickbeziehungen mit nat├╝rlich belichteten und gut ├╝berschaubaren Aufenthaltsbereichen. Gro├čz├╝gig angelegte Vorzonen und attraktive Sitznischen vor den Klas-senzimmern bieten dar├╝berhinaus kommunikationsf├Ârdernde Aufenthaltsqualit├Ąten.
Die beiden Obergeschosse binden niveaugleich an das Reu├čische Regierungsbeg├Ąude an und erschlie├čen so die Fachklassen auf kurzem und direktem Weg. Ein gl├Ąserner ├ťbergang bildet das bauliche Bindeglied zwischen Alt- und Neubau und bietet als frei konzipierte Medieninsel attraktive Ausblicke in die unmittelbare Umgebung. Fassadenseitig vorgelagerte Lamellen sch├╝tzen vor unerw├╝nschtem Blendlicht und sommerlicher ├ťberhitzung.
Erdgeschossig befinden sich die Gemeinschaftsbereiche mit Ganztagsbereich, Mehrzweck- und Speiseraum. Letztere ├Âffnen sich ├╝ber eine gro├čz├╝gig vorgelagerte, gedeckte Campusterrasse in Richtung Westen.

Materialit├Ąt
Der Neubau reiht sich in seiner reduzierten Formensprache respektvoll und angenehm zur├╝ck-haltend in das lebendige Volumenspiel seiner historischen Nachbarn.
Die Schlichtheit und volumetrische Reduktion setzt sich in der Wahl des Fassadenmaterials fort. Unaufdringlich und zweckentsprechend antwortet die Klinkerfassade in zeitgem├Ą├čer Form und nimmt gleicherma├čen Bezug zur klassische Klinkermoderne in Gera, die stellvertretend durch den Freund Otto Dix oder den Geraer Architekten Thilo Schoder im Stadtbild verankert ist (Wohnh├Ąuser, Industriebauten, Begr├╝nder Kunstgewerbeschule in Anlehnung Weimars).
Mit wei├čen Steinen pigmentiert, reagiert die ansonsten in nat├╝rlichem rot gehaltene Klinkerfas-sade dezent auf das farbige Wechselspiel der umgebenden Stein- und Putzfassaden ohne de-ren Pr├Ąsenz dominieren zu wollen.

Beurteilung durch das Preisgericht

Grundidee der Arbeit sind die Arrondierung des Geb├Ąudeensembles mit einem kompakten, freistehenden Neubau sowie die Ausbildung einer alle Einzelbereiche miteinander verbindenden Pausenterrasse zur Reichsstra├če. F├╝r die optional vorzusehende Sporthalle wird ein Baufeld im Bereich Florian-Geyer-Stra├če vorgehalten.
Ausgehend von der Hoffigur des ehemaligen Regierungsgeb├Ąudes gelingt es der Arbeit mit nur einer baulichen Setzung, sowohl die historische Raumfigur des Ehrenhofes neu (und gro├čz├╝giger) abzubilden, als auch den s├╝dlich angrenzenden Stadtraum im Bereich Florian-Geyer-Stra├če klar zu ordnen. Mit der angehobenen, von Nord nach S├╝d konsequent durchbindenden Pausenterrasse auf der Westseite gelingt zudem eine deutliche st├Ądtebauliche Aufwertung der Freifl├Ąchen entlang der Reichsstra├če.
Unter Bezugnahme auf die am Standort vorzufindenden Klinkerfassaden (Rutheneum und Eckgeb├Ąude Florian-Geyer-Stra├če) wird der Neubau als dreigeschossig eindeutig gef├╝gtes und zur├╝ckhaltend gestaltetes Volumen in gleicher Materialit├Ąt vorgeschlagen. Der dreib├╝ndig organisierte Grundriss schafft trotz seiner sehr kompakten Grundfl├Ąche attraktive Erschlie├čungsbereiche und gut zonierte Innenr├Ąume.
Hierzu tr├Ągt insbesondere die gute Tageslichtf├╝hrung bei. Insbesondere die R├╝ckstaffelung des Neubaus gegen├╝ber dem Westfl├╝gel des ehemaligen Regierungsgeb├Ąudes wie auch dessen kompakte, zur├╝ckhaltende Erscheinung lassen das Einzeldenkmal grunds├Ątzlich im rechten Licht erscheinen.
Gest├Ârt wird dies lediglich durch das gew├Ąhlte Fensterformat.
Die wesentliche freir├Ąumliche Qualit├Ąt der Arbeit liegt in der Schaffung dreier miteinander kommunizierender Freir├Ąume unterschiedlichen Charakters (Ehrenhof, ÔÇ×Florian-Geyer-PlatzÔÇť und Pausenterrasse). [...]
Im Neu- wie Altbau entstehen insgesamt gut funktionierende r├Ąumliche Strukturen. [...] Die kompakte Baumasse des Schulgeb├Ąudes l├Ąsst eine wirtschaftliche Realisierung erwarten. Vorabinvestitionen f├╝r den Bau der Sporthalle sind bei der gew├Ąhlten Disposition nicht erforderlich.
Lageplan

Lageplan

Grundriss EG

Grundriss EG

Grundriss 1.&2. OG

Grundriss 1.&2. OG

Schnitt Reu├čisches Regierungsgeb├Ąude & schnitt Neubau

Schnitt Reu├čisches Regierungsgeb├Ąude & schnitt Neubau

Schnitt und Ansicht Neubau

Schnitt und Ansicht Neubau

Schnitt und Ansicht Neubau

Schnitt und Ansicht Neubau

Detailschnitt

Detailschnitt

Detailansicht

Detailansicht

Pausenbereich im Neubau

Pausenbereich im Neubau

In der Burgstra├če

In der Burgstra├če